Grußwort des Ersten Kreisbeigeordneten
Peter Niederstraßer

Anrede

Am vergangenen Donnerstag hat sich zum 68. Mal der Tag gejährt, an dem die Synagogen in Deutschland nahezu vollständig zerstört oder geschändet wurden. Gleichzeitig feierte aber auch ein Verein sein 7-jähriges Bestehen, der die Geschehnisse der Novemberpogrome von 1938 zwar nicht ungeschehen machen kann, aber durch seinen Einsatz für den Erhalt des jüdischen Versammlungsortes in Vöhl erheblich zur Aussöhnung beiträgt.

Pünktlich zu dem kleinen Jubiläum ist die Restaurierung der Außenfassade der Synagoge in Vöhl beendet worden und auch der sanierte Sakralraum kann seiner Bestimmung übergeben werden. Es ist mir eine Ehre und Freude, aus diesem Anlass erneut als Vertreter des Landkreises Waldeck-Frankenberg in der Ederseegemeinde zu Gast zu sein. Gerne überbringe ich Grüße und Glückwünsche von Kreisgremien und Kreisbevölkerung, denen ich meine eigene Gratulation zu den gelungenen Restaurierungsarbeiten anschließe.

Wenn ich soeben das Wort "erneut" gebraucht habe, so bezieht sich dies auf meinen Besuch der Vöhler Synagoge Ende Mai letzten Jahres zur Eröffnung der Sternenhimmel-Ausstellung. Ich konnte mich bereits damals davon überzeugen, dass die Synagoge in Vöhl nicht nur als Ort des Gedenkens von großer Bedeutung ist. Sie ist neben ihrem Symbolcharakter zur Rückschau und Erinnerung auch eine lebendige Stätte der Begegnung geworden, nun mit dem vollständig renovierten Sakralraum mehr denn je. Die Möglichkeiten haben sich optimiert, kulturelle Veranstaltungen durchzuführen in einem der wenigen erhaltenen baulichen Zeitzeugen eines der dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte, das sich niemals wiederholen darf.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, dem Förderkreis "Synagoge in Vöhl e. V." zu danken für seinen unermüdlichen Einsatz zur Aufarbeitung der Geschichte des Zusammenlebens von Juden und Christen in unserer Region. Der Verein hat sich – abgesehen vom konkreten Einsatz für das Bauwerk, das ihm seinen Namen gibt - die Bewahrung jüdischen Kulturerbes und die Aufarbeitung der deutsch-jüdischen Geschichte zum Ziel gesetzt.

Es gibt überall in Nordhessen stumme Zeugnisse jüdischen Lebens, seien es Häuser, Friedhöfe oder eben Synagogen wie diejenige in Vöhl. Wenn sie heute wieder zu uns sprechen, uns etwas zu sagen haben, liegt das zu einem großen Teil mit am Wirken des Förderkreises Synagoge in Vöhl.

Der Verein hat mit seinen Aktivitäten einen wichtigen und einst blühenden Bereich unserer Kulturgeschichte wieder lebendig werden lassen. Er hat ehemaligen jüdischen Mitbürgern die Möglichkeit zur Begegnung mit der alten Heimat und den heute hier lebenden Menschen eröffnet. So konnte sich die Generation, die das Schicksal der Vertreibung erleiden musste, persönlich davon überzeugen, dass nach dem Krieg ein neues, ein anderes Deutschland geschaffen wurde.

Mir bleibt nun noch, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste, der rundum restaurierten Synagoge in Vöhl einen langen, friedlichen Bestand zu wünschen. Möge sie stets eine Stätte des harmonischen Miteinanders von uns Menschen sein und zu einem besseren Verständnis füreinander beitragen. Ich danke für die Aufmerksamkeit.