Gedenkblatt
Baruch Dajan Emet
Richard Moritz Rothschild [1]
nolad 7. Iyyar 5665
met 23. Tevet 5766
geb. 12. Mai 1905
gest. 23. Januar 2006
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Gerda Rothschild
geb. Westfeld
nolad 29. Adar II 5673
met 29. Kislev 5766
geb. 7. April 1913
gest. 30. Dezember 2005 |
Wir trauern um Gerda und Richard Rothschild, die (wie wir leider erst
am 5. März 2006 durch eine E-mail erfahren haben) vor einiger Zeit
im Abstand von nur wenigen Wochen in Azeret bei Rechovot in Israel verstorben
sind. Beide konnten sich nicht mehr von den Folgen von Lungenentzündungen
erholen. Unser aufrichtiges Beileid und tief empfundenes Mitgefühl
gilt allen Angehörigen und Freunden des Ehepaars.
Auf Einladung des Förderkreis "Synagoge in Vöhl"
e.V. besuchten Gerda und Richard Rothschild vom 6. bis 14. September
2000 Vöhl. Daraus entwickelten sich weitere briefliche und telefonische
Kontakte. Zuletzt besuchten Karl-Heinz Stadtler und Kurt-Willi Julius
die beiden anlässlich von Richards 100. Geburtstag am 12. Mai 2005
in Israel.
Wir sind dankbar für die vielen aufschlußreichen Gespräche,
die wir mit ihnen führen durften. Die Erinnerung an die warmherzige
Art,mit denen sie beide uns bei diesen Gesprächen und den gemeinsamen
Unternehmungen in Deutschland und in Israel begegneten, hat sich einen
bleibenden Platz in unseren Herzen gesichert.
Fotos: HIER
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Richard Rothschild, der Maler: HIER
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"Gerda und Richard Rothschild machen Mode":
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Presseartikel:
| 08.09.2000 |
HNA - Waldecker Allgemeine / Frankenberger Allgemeine
EHEMALIGE VÖHLER JUDEN
Wir sind froh, da zu sein" |
| 08.09.2000 |
Waldeckische Landeszeitung / Frankenberger Zeitung
Vöhler Juden besuchen ihre ehemalige Heimat
"Dieser Besuch ist gut fürs Herz" |
| 13.09.2000 |
Waldeckische Landeszeitung / Frankenberger Zeitung
Interview mit jüdischen Gästen über Wege in die Zukunft
"Und der einzige Weg führt über einen Dialog" |
| 15.09.2000 |
Waldeckische Landeszeitung / Frankenberger Zeitung
Richard Rothschild trifft Dr. Hermann Bing:
Überraschendes Wiedersehen in Vöhl nach über 80 Jahren |
| 09.04.2005 |
HNA - Waldecker Allgemeine / Frankenberger Allgemeine
Julius und Stadtler reisen nach Israel
Gebürtiger Vöhler Rothschild wird 100 Jahre alt |
| 12.05.2005 |
HNA - Waldecker Allgemeine / Frankenberger
Allgemeine
Ein Vöhler wird 100
Richard Rothschild verlor seine Eltern in der Nazizeit - Der Jude
erinnert sich |
| 12.05.2005 |
HNA - Waldecker Allgemeine / Frankenberger Allgemeine
Hintergrund
Richard Rothschild |
| 12.05.2005 |
HNA - Waldecker Allgemeine / Frankenberger Allgemeine
Gratulanten reisen aus der Heimat an |
| 12.05.2005 |
Waldeckische Landeszeitung / Frankenberger Zeitung
Heute feiert ein gebürtiger Vöhler seinen einhundertsten
Geburtstag - Emigration vor 70 Jahren
"Schutzhaft" rettete Richard Rothschild das Leben |
| 14.05.2005 |
HNA - Waldecker Allgemeine / Frankenberger Allgemeine
Glückwünsche aus Vöhl
Richard Rothschild: Höhepunkt war der Besuch von Stadtler und
Julius |
| 07.03.2006 |
HNA - Waldecker Allgemeine / Frankenberger Allgemeine
Gerda und Richard Rothschild sind tot
Vöhler Freunde trauern um das beliebte Paar |
| 04.03.2008 |
HNA - Waldecker Allgemeine / Frankenberger Allgemeine
RICHARD ROTHSCHILD
19 Bilder für die Synagoge |
| 08.03.2008 |
Waldeckische Landeszeitung / Frankenberger Zeitung
Der gebürtige Vöhler Richard Rothschild hinterlässt heimatlicher
Synagoge 18 selbst gemalte Kunstwerke:
Zeichen freundschaftlicher Verbundenheit |
Lebensdaten:
| Richard Moritz Rothschild
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Gerda Rothschild
geb. Westfeld
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geb. 12. Mai 1905 in Vöhl,
Vormittags um drei Uhr
gest. 23. Januar 2006 in Israel an Lungenentzündung
Eltern:
Alfred Rothschild (1871- 1939) und
Hermine, geb. Katz (1877- 1942)
Geschwister:
keine
Wohnung:
Haus Nr. 88, Prinz Wilhelm
um 2000: gleichzeitig in Müllheim im Breisgau und in
Israel
Beruf:
Radiotechniker (?) [2] |
geb. 7. April 1913
gest. 30. Dezember 2005 in Israel an Lungenentzündung
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1905
Corbacher Zeitung am 16.5.:
| Statt besonderer Meldung. |
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Die Geburt eines strammen
Jungen
zeigen sehr erfreut an
A. Rothschild und Frau
Hermine, geb. Katz.
Vöhl, den 14. Mai 1905
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vor 1920 und 20er Jahre
Richard Rothschild besucht das Fürstliche
Landesgymnasium in Korbach, wohnt anscheinend während der
Woche auch dort, kommt am Samstag Nachmittag mit dem Zug bis
Itter und läuft dann nach Vöhl. Er bezeichnet sich
als schlechten Schüler.
Er verdient sich durch den Bau von Radioapparaten und Netzanschlussgeräten
etwas Geld.
Richard Rothschild erzählt, für Religion habe er nie
viel übrig gehabt. Seine Familie habe zu den 3-Tages-Juden
gehört, die lediglich an den drei höchsten Feiertagen
(Rosch Haschana, Jom Kippur, Pessach) in die Synagoge ging.
Nach der Schule hat er kurze Zeit in Düsseldorf als Tierverkäufer,
dann in Hamburg in einem Radiogeschäft gearbeitet.
1929-32
Richard Rothschild ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten
eingetragen. Vor 1933 verprügelte er mit einer Luftpumpe
den Sohn des Gerichtsrats oder Amtsrichters (Förster ?),
der schon in SS-Uniform herumlief und - wie Richard Rothschild
erzählte - dumme Bemerkungen über Juden machte.
Anfang der 30er Jahre
Gerda Westfeld arbeitet bei der jüdischen Familie
Kohlhagen in Höringhausen.
1933
Richard Rothschild kommt im Juni für 2 Wochen in
"Schutzhaft" ins Frankenberger Gefängnis und
meint, dass ihm dies die Augen geöffnet und deshalb das
Leben gerettet hat. Inhaftiert wird er - so vermutet er - auf
Initiative jenes SS-Mannes Förster, den er im Vorjahr verprügelt
hat. Er ist mit 5 Leuten (Juden und Sozialdemokraten) in einer
Einzelzelle; u.a. 2 Juden aus Frankenau. Sie müssen das
Gefängnis sauber machen. Sie seien gut verpflegt worden.
Weil der Gefängnisdirektor zu einer Sekte gehört habe,
hätten Juden kein Schweinefleisch essen brauchen. Bei der
Entlassung muss er unterschreiben, den Führer beleidigt
zu haben. In Vöhl habe man gesagt: "Wenn man bei denen
sitzt, ist das eine Ehre."
Der Oberlandjägermeister Frankenberg ordnet an, dass von
Richard Rotschild (!) eine Personalakte anzulegen sei,
weil er für die politische Polizei von Interesse ist.
Richard Rothschild kann sich erinnern, zusammen mit einem
Freund an der Klosterruine Oberwerbe ein Transparent angebracht
zu haben, das gegen den Nationalsozialismus protestierte; erwischt
worden seien sie nicht.
1934
Richard Rothschild bereitet sich durch eine kurze landwirtschaftliche
Ausbildung bei Karl Ebel in Momberg, dann im sogenannten Kibbuz
in Grüsen [3]
auf den Aufenthalt in Israel vor. In Grüsen lernt er die
am 7.4.1913 geborene Gerda Westfeld aus Köln kennen.
Sie heiraten am 1.12. 1934. Die religiöse Trauung erfolgt
durch Lehrer Goldwein aus Korbach im Elternhaus. Goldwein habe
sehr salbungsvoll gesprochen, so dass Gerda lachen musste.
Die Ehe war zunächst als Scheinehe zum Zweck der Einreise
in Israel gedacht.
1935
Richard und Gerda Rothschild emigrieren im Januar 1935
über Triest nach Palästina und wohnen dort in Rehovot.
1937/ 1950
Das 1937 von seinem Vater an zwei Vöhler Landwirte
umgeschriebene Grundstück von 1 ha 50 a wird 1950 auf Richard
Rothschild umgeschrieben.
bis 2000
Nach Richard Rothschilds Eintritt in den Ruhestand
bis zum Jahr 2000 lebte das Ehepaar sowohl in Israel als auch
in Deutschland, in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Wegen
Richards Gesundheitszustand können sie nun größere
Reisen nicht mehr unternehmen und haben deshalb die Wohnung
in Deutschland aufgegeben.
Richard und Gerda Rothschild waren nach dem Krieg mehrmals
in Vöhl, so auch beim Zusammentreffen der ehemaligen Vöhler
Juden im September 2000.
[1] jüd. Name: Mosche
ben Ascher; Wilhelm Schmal nennt ihn "Rothschilds Bim"
[2] Wilhelm Schmal meint,
er habe Radiotechniker gelernt
[3] zum Kibbuz Grüsen
vgl. verschiedene Texte und Bilder unter "Juden
im Landkreis - Grüsen"
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