Zusammenstellung von Monica Kingreen
(zweiseitiges Schreibmaschinen-Manuskript)

Wie sah die Endlösung der Judenfrage in Frankenberg aus?

1. Am 6. Oktober 1939 ist das Gefängnis überfüllt:
Unter diesem Datum schreibt der Gefängnisvorsteher an den Landrat, er möge bei weiteren Einlieferungen von Juden die Vernehmungen beschleunigen und den eventuellen Abtransport in ein Lager baldmöglichst verlangen.

2. Auch Friedhöfe sollen nicht mehr an Juden erinnern:
Um einen jüdischen Friedhof in der Landschaft zu tilgen, bedurfte es einer Anordnung von oben. Sie kam in einer Verfügung des Regierungspräsidenten vom 15. Juni 1940. Darin heißt es: "Die Frage der Behandlung der jüdischen Friedhöfe bedarf einer vorläufig abschließenden Regelung.
Die Totenhöfe haben im Laufe der Jahrhunderte infolge der jüdischen Lehre, die die Wiederbelegung der Grabstätten verbietet, gegenüber deutschen Friedhöfen räumlich eine unverhältnismäßig große Ausdehnung gewonnen. Soweit wie irgend möglich ist dieses Land der deutschen Wirtschaft wiederzuzuführen. Um die Arisierung eines jüdischen Friedhofs vorzubereiten, wird es vielfach nötig sein, ihn förmlich zu schließen."

3. Ein Judentransport nach Theresienstadt (28. August 1942):
Die meisten Bürger jüdischen Glaubens im Altkreis Frankenberg fanden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine Gelegenheit, den Gut und Leben bedrohenden Hitlerstaat zu verlassen. Aber ein Rest konnte und wollte nicht die angestammte Heimat verlassen. Aus jüdischen Menschen dieser Gruppe, mit zu viel Vertrauen oder zu wenig Geld, wegen hohen Alters und mangelnden Verwandten im Ausland oder aus noch anderen Gründen, wurde unter der Tagebuchnummer II B4 - 5400/42 im August 1942 nachfolgende Transportliste zusammengestellt:

Name
Alter
WohnortGeburtsort
Kaiser, Joseph
Kaiser, Maxy
Katzenstein, Jakob
Katzenstein, Rosalie
Plaut, Emil
Plaut, Johanna
Weizenkorn, Hedwig
72
78
77
72
71
66
57
Frankenberg
Frankenberg
Frankenberg
Frankenberg
Frankenberg
Frankenberg
Frankenberg
Hoof
Frankenau
Frankenau
Korbach
Frankenau
Grüsen
Korbach
Joseph, Moritz
Joseph, Dina
72
66
Gemünden
Gemünden
Züschen
Gemünden
Marx, Jettchen
Marx, Herta
Marx, Sabine
Marx, Selma
69
36
71
42
Grüsen
Grüsen
Grüsen
Grüsen
Bürgeln
Grüsen
Watzenborn
Grüsen
Heß, Gustav
Heß, Sara
Heß, Inge
Heß, Werner
Heß, Salomon
Katten, Simon
Katten, Sara
43
46
15
11
81
77
84
Oberrasphe
Oberrasphe
Oberrasphe
Oberrasphe
Oberrasphe
Oberrasphe
Oberrasphe
Oberasphe
Gladenbach
Oberasphe
Oberasphe
Oberasphe
Oberasphe
Halsdorf
Bachenheimer, Selma
Bachenheimer, Anneliese
Bachenheimer, Doris
Bachenheimer, Hilde
45
15
17
5
Röddenau
Röddenau
Röddenau
Röddenau
Schwarzenau
Röddenau
Röddenau
Röddenau
Frankenthal, Johanna
Katzenstein, Rickchen
Rothschild, Selma
73
71
76
Vöhl
Vöhl
Vöhl
Langenschwarz
Sachsenhausen
Vöhl

Nur einem großen Zufall verdanken wir die Namensliste dieser 27 Menschen, die durch das NS-Regime den Tod fanden. Sie entging der Spurentilgung beim Zusammenbruch. Die Liste muß durch weitere Opfer ergänzt werden; aber die Ermittlung der Gesamtzahl bereitet vorerst noch große Schwierigkeiten.