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Verzeichnis der Altenlotheimer Juden
zusammengestellt von Karl-Heinz Stadtler
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Vorbemerkungen
Dieses Verzeichnis Altenlotheimer Juden ist "in Arbeit".
Das heißt vor allem: es ist nicht und nie vollständig.
Bei der Erarbeitung der Lebensläufe Vöhler Juden ist der Verfasser
immer wieder auf Verbindungen zu Altenlotheimer Familien gestoáen. Kein
Wunder: Bis 1866 gehörte Altenlotheim zum Kreis Vöhl und dieser
war Teil des Groáherzogtums Hessen-Darmstadt. Ein Wohnungswechsel von
Altenlotheim nach Vöhl oder umgekehrt war also einfach, weil man
im selben Herrschaftsbereich wohnte; Frankenau war für Altenlotheim
dagegen ebenso Ausland wie Korbach oder Sachsenhausen für Vöhl;
ein solcher Wohnungswechsel war zwar auch möglich, aber doch etwas
umständlicher, weil man entsprechende hoheitliche Zertifikate brauchte.
Fast 200 Personen umfasst dieses Altenlotheimer Verzeichnis zur Zeit.
In Altenlotheim haben viel mehr Juden gelebt, und im Laufe der Zeit wird
auch dieses Verzeichnis umfangreicher werden. Der Verfasser ist für
Ergänzungen, auch für Hinweise auf Fehler sehr dankbar. Senden
Sie dazu bitte eine Email an stadtler@synagoge-voehl.de.
Dieses Verzeichnis ist nicht nur unvollständig, sondern auch fehlerhaft.
Dafür gibt es viele Gründe:
Juden hatten bis in das 20. Jahrhundert hinein nicht nur ihren bürgerlichen,
sondern darüber hinaus einen religiös motivierten Vornamen.
Zwar wurde Letzterer in der Regel öffentlich nicht gebraucht, aber
manchmal eben doch; und deshalb ist es nicht auszuschließen, dass
Personen vorkommen, die mit einer anderen identisch sind. Auch wurden
manchmal Koseformen benutzt oder Namen fast beliebig modifiziert. Außerdem
haben häufig Personen gleichen Vor- und Zunamens zu gleicher Zeit
gelebt. Zum Beispiel wurden in den Familien mit dem Zunamen Frankenthal
innerhalb von nur zwei Jahren drei Jungen geboren, die von den Eltern
Isaak genannt wurden. In einigen Dokumenten wird auch schön mit Nummern
differenziert: Isaak I, Isaak II und Isaak III; aber dann gibt es den
Namen auch schon mal ohne ergänzende Ziffer, und in der Regel ist
mit einem Zeitabstand von 150 Jahren dann nicht mehr festzustellen, für
welchen der drei die Information galt. Auáerdem gab es weitere Isaak Frankenthals,
die mehrere Jahre älter bzw. jünger waren. Da ist es nicht auszuschließen,
dass Informationen der falschen Person zugeordnet wurden.
Auch waren Bedienstete der Gemeinde- oder Kreisbehörden durchaus
nicht immer so gewissenhaft, wie man ihnen das heute nachsagt. So gibt
es für den selben Namen durchaus verschiedene Schreibweisen; für
die selbe Person gibt es einige Male mehrere Geburts- oder Heiratsdaten
in den Akten; Steuerdaten wurden auch schon mal ohne exakte Nachprüfung
auf das nächste Jahr übertragen.
Und dann kann es durchaus auch Fehler geben, die auf einer Nachlässigkeit
oder auf einem Irrtum des Verfassers dieser Zusammenstellung beruhen.
All diese möglichen Fehlerquellen sind Grund dafür, dass dieses
Verzeichnis im einleitenden Satz als "in Arbeit befindlich"
bezeichnet wurde. Auch nach dem "Ins-Netz-Stellen" wird weiter
geforscht, wird geändert und ergänzt.
Warum wird diese Zusammenstellung ins Netz gestellt?
Immer wieder kommen Anfragen, die sich auf Personen und Familien aus der
Region beziehen. Meist erkundigen sich Juden, die von anderen Ländern
aus nach Ahnen und Verwandten suchen. Manchmal sind es auch Personen,
die in ihrer deutschen Heimatgemeinde - ähnlich wie das im Vöhler
Förderkreis Synagoge geschieht - die jüdische oder die gemeinsame
Vergangenheit erarbeiten und sich deshalb auf "Spurensuche"
befinden.
Von Interesse mögen die in diesem Verzeichnis enthaltenen Informationen
aber auch für all die nordhessischen Bürger sein, die wissen
möchten, wie man früher gelebt hat und wie Juden und Christen
neben- und manchmal mehr oder weniger auch miteinander lebten.
Und natürlich erinnert diese Arbeit an Menschen, die Opfer des Holocaust
wurden. Auch in Altenlotheim wurden Juden isoliert und diskriminiert.
Und Täter waren nicht nur anonyme SS-, SA- und Gestapo-Leute, sondern
auch Nachbarn, Vereinskollegen und andere Mitbürger.
In Altenlotheim wie in jedem anderen Ort der Region muss man sich darüber
im Klaren sein, dass ganz normale Männer und Frauen von anderen ebenso
ganz normalen Männern und Frauen beleidigt, beschimpft, geschlagen
und auf andere Weise diskriminiert wurden. Und nur wenn man sich dies
bewusst macht, - wenn man sich also eingesteht, dass man auch selbst in
bestimmten Situationen zum Täter werden kann, - nur dann darf man
hoffen, es tatsächlich nicht zu werden.
Dort, wo es sinnvoll erschien, wurden Stammbäume erarbeitet. Sie
sind interaktiv. Durch Anklicken der einzelnen Namen gelangen Sie auch
vom Stammbaum aus zu weiteren Informationen über die betreffende
Person.
Quellen der Informationen:
- Gemeindearchiv Vöhl: Mehrere Altenlotheimer Juden sind später
nach Vöhl gezogen. Da dem Verfasser dieses Archiv zur Verfügung
stand, ist das Leben dieser Menschen besonders ausführlich dokumentiert.
- Staatsarchiv Marburg: Geburts-, Heirats- und Sterberegister der
Altenlotheimer Juden befinden sich weitgehend im Staatsarchiv Marburg
und wurden ebenfalls herangezogen.
- Carol Baird: Zur Familie Frankenthal hat Carol Baird, eine Nachfahrin
dieser Familie aus Solana Beach im amerikanischen Kalifornien, viele Daten
zusammen getragen und zur Verfügung gestellt.
- Walter Zarges (Schmittlotheim): Er hat zur 750-Jahr-Feier Altenlotheims
im Jahre 2004 einen ausgezeichnet recherchierten Artikel über die
Altenlotheimer Juden für die Ortschronik geschrieben, der als Quelle
genutzt wurde.
- Eduardo Oppenheimer: Als die Arbeit an dieser Zusammenstellung
schon eigentlich -natürlich vorläufig- beendet war, steuerte
Eduardo Oppenheimer aus Israel noch zahlreiche Personen und deren Daten
aus seiner Familie bei.
- Bruno Frankenthal stammt aus Altenlotheim und wohnt in Israel.
Ihm standen keine schriftlichen Unterlagen zur Verfügung, aber mit
seinem guten Gedächtnis konnte er viele familiäre Beziehungen
erläutern.
- Yad Vashem: Unter der Webadresse www.yadvashem.org
hat die bekannte israelische Gedenkstätte die Daten von ca. 3 Millionen
Opfern des Holocause ins Netz gestellt. Dazu gehören auch Menschen,
die in Altenlotheim geboren wurden oder dort zumindest zeitweise wohnten.
Ungewöhnlich anmutende Schreibweisen sind in der Regel Zitate aus
Geburts-, Trauungs- und Sterbeurkunden.
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