HNA
- Frankenberger Allgemeine
Dienstag,
25. August 2009
Wiedersehen besonderer Art
Battenberger bereiten den Besuch von Werner Neuburger im Oktober
vor
VON KARL-HERMANN
VÖLKER
BATTENBERG. Auf ein Wiedersehen ganz besonderer Art bereiten
sich Battenberger Bürger vor: Werner Neuburger, geboren am 7. September
1926 als Sohn des jüdischen Kaufmanns Luis Neubürger in Battenberg,
wird zusammen mit seiner Frau Henny vom 4. bis 9. Oktober nach 38 Jahren
wieder den Ort seiner Kindheit besuchen. Eingeladen haben ihn dazu Geschichtsverein
und Stadt Battenberg zusammen mit mehreren engagierten Bürgern, die
am Mittwoch, 26. August, um 17.30 Uhr im Hotel Rohde gemeinsam das Besuchsprogramm
vorbesprechen wollen.

Erfreut über die Einladung:
Werner und Henny Neuburger
leben in West Nyack (USA).
Buch geschrieben
Werner Neuburger hat seine Erlebnisse in dem 2005 erschienen Buch "Dark
Clouds Don't Stay Forever" ursprünglich für seine mittlerweile acht
Enkel aufgezeichnet. Es wurde daraus aber ein Dokument, das auch allen
anderen Lesern höchst eindrucksvoll und authentisch Neuburgers schlimme
Erlebnisse mit den Nazis, die Verfolgung der angesehenen Kaufmannsfamilie
wegen ihres jüdischen Glaubens, gleichzeitig aber auch die Ereignisse
in der Region vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse im Deutschen
Reich aus der Sicht eines Betroffenen beschreibt.
1938 musste der Zwölfjährige unter heute kaum vorstellbaren Erschwernissen
Deutschland verlassen. Erst im Mai 1940 erreichte er auf verschlungenen
Wegen endlich die USA, wo er eine neue Heimat gefunden hat.
Kontakt riss nie ganz ab
Dennoch riss sein Kontakt zu Battenberg bis heute nie ganz ab - einige
Nachbarn und Freunde hatten der Familie Neuburger die Treue gehalten.
Noch einmal wagte er 1970 eine Rückkehr ins Edertal, um das Grab seines
Vaters zu besuchen.
Viele ältere Battenberger, aber auch eine neue Generation beschäftigte
sich in jüngster Zeit durch die Buchlektüre mit dem Schicksal der jüdischen
Familie. Der Battenberger Geschichtsverein unter Federführung von Jürgen
Hübner lud zu Veranstaltungen ein und gab, unterstützt von dem Frankenberger
Buchhändler Rüdiger Richter, eine deutsche Übersetzung ("Auch dunkle
Wolken ziehen vorüber") heraus.
Sie ist mittlerweile in einer zweiten Auflage erschienen und wird auch
als Unterrichtsmaterial den Schulen des Frankenberger Landes angeboten.
In der Gesamtschule Battenberg arbeitete Thomas Krane mit Schülern der
Klasse 10a die Thematik auf.
Wegen einer Erkrankung mit notwendiger Operation musste der 82-jährige
Werner Neuburger seine Reise nach Deutschland zunächst verschieben.
"Vielen Dank für Ihr freundliches Gedenken und die herzliche Einladung,
Battenberg noch einmal zu besuchen", schrieb er nun vor einigen
Wochen. Gemeinsam mit seiner Frau wolle er diesen Besuch mit einem kurzen
Aufenthalt in Berlin verbinden. Am Sonntag, 4. Oktober, wird das Paar
in Kassel eintreffen.
Zur Vorbereitung des Besuchsprogramms am Mittwoch sind neben den Initiatoren,
auch alle Interessierte eingeladen.

Kindheit in Battenberg: Mit seiner Schwester
Inge spielte Werner Neubürger gern an der
Stadtmauer. Unter der NS-Herrschaft musste
er als Zwölfjähriger seine Heimat verlassen.
Fotos: zve