Eine jüdische Gemeinde im Kirchspiel Battenfeld
(Auszug aus dem Buch "1200 Jahre Battenfeld")

Viele Menschen aus unseren Dörfern - vor allem die jüngeren -, wissen nicht mehr, daß einmal jüdische Familien in den Orten des Oberen Edertals in Allendorf, Battenfeld, Berghofen und Rennertehausen, sowie in Battenberg, Laisa, Frohnhausen, Oberasphe und Bromskirchen gewohnt haben.

Einiges erinnert heute noch sehr deutlich an einstige israelitische Mitbürger und jüdische Traditionen: der Judenfriedhof »Auf der Struth« bei Battenfeld; das »Judenhaus« in Battenfeld, Edertalstraße 44; die mundartliche Flurbezeichnung »Jirregemaeh«, ein Flurstuck zwischen Eder und Steede in der Gemarkung Battenfeld; das »Jirrebömche«, unterhalb des Judenfriedhofs gelegen; der Hausname »Jirremoses« in Rennertehausen u.a.. Fragt man die Angehörigen der mittleren oder gar der älteren Generation nach jüdischen Familien, dann wird vieles in der Erinnerung lebendig — Gutes und Böses.


Das Judenhaus

40 Jahre sind vergangen, seit der Anfang vom Ende über die Juden in Deutschland (und wenig später über die Juden fast ganz Europas) hereinbrach: die Kristallnacht im November 1938. Die Synagoge in Battenfeld wurde zerstört. Einige Zeit später schändete man den jüdischen Friedhof. Jüdische Bürger mußten wieder - wie in Zeiten des Mittelalters - vogelfrei, entrechtet, entehrt, verfolgt und verfemt in Angst leben. Viele von ihnen konnten es nicht fassen; denn für sie waren Battenfeld oder Rennertehausen, Battenberg oder Frankenberg Heimatorte, in denen ihre Vorfahren seit mehr als 300 Jahren lebten und, trotz vieler Einschränkungen und Anfeindungen, wohnen und arbeiten konnten. Mit dem Jahr 1933 war die Pest des Antisemitismus wieder einmal, jetzt gründlich-bürokratischer und heimtückischer als je zuvor, über sie hereingebrochen.

Vielleicht werden manche fragen: wie sind die Juden nach Deutschland und in unser Amt Battenberg gekommen, und warum lebten sie hier und nicht in ihrem Heimatland Israel? Zur Beantwortung dieser Frage können die geschichtlichen Gründe nur äußerst verkürzt dargestellt werden.

Nach 3 vergeblichen Aufständen gegen die Römer (67-73, 115-117, 135-138 n.C.) war die Bevölkerung Palästinas sehr dezimiert worden. Kaiser Hadrian verbot den Juden, sich in Jerusalem niederzulassen! Er untersagte Beschneidung und Thoraunterricht. Syrer und Araber wurden von ihm in Judäa angesiedelt, so daß die nichtjüdische Bevölkerung bald zahlreicher war als die einheimische. Das Judentum in Palästina war in seiner Wurzel getroffen. Die Wirtschaftskrise des römischen Reiches (ca. 190-290) traf die Juden durch enorme Steuerlasten besonders hart; Juden durften keine römischen Soldaten sein, mußten aber dafür hohe Abgaben leisten. Darunter hatten vor allem die Bauern in Palästina zu leiden. Immer mehr von ihnen zogen in die Städte; viele wanderten nach Babylon und in das Mittelmeergebiet aus. Das riesige römische Reich erleichterte ihnen eine verhältnismäßig schnelle Ausbreitung in alle Länder, die damals zu diesem Vielvölkerstaat gehörten. Bereits im Jahre 321 sind Juden in Köln urkundlich nachweisbar. Sie waren über Italien und Südfrankreich als Sklaven, aber auch als Kaufleute und Ärzte in das Rheingebiet gekommen.

Nach der Völkerwanderung und dem Verfall des römischen Imperiums leben Juden - der Kirche ein Dorn im Auge - gemeinsam mit den Christen im Frankenreich als grundbesitzende Ackerbauern und Winzer, als Kaufleute, Richter, Zöllner, Arzte und Münzmeister. Kirchliche Bestimmungen versuchten das Zusammenleben einzuschränken; aber königliche Sonderrechte sichern das jüdische Leben, z.B. in den Königspfalzen Aachen, Frankfurt und Eschwege.

Als später die kaiserliche Rechtsgewalt über die Juden auf die Bischöfe überging, entwickelten sich die Bischofsstädte Köln, Mainz, Worms, Speyer, Trier u.a. zu Kerngebieten des deutschen Judentums im 10. und 11. Jhdt. Aus den rheinischen Gebieten kamen jüdische Familien in die Wetterau (eine Landschaft, der die Staufer wegen ihrer geographischen Lage, politisch wie wirtschaftlich, große Bedeutung beimaßen). Hier siedelten im Schutz der Burgen Juden in Münzenberg, Friedberg, Wetzlar, Assenheim, die sich weiter ausbreiteten. Nördlich und östlich unseres Heimatgebietes gab es ebenfalls uralte jüdische Gemeinden in Fulda, Wolfhagen, Fritzlar, Borken, Amöneburg. In Marburg leben Juden, die 1317 erstmals urkundlich erwähnt werden (1333 gab es dort bereits eine jüdische Schule). In Frankenberg wohnten ebenfalls seit dem 13. Jahr- hundert Juden.

Jüdische Familien konnten sich nur dort niederlassen, wo der Kaiser oder ein von ihm mit dem Judenregal belehnter Bischof oder weltlicher Herrscher oder eine Stadt es ihnen gegen Zahlung hoher Schutzgelder erlaubten. Als kaiserliche Kammerknechte gehörten die Juden seit 1236 zu einer Sonderklasse: »Die Juden gehören dem Kaiser und jedem, dem er sie überweist, mit Leib und Leben.« Und die Kaiser »überwiesen« oft! So mußten die Juden dreifach Steuern bezahlen: dem Kaiser, dem Landesherm und den Städten.

Weltlichen und kirchlichen Gesetzen war es gelungen, die Juden aus fast allen Wirtschaftszweigen zu verdrängen: Landwirtschaft konnten sie im mittelalterlichen Feudalsystem nicht betreiben, da sie keine Arbeitskräfte (als Leibeigene, denn andere gab es nicht) anwerben durften; die Zünfte nahmen keine Juden auf, so daß sie im Handwerk nicht Fuß fassen konnten; die Kaufmannsgilden wollten erst recht nichts von ihnen wissen, denn hier fürchtete man die Konkurrenz.

Was ihnen blieb, um nicht unterzugehen, war der Fernhandel und die Geldleihe. Die Versorgung der Herrenhöfe mit Luxusgütem aus dem Orient und aus Rußland, der Aufbau der großen Messen in Köln, Mainz und Frankfurt (und sicherlich auch vieler anderer Märkte im Lande) - all das nutzten sie zu ihrer Entfaltung, weil ihnen gar nichts anderes übrigblieb. Im Jahr 1215 erließ Papst Innozenz in. das Zinsverbot für Christen (bis ins 13. Jhd. betrieben vor allem die Klöster die Geldleihe). Da die Juden im Handel durch das aufstrebende Bürgertum in den Städten mehr und mehr verdrängt wurden, war es zunehmend die Geldleihe, mit der sie sich wirtschaftlich über Wasser zu halten versuchten. Außerdem war ihnen noch der Handel mit Alt- und Trödelwaren erlaubt.

Reichsbürger konnten die Juden nicht werden, weil sie die »Reichsreligion« nicht übernehmen, sondern ihrem Glauben die Treue halten wollten. So wurden die Juden politisch, wirtschaftlich und religiös die Sündenböcke des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Schwere Verfolgungen während der 200-jährigen Zeit der Kreuzzüge vernichteten fast die jüdischen Gemeinden am Rhein. In Wolfhagen fiel die ganze Gemeinde einem Blutbad marodierender »Kreuzfahrer« zum Opfer. In den Pestjahren 1348/49 wurden die meisten jüdischen Gemeinden in Deutschland ausgerottet. In panischer Angst vor der Pest und aus wahnsinnigem Aberglauben machte man die Juden für die Entstehung der Seuche verantwortlich (Vorwurf der Brunnenvergiftung). Die wenigen Überlebenden flohen in abgelegene kleinere Herrschaftsgebiete, auch in die verschiedensten hessischen Graftschaften, wo sie gegen hohe Bezahlung Aufnahme fanden. Nach einigen Jahren siedelten sie sich, so z.B. in Marburg und Frankenberg, wieder an. Doch im 15. Jahrhundert werden sie erneut als Ungläubige und lästige Konkurrenz aus den meisten Städten für längere Zeit vertrieben.

Durch die Reformation erhofften sich die Juden eine Verbesserung ihrer hoffnungslosen Lage. Martin Luther zeigte in seiner Schrift »Daß Jesus Christus ein geborener Jude sei« (1523, 9 Auflagen in einem Jahr!) Verständnis für ihre Situation und stellte sich gesprächsbereit an ihre Seite. Schon 20 Jahre später sprach sich Luther in seiner verhängnisvollen Schrift »Von den Juden und ihren Lügen« (1543) gegen die Glaubensbrüder Jesu aus und rief aus sicherer Position eigener Heilsgewißheit heraus in bitterbösen Formulierungen mittelalterlichen Judenhasses den Zorn Gottes auf sie herab.

Martin Butzer, der Reformator Hessens, kann sich in seiner Vorarbeit zur Hessischen Judenordnung von 1539 ebenfalls nicht von mittelalterlichen Vorurteilen trennen. Nach seinen Vorstellungen sollten die Juden ausschließlich zu den niedrigsten Diensten herangezogen werden: »...der bergknappen arbeit, sonst graben und wallemachen, stein und holtzhawen, Kalckbrennen, Schornstein und Cloakfegen, wasenmeister oder schinder sein und dergleichen.«

Philipp der Großmütige wehrte dem frommen Fanatismus Butzers und der Marburger Theologieprofessoren. Nach 6-jähriger Probezeit nahm er 1538 wieder Juden in Hessen auf (nachdem sie 1524 des Landes verwiesen worden waren).

Im 17. Jahrhundert verstärkte sich der Druck auf die Juden in Hessen besonders durch zwangsweise Bekehrungen. Im 18. Jahrhundert gab es zahlreiche Beschränkungen und für viele Juden immer noch keine wirklichen Rechte, die ihnen erst unter Napoleon gegeben, dann wieder genommen wurden, und erst 1869/1871 galten die »Grundrechte des deutschen Volkes« (staatsbürgerliche Gleichstellung) auch ihnen. Was dann wieder 60 Jahre später geschah, wissen wir: es führte zum Untergang auch der Juden im Kirchspiel Battenfeld.

In Battenfeld bestand bis 1939 (?) eine Israelitische Gemeinde. Zu dieser Gemeinde gehörten die Familien aus Allendorf (Eder), Battenberg, Battenfeld, Berghofen, Bromskirchen, Laisa und Rennertehausen.

Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts sollen Juden in Battenfeld und Battenberg gewohnt haben. In einer Battenfelder Einwohnerliste aus dem Jahr 1668 werden zwar keine jüdische Namen aufgeführt. Das bedeutet jedoch nicht, daß hier nicht jüdische Familien zeitweilig gewohnt haben.

Wenn nicht von einer Beschwerde, so doch von einer Befürchtung der kirchlichen Behörde lesen wir in der Battenfelder Pfarrchronik zum Jahr 1680. Der Superintendent in Gießen wandte sich dagegen, daß ein Jude in der Nähe der Battenfelder Kirche und des Pfarrhauses ein Haus gekauft habe und schrieb als Begründung an die landgräfliche Regierung in Darmstadt: »Vielleicht wird der Jude Brandewein oder Tabak verkaufen, so werden sich die Kirchgänger damit segnen und hernacher zum Gottesdienst gehen.« Wie die Regierung entschied, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich bekam der Jude seine Bewilligung und der Landgraf seine Steuern.

Genauere Zahlenangaben über jüdische Familien liegen aus dem 18. Jahrhundert vor. Die Liste der »Unterthanen« (gemeint sind wohl die Steuerzahler) in den Jahren 1711/1712 aus dem »Ambtssalbuch von Battenberg« nennt für Battenfeld bereits 4 Familien: »Jud Baruch, Koppel Juden Wittibe, Jecuff - Jud und Salm - Jud.«. In der Allendorfer Liste wird eine jüdische Familie genannt: »Hirtz Benedick, Jud allhier«. In Berghofen und Rennertehausen haben 1711/12 zumindest keine Schutzjuden gewohnt. Es heißt im Rennertehäuser Verzeichnis des Battenberger Amtssalbuches (S. 419): »Juden sind dermahlen nicht allhier...«.

Die in den Battenfelder und Allendorfer Listen genannten Juden galten als Schutzjuden, die in der Lage waren, ihren Schutzbrief zu bezahlen. Es hielten sich in den Orten aber auch andere jüdische Familien auf, die über Nacht von der Behörde oder einem Bürgermeister ausgewiesen werden durften, weil sie keinen Schutzbrief besaßen. Diese Gruppe war besonders arm und daher besonders gefährdet.

Für die Battenfelder Juden galt im 18. Jhd. folgende Bestimmung: »Die Juden recipiert (d. h. nimmt auf) dieses Orts hochfürstl. gnädigste Herrschaft, jedoch werden die Untertanen dabei gehört, ob sie redliche Ursache sich zu beschweren haben.« (Amtssalbuch Battenberg S. 243). Für alle Juden im Amt Battenberg, die ein halbwegs gesichertes Leben führen wollten und dazu einen Schutzbrief benötigten, galt: »Die Juden müssen, wenn sie im Ambt und darzugehörigen Städte wohnen wollen, Hochfürstlichen Schutz erlangen: und gibt vorerst ein Baar (?) Ausländische Zehen Gold Gülden, ein Baar Einländische 5 Gold Gülden und eine Ausländische und Inländische Person, die sich zusammen verheiratet, sieben und einen halben Gold Gülden. Sodann indes 21 Gulden 20 Albus an Zehen Gold Gülden Schutz-Geld und 2 Gulden 5 Albus an einen Gold Gülden Neu Jahr-Geld.« (Amtssalbuch Battenberg, 1711/12, Seite 94).

Die Battenfelder Kirchenbücher enthalten fast keine Angaben über jüdische Familien in unseren Kirchspielsorten. Lediglich in dem Verzeichnis der »Censura Ecclesiastica« werden einige jüdische Namen genannt. Der Landesherr, der nach damaligem Recht die Einhaltung der (staatlichen!) Kirchenordnung durch die ihm untergebenen Pfarrer überwachen ließ, hatte strenge Verordnungen zum Schutz der Sonn- und Feiertage herausgegeben. Er unterstellte diesem Gesetz auch seine jüdischen Untertanen. Im Battenfelder Kirchenbuch von 1652 sind Aufzeichnungen zu finden, aus denen hervorgeht, daß Juden wie Christen durch den Battenfelder Pfarrer für ihre »Vergehen« mit Geldstrafen belegt wurden (vgl. den Abschnitt »Kirchenbußen« auf Seite 57/58). So heißt es wörtlich in den »Censura Ecciesiastica«:

1718 Der Jud Jekoff Fest paschal 2 an den Allend. Kirchhof, da eine Leiche, hergeritten
7 albs. 4
1721 Der Jud Amschel zu Battenfeld weil er Sonntags ein Kessel über Feuer gehabt zu
10 albs.
1722 Der Jud Salm zu Gladenbach, Dom. 20p. Trin. mit Winterberg wegen Pferd zu Allendorff gehandelt - daf.
Jud Hirts (Herz) Dom. Remin. wegen reiten nach Bromskirchen
12 albs.

6 albs.
1726 Jud Ariel zu Battenfeld Dom. 5 post Trin. hör. 6 vespt. gegraset
4 albs.
1727 Der Jud David von Allendorff wegen Kesseltragen Dom 5 p. Tr. hora 8 vesptina
Die Judin Bilha zu Battenfeld wegen buttern Festo visit. h. mat. 6
5 albs.
4 albs.
1729 Joh. Heinr.... u. Jud Amschell zu Battenfeld wegen Pferdetauschen Dom. V. p. Tr.
6 albs.
1730 Jud Salomons Frau wegen Last Birn tragen von Laisa Dom. 17. p. Tr.
3 albs.
1732 Joh. Adam...Dom. 3p. Tr. von Allendorff mit einem Jud auf Hallenberg gegangen
4 albs.
1733 Michel Jud zu Battenberg wegen Weitzen tragen durch Battenfeld Sonntags nachmittag
4 albs.
1735 Jud David zu Allendorff wegen Pferdbereiten Sonntags
Jud Davids Frau zu Allendorff, weil Seniori, der ihren Mann angezeigt, geflucht
5 albs.
5 albs.
1736 David Jud zu Allendorff, so Bettag morgen Potasche von Holtzhaußen geführt bekommen
4 albs.
1737 Jud Salm zu Battenfeld, so Bettag morgens auf Berghofen gegangen
4 albs.
1739 Conr... von Allendorff komt Sontags mit Schneider Zeug auß Jud Anschels Hauß
4 albs.
1740 Jud David zu Allendorff wegen Marckt gehen Sontags nachmittag
8 albs.
1740 Deßen Rabbi zu Allendorff wegen Keßeltragen Sontags, da er mit David gegangen
5 albs.

Aus der Zeit vorher und nachher ist nichts mehr in den Kirchenbüchern zu finden.

Die Judenpolitik der Landgrafen war - wie überall - ein Teil der Wirtschaftspolitik. Die Märkte in Battenfeld (und auch in Battenberg) dienten sicherlich dazu, die Wirtschaft dieses Raumes anzukurbeln. Es ist nicht verwunderlich, daß sich besonders in Battenfeld und Battenberg mehrere jüdische Familien nach Erhalt eines landgräflichen Schutzbriefes niederlassen durften. Fast 300 Jahre lang blieben sie hier bodenständig. Daß Battenfeld dabei eine besondere Rolle spielte, lag vielleicht in dem großen »Pferde-, Vieh- und Krammarkt« begründet, der seit 1730 bessere Verdienstmöglichkeiten bot. Die Juden waren dazu verurteilt, vom Warenhandel, Viehhandel und der Geldleihe zu leben. Erst in der 2. Hälfte der 19. Jahrhunderts wurden ihnen andere Berufszweige eröffnet.

Aus dem 18. Jahrhundert ist eine Schuldurkunde erhalten geblieben, die zeigt, daß hier durchaus reell gewirtschaftet werden konnte und schriftliche Abmachungen getroffen wurden:
»Vierzig Gulden, ich sage 40 fl. Frankforder werung ist mirr Christian muot schuldig, vor solches oben bemeld gelt had Er mirr das Krautland auf der Krumenau, welches ich im Gebrauch habe, zum underpfand geben solches vor die zinse im nutzen zu bezahlden auf zehn jahren, wan ich aber mein geld in zeit Ein Jahr oder wann ich will witter haben so vorsprecht er mirr das oben bemelde gelt wider zu bezahlen gegen das oben bemelde Krautland wietter zurückzugeben. Battenfeld den 29ten Januar 1783, gez. Christian Muth.
Den 10ten mertz 1786 zu Dank bezahlt gez. Isaac Salomon.«

Juden und Christen lebten im Kirchspiel friedlich zusammen. Sicherlich gab es hin und wieder einmal Spannungen; doch im 18. und 19. Jhd. war das Verhältnis zwischen beiden Bevölkerungsgruppen (sieht man einmal von dem Vorfall mit Berle Reis zu Anfang des 19. Jhd. ab) nicht schlecht. Von Missionierungsversuchen ist nichts bekannt. Von einer »Judentaufe« (wie 1735 in Gemünden und Rosenthal) ist in den Taufregistem der Kirchengemeinde Battenfeld nichts vermerkt. Im Gegenteil! In einer Stiftungsurkunde der vermögenden Vorfahren der Familie Blumenthal in Battenfeld wird nicht nur für jüdische sondern sogar für christliche Waisenkinder aus Battenfeld Kapital zur Verfügung gestellt. (Ausführlich wird darüber in dem Buch von Heinz Brandt über die Juden im Kreis Frankenberg berichtet werden.) In einer Spendenliste für eine neue Orgel in der Battenfelder Kirche (aus dem Jahr 1814) finden sich auch einige jüdische Namen. Der Vorsänger (Kantor der Israel. Gemeinde Battenfeld) Lilla zu Battenfeld spendet 1 Gulden und 30 Kreuzer, Israell Rapps, Wittibe, 30 Kreuzer, Löb Oppenheimer aus Berghofen spendet 40 1/2 Kreuzer, Jacob Goldenberg aus Allendorf 24 Kreuzer, Lehrberger aus Allendorf 30 Kreuzer. Auch das ist ein Zeichen dafür, daß man miteinander auskam.

Über die Entwicklung der jüdischen Einwohnerzahlen ist einiges bekannt:

Battenberg 1742
1770
1830
1845
1862
1895
1933
8 Beisassen und Juden
nur 4 Witwen
64 Juden
64 Juden
78 Juden
45 Juden
33 Juden
Battenfeld 1830
1859
1905
1933
60 Juden
50 Juden
29 Juden
22 Juden
Allendorf 1830
1933
23 Juden
3 Juden
Bromskirchen 1830 25 Juden
Berghofen 1830
1905
1933
21 Juden
10 Juden
4 Juden
Laisa 1932 5 Juden
Rennertehausen 1932 9 Juden

Im Verlauf von 200 Jahren war in einigen Orten des Oberen Edertales eine jüdische Gemeinde herangewachsen, die um 1830 mehr als 170 Gemeindeglieder zählte.

Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens ist die Synagoge. Die Wahl, eines Grundstückes für den Bau einer Synagoge war vermutlich deshalb auf Battenfeld gefallen, weil hier die wohlhabenderen und deshalb einflußreicheren jüdischen Familien lebten. So wurde Battenfeld zu einem kleinen Zentrum der Judengemeinde mit Synagoge, Schule und Friedhof. Ein zentrales rituelles Tauchbad (Mikwa) scheint es in Battenfeld nicht gegeben zu haben. In mehreren jüdischen Häusern gab es eine Mikwe. Das Bad galt der kultischen Reinigung nach der Menstruation der Frau. Die Synagoge (die alten Battenfelder nennen sie mit einem Wort, das von Martin Luther stammen soll: »Judenschule«) war schon vor 1777 errichtet worden. Denn im »Special Brandsteuer-Kataster der Stadt Battenberg 1777« wird die Synagoge in Battenfeld bereits erwähnt. Ältere Einwohner Battenfelds erinnern sich noch, daß die Synagoge um die Jahrhundertwende umgebaut wurde (wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Schulanbau 1905/06). Die Synagoge hatte 65 Plätze für Männer und 4 2 Plätze für Frauen, die auf der Empore sitzen mußten. Männer und Frauen waren also nicht nur in der Kirche früher streng voneinander getrennt. Auf der Empore befand sich auch ein Harmonium. Die Synagoge war von außen gesehen ein bescheidener Bau: die Giebelseite hatte 2 kleine rundbogige Fenster, und war, wie die Westseite, mit Schiefer beschlagen. Die Wand zur Marktstraße hin war verputzt. Die Fenster der Hofseite waren mit Gitter versehen, um unliebsame Gäste fernzuhalten. Scheibengardinchen schützten vor neugierigen Blicken. Das Haus stand etwas abseits von der Straße, ungefähr an der Stelle, wo heute die Scheune der Familie Wolf (Marktstraße 27) steht.


Die Synagoge

Das zweigeschossige Schulhaus, im Obergeschoß durch eine kleine Überführung mit der Synagoge verbunden, wurde erst auf ständiges Betreiben von Lehrer Löwenstein, der früher im Haus der Familie Elsoffer wohnte, Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut: Eine Schulklasse und ein »Rennomierraum«, letzterer wohl für gesellige Zusammenkünfte. Die erste jüdische Schule war 1825 von Aron Blumenthal gestiftet worden. Wenn man davon ausgeht, daß um 1830 in den o. g. Orten (in Hatzfeld, Dodenau, Reddighausen und Holzhausen scheint es keine Juden gegeben zu haben) ca. 170 Juden wohnten, ist es verständlich, daß zumindest für die religiöse Unterweisung der jüdischen Kinder eine Schule notwendig war. In 1876/77 wurde diese »Religionsschule« in eine öffentliche Volksschule umgewandelt. Es wurden unterrichtet:

1878
1882
1886
1901
1903
1925
24 Kinder
14 Kinder
10 Kinder
19 Kinder
17 Kinder
keine Kinder mehr

Seit Auflösung der jüdischen Schule in 1925 besuchten die wenigen jüdischen Kinder die Battenfelder Volksschule. 1939 lebten noch 4 (?) jüdische Kinder in Battenfeld.


Die jüdische Schule

Die jüdischen Lehrer scheinen nicht immer in Battenfeld gewohnt zu haben (Wohnverhältnisse?). Ein Lehrer Birkenstein wird zu Anfang des 19. Jhd. in Battenberg erwähnt. Der letzte Lehrer in Battenfeld war Moses M. Amsterdam, ein aus Polen stammender Privatlehrer. Die Schule und das Wohnhaus des jüd. Lehrers überstanden jene berüchtigte »Reichskristallnacht« (9./10. November 1938), der die Synagoge in Battenfeld zum Opfer fiel. Der Lehrer konnte sich im letzten Moment mit seiner Familie retten, fand bei Freunden Unterschlupf und wohnte dann noch einige Monate im »Judenhaus« bei den Familien Elsoffer und Lehrberger. Dort fanden auch am Sabbat die jüdischen Gottesdienste statt. Die Schulchronik vermerkt ohne Kommentar: »Die jüdischen Schüler wurden lt. Minist. Erl. vom 15.11.1938 aus der hiesigen Schule gewiesen.«

Wie überall im Deutschen Reich wurde die Synagoge in Battenfeld in der sog. »Reichskristallnacht« vom 9. auf den 10. November 1938 durch fanatische Anhänger des Nationalsozialismus zerstört. Dieses Ereignis haben viele Battenfelder noch lebendig in Erinnerung. Die Kristallnacht war eine von den Nationalsozialisten organisierte Verfolgung (Pogrom) deutscher Juden. Bemäntelt (von Goebbels) als »spontane Kundgebung« zur Vergeltung für die Ermordung des deutschen Botschaftssekretärs in Paris Ernst vom Rath durch den polnischen Juden Herschel Grynzpan, dessen Eltern kurz zuvor aus dem Deutschen Reich ausgewiesen worden waren - kam es in jener Nacht im ganzen Reichsgebiet zu verbrecherischen Ausschreitungen: 91 Juden wurden ermordet, 30.000 Männer kamen in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen (auch aus unseren Orten, z.B. die Männer der Familie Wolff aus Rennertehausen), 267 Synagogen wurden verbrannt oder demoliert, jüdische Friedhöfe geschändet und 7.500 jüdische Geschäfte geplündert. Die Schadenssumme von 1 Mrd. RM mußte von deutschen Juden als kollektive Sondersteuer zusätzlich aufgebracht werden. Im Rahmen dieser schändlichen Rassenpolitik ist auch das zu sehen, was in Battenfeld geschah. Von der Synagoge ist nichts mehr übrig geblieben. Die Reste, die nicht durch den Brand vernichtet werden konnten, beseitigte man mit der Spitzhacke. Die Gemeinde verkaufte Grundstück, Wohnhaus und Schule an Privatleute, die aber, wie viele in gleicher Lage, ihren neuerworbenen Besitz zweimal bezahlen mußten.

Durch die Nürnberger Gesetze 1935 waren die Juden in Deutschland zu Bürgern 2. Klasse degradiert worden. Fünf Jahre zuvor hatte der Battenfelder Bürgermeister eine »Ehrenchronik unserer Gemeinde - Weltkrieg 1914-1918« angelegt. Auf den »Ehrenblättem« sind auch 4 jüdische Namen verzeichnet: 1) Hermann Blumenthal (eingezogen 1915, Rückkehr Juli 1918, verwundet); 2) Wilhelm Elsoffer (eingezogen 5.8.1914, Rückkehr 22.12.1918); 3) Menny Lehrberger (eingezogen Febr. 1915, Rückkehr Nov. 1918, infolge Verschüttung Nervenschock); 4) Isaak Stern (eingezogen 6.8.1914, Rückkehr 27.11.1918, zweimal verwundet). Drei von ihnen wurden zu Infanterie-Regimentern, einer zur Artillerie eingezogen. Feigheit oder Drückebergerei wird man ihnen nicht nachsagen können, denn 3 wurden mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. (Im 1. Weltkrieg gab es insgesamt ca. 85.000 jüdische Kriegsteilnehmer, von denen 12.000 gefallen bzw. vermißt sind. Aus Battenberg sind 2 Juden im 1. Weltkrieg gefallen: Albert Ihlfeld und Adolf Alfred Stern.

Einige jüdische Bürger waren auch Mitglieder im Battenfelder Gesangverein. Rüben Stern (wenn auch nur passives Mitglied) war sogar Mitbegründer des Vereins. Isaak Stern, Hermann Blumenthal und Lehrer Amsterdam sangen mit im MGV Battenfeld.

Die jüdischen Mitbürger waren - ob man es wahrhaben will oder nicht - ein Teil nicht nur des wirtschaftlichen, sondern auch des politischen Lebens unserer Dörfer. Dennoch blieben sie für die allermeisten ihrer christlichen Mitbürger Fremdkörper, weil sie sich nicht religiös-kulturell anpassen konnten oder wollten. Wie hätten sie dies auch zu tun vermocht, ohne sich selbst aufzugeben oder ihr innerstes Wesen, ihren Glauben zu verleugnen? So blieben sie eine Minderheit - geduldet, beneidet, gehaßt, selten geachtet, nie geliebt. Nur wenige Christen bemühten sich, sie in ihrer Eigenart zu verstehen und anzuerkennen. Für die Kirche blieben sie hartnäckige Missionsobjekte, für die Wohlhabenden lästige Konkurrenz, für die Kleinbürger beneidete Fremdlinge. Daß die Juden Menschen waren von Fleisch und Blut, mit liebenswürdigen Eigenschaften und auch menschlichen Schattenseiten, die ihr Gutes und Böses hatten wie jedes andere Volk und jede andere Rasse, diese Erkenntnis müßte erst eine Erziehung zu Toleranz und Selbstkritik bewirken. Aber die kam für unsere Juden zu spät.

Manche Sitten und Gebräuche der jüdischen Religion und Lebensweise sind bei älteren Bürgern noch in Erinnerung. Z.B. die sehr umstrittene Art der Schlachtung: das Schächten. Auf Grund der Speisegesetze im Alten Testament durften nur kultisch reine Tiere (Wiederkäuer mit gespaltenen Klauen und Geflügel) geschlachtet werden. Ein dazu besonders ausgebildeter Mann, der Schochet, tötete mit einem extra scharfen, schartenfreien Messer (dem Challaf) mit einem einzigen scharfen Schnitt durch Halsschlagader, Speise- und Luftröhre. Dadurch sollte die völlige Ausblutung des Tieres gesichert werden, denn nur solches Fleisch, das »koscher« ist, fand in der jüdischen Küche Verwendung. Julius Woiff war der letzte Schochet der jüdischen Gemeinde. Der Schochet hatte aber auch die Funktion eines Fleischbeschauers. Das Schächten wurde im April 1933 durch Reichsgesetz verboten. Der Bürgermeister beschlagnahmte das Schächtermesser.

Eine weitere grundlegende Vorschrift war die strenge Trennung von fleischigen und milchigen Gerichten (diese Sitte geht auf die biblische Forderung zurück: »Du sollst das Böcklein nicht kochen in der Milch seiner Mutter«, 2. Mose 23, 19; 34, 26); so gab es in der jüdischen Küche Geschirr, das nur für Fleisch- und anderes, das nur für Milchgerichte benutzt werden durfte.

Zum Pessach-Fest (vom 14. - 21. Nissan, = März/April) wurden »Mazzen« gebacken. Die Mazza ist ungesäuertes Brot (aus Weizenmehl, ohne Sauerteig) zur Erinnerung an die Flucht aus Ägypten. Das Mazza-Brot wird »das Brot der Trübsal« genannt (5. Mose 16,3). Von diesem Brot reden noch viele hier, wenn die Sprache auf »die Juden« kommt; es scheint besonderen Eindruck gemacht zu haben.

Unvergessen ist freilich auch der jüdische Feiertag, der Sabbat (volkstümlich »Schabbes« genannt), der am Freitagabend mit dem Anzünden der Lichter durch die Hausfrau begann. Der Hausherr spricht den Segen über seine Kinder und 3 besonders festliche Mahlzeiten (wobei »festlich« nicht mit unserem Zeitgeist-Stil »üppig« verwechselt werden darf; der Charakter ist festlich durch Lieder, Gebete, Lesungen und Kerzen) geben dem Sabbat das Gepräge. Es gilt für diesen Tag ein absolutes Arbeitsverbot. Da auch das Hantieren mit Feuer und Brennmaterial am Sabbat verboten war, konnte in guter Nachbarschaftshilfe durch Christen ein wenig Verständnis gezeigt und ausgeholfen werden. Und das wurde auch getan.

In jeder jüdischen Gemeinde gab es die »Chewra kadischa«, die »Heilige Gemeinschaft«, eine Bruderschaft, die nicht nur für die Krankenpflege sorgte, sondern ebenfalls - ohne Ansehen des Standes und der Person - für die Versorgung des Verstorbenen und für die Beerdigung zuständig war. Diese Männer- bzw. Frauengruppe kümmerte sich um alles, was mit dem Sterbefall zusammenhing. Gemeldet wurde der Sterbefall zumeist durch den Synagogenvorsteher Siegfried Lindheim (Rennertehausen). Die Bestattung wurde in ganz schlichter Weise vollzogen (seit Patriarch Gamaliel im 2. Jhd. n.C. ist aller Prunk bei Beerdigungen verpönt). Der Leichnam wird vom Totenbett gehoben und gewaschen, sodann in weiße Leinengewänder gehüllt und in den Sarg gelegt. Wurde der Sarg in Auftrag gegeben, so sagte der Schreiner: »Ich habe wieder eine Speckkiste zu machen.« Das bedeutete: die ganz einfache, aus billigen Brettern gezimmerte Kiste brachte Gewinn ein. Der Tote soll inmitten seines Stammes beigesetzt werden. Vielleicht ist es so zu erklären, daß nicht alle jüdischen Gemeindeglieder bis zum Friedhof mitgingen. Ältere Leute erzählen, daß die Angehörigen der verschiedenen Stämme jeweils nur eine bestimmte Wegstrecke mitgingen. Vielleicht hat sich hier eine besondere Tradition herausgebildet, die nicht für alle Gegenden Deutschlands gleichermaßen galt. Ebenso verhält es sich mit der Sitte der Grabbeigaben. Bekannt ist, daß ein wenig Erde aus Palästina und bei Männern der Talit, der Gebetsmantel, mit in den Sarg gelegt wurden. In Battenfeld scheinen noch andere Bräuche dazugekommen zu sein, wenn Fäden und Knöpfe (?) dazu gelegt wurden. Die einfache Beerdigungsform sollte deutlich machen: vor dem Herrn über Leben und Tod sind wir alle gleich, ob reich oder arm.

Jüdische Familien in Battenfeld

Im 18. Jhd. werden die Juden Amschel, Salomo (Salm), Ariel und Hirts erwähnt. In Battenfeld scheinen sich also schon früh mehrere Familien niedergelassen zu haben.

Hier wohnten auch die Lehrer der israelitischen Gemeinde, die vielleicht zuvor in Battenberg ihren Wohnsitz hatten (?). Lehrer Samuel Wallach (aus Schwarzenborn) war mit Karoline Levi verheiratet. In 1880 ist er in Battenfeld - 51 Jahre alt - verstorben (s.d. schlichten Grabstein auf dem jüd. Friedhof). Ein Töchterchen von ihm ist 1871 in Battenberg verstorben. Die Familie Wallach wird zunächst dort gewohnt haben, bevor sie nach Battenfeld zog. (Der Name »Wallach« kommt auch in Kassel vor: Dr. med. Joseph Wallach, 1813-1878, war Leibarzt des Kurfürsten Wilhelm II von Hessen).

Der Lehrer Leopold Strauß (geb. 1861 ?), verh. mit Sally Stern, der Nachfolger von Lehrer Wallach, war als ganz junger Mann nach Battenfeld gekommen. Als 20-jähriger Lehrer erscheint er als Trauzeuge 1881 im Standesamtsregister. Während seiner Zeit in Battenfeld sind 3 Kinder geboren: die Zwillinge Siegfried und Alfred (1891) und Richard (geb. 1893). Die Zwillingsbrüder, die später in Essen gewohnt haben, sind beide in einem KZ ums Leben gekommen.

Der Nachfolger von L. Strauß war Lehrer Moses Löwenstein (verh. mit Sara Stern). In Battenfeld wurden dem Lehrerehepaar 3 Kinder geboren: Joseph (27.12.1900), Theodor (29.10.1902) und Paula (7.3.1904). Lehrer Löwenstein, der im 1. Weltkrieg die Schulkinder aus Battenfeld zu unterrichten hatte (1.-4. Schul].), ging 1925 nach Vacha. Joseph Löwenstein lebt heute noch in Los Angeles (USA); Theodor Löwenstein soll nach Israel ausgewandert sein.

Nach M. Löwenstein wird ein Lehrer J. Neumann erwähnt, der mit Frau und Tochter nur wenige Jahre hier wohnte.

Der letzte Lehrer in Battenfeld war Moses M. Amsterdam, ein polnischer Privatlehrer, der sicherlich nicht nur die wenigen jüdischen Kinder des Oberen Edertales unterrichtete (im März 1939 gab es im Kreis Frankenberg nur noch 17 jüd. Schulkinder). Lehrer Amsterdam hatte 3 Kinder: Helga, Egon und Edith. Die »Kristallnacht« (9./10. November 1938) kostete den Lehrer und seiner Familie beinahe das Leben, wenn er nicht Aufnahme bei Freunden gefunden hätte. Es gelang der Familie 1939 in die USA auszuwandern.

Über die Familie Blankenstein ist kaum noch etwas bekannt. Die Näherin Rahel Blankenstein (1826-1905), Tochter des Händlers Moses Blankenstein, und Nennchen geb. Löwenstein zu Battenfeld, blieb ledig. Es gab noch eine Sara Blumenthal geb. Blankenstein (eine Schwester der Rahel?), geb. 1820, verh. mit Heinemann Blumenthal, Mutter von Adolph Blumenthal.

Die Familie Blumenthal war lange in Battenfeld ansässig. Die Vorfahren der Blumenthals gehörten sehr wahrscheinlich mit zu den ersten Juden in Battenfeld. Ein Isaak Joseph wurde 1707 in Battenfeld geboren und starb erst 1809, mehr als 100 Jahre alt. Ein Sohn von ihm, Aron Isaak wurde 1747 geboren. Diesen Namen fand man bei der Renovierung eines Fachwerkhauses am Rennertehäuser Weg 3. Auf einem Balken stand: »Haus underm götlichen Beistand Aron Isack (Mind ?) ... den 18. July 1805.« Vielleicht ist dies das Stammhaus der Familie Blumenthal? Diese Familie, aus der später 2 Brüder nach Rennertehausen abwanderten, war vielleicht damals schon recht wohlhabend. In einem Bericht über einen Postraub in der Subach am 7.10.1824 wurde ein Mitglied der Familie erwähnt: »unter dem Geld befanden sich 50 Gulden, die von Herrn Blumenthal (Vorname wird nicht genannt) aus Battenfeld an Herrn Moses Wallenstein in Frankfurt geschickt werden sollten«. Joseph Blumenthal war verheiratet mit Rebekka Reis. Vielleicht war diese Rebekka die Schwester des David Berle Reis, der hier am Rennertehäuser Weg im Haus der späteren »Alten Schule« wohnte. Von einer Familie Reis wissen wir durch eine Notiz aus der Battenfelder Schulchronik. Berle Reis war nachts von Einbrechern (man vermutet, daß sie aus seinem Kundenkreis stammten) überfallen worden. Da seine Frau »Feuer, Feuer!« schrie, läutete der Nachbar Lehrer Joh. Georg Neuschäfer (verst. 1826) die Sturmglocke. David Berle Reis verkaufte kurz darauf sein Anwesen an die Kirchengemeinde und verzog nach Battenberg. Dort ist Berle Reis, nachdem seine Frau Johanna in 1847 und seine kleine Tochter 1848 verstorben waren, 1854 im Alter von 55 Jahren verstorben. - Joseph Blumenthal hatte zwei Söhne: Heinemann und Moses.

a) Heinemann Blumenthal (1811-1866) und Sara geb. Blankenstein hatten 2 Kinder: Berta (1840-1924) blieb ledig; Adolf (1842-1893), verheiratete sich mit Amalie Glückauf aus Lengsfeld (Sachsen-Weimar). Adolph Blumenthal und seiner Frau Sara (sie wohnten in dem Haus, das heute Frau Kirchhübel, Edertalstr., bewohnt) wurden 4 Kinder geboren: Selma (geb. 1877), Anna (geb. 1880), Hermann (1883-1932) und Gustav (1885-1893). Hermann übernahm das Geschäft seines Vaters; er heiratete Jenny Baum aus Wetter. Aus ihrer Ehe stammen 2 Kinder: Artur (geb. 10.4.1914) und Edith (geb. 30.9.1915). Nach dem Tode ihres Mannes (27.4.1932) und den beginnenden Schikanen des 3. Reiches gab Jenny Blumenthal 1934 das Geschäft auf und verzog zunächst zu ihrem Bruder nach Wetter. Artur und Edith Blumenthal leben heute in den USA.


Haus des Hermann Blumenthal

b) Moses Blumenthal (1816-1879), von Beruf Färber, war verheiratet mit Bertha geb. Neuwahl (1821-1871). Seine Tochter Rosalie wurde 1853 geboren (verh. mit B. Gunzenhäuser).

Eine weitere Blumenthalsche Linie (die Familiengeschichte der Blumenthals wird in dem Buch über die Juden im Kreis Frankenberg von Heinz Brandt näher dargestellt werden) vertrat der Kaufmann Moses Blumenthal, verheiratet mit Clara Cahn. Wir wissen von einem Sohn Isaak (1822-1875, unverheiratet) und einer Tochter Amalie (1824-1902), die mit dem Viehhändler Bär Stern in Battenfeld verheiratet war.

Vergessen zu sein scheint in Battenfeld die Familie Dessauer. Der Färber Salomon Dessauer (gest. 1865) hatte die in Rennertehausen geborene Jettchen Lindheim (1808-1888) geheiratet. Kinder sind hier nicht bekannt; wo die Dessauers in Battenfeld gewohnt haben, wissen wir noch nicht.

Die Familie Elsoffer ist allerdings vielen Battenfeldem bekannt. Sie wohnten im Haus Edertalstraße 44, heute noch »das Judenhaus« genannt. Der Handelsmann Levi Dessauer (geb. 1846 in Elsoff/Westf., gest. 1924) lebte hier mit seiner Frau Lina geb. Nußbaum (aus Kirchhain). Sie hatten 3 Kinder: l. Wilhelm (geb. 7.11.1887) und verheiratet seit 1929 mit Selma (geb.?) aus Marköbel (Kr. Hanau); 2. Julian (geb. 23.4.1889), wanderte in den 20iger Jahren in die USA aus und 3. Alma (geb. 20.7.1896). Alma heiratete 1926 den Viehhändler Menke (gen. Menny) Lehrberger aus Borken. Die Eheleute Lehrberger hatten 3 Mädchen: Irene (geb. 1927), Margot (geb. 1929) und Gertrud Hildegard (geb. 1932). Herr und Frau Elsoffer und die Familie Lehrberger wurden von Battenfeld aus deportiert; sie sind alle in einem KZ ums Leben gekommen.

In den Civilstandsregistern für die Juden in Battenberg (aus der Zeit vor Einrichtung der Standesämter in 1874) wird in der Rubrik »Zeugen« in den 60iger Jahren öfters der Name Anschel Herstein zu Battenfeld genannt. Auf dem jüd. Friedhof befindet sich ein Grabstein von Röschen Blum geb. Herstein, Battenfeld, (1836?), die Frau eines David Blum. Beide Namen, Herstein wie Blum, gibt es im letzten Drittel des 19. Jhd. in Battenfeld nicht mehr.

Die älteren Battenfelder kennen den Namen Benjamin Gunzenhäuser. Die Familie wohnte in einem inzwischen abgerissenen Häuschen auf dem jetzigen Grundstück Kirchhübel. Der Viehhändler Benjamin Gunzenhäuser stammte aus Laasphe (geb. 1843) und war mit Rosalie Blumenthal (1853-1927) verheiratet. 4 Kinder entstammten dieser Ehe: Max (geb. 1876), Bertha (geb. 1878), Mathilde (geb. 1880) und Jenny (geb. 1887). Die Jüngste heiratete den Schneider Hugo Dilloff (aus Frankenberg). B. Gunzenhäuser wohnte wahrscheinlich zuletzt bei einem seiner Kinder außerhalb von Battenfeld. Er war Synagogendiener (Küster) in Battenfeld.


»Gunzenhäusers« Häuschen

Über die Familie Langsdorf ist wenig bekannt. Samuel Langsdorf (1812-1882) stammte aus Battenberg (Sohn des Pferdehändlers Herz Langsdorf und Dina geb. Löwenstein). Er war mit Johanna (Hanchen) Blumenthal verheiratet. (Um 1845 hat S. Langsdorf sein Haus, das später der Familie Muth (Windmüller) gehörte, der Gemeinde zum Kauf angeboten und soll in das sog. Judenhaus gezogen sein).

Der jüd. Metzger in Battenfeld war - (zumindest in der Zeit von ca. 1870-1880) - Herz Löwenstein, (verh. mit Ester geb. Levi, gest. 1905 in Battenberg). Die Löwensteins verzogen um 1880 nach Battenberg. Ihre beiden Kinder Bella (geb. 1878) und David (geb. 1879) sind in Battenfeld geboren.

Nachfolger des Metzgers Löwenstein wurde Rüben Stern. Das Geschäft war im heutigen Haus Specht, Metzgerei in der Edertalstraße.

Im Haus Benner in der Marktstraße 11 wohnte früher die Familie Oppenheimer. Salomon Oppenheimer (geb. 12.5.1821) kam aus Berghofen. Er war Sohn des Levi (Lob) Oppenheimer und Quentel geb. Lehmann. Um 1840 kam er nach Battenfeld und kaufte das damals noch einstöckige Haus. Salomon Oppenheimer betrieb in Battenfeld ein Geschäft und eine Landwirtschaft; später baute er einen 2. Stock auf sein Haus, denn er mußte Platz schaffen für viele Kinder. Verheiratet war er mit Friederike geb. Drucker (1831-1907) aus Battenberg, Tochter des Kaufmanns Jacob Drucker und Hennel geb. Weinberg zu Battenberg. 5 Kinder hatten Oppenheimers: Lina (geb. 1855, verh. mit Abraham Fuld jun. aus Westerburg/Westerw.; verst. 1932 in Westerburg); Hermann (geb. 1861, verh. mit Rosalie Drucker aus Battenberg, verstorben 1937 in Frankfurt/M); Johanna (geb. 1862, verh. mit Kaufmann Albert Levi aus Waldbreitbach/Kr. Neuwied, wohnte in Oberhausen); Settchen (geb.?) und Emil (geb.?). Salomo Oppenheimer ist am 8.9.1897 in Battenfeld gestorben. Sein Sohn Hermann hatte 1888 das Geschäft und die Landwirtschaft übernommen. In 1936 verkaufte Hermann Oppenheimer das Haus an Karl Benner und zog nach Frankfurt/Main, wo er bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Seine Frau Rosalie (geb. 1866) wanderte 1939 in die USA aus; sie verstarb 1952 in Wilmette (Illinois). Hermann und Rosalie Oppenheimer hatten 3 Kinder: 1. Leo (geb. 30.3.1891, Medizinstudium, Militärdienst im 1. Weltkrieg, später prakt. Arzt in Frankenberg, geheiratet 1930 in Rheda, 1934 in die USA ausgewandert; lebte als Arzt in Wilmette (Illinois), verstarb 1954. Dr. Leo Oppenheimer hatte 2 Söhne: John 0. und Dr. med. Peter. 2. Ida (geb. 14.9.1893, verheiratet seit 1921 mit Thilo Höxter aus Ziegenhain; wanderte 1939 nach England aus, 1940 in die USA. Lebt in Buffalo (New York). 2 Töchter: Liesel und Hanni. 3. Samuel (gen. Sally): geb. 27.12.1904, wanderte 1935 in die USA aus und lebt heute in Kenmore (New York). 2 Söhne: Dr. Joan und Henry Ph.

Die Metzgerei Stern (jetzt Fleischerei Specht, Edertalstraße 30) ist vielen Leuten in Battenfeld und Umgebung noch heute ein Begriff. Rüben Stern war allerdings zunächst Handelsmann, bevor er die Metzgerei übernahm. Er war 1849 in Rennertehausen geboren als Sohn des Handelsmanns Simeon Stern und Friederike geb. Reis. R. Stern war verheiratet mit Fanni geb. Mayer aus Großen-Linden. (1847-1929). Die Eheleute Stern hatten 2 Kinder: Lina (geb. 1882, verh. mit dem Kaufmann Rudolf Schönstadt aus Usseln/Waldeck. Lina Schönstadt geb. Stern ist in einem KZ ums Leben gekommen. - Isaak Stern, ihr Bruder, wurde am 10.2.1885 geboren; er war verheiratet mit Frieda Stern geb. Stern. I. Stern hatte 2 Töchter: Martha (geb. 15.9.1914) und Rita (geb. 19.4.1919). In 1936 sind die Eheleute Stern - zwei Jahre nach ihren Töchtern — in die USA ausgewandert. Der Vater Rüben Stern war bereits am 4. Mai 1934 verstorben. Wer sich so sehr als Deutscher fühlte wie Isaak Stern (er hatte von 1907-1909 bei den »88-igern« in Mainz gedient, sein Vater hatte bei den Dragonern gedient, I. Stern war Mitglied des Kyffhäuserverbandes, von 1914-1918 am 1. Weltkrieg teilgenommen), den hat die Rassenpolitik des Nationalsozialismus zutiefst verbittert. »Jetzt jagen sie mich fort wie einem Hund«, sagte er kurz vor seiner Auswanderung. Selbst das Arbeiten in der Metzgerei war ihm schon einige Jahre vorher von der Behörde verboten worden. Seine Reaktion: »Ich werde doch noch einen Besen in die Hand nehmen dürfen!«.

Der Judenfriedhof

Bereits im 18. Jahrhundert wurde in der Battenfelder Gemarkung ein Friedhof für die jüdischen Einwohner einiger Ortschaften des Amtes Battenberg angelegt. Im ehem. Kreis Frankenberg gibt es jüdische Friedhöfe in Altenlotheim, Battenfeld, Frankenau, Frankenberg, Frohnhausen, Gemünden/Wohra (dort befindet sich der größte Friedhof), Grüsen, Oberasphe und Vöhl. - Jüdische Gemeindeglieder aus Battenfeld, Berghofen und Battenberg wurden merkwürdigerweise auch auf dem jüdischen Friedhof in Frohnhausen bestattet.

 
Battenfelder Judenfriedhof »Auf der Struth«

Auf einem 3.620 qm großen Gelände »Auf der Struth« liegt nahe am Waldrand, 1,5 km nordwestlich von Battenfeld der »Judenfriedhof«. Seine ältesten Grabdenkmäler stammen aus dem 18. Jhd.; sie sind aus rotem Sandstein gefertigt und stehen aufrecht, zum Teil etwas in die Erde eingesunken. Es sind noch 16 Steine aus der »alten Zeit« vorhanden. Die Inschriften dieser älteren Gedenksteine wurden ausschließlich in hebräischer Sprache verfaßt. Nur selten sieht man schlichte Symbole eingemeißelt: Ranken, Blattwerk, sternförmiges Blumenomament; auf einem alten Stein sind segnende Hände (eines Rabbiners?) eingemeißelt.

Einige Grabsteine aus dem 19. Jhd. tragen ebenfalls nur hebräische Schriftzeichen. Aus dieser Zeit gibt es sowohl liegende große Grabplatten (z.B. die Familie des Kantors Lilla) als auch aufrecht stehende Grabsteine. Die Sitte, die Grabsteinplatten auf das Grab zu legen und nicht zu stellen, wird dem Einfluß spanischer Juden, den Sefardim, zugeschrieben. Eine besonders gut erhaltene liegende Sandsteinplatte ist mit einer sorgfältig ausgearbeiteten umfangreichen hebräischen Inschrift versehen, die allerdings in deutscher Schrift und Ziffern die Altersangabe »85« und das Sterbedatum »12. Februar 1849« wiedergibt. Die meisten Inschriften erinnern in knappen Worten an den Verstorbenen, sein Wesen und seine Herkunft. Sie beginnen mit der Abkürzung »P.N., po nitman = hier ruht«, und sie schließen mit den Buchstaben : »T.N.Z.B.H., tehi nafscho zerura bizror hachajim = seine (ihre) Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens«.

Viele Grabsteine tragen zwei Inschriften, auf einer Seite in hebräischer, auf der anderen Seite in deutscher Sprache, oder auch zweisprachige Inschriften übereinander.

Als Material wurde zumeist roter Sandstein, in neuerer Zeit Granit und Kalkstein benutzt; wenige Steine oder eingelassene Platten sind bzw. waren aus Marmor, z. T. zertrümmert.

Aus dem 19. und 20. Jahrhundert blieben 100 Grabdenkmäler erhalten. Viele Gräber besitzen jedoch keine Grabsteine mehr. Sie sind in der Zeit des Nationalsozialismus entweder gänzlich zerschlagen worden oder sie »dienten« zur Uferbefestigung des Mühlgrabens am Bahndamm. Was hier in jüngster Vergangenheit (und nicht im Mittelalter!) geschah, ist umso schändlicher, als man versuchte, nicht nur die Lebenden, sondern auch ihre Toten zu entehren. Nach jüdischem Brauch ist es nicht erlaubt, Grabsteine wegzuräumen (wie die großen alten Friedhöfe z. B. in Prag oder Mainz zeigen). Statt sich aber über Gras und Unkraut auf dem jüdischen Friedhof aufzuregen (der Friedhof soll früher sehr ungepflegt ausgesehen haben), blicke man auf die Steine und erschrecke darüber, was hier geschehen ist. Wie jeder sehen kann, sind viele Steine - mehr als 20 - völlig zerstört und zahlreiche Grabplatten mehr oder weniger beschädigt worden. Eine barbarische Dokumentation rassistischer Verblendung wird uns hier vor Augen geführt. Wie konnten Menschen eines Volkes, das seine Totengedenkstätten so sehr pflegt - oft gesteigert bis zum blühenden Gräberkult - die Toten einer anderen Religion so entehren? Tiefverwurzelter Haß hatte blind gemacht. Die Andersartigkeit und Fremdheit des jüdischen Glaubens konnte man nicht mehr ertragen. Hier sollte nicht nur die Erinnerung, sondern vielmehr auch der Glaube ausgelöscht werden, das Zeugnis vor dem HERRN, der vom Tode errettet (Psalm 68, 2 1). - Nach der Kapitulation im Mai 1945 wurde der jüdische Friedhof unter Aufsicht amerikanischer Soldaten von Deutschen wieder hergerichtet, soweit dies überhaupt möglich war.

Das Gedenken der Toten verwirklicht sich freilich nicht in Steinen; es bleibt im Herzen und im Geist derer lebendig, die Menschen Gottes geblieben sind. Wir erinnern an die Namen derer, die in deutschen Konzentrationslagern umgebracht wurden: Wilhelm Elsoffer und seine Frau Selma, Menko Lehrberger und seine Frau Alma geb. Elsoffer und ihre Kinder Irene, Margot und Gertrud Hildegard, Toni Stern geb. Lindheim (Schwester von Siegfried Lindheim) und Lina Schönstädt geb.Stern (Schwester von Isaak Stern), Hermann Reis und Familie.