HNA - Frankenberger Allgemeine
Samstag, 13. Juli 2002

• Jüdische Familien
Viele wurden ermordet

Einige Jüdische Familien und ihre Häuser in Battenfeld:

Blumenthal: Die Vorfahren gehörten zu den ersten Juden in Battenfeld. Schon 1707 wurde ein Isaak Joseph in Battenfeld geboren. Gestorben ist er 1809 mit 102 Jahren. Ein Sohn hieß Aron Isaak. Seinen Namen fand man auf einem alten Balken bei der Renovierung eines Fächwerkhauses im Rennertehäuser Weg 3. Im Rennertehäuser Weg (nahe alte Schule) und im Nachbarhaus (heute Kirchhübel) wohnten die Blumenthals.

Elsoffer und Lehrberger: Die Familien wohnten im Haus Edertalstraße 44, das noch heute als „Judenhaus" bezeichnet wird. Es war wohl um 1750 als herrschaftliches Haus der darmstädtischen Landgrafen entstanden und wurde später von Juden erworben. Die Familie Lehrberger hatte drei Mädchen, Irene (geb. 1927), Margot (1929) und Gertrud Hildegard (geb. 1932). Elsoffers und Lehrbergers wurden von Battenfeld aus deportiert und starben in einem Konzentrationslager.

Oppenheimler: Salamon Oppenheimer kam um 1840 aus Berghofen nach Battenfeld und kaufte das Haus Marktsträße 11, jetzt Mitze/Hirt. Er hatte viele Kinder und musste sein Haus deshalb vergrößern. Sein Sohn Hemnann verkaufte das Haus 1936 an Karl Benner. Bei einem Verkehrsunfall in Frankfurt kam er um. Seine Frau Rosalie wanderte nach Amerika aus.

Stern: Noch heute ist die Metzgerei von Isaak Stern ein Begriff in Battenfeld. Ruben Stern wurde 1849 geboren, er war erst Handelsmann und übernahm später die Metzgerei. Die Familie hatte zwei Kinder: Lina starb in einem KZ. Ihr Bruder war der bekannte Isaak Stern, der 1936 nach Amerika auswanderte. In dem Haus befindet sich heute die Metzgerei Specht.

In der Marktstraße 27 (heute Walter Wolf) befanden sich die Schule und die Synagoge. Dort wohnten die Lehrer mit ihren Familien.

50 Jahre nach der Reichspogromnacht wurde 1988 in Battenfeld eine Gedenktafel für die Opfer und die in KZs umgebrachten jüdischen Mitbürger aufgehängt. Dies ging zurück auf eine Initiative des damaligen Pfarrers Klaus Fey.


50 Jahre nach der „Reichskristallnacht"
wurde in Battenfeld diese Gedenktafel
aufgehängt. Die Namen der von den Nazis
deportierten und umgebrachten jüdischen
Bewohner sind aufgeführt.

Die Tafel fand ihren Platz am alten Backhaus, also unmittelbar gegenüber den ehemaligen Häusern der Familien Stern und Blumenthal. Zitiert werden Zeilen von Ilse Blumenthal-Weiss, die sie zu ihrem bitteren Schicksal im KZ Theresienstadt schrieb. Unter anderem heißt es: „Ich kann nicht hassen. Sie treten mich mit Füssen, ich kann nur büßen. Ich kann nicht hassen. Sie werfen mich mit Steinen, ich kann nur weinen." (SD)