HNA
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Frankenberger Allgemeine
Donnerstag,
10. August 2006
Geschichte zwischen Grabsteinen
Ernsthäuser TSV-Wanderfreunde unternahmen Exkursion nach Battenfeld
- Historische Führung
ERNSTHAUSEN/BATTENFELD. Eindrucksvoll vermittelte Heimatgeschichte
erlebte die Wanderabteilung des TSV Ernsthausen bei ihrer jüngsten
Exkursion mit Horst Alex nach Battenfeld. Was als Wanderung durch das
landschaftlich reizvolle Nitzelbachtal und über die Heideflächen
der Battenfelder Triescher begann, endete mit einer historischen Führung
von Rainer Gasse durch Kirche, Schulmuseum und Backhaus.
Zuvor hatten die Ernsthäuser Wanderer aber auf der Anhöhe
nordwestlich von Battenfeld dem alten jüdischen Friedhof einen
Besuch abgestattet, der mit etwa 170 Grabsteinen, darunter die ältesten
aus dem 18. Jahrhundert, noch ein beredtes Zeugnis von der jüdischen
Gemeinde Battenfeld und ihren Mitgliedern in Battenberg, Laisa und Rennertehausen
ablegt.

Alte Grabsteine: Zeugnisse für das christlich-jüdische
Zusammenleben über Jahrhunderte im Oberen
Edertal entdeckten die Wanderfreunde des TSV Ernsthausen auf dem jüdischen
Friedhof von Battenfeld.
FOTO: ZVE
Der Battenfelder Heimatforscher Rainer Gasse berichtete aus Zeiten,
als Juden und Christen im Kirchspiel friedlich zusammen lebten. Darauf
verweise zum Beispiel eine Stiftungsurkunde von vermögenden Vorfahren
der Familie Blumenthal. Sie übereignete nicht nur Kapital für
jüdische Waisenkinder, sondern auch für christliche.
Spendenliste für neue Orgel
Auch in einer Spendenliste für eine neue Orgel in der Battenfelder
Kirche finden sich etliche jüdische Namen. Im Dorf lebten 1830
genau 60
Juden, 1859 waren es 50, 1905 nur noch 29 und 1933 noch 22. Die Synagoge
in Battenfeld wurde von den Nazis am 10. November 1938 angezündet,
an die vom NS-Regime verfolgten und ermordeten jüdischen Battenfelder
erinnert seit 1988 eine Gedenktafel.
Im Battenfelder Heimatmuseum, der ehemaligen Dorfschule, bewunderten
die Ernsthäuser Wanderfreunde vor allem die umfangreiche Ausstellung
aus dem Schulleben sowie aus der Geschichte der regionalen Eisenbahn,
die Rainer Gasse in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Heimat- und
Kulturverein zusammengetragen hat. Anschließend saßen sie
mit ihren Gastgebern bei Kaffee und Kuchen im Backhaus gemütlich
zusammen. Gerda Engel und Ilse Alex begleiteten Wanderlieder mit der
Gitarre. Als Erinnerungsgeschenk überreichte Horst Alex eine Federzeichnung
vom Christenberg, die der verstorbene Künstler Kurt Engel einst
angefertigt hatte. (zve)