HNA - Waldeckische Allgemeine und/oder Frankenberger Allgemeine
Sonntag, 23. November 2008

Zeugen reicher Kultur
Grabsteine von drei jüdischen Friedhöfen des Landkreises im Internet erfasst
VON KARL-HERMANN VÖLKER


Stumme Zeugen über dem Edertal: Auf dem
jüdischen Friedhof bei Battenfeld, auf dem
früher auch die Juden aus Battenberg beerdigt
wurden, sind noch zahlreiche Grabsteine erhalten,
einige wurden in der NS-Zeit zerstört. Im Internet-
Modul LAGIS werden 114 Inschriften dokumentiert.
Foto: Völker

BATTENFELD/HELSEN. Drei jüdische Friedhöfe aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg sind inzwischen für Interessierte und Forscher mit sämtlichen Grabsteinfotos und Inschriften im Internet dokumentiert: Battenfeld, Korbach und neuerdings auch Bad Arolsen-Helsen. Sie sind Teil des Moduls "Jüdische Friedhöfe in Hessen" im Landesgeschichtlichen Informationssystem (LAGIS), das künftig 17 000 Grabinschriften auf 70 bedeutenden jüdischen Friedhöfen erfassen wird.

"Friedhöfe sind oft die einzigen noch sichtbaren Zeugnisse der einstmals so reichen, in der NS-Zeit untergegangenen jüdischen Kultur in unserem Land", erklärte Dr. Hartmut Heinemann vom Hauptstaatsarchiv Wiesbaden gegenüber der HNA.

Trotz mancher Zerstörungen und Verluste seien in Hessen nahezu 350 jüdische Friedhöfe mit vielen tausend Steinen erhalten geblieben. Mittlerweile habe man 30 Friedhöfe mit 4200 Grabsteinen und ihren Inschriften, vielfach aus dem Hebräischen übersetzt, in LAGIS eingestellt.

Der Archivoberrat a. D. Dr. Heinemann ist Geschäftsführer der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, hat deshalb auch Kontakte mit vielen Forschern, die anhand der Inschriften Familien über Generationen zurückverfolgen und die Grabsteine sozial-, kultur- und kunstgeschichtlich einordnen. Man habe deshalb auch die jüdischen Friedhöfe von Battenfeld und Korbach mit ihrem alten Bestand an Grabmahlen zuerst ins Netz gestellt.

Die aus dem Bad Arolser Stadtteil Helsen dokumentierten barocken Steine zeichneten sich durch besonders individuelle künstlerische Gestaltung aus. Die teilweise verwitterten und entzifferten Inschriften seien noch durch Daten aus den, wie Heinemann betonte, in Nordhessen gut erhaltenen Sterberegistern der ehemaligen jüdischen Gemeinden ergänzt worden.

"Wir bekommen laufend ganz emotional bestimmte Rückmeldungen auf unser Modul aus den USA, Israel und England von Angehörigen, die sagen: Ich habe meine Vorfahren gefunden!", erklärte Prof. Dr. Otto Volk, der das Lagis-Modul im Marburger Landesamt für geschichtliche Landeskunde betreut. Er ist auch für das Internet-Projekt mit historischen Grabdenkmälern in Hessen zuständig, das bereits zahlreiche Beispiele aus Waldeck-Frankenberg aufgenommen hat (HNA berichtete).

Enge Zusammenarbeit

Eng arbeitet die Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen im Wiesbadener Hauptstaatsarchiv auch mit örtlichen Initiativen zusammen, die vor allem in Nordhessen sehr aktiv sind. www.uni-marburg.de/hlgl/lagis/juf.html