Frankenberger Zeitung
Donnerstag, 18. März 2010

Jüdische Andenken im Heimatmuseum
Post aus den USA: Gebürtige Battenbergerin Hannelore Dreifus, geborene Stern, schickt Erinnerungsstücke

Mehrere Gebetbücher sind künftig in der Judenstube des Battenfelder Museums ausgestellt. Die wertvollen Erinnerungsstücke wurden gestern von Mitgliedern des Battenberger Geschichtsvereins übergeben.

VON MARK ADEL


Jüdische Andenken im Heimatmuseum Nach vielen Jahren in den USA sind
Erinnerungsstücke der Familie von Hannelore Dreifus, geborene Stern,
wieder in Deutschland und künftig in der Vöhler Synagoge sowie im
Battenfelder Museum zu sehen. Im Bild von links Rudolf Döpp, der den
Besuch von Hannelore Dreifus und Werner Neuburger mit initiiert hatte,
Kurt-Willi Julius vom Förderkreis Synagoge Vöhl mit dem Purimteller,
Jürgen Hübner vom Geschichtsverein, Mathilde Zahn und Renate Dietz
aus Battenberg, Reiner Gasse vom Battenfelder Heimatverein, Marie-
Luise Hinrichs, Battenbergs Bürgermeister Heinfried Horsel und Christel Kahler,
ebenfalls aus Battenberg.
Foto: Adel

Allendorf-Battenfeld. Die Bücher stammen aus dem Besitz der gebürtigen Battenbergerin Hannelore Dreifus, geborene Stern. Sie besuchte im vergangenen Jahr zusammen mit Werner Neuburger, einem ebenfalls aus Battenberg stammenden Juden, ihre Heimatstadt.

Anlässlich dieses Besuchs im Oktober besichtigten die vor knapp 70 Jahren in die USA emigrierten Juden unter anderem das Museum in Battenfeld und die Vöhler Synagoge. Beeindruckt, wie an die jüdische Geschichte erinnert wird, schickte Dreifus einige wertvolle Gegenstände aus ihrem persönlichen Besitz. Außer den fürs Museum bestimmten Gebetbüchern bekommt die Synagoge in Vöhl ein Leichentuch und einen sogenannten Purimteller.

Jürgen Hübner vom Battenberger Geschichtsverein übergab gestern die Exponate zusammen mit weiteren Mitgliedern an Reiner Gasse vom Battenfelder Heimat- und Verschönerungsverein und an Kurt-Willi Julius, Vorsitzender des Förderkreises Synagoge Vöhl. Julius freute sich vor allem über den Purimteller, der in der Sammlung jüdischer Erinnerungsstücke der Synagoge bislang fehlte. Das Purimfest wird einmal im Jahr gefeiert und erinnert an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen Diaspora. Auf dem Teller wurden Geschenke für ärmere Mitbürger deponiert. Die Inschrift lautet übersetzt "Geschenke verschicken zu Ehren von Purim". Ein Leichentuch – ein sehr seltenes Stück – gehörte Hannelore Dreifus. Es ist ebenfalls für die Synagoge bestimmt.

An das Battenfelder Museum gehen ein hebräisch-deutsches Gebetbuch, ein Gebetbuch in Hebräisch und Englisch und ein Kinderbuch über das Alte Testament in Deutsch. In diesem Buch – es stammt wie die anderen aus dem 19. Jahrhundert – sind mehrere handschriftliche Eintragungen und Zeichnungen zu finden.

Die Judenstube des Museums geht auf den früheren Pfarrer Klaus Fey zurück, dessen Arbeit der Heimat- und Verschönerungsverein fortsetzt. Es erinnert mit Fotos, Schriften und weiteren Exponaten an die jüdische Gemeinde des Dorfs. Immer wieder würden Nachfahren von Juden Battenfeld besuchen, berichtete Reiner Gasse.

Battenberger Bürger hatten im vergangenen Jahr Werner Neuburger zum Besuch eingeladen. Er hat ein Buch geschrieben, das in deutscher Übersetzung "Auch dunkle Wolken ziehen vorüber" heißt. Darin beschreibt er seine Kindheit in Battenberg bis zur Flucht vor den Nationalsozialisten. Im vergangenen Jahr besuchte er die Bergstadt – und mit ihm kam seine Ehefrau Henni, außerdem Hannelore Dreifus, 1926 ebenfalls in Battenberg geboren und wie Neuburger als Kind in die USA ausgewandert, mit ihrem Enkel Dan Silberman.

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Besichtigungen im Battenfel­ der Heimatmuseum sind nach Voranmeldung möglich, Kontakt: Reiner Gasse, Telefon 06452/1634.

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