HNA - Frankenberger Allgemeine
Donnerstag, 18. März 2010

Ein Paket aus Brooklyn
Jüdin Hannelore Dreifus schickte Erinnerungsstücke aus ihrer Kindheit nach Battenberg


Mit jüdischen Exponaten aus New York: (von links)
Rudolf Döpp mit dem Buch "Biblische Geschichte für
Kinder" (vor 1850), Kurt-Willi Julius mit einem Purim-
Teller aus Messing, der Battenberger Geschichtsvereins-
Vorsitzende Jürgen Hübner, Mathilde Zahn, Renate Dietz,
Reiner Gasse, Marie- Luise Hinrichs, Battenbergs
Bürgermeister Heinfried Horsel und Christel Kahler.

Foto: Hoffmeister

VON THOMAS HOFFMEISTER

BATTENFELD. Ein Besuch mit Folgen: Mehr als 70 Jahre nach ihrer Flucht vor den Nazis hatte Hannelore Dreifus, geb. Stern, zusammen mit den Eheleuten Werner und Henny Neuburger sowie ihrem Enkel Dan Silberman im Oktober 2009 ihre Geburtsstadt Battenberg besucht (HNA berichtete). Hannelore Dreifus lebt in New York. Es gab damals viele gute Gespräche mit Vertretern der Stadt, der Kirchengemeinde, des Geschichtsvereins und "ganz normalen" Battenbergern, die sich zum Teil noch an die Umstände der 1930er Jahre erinnerten.

"Diese Gespräche wirken bis heute nach", sagt Jürgen Hübner, der Vorsitzende des Geschichtsvereins Battenberg. Viele Briefe und Emails seien seit Oktober "über den großen Teich" hin- und her gewechselt. "Hannelore Dreifus greift am liebsten schnell mal zum Telefon", berichtet Hübner. "Ihr Dialekt ist bezaubernd. Dabei hat sie in den vergangenen 70 Jahren kaum Deutsch gesprochen. Das ist seit ihrem Besuch im Oktober ganz anders geworden."

Vor wenigen Tagen ist ein großes Paket aus Brooklyn/New York beim Battenberger Geschichtsverein angekommen: Hannelore Dreifus hat „Erinnerungsstücke“ aus ihrer Kindheit geschickt. Diese wurden am Mittwoch im Battenfelder Heimatmuseum feierlich übergeben:

• ein deutsch-hebräisches Gebetbuch aus dem Jahr 1898

• ein Gebetbuch in Hebräisch und Englisch aus dem Jahr 1857 mit Elfenbeineinband und Messingverschluss

• die Geschichte des Alten Testaments in Deutsch, vor 1850 zu datieren

• ein Purim-Teller mit Inschrift, den Kurt-Willi Julius für den Förderkreis Synagoge Vöhl erhalten soll (das jüdische Purim-Fest erinnert an die Befreiung des jüdischen Volkes. Aus fröhlichem Anlass beschenkt man die Armen)

• das weiße Totengewand ihrer Mutter, mit schwarzem Band und schwarz unterlegter Spitzenborte.

Seit dem Jahr 2000 gibt es im Heimatmuseum Battenfeld einen Gedenkraum, der an die frühere jüdische Gemeinde erinnert. "Wir setzen das Werk unseres früheren Pfarrers Klaus Fey fort", sagt Reiner Gasse vom Heimat- und Verschönerungsverein.

Die Ausstellung kann nach Absprache unter Telefon 06452/1634 besichtigt werden.


Die Stifterin während ihres Besuches im
Oktober 2009 in Battenberg: Hannelore Dreifus,
geborene Stern, mit ihrem Enkel Dan Silberman.
Foto: Völker

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