HNA - Frankenberger Allgemeine
Dienstag, 12. Juni 2007

Thorarolle kommt zurück
Stadt Frankenau plant Begrüßungsfest – Kubat: Dunkles Geschichtskapitel überwinden

FRANKENAU. "Es ist eine Überraschung", sagt Bürgermeister Dr. Reinhard Kubat. Eine der beiden Thorarollen der ehemaligen Frankenauer Synagoge kehrt für einige Tage zurück.

1938 hatten Frankenauer Juden die Thorarollen, das Allerheiligste in einer Synagoge, mit in die USA genommen (siehe Zusatzartikel). Eine Enkelin des Thorastifters Salomon Katzensteins, Susan Auerbach, kommt mit ihrem Ehemann David aus New York nach Deutschland.

Zunächst wird sie im Jüdischen Museum in Berlin an der Feier der Bar-Mizwah (Religionsmündigkeit) einer Enkelin teilnehmen. Zu diesem Anlass bringen sie eine der beiden Thora-Rollen mit. Dann will die Familie Auerbach nach Frankenau kommen. Kubat sagte, dass er bisher geglaubt habe, dass die sakralen Gegenstände aus der Synagoge während des Dritten Reiches vernichtet worden seien. Umso mehr freue er sich, dass die Rolle für einige Tage zurückkomme. Der Bürgermeister weist darauf hin, dass mit der Thora eine solche Reise gemacht wird, sei außergewöhnlich. Als das Allerheiligste soll sie die Synagoge eigentlich nicht verlassen.

In einer E-Mail hatte David Auerbach der Stadt geschildert, dass sich die Gemeinde des Reform-Temple von Forest Hills, der die Thora nun gehört, die Entscheidung wohl überlegt habe. Anfang Juni habe sie die Thora feierlich verabschiedet und den Auerbachs übergeben. Die Gemeindemitglieder warten nun gespannt auf deren Bericht über die Aufnahme der Rolle in ihrem Ursprungsort Frankenau.

"Wir wollen Frankenau als freundliche, offene Stadt präsentieren, die zu den dunklen Kapiteln ihrer Geschichte steht und sie überwinden möchte.
BÜRGERMEISTER KUBAT

Zusammen mit Frankenauer Bürgern, mit Karl-Hermann Völker vom Frankenberger Geschichtsverein, der den Kontakt vermittelt hatte, und mit Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis Synagoge in Vöhl will Kubat nun eine Begrüßungsfeier organisieren. Das Fest wird voraussichtlich am Montag, 18. Juni, um 19 Uhr vor oder in der Frankenauer Kirche stattfinden, möglichst nahe jenem Ort, an dem früher die Synagoge gestanden hat. Die baufällige Frankenauer Synagoge war noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs an einen Nachbarn verkauft worden, der sie abriss.


Kirche und Synagoge: Wo in Frankenau die
Grundstücke beider Gotteshäuser aneinander
grenzten, setzten Stadt und Kirchengemeinde
am 18. Juni 1992 diesen Gedenkstein zur Erinnerung
an die ausgelöschte jüdische Gemeinde. An der Feier
nahmen damals auch ehemalige Frankenauer Juden
aus Übersee teil.
Foto: Völker

Bei der Feier mitwirken wird auch Bruno Frankenthal, aus Altenlotheim stammender Jude, der im Februar 90 Jahre alt geworden war und den der Vöhler Synagogenverein zu einem Besuch eingeladen hatte. (Artikel links oben). In dieser Begrüßungsfeier soll auch der 40 Holocaust-Opfer aus Frankenau und Altenlotheim gedacht und das Kaddisch, das Totengebet, gesprochen werden. "Dies ist ein besonderer Tag für Frankenau", sagt der Bürgermeister und lädt alle Frankenauer zur Feier ein. (mab)