HNA - Frankenberger Allgemeine
Donnerstag, 21. Juni 2007

Für alle unvergesslich
Die Rückkehr der Thora-Rolle nach Frankenau hat die Einwohner bewegt
VON MATTHIAS MÜLLER


Freudige Begegnung: Viele Frankenauer
begrüßten die Familie Auerbach mit der
Thora-Rolle. Mit auf dem Bild Bürgermeister
Dr. Reinhard Kubat (3.von links), der ehemalige
Altenlotheimer Bruno Frankenthal (sitzend) und
Pfarrer Dr. Harald Wahl (rechts).
Foto: Frenk

FRANKENAU. David Auerbach war überwältigt. So sehr hat den US-Amerikaner, der mit seiner Familie die alte Frankenauer Thora-Rolle in den Kellerwald zurückbrachte, der Empfang dort beeindruckt. Bis drei Uhr nachts habe er E-Mails an seine Freunde in Amerika geschrieben, um ihnen davon zu berichten, sagte die Frankenauer Pfarrerin Henriette Quapp-Wahl gestern der HNA.

"Das war eine sehr wertvolle Erfahrung."
HENRIETTE QUAPP-WAHL,
PFARRERIN FRANKENAU

Jetzt ist die Thora-Rolle, die erstmals seit 1938 wieder in Frankenau war, bereits zurück in New York. Der Flug der Auerbachs ging gestern am frühen Morgen. Doch das Ereignis wird in der Ziegenbockstadt noch lange nachwirken, sind sich Vertreter von Stadt und Kirchengemeinde einig.

"Das werden wir alle so schnell nicht vergessen", erklärte Bürgermeister Dr. Reinhard Kubat. Die Einwohner Frankenaus hätten in der Tat an dem Ereignis Anteil genommen. So waren am Montagabend 200 Gäste in der Kirche dabei, als aus der Thora-Rolle, dem heiligen Buch der Juden, gelesen wurde. "Es war ein sehr herzlicher Empfang für die Gäste", sagte Kubat.

Am Dienstag absolvierten diese dann mit Einheimischen gemeinsam einen Rundgang durch Frankenau. Dabei wurde auch das Haus Katzenstein besichtigt, das einst einem jüdischen Geschäftsmann gehörte und erst kürzlich aufwändig restauriert worden war. Die Kontakte in Sachen Thora-Rückkehr waren von Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis der Synagoge Vöhl sowie Karl-Hermann Völker vom Geschichtsverein Frankenberg geknüpft worden. Bei der Organisation des Besuchs engagierten sich dann äußerst eifrig die Stadt Frankenau und zahlreiche Einwohner. So halfen etwa beim gemeinsamen Kaffeetrinken im Martin-Luther-Haus die Landfrauen, in der Kirche spielte der Posaunenchor ein Isreal-Medley, und im Waldecker Hof gab es koscheres Essen für die Gäste.

2Das war eine sehr wertvolle Erfahrung", kommentierte Henriette Quapp-Wahl das Treffen mit den Gästen aus New York und dem ehemaligen Altenlotheimer Bruno Frankenthal. "Ja, das war ein Erlebnis, wirklich beeindruckend", sagte auch Günter Schade vom Kirchenvorstand. Sie hätten nur positive Stimmen dazu gehört, ergänzten beide. Die Thora-Rolle zurück in Frankenau - das werde wohl ein einmaliges Ereignis sein, sagte Bürgermeister Kubat. Was bleibt, ist die gemeinsame Erinnerung, die sich nun viele teilen.


Feierlicher Moment: Die Enthüllung der
Thora-Rolle in der Frankenauer Kirche,
in der Mitte David Auerbach.