Rundgang zu den früher von jüdischen Bürgern
bewohnten Häusern in Frankenberg (Eder)

(Seite noch in Arbeit; Quellenangaben unten)


bahnhofstr_04a.jpg Bahnhofstr. 4
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21.03.2006
© Kurt-Willi Julius

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21.03.2006
© Kurt-Willi Julius
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21.03.2006
© Kurt-Willi Julius


IMG_2797.JPG 02.03.2007
© Kurt-Willi Julius
1     Bahnhofstraße Nr. 4
(dol) Jakob Katzenstein und Frau, geb. Weizenkorn aus Korbach. Textilgeschäft in der Bahnhofstraße, jetzt Kickuth. Ihr einziger Sohn Albert fiel im Krieg. Die Katzensteins wurden damals in die Synagoge evakuiert. Das Haus steht noch an der Ecke Scharwinkel/Vorderheide. Dann verschwanden sie.

(kin) Im Haus Bahnhofstraße 4 führte das Ehepaar Jakob und Rosalie Katzenstein ein Textilgeschäft. Vermutlich um 1890 kamen Jakob und Rosalie Katzenstein, die aus Frankenau beziehungsweise aus Korbach stammten, nach ihrer Eheschließung nach Frankenberg und eröffneten dort das Textilgeschäft. Ihr einziger Sohn Albert fiel im Ersten Weltkrieg für sein deutsches Vaterland. Er war einer von zwei Gefallenen der Jüdischen Gemeinde Frankenberg.

Ihnen zur Seite stand als Haushaltshilfe Hilde Blum, die als 17-jährige im Mai 1939 im Haus der Bahnhofstraße 4 gemeldet ist. Seit dem Februar 1939 lebte sie aus Friedrichsroda kommend, bei Katzensteins.

Vermutlich Ende 1941 wurde das Ehepaar gezwungen, sein Haus zu verlassen. Es wurde zwangsweise in das Gebäude der im November 1938 geschändeten und im Inneren zerstörten Synagoge, Scharwinkel 4, einzuziehen. Seit Januar 1941 lebte bei dem Ehepaar Katzenstein noch die Schwester von Frau Katzenstein, das war Hedwig Weitzenkorn aus Korbach. Die Hausgehilfin Hilde Blum war zu dieser Zeit vermutlich bereits in Leipzig. (Offiziell wird sie allerdings erst zwei Tage vor ihrer Verschleppung aus Leipzig in Frankenberg abgemeldet).

In der Frühe des 6. September 1942 wurde der 77-jährige Jakob Katzenstein gemeinsam mit seiner 72-jährigen Ehefrau Rosalie und deren 57-jährigen Schwester Hedwig Weitzenkorn unter Androhung schwerster Strafen bei Nichtbefolgung vom Ortsgendarm zum Frankenberger Bahnhof geführt und in ein Sammellager nach Kassel gebracht. Von dort gab es einen Massentransport am nächsten Tag in das Ghetto Theresienstadt. Am 27. November 1942 starb Jakob Katzenstein bei fürchterlichsten hygienischen Verhältnissen im Ghetto Theresienstadt. Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes starb auch Rosalie Katzenstein am 13. Januar 1943, ihre Schwester Hedwig Weitzenkorn kam eine Woche später am 20. Januar 1943 in Theresienstadt zu Tode.

Hilde Blum, die Hausgehilfin der Katzensteins, wurde im Januar 1942 von Leipzig nach Riga in Lettland verschleppt. Ein letztes Lebenszeichen gibt es von ihr vom 1. Oktober 1944, als sie zwei Tage vor ihrem 22. Geburtstag im KZ Stutthoff bei Danzig registriert wird.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses in der Frankenberger Bahnhofstraße 4 (siehe Artikel oben).
Jakob Katzenstein - *8.4.1865 in Frankenau - 27.11.1942 Ghetto Theresienstadt
Rosalie Katzenstein geb. Weitzenkorn - *6.5.1870 in Korbach - 13.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hedwig Weitzenkorn - *30.3.1885 in Korbach - 20.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hilde(gard) Blum - *3.10.1923 in Borken - KZ Stutthoff
Else Sommer - *1914 - ?? Sobibor
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1950
(Wissemann 1994, S. 43)
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23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
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24.05.2006
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2     Bahnhofstraße Nr. 22
(dol) Dr. med Albert Lissard, Praxis im ersten Stock des Hauses Stöber, früh verstorben. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof beerdigt. Ehefrau: Olga Lissard, geb. Marek (geb. 24.5.1880 in Jamnitz/Mähren). Ihr Sohn Ernst war evangelisch und später Mediziner in Berlin. Er kam öfters mit seiner Mutter, um das Grab des Vaters zu besuchen. Da nach jüdischem Ritus keine Blumen auf den Gräbern sind, war Dr. Lissards Grab das einzige geschmückte. Dr. Lissard starb in Berlin. Seine Mutter überlebte ihn. Sie starb über 90jährig in einem Marburger Altersheim.
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Haus abgebrochen;
1950
(Wissemann 1994, S. 44)
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Neubau
23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
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Neubau
24.05.2006
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3     Bahnhofstraße Nr. 23
(dol) Albert Katten, der Bruder von Alex, wohnte im Hause Brosius in der Steingasse. Er war Holzhändler. Später kaufte die Familie das rote Haus in der Bahnhofstraße, (Molkerei Linde, jetzt Heini Vöhl). Der Holzplatz war auf dem Grundstück des heutigen Zahnarztes Becker. Die Kattens hatten drei Söhne, Wilhelm, Alfred und Albert? sowie eine Tochter Ilse, die 1984 mit ihrem Mann aus Amerika, in Frankenberg zu Besuch weilte.
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23.03.2006
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24.05.2006
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4     Neustädter Straße Nr. 8
(dol) Die Familie Wurmser wanderte nach Sao Paulo in Brasilien aus. Frau Wurmser besuchte einmal in Frankenberg E. A., die einst bei ihr gearbeitet hatte. Thekla Marx hatte eine Ausbildung bei Eva Marx absolviert, die in der Steingasse - heute Uhrmachergeschäft Gehrke - ein Putz- und Hutgeschäft führte.
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1962 abgebrochen;
1950
(Wissemann 1994, S. 64)
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Neubau;
1987
(Wissemann 1994, S. 64)
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
5     Bremer Straße Nr. 6
(dol) Der „dicke" Marx (Runkes), Viehhändler. Später Möbelgeschäft Finkeldey (Möbelkiste) Haushaltswaren. Zwei Töchter, Hedwig und Kathinka. Eine war Krankenschwester in Hamburg. Beide heirateten die Gebrüder Zweig. Ein Sohn, Artur, war äußerlich das Ebenbild seines Vaters.
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Bremer Straße 16
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01.03.2007
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5a     Bremer Straße Nr. 16
Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an die Bewohnerin des Hauses Bremer Straße 16:
• Martha Rosenbaum - *1898 - ?? in Auschwitz
  stolpersteine 07_03_01.163.JPG
01.03.2007
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6a     Neustädter Straße Nr. 38
Hier lebt 1878 der jüdische Händler Salomon Bär auf. Er ist verheiratet mit Gella, geborene Isak, kauft Lumpen und Knochen auf und verkauft auch Lose zur Kasseler Pferdelotterie zum Preis von drei Mark. Am 20. Oktober 1878 gliedert er seinem Geschäftsbetrieb eine Agentur der Lübecker Feuerversicherungs-Gesellschaft an. Sein am 15. Januar 1871 geborener Sohn Moses will 1888 nach Amerika auswandern.

Vermutlich verliefen die Handelsgeschäfte nicht allzu gut, denn 1892 und 1900 bietet er sein Haus Nr. 456 zum Verkauf an. Um diese Zeit ist er in Frankenberg allgemein als "Hefe-Bär" bekannt. Das Haus kommt nicht zum Verkauf. Seine am 30. Januar 1876 geborene Tochter Pfanni, jüdischen Glaubens, heiratet am 29. Januar 1900 den evangelischen Händler Daniel Schäfer. Das Haus geht in den Besitz seiner Tochter Pfanni und seines Schwiegersohnes Daniel Schäfer über, der das Handelsgeschäft fortführt und unter dem Namen "Hefe-Schäfer" bekannt wird. Der Schuhmacher Gustav Pfingst empfiehlt hier 1910 seine Schuhmacherwerkstatt.

Salomon Bär war ein jüdischer Mitbürger Frankenbergs. Auch seine Tochter Pfanni Schäfer war Jüdin. Sie heiratete mit Daniel Schäfer einen Christen, so daß die Tochter Else Müller als Halbjüdin angesprochen wurde. Rudi Müller bezeichnete sich selbst als Vierteljude. Erstaunlich ist, daß Pfanni Schäfer als Jüdin das Dritte Reich in Frankenberg ohne Deportation in ein Konzentrationslager überstanden hat. Sie starb in Frankenberg am 24. August 1946 und soll während des Zweiten Weltkrieges zum christlichen Glauben übergetreten sein.

Konnte man sich dadurch den nationalsozialistischen Gesetzen entziehen? Nein, denn als Jude galten nach den Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935 und den Durchführungs-Verordnungen vom 14. November 1935 diejenigen Personen, die von drei oder vier jüdischen Großelternteilen abstammten. Konnte Pfanni Schäfer beweisen, daß zwei Großelternteile nicht dem jüdischen Glauben angehörten und sie mithin Halbjüdin war? Dies ist kaum anzunehmen.

Wenn man den Berichten von älteren Frankenbergern folgt, waren Beziehungen des NSDAP-Ortsgruppenleiters zu seinem Eisenbahner-Kollegen Fritz Müller, dem Schwiegersohn von Pfanni Schäfer, ihre Rettung. Da Pfanni Bär schon 1900 einen Christen heiratete, sind die Familien Schäfer und Müller nie als jüdische Familien in Frankenberg angesehen worden.

Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an den Bewohner des Hauses Neustädter Straße 38:
• Albert Bär - *1882 - ?? Minsk
neustaedter_str_55hb.jpg Neustädter Str. 55
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1976 abgebrochen;
1975
(Magistrat... 1979, S. 84)
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Neubau;
23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
neustaedter_str_55d.jpg li: Neustädter Str. 53, 55
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Neubau;
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
6     Neustädter Straße Nr. 55
(dol) Selma Katz, neben oder im jetzigen Pelzgeschäft Heinemann. Pflegetochter der Eheleute Katz - Porzellan und dergleichen. Selma heiratete einen Herrn Stern und wohnte mit ihrer Familie im Hause Lechner in der Bremer Straße.
steingasse_08ha.jpg Steingasse 8
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Abbruch 1967/1968;
Foto: Rothermund, Frankenb.
(Magistrat... 1979, S. 125)
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Straßenverbreiterung, dort
wo das Gebäude stand
(Magistrat... 1979, S. 125)
IMG_0480.jpg ehem. Steingasse 8.jpg
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Straßenverbreiterung, dort
wo das Gebäude stand
09.06.2006
© Kurt-Willi Julius
7     Steingasse Nr. 8
(dol) Alex Katten. Die Mutter nähte unter anderem im Laden (Textilien). Sie war später an den Rollstuhl gefesselt, konnte sich aber noch gut selbst helfen. Die beiden Söhne, einer hieß Fritz, lebten in Berlin und sollen dort die Nazizeit überlebt haben.
schmiedegasse_02c.jpg Schmiedegasse 2
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
schmiedegasse_02d.jpg Schmiedegasse 2
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
8     Schmiedegasse Nr. 2
(dol) Marx, im heutigen „Storchennest" mit schlanker, sympatischer Frau. Sohn Erich studierte nach dem Abitur (die ersten Abiturienten in Frankenberg) Jura und arbeitete als Referendar am hiesigen Amtsgericht. Bruder Jakob half im Viehgeschäft seines Vaters. Oben im Storchennest wohnte der Bruder des Marx vom Paterre. Er war Viehhändler und unterhielt ein Textilgeschäft. Mehrere Kinder - Loni.... Frau Marx starb über 90-jährig in den USA, betreut von einer ihrer Töchter. I. G. war in den USA und besuchte sie dort. Über ein mitgebrachtes Foto ihres ehemaligen Hauses hat sie sich sehr gefreut.
ritterstr_20ha.jpg Ritterstr. 20
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Wohn- und Geschäftshaus;
1950
(Wissemann 1994, S. 182)
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23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
ritterstr_20d.jpg Ritterstr. 20
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
9     Ritterstraße Nr. 20
(dol) Schuhgeschäft Katzenstein, neben Bohlen Mariechen. Ein Sohn studierte damals schon im heutigen Israel. Töchter Paula und Claire (war bei der Post). Eine dritte Tochter - der Name fällt mir nicht ein), heiratete und übernahm das Textilgeschäft ihres Onkels, Jakob Katzenstein, in der Bahnhofstraße, heute Kickuth.
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Nord/West-Seite;
1981
(Wissemann 1994, S. 183)
ritterstr_20hg.jpg Ritterstr. 20
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während der Restaurierung;
1983
(Wissemann 1994, S. 183)
ritterstr_20hh.jpg Ritterstr. 20
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nach der Restaurierung;
1988
(Wissemann 1994, S. 183)
ritterstr_20hb.jpg Ritterstr. 20
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Restaurierung 1983/1984;
1983
(Wissemann 1994, S. 182)
Bilder folgen
Bilder folgen
10   Steubergasse Nr. 12
(he) Viehhändler Meier Marx mit seiner Frau Frieda, geb. Dilloff, und den Kindern Sidonie (Toni) und Walter
GeismarerStraße7.jpg Geismarer Straße 7
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Repro: Karl-Herm. Völker






geismarer_str_05hc.jpg ehem. Geismarer Str. 7
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auch Auf der Heide 1 ist
durch einen Neubau ersetzt;
re Geismarer Str. 5
1975
(Magistrat... 1979, S. 26)
geismarer_str_05hb.jpg ehem. Geismarer Str. 7 29.20 KB
das Haus Geismarer Str. 7
ist abgerissen
li: Auf der Heide 1
re: Geismarer Str. 5,
1968
(Magistrat... 1979, S. 26)

IMG_0483.jpg ehem. Geismarer Str. 7
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vorne Auf der Heide 1, re
Geismarer Str. 5 und 3,
7 ist längst abgerissen
09.06.2006
© Kurt-Willi Julius
11   Geismarer Straße Nr. 7 (in der Quelle Dolenschall irrtümlich als Nr. 5 bezeichnet)
(dol) Jonas Buchheim, Viehhändler, Tochter Ida und Sohn Siegfried.

(kin) Ida Buchheim wurde 1904 in Frankenberg geboren. Ihr Vater war der Viehhändler Meier Buchheim in der Geismarer Straße 7. Bis wann Ida Buchheim hier lebte ist nicht bekannt. Im Juli 1935 wird sie in Frankenberg als Verheiratete (mit Willy Alexandrowitz) in der so genannten Judenkartei am selben Tag unter der Adresse Steingasse 16 an- und abgemeldet. Dies ist wohl ein Schreibfehler, möglicherweise ist Steingasse 19 gemeint, wo Verwandte von ihr lebten. Sie verzog nach Rheinswein in Ostpreußen. Aus Landwerk Neuendorf wurde sie nach Auschwitz verschleppt und ermordet.

Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an die Bewohnerin des Hauses Geismarer Straße 7:
Ida Alexandrowitz geb. Buchheim - *2.10.1904 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
gernshaeuser_weg_c.jpg Gernshäuser Weg
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Jüdischer Friedhof
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
gernshaeuser_weg_d.jpg Gernshäuser Weg
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Jüdischer Friedhof
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
12   Gernshäuser Weg - Jüdischer Friedhof
Wäre es nach dem Kasseler Regierungspräsidenten gegangen, gäbe es den jüdischen Friedhof überhaupt nicht mehr. Im Juni 1940 erließ der RP eine Verfügung, alle jüdischen Friedhöfe zu schließen und der „Deutschen Wirtschaft zuzuführen". Der Friedhof wurde nicht der deutschen Wirtschaft zugeführt. Er wurde wie die anderen jüdischen Kulturstätten jedoch von unbekannter Seite verwüstet. Eine der ersten Anordnungen der neuen Machthaber, die amerikanische Armee marschierte am 28. April 1945 in Frankenberg ein, wurde durch den damaligen Ausscheller, Herrn Kornemann, den Frankenberger Bürgern bekanntgegeben. Laut Zeitzeugen Wolfgang Ochse, der sinngemäße Wortlaut: „Die amerikanische Militärregierung befiehlt allen Mitgliedern der ehemaligen Nazi-Organisationen, sich mit Werkzeug am Pfingst-Sonntag beim jüdischen Friedhof einzufinden." Ca. 10% dieser Mitglieder befolgten den Befehl, befreiten den zugewachsenen Friedhof vom Unkraut und richteten die umgeworfenen Grabsteine wieder auf. Das Nichterscheinen der anderen 90% hatte für diese keine Konsequenzen zur Folge.

In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1982, wurde der jüdische Friedhof zum zweiten Mal seit seinem Bestehen geschändet. Auch dieses Mal sind die Täter anonym geblieben. Am Morgen des 7. November, d.h. kurz vor dem 35. Jahrestag der Pogromnacht, prangten auf etlichen Grabsteinen Hakenkreuze, waren auf anderen Parolen, wie: „Wir wollen Gas, Wir wollen Zyklon B ..." aufgesprüht.

Mehr Bilder vom jüdischen Friedhof HIER

dol_15.htm Scharwinkel 4
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Ehemalige Synagoge um 1950
Quelle: Dolenschall; a.a.O.

scharwinkel_2c.jpg Scharwinkel 4
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ehemalige Synagoge
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius

scharwinkel_2a.jpg Scharwinkel 4
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ehemalige Synagoge
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
13   Scharwinkel 4 - ehemalige Synagoge (in der Quelle Dolenschall irrtümlich als Nr. 2 bezeichnet)
Am 18.11.1938 hätte die mittlerweile zahlenmäßig stark verkleinerte jüdische Gemeinde das 1OOjährige Bestehen ihrer Synagoge begehen können. Doch die von den Nazis arrangierte „Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 machte dieses Vorhaben zunichte.

Am Morgen des 7.11.1938 hatte in Paris der 17jährige polnische Jude Herschel Grynszpan ein Attentat auf den deutschen Legationsrat Ernst von Rath verübt. Am 9. November 1938 verstarb v. Rath an den Folgen seiner Verletzung. Am selben Tag fanden in allen Städten des Reichs Gedenkveranstaltungen an den gescheiterten Putschversuch vom 9. November 1923 - Marsch auf die Feldherrenhalle - statt. Den Tod v. Raths nahmen die Nazis zum Anlaß, unter dem Deckmantel »spontaner Kundgebungen« in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im gesamten Reich Synagogen, jüdische Friedhöfe, jüdische Geschäfts- und Wohnhäuser zu zerstören. Da bei den Ausschreitungen viel Glas zu Bruch ging, wählten die Nazis wohl den verharmlosenden Begriff „Reichskristallnacht". Bei den Pogromen wurden 91 Juden getötet, ca. 35.000 vorübergehend inhaftiert.

In dieser Nacht wurden in der näheren Umgebung die Synagogen in Bad Wildungen, Battenfeld und Korbach niedergebrannt. Die Frankenberger Synagoge wurde befehlsgetreu „nur geplündert". Der Grund: Die Synagoge grenzte an einer Seite an ein Wohnhaus, auf der anderen Seite an eine Scheune, die randvoll mit Stroh und Heu gefüllt war. Anscheinend war den Frankenberger Nazis das Risiko zu groß, daß auch diese angrenzenden Gebäude Opfer der Flamen geworden wären.

Elfriede Weber erlebte als 1Ojährige die Zerstörung der Frankenberger Synagoge in der Nacht vom 9. November 1938. Sie wohnte damals im Nachbarhaus Scharwinkel 2.

„Nachts wurde die Synagoge von ca. 4 - 5 Männern in Uniform überfallen und verwüstet. Durch die vorher eingeschlagenen Fenster flogen Bänke/ Gebetbücher, Sitzkissen und Glasteile in den Scharwinkel.

Meine Mutter und wir Kinder standen am Fenster, wurden aber durch Zurufe und In-die-Luft-Schießen am weiteren Beobachten gehindert. Das bereits gelegte Feuer wurde zur Sicherung der anliegenden Scheunen und dem Wohnhaus, in dem wir wohnten, von den Verursachern wieder gelöscht. Am nächsten Tag mußten Juden die zertrümmerten Gegenstände auf einen Leiterwagen zum Abtransport laden."


Die Synagoge ging Anfang 1939 in den Besitz der Stadt Frankenberg über und wurde zum Wohnhaus umgebaut. 1943 wurde das Haus weiter verkauft.

Ursprünglich war der rechts neben dem Eingang liegende Teil eingeschossig. Hier befand sich der Betsaal mit jeweils einer Empore an den Längsseiten. Im linken Teil - zweigeschossig - befand sich die Hausmeisterwohnung und vor 1913 die Räume der jüdischen Schule. In diesen Räumen wurden im Sommer 1942 u.a. das aus ihrem Haus in der Bahnhofstraße vertriebene Ehepaar Rosalie (72 Jahre) und Jakob (77 Jahre) Katzenstein zwangsuntergebracht, bevor sie im August ins KZ Theresienstadt deportiert wurden.
pferdemarkt_08c.jpg Pferdemarkt 8
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
01.03.2007
© Kurt-Willi Julius
14   Pferdemarkt Nr. 8
(dol) Schuhgeschäft Sally Stern. Heute Haus Friedrich (Schneider). Die beiden hochbegabten Kinder, Klärchen und Julius, waren einmal aus Amerika zu Besuch gekommen und wohnten bei F. H.-K. Herr Stern besuchte seine Kunden in und um Frankenberg mit einem grünen Sack auf dem Rücken, der neue und reparierte Schuhe enthielt.

(kin) Im Haus Pferdemarkt 8, in dem am 1. Mai 1911 das Schuhgeschäft von Sally Stern eröffnet wurde, lebte im 19. Jahrhundert das Ehepaar Liebmann und Ernestine Marx. Es hatte mehrere Kinder, unter anderen Sara, geb. 1875 in Frankenberg, Jenny, geb. 1879 in Frankenberg und Lina, 1882 in Frankenberg geboren. Sara Marx lebte wie ihre Schwester Jenny Marx in Mühlheim an der Ruhr. Von dort wurden sie 1942 im Alter von 66 und 63 Jahren in das besetzte Polen nach Izbica bei Lublin verschleppt. Sie wurden vermutlich im Vernichtungslager Sobibor vergast.

Lina Marx heiratete Moritz Rosenbaum und hatte eine Tochter Lieselotte. Die Familie wohnte in Essen-Stele in der Berliner Straße 39-41, während des Krieges lebte das Ehepaar in Essen, Lenbachstraße 3. Lina Rosenbaum wurde im Alter von 59 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann am 21. Juli 1942 aus Essen über Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt deportiert, dann von dort zwei Monate später am 21. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort vergast.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner Pferdemarkt 8
David Goldschmidt - *1873 - 1942 Ghetto Theresienstadt
Sara Marx - *1875 - 1942 Sobibor
Jenny Marx - *1879 - 1942 Sobibor
Lina Rosenbaum *1882 - 1942 Treblinka
pferdemarkt_06ha.jpg Pferdemarkt 6
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vor der Modernisierung;
1967
(Magistrat... 1979, S. 106)
pferdemarkt_06b.jpg Pferdemarkt 6
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
pferdemarkt_06a.jpg Pferdemarkt 6
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
15   Pferdemarkt Nr. 6
(dol) Jonas Dilloff, nebenan, kinderlos, Fellhändler und Schlächter.
historisches Bild folgt
historisches Bild folgt
IMG_0468.jpg Pferdemarkt 3
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23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
16   Pferdemarkt Nr. 3 (in der Quelle Dolenschall irrtümlich als Nr. 4 bezeichnet)
(dol) Metzgerei Leopold Freund. Das Ehepaar blieb kinderlos.
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vor der Modernisierung;
vor 1975
(Magistrat... 1979, S. 145)

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21.03.2006
© Kurt-Willi Julius


untermarkt_08.jpg Untermarkt 8
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die Stolpersteine
21.03.2006
© Kurt-Willi Julius
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nach der Modernisierung;
1977
(Magistrat... 1979, S. 145)

untermarkt_08a.jpg Untermarkt 8
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21.03.2006
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17   Untermarkt Nr. 8
(dol) Josef Kaiser mit Frau Feylchen, Viehhändler . Kinder, Jenny, Hermann, Hanna, Erna. Herr Kaiser wurde von den Nazis angeblich nach Kassel geholt.

(kin) Im Haus Untermarkt 8 in Frankenberg wohnte das Ehepaar Josef und Mary Kaiser. Der Viehhändler und Metzger Josef Kaiser stammte aus Hoof bei Kassel und lebte seit 1894 in Frankenberg. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er 1921 Mary Josephs aus Jever in Norddeutschland. Vier Kinder wuchsen im Haus Untermarkt 8 auf. Von der Tochter Jenny werden wir noch weiter unten hören.

Das Ehepaar Kaiser wurde zum 13. Dezember 1941 - wie die Ehepaare Plaut und Katzenstein - gezwungen, aus seinem Haus zu ziehen und in dem Gebäude der Synagoge, sicherlich auf engstem Raum, zu leben. Im Mai 1942, als es Fische aus der Eder zu kaufen gab, war auch Josef Kaiser in der Reihe der Wartenden.

Jemand denunzierte den 73-Jährigen und die Gestapo wies ihn am 12. Juni 1942 in das Arbeitserziehungslager Breitenau bei Guxhagen ein. Dort blieb er etwa zehn Wochen in Schutzhaft, bevor er am 25. August von Breitenau in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich verschleppt wurde. Nur wenige Tage später wurde sein Tod dort am 31. August 1942 amtlich festgehalten.

Es ist nicht bekannt, ob seine Frau noch von dem Tod ihres Mannes wusste, bevor die 61-Jährige über Kassel in das Ghetto Theresienstadt verschleppt wurde. Nach mehr als zwei Jahren Gefangenschaft wurde sie von dort am 9. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast wurde.

Die Tochter Jenny Kaiser lebte vermutlich bis zu ihrer Heirat um 1925 in ihrem Elternhaus Untermarkt 8. Dann zog sie nach Bonbaden im Kreis Wetzlar und wohnte im Haus Dorfstraße 99.

Am 10. Juni 1942 wurde sie im Alter von 47 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann und dem 15-jährigen Sohn Horst und einem Schwager aus ihrem Haus verschleppt über Frankfurt nach Polen in die Region Lublin und im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses Untermarkt 8 in Frankenberg:
Josef Kaiser - *17.7.1869 in Hoof, Landkreis Kassel - 31. August 1942 KZ Mauthausen
Mary Kaiser geb. Josephs - *26. August 1881 in Jever - 9. Oktober 1944 Auschwitz
Jenny Liebmann geb. Kaiser - *8.7.1895 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor.
untermarkt_10ha.jpg li. Hälfte: Untermarkt 10
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vor der Modernisierung;
1979 (?)
(Magistrat... 1979, S. 159)


untermarkt_10_12c.jpg Untermarkt 10, 12
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ein Haus - zwei Nummern:
li Nr. 10, re Nr. 12;
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
untermarkt_10_12a.jpg Untermarkt 10, 12
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ein Haus - zwei Nummern:
li Nr. 10, re Nr. 12;
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius

untermarkt_10_12b.jpg Untermarkt 10, 12
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ein Haus - zwei Nummern:
li Nr. 12, re Nr. 10;
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
stolpersteine 07_03_01.028.JPG 01.03.2007
© Kurt-Willi Julius
18   Untermarkt Nr. 10
(kin) Im Haus Untermarkt 10 lebte das Ehepaar Bertha und Jonas Dilloff. Jonas Dilloff war in Frankenberg geboren. Er schlachtete vermutlich Kleintiere und handelte mit deren Fellen. 1938 starb Bertha Dilloff im Alter von 78 Jahren, und sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg beerdigt.

Nach ihrem Tod zog Jonas Dilloff im April 1939 nach Bonbaden im Kreis Wetzlar zu der aus Frankenberg stammenden Jenny Liebmann geb. Kaiser und ihrer Familie. Ihr Bruder hatte bis zu seiner Auswanderung im selben Haus wie Jonas Dilloff gelebt. Der alte Jonas Dilloff wurde im August aus dem Israelitischen Krankenhaus in Frankfurt im Alter von 77 Jahren in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo er wenige Wochen später am 23. September 1942 starb.

Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an den Bewohner des Hauses Untermarkt 10:
Jonas Dilloff - *4. November 1864 in Frankenberg - 23. September 1942 Ghetto Theresienstadt
steingasse_20c.jpg Steingasse 20
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius

steingasse_20a.jpg Steingasse 20
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23.03.2006
© Kurt-Willi Julius

stolpersteine 07_03_01.015.JPG 01.03.2007
© Kurt-Willi Julius
19   Steingasse Nr. 20
(dol) Jakob Dilloff, heute Schreinerei Walter Hartmann, war ein alter Mann. Seine Tochter Jeny betreute ihn und eine geisteskranke Tochter Berta. Zwei weitere Töchter lebten in Oberhausen/Rhld. Eine hatte ein Putz- und Modegeschäft und war mit einem Christen verheiratet. Diese Tochter hatte zwei Kinder, Irma und Lotte. Sie war sehr elegant und weilte oft mit Kinderfräulein in den Ferien. Die andere Tochter hatte ein Kind namens Edith. Die Söhne der Dilloffs lebten auswärts. Am „Schawwes" (gemeint ist der Sabbat, der Sonntag der Juden) kam Herr Dilloff aus der Synagoge. Der Tisch war festlich mit Matzen und Berges gedeckt. Ein besonderer Leuchter zierte den Tisch. Die Nachbarn legten Kohle und Holz zur Erhaltung des Feuers auf, weil die Juden dies am „Schawwes" nicht durften.

(kin) Im Haus Steingasse 20 lebte die Familie Jakob und Sara Dilloff. Sie dürften in den 1920-er Jahren verstorben und in Frankenberg auf dem Jüdischen Friedhof beerdigt sein.

Das Ehepaar hatte mehrere Kinder: Recha (*1879 in Frankenberg), Hedwig (*1880 in Frankenberg) und Rudolf Dilloff (*1892 in Frankenberg). Recha Dilloff heiratete einen Herrn Joseph und lebte mit ihm in Oberhausen.

Um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen, floh sie nach Holland. Von ihrem Wohnort in Apeldoorn wurde sie nach der deutschen Besatzung über das Lager Westerbork in Holland im Juni 1943 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast. Sie wurde 64 Jahre.

Hedwig Dilloff heiratete etwa um die Jahrhundertwende Ferdinand Heinrich und lebte in dem Weindorf Casel bei Trier. Als Witwe zog sie im August 1933 nach Trier.

Im Oktober 1941 wurde die 61-Jährige von dort in einem Massentransport nach Lodz im besetzten Polen in das dortige Ghetto verschleppt und dort vermutlich im Vernichtungslager Chelmno vergast.

Rudolf Dilloff war geistig behindert. Im Alter von 28 Jahren kam er 1920 in die Psychiatrie in Haina. Zwanzig Jahre später wurde er im September 1940 in das Sammellager für jüdische Patienten in der Gießener Anstalt verschleppt und wenige Tage später in der Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg ermordet.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses Steingasse 20:
Recha Joseph geb. Dilloff - *26.2.1879 in Frankenberg - 1943 Vernichtungslager Sobibor
Hedwig Heinrich geb. Dilloff - *20.11.1880 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Chelmno
Rudolf Dilloff - *24.8.1892 in Frankenberg - 1940 Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg
steingasse_19hc.jpg Steingasse 19
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vor der Renovierung;
1950
(Wissemann 1994, S. 237)
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
steingasse_19a.jpg Steingasse 19
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23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
20   Steingasse Nr. 19
(dol) Die alte Frau Dilloff wohnte in dem Haus neben der Rathausapotheke. Am Haus war eine Kuh, als Zeichen des Viehhändlers, angebracht. Ihre Tochter Recha heiratete einen David Rosenbaum aus Wetzlar oder Dillenburg.
obermarkt_15b.jpg Obermarkt 15
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23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
obermarkt_15e.jpg Obermarkt 15
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
21   Obermarkt Nr. 15
(dol) Ruben Marx, links neben der „Säule". Ein etwas zurückgebliebener Sohn und eine Tochter, Thekla Marx, später Frau Wurmser, die zunächst als „Putzmacherin" arbeitete. Danach verkaufte sie Weißwaren und Wäsche im Keilschen Haus, heute Torlach.
obermarkt_13ha.jpg Obermarkt 13
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Abbruch 1966
Foto: Rothermund, Frankenb.
(Magistrat... 1979, S. 99)
obermarkt_13hb.jpg Obermarkt 13
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nach der Sanierung;
(Magistrat... 1979, S. 95)
22   Obermarkt Nr. 13
(dol) Samson Dilloff und Frau Lina neben der Bäckerei Bartel, heute Rathaus. Handel mit Spirituosen und Textilien. Landwirtschaft. Kontor der Schiffahrtsgesellschaft - Norddeutscher Lloyd ? - Am Haus hing ein großes Schiff mit Hinweisen auf die Seefahrt. Drei Söhne, Julius (am Landratsamt), Herbert und Albert.

Bildunterschrift zum linken Bild: Vor der Sanierung im Jahre 1966 - 1o-türmiges Rathaus mit dem baufälligen Verwaltungsgebäude Obermarkt 13 und der "Beamtenlaufnahn" (Verbindungsgang), Ankauf (!!!; der Webmaster) des Wohn- und Geschäftshauses durch die Stadt im Jahre 1938 von Dilloff, mehrmaliger Umbau des Hauses zu Büroräumen, Abbruch im Jahre 1966.

Einen ausführlichen Artikel über die Familie und das Haus Dilloff finden Sie HIER
obermarkt_13i.jpg Obermarkt 13
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60er Jahre
© Horst Neugebauer
obermarkt_13a.jpg Obermarkt 13
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23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
obermarkt_13c.jpg Obermarkt 13
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1960er Jahre
© Horst Neugebauer
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1960er Jahre
© Horst Neugebauer
obermarkt_16ha.jpg Obermarkt 14 und 16
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vor der Restaurierung;
1985 (Wissemann 1994,
S. 148)

obermarkt_16hd.jpg Obermarkt 16
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nach der Restaurierung;
1993 (Wissemann 1994,
S. 148)

obermarkt_16hc.jpg Obermarkt 16
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während der Restaurierung;
1991
(Wissemann 1994, S. 148)
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Obermarkt 14, 16, 18
23.07.2003
© Kurt-Willi Julius

obermarkt_16c.jpg Obermarkt 16
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23.07.2003
© Kurt-Willi Julius


stolpersteine 07_03_01.087.JPG
01.03.2007
© Kurt-Willi Julius
23   Obermarkt Nr. 16
(dol) Bachenheimer (Maler und Anstreicher), neben Landwirt Reinius. Bachenheimer war „Matzenbäcker" (salzloses, ungesäuertes Brot). Er hatte zwei Kinder.

(kin) Im Fachwerkhaus Obermarkt 16 in Frankenberg wohnte die Familie Fürst. Die Geschwister Max und Johanna Fürst waren 1881 und 1883 hier geboren. Die Eltern waren Faist Fürst und Florentine geb. Lichtenstein. Es konnte noch nicht geklärt werden, ob die Eltern ihren Lebensabend in Frankenberg verbrachten, wann sie starben und ob sie auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg beerdigt sind.

Max Fürst lebte im Mai 1939 in Hannover, gemeinsam mit seiner Frau Elise geb. Jacoby aus Gudensberg. Beide wurden aus Hannover am 15.
Dezember 1941 aus ihrer Wohnung in Hannover, An der Strangriede 55, nach Riga in Lettland in das dortige Ghetto verschleppt. Die Umstände
ihres Todes sind nicht bekannt.

Johanna Fürst lebte vermutlich seit ihrer Heirat mit Izaak Keyser in Menden in Westfalen. Um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entkommen, floh das Ehepaar nach Holland. 1941 lebte es in Amsterdam, Hunzestraat 23 huis.

Über das Lager in Westerbork wurden beide am 22. Mai 1944 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Johanna Fürst-Keyser war zu dieser Zeit 63 Jahre alt.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses Obermarkt 16:
Max Fürst - *16.7.1883 in Frankenberg - Ghetto Riga
Johanna Keyser geborene Fürst - *21.3.1881 in Frankenberg - 1944 Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Ergänzung und Korrektur vom Frankenberger Stadtarchivar Hecker am 22.09.2007:
Das Ehepaar Gustav und Emma Bachenheimer, geb. Hammerschlag, hatte fünf Kinder, vier Töchter und einen Sohn. Der Vorbesitzer des Hauses hieß Falk Fürst. Dieser verließ mit seiner Frau Florentine, geb. Lichtenstein, um 1906 Frankenberg und starb 1918 in Menden (Kreis Iserlohn).

obermarkt_14hb.jpg Obermarkt 14
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vor der Restaurierung;
1986
(Wissemann 1994, S. 146)
obermarkt_14c.jpg Obermarkt 14
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21.03.2006
© Kurt-Willi Julius
24   Obermarkt Nr. 14
(dol) Greta und Herbert Plaut, neben Bachheimer, zwei Kinder. Textilien. Herbert lernte damals in einem Seidengeschäft in Hannover. Greta Plaut hatte nach dem Krieg Verbindung von Amerika aus nach Frankenberg aufgenommen. Sie soll auch einmal hier gewesen sein.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses Obermarkt 8:
Emil Plaut - *20.1.1871 in Frankenau - 10.10.1942 KZ Sachsenhausen
Johanna Plaut geborene Marx - *22.4.1876 in Grüsen - 18.11.1942 Ghetto Theresienstadt
Recha Lamm - *5.7.1890 in Homberg - 1942 Ghetto Minsk
obermarkt_14ha.jpg Obermarkt 14
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vor der Restaurierung;
1987
(Wissemann 1994, S. 146)
obermarkt_14hc.jpg Obermarkt 14
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während der Restaurierung;
1989
(Wissemann 1994, S. 146)
obermarkt_14hd.jpg Obermarkt 14
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nach der Restaurierung;
1993
(Wissemann 1994, S. 146)
obermarkt_14b.jpg Obermarkt 14
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die Stolpersteine
21.03.2006
© Kurt-Willi Julius
obermarkt_05ha.jpg Obermarkt 5
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Abbruch 1979
Foto: Rothermund
Frankenberg
(Magistrat... 1979, S. 95)

obermarkt_13k.jpg von re: Obermarkt 3, 5...
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2. Haus von li: Ober-
markt 5, weiter hinten Oberm. 13
1960er Jahre
© Horst Neugebauer
obermarkt_05c.jpg Obermarkt 5
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1960er Jahre
© Horst Neugebauer



obermarkt_05a.jpg Obermarkt 5
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23.03.2006
© Kurt-Willi Julius
25   Obermarkt Nr. 5
(dol) Katz, Viehhändler neben Gerke, Eckhaus zur dunklen Gasse. Kinder, Käthe, Selma und Klärchen.

(kin) Im Haus Obermarkt 5 lebte der Viehhändler Salomon Katz, Jahrgang 1858, mit seiner Frau Jettchen und den Kindern Hermann, Sophie, Johanna und Flora. Die alten Eltern konnten Ende 1939 noch zu ihrem Sohn in die USA entkommen. Sophie Katz meldete sich im Alter von 49 Jahren wenige Wochen später nach Essen, Turmstraße 4 ab, wo ihre Schwester Johanna seit ihrer Heirat lebte. Nach einiger Zeit aber zog sie nach Berlin, wo ihre Schwester Flora seit ihrer Verheiratung wohnte.

Sophie Katz wurde aus Berlin verschleppt und in Auschwitz ermordet. Auch die Schwester Flora Katz - verheiratete Skapkowker - wurde aus Berlin deportiert und in Auschwitz ermordet. Ebenso die Schwester Johanna Katz verheiratete Bachenheimer; sie wurde im Juli 1942 gemeinsam mit ihrem Mann aus Essen über Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Fast zwei Jahre später wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann im Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt, wo sie vermutlich direkt nach der Ankunft vergast wurde.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses Obermarkt 5:
Sophie Katz - *2. August 1891 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Johanna Bachenheimer geb. Katz - *13. Juli 1886 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Flora Skapkowker geb. Katz - *23. November 1889 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Obermarkt2MoritzBlum.jpg Obermarkt 2
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1926
(Magistrat... 1979, S. 92)
obermarkt_02a.jpg Obermarkt 2
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22.03.2006
© Kurt-Willi Julius
obermarkt_02c.jpg Obermarkt 2
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
stolpersteine 07_03_01.059.JPG 01.03.2007
© Kurt-Willi Julius

26   Obermarkt Nr. 2
(dol) Textilgeschäft Blum neben „Goldener Engel" und Möbelgeschäft Gass. Die Familie hatte drei Söhne, Ernst, Hermann und Otto.

Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an die Bewohnerin des Hauses Obermarkt 2:
Johanna Blumenfeld - *1879 - 15. März 1943 in Lodz

obermarkt_02he.jpg Obermarkt 2
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während der Modernisierung;
1975/76
(Magistrat... 1979, S. 91)
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um 1890
(Magistrat... 1979, S. 92)
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um 1938
(Magistrat... 1979, S. 92)
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1974
(Magistrat... 1979, S. 92)
hainstr_31d.jpg Hainstr. 31
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09.07.2003
© Kurt-Willi Julius




hainstr_31g.jpg Hainstr 31
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09.07.2003
© Kurt-Willi Julius

hainstr_31h.jpg Hainstr. 31
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09.07.2003
© Kurt-Willi Julius

hainstr_31j.jpg Hainstr. 31
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Das demolierte Auto des
Lehrers (vgl. nebenst. Text)
Repro: Karl-Hermann Völker
d08_002.jpg Hainstr 31
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Totenkirche
(abgebrochen),
re hinten Hainstraße 31;
1960er Jahre
© Horst Neugebauer

hainstr_31a.jpg Hainstr. 31
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21.03.2006
© Kurt-Willi Julius


hainstr_31l.jpg Hainstr. 31
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21.03.2006
© Kurt-Willi Julius


hainstr_31k.jpg Hainstr. 31
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Kennkarte von Martha Stern
Repro: Karl-Hermann Völker
27   Hainstraße Nr. 31
(dol) In der Hainstraße war die ehemalige Judenschule. Unten war die Schule, oben wohnte der jüdische Lehrer. Er hatte zwei Kinder. Sein Auto schoben die „Hitlerjungen" in den Teich. Möbel, Betten usw. warfen sie aus dem Fenster. Der Lehrer wurde „abgeholt". Seine Frau ging mit den Kindern nach Kirchhain, von wo sie stammte. Sie war eine bildschöne Frau.

Der Neubau der jüdischen Schule war erst 1913 eingeweiht worden. Davor befand sich die Schule in den Räumen der Synagoge im Scharwinkel. Der letzte Lehrer der Schule, Ferdinand Stern, war ebenfalls der Rabbiner der jüdischen Gemeinde. Er wohnte mit seiner Frau und seinen drei Kindern im oberen Geschoß der Schule. Herr Stern wurde am Morgen der Reichspogromnacht wie alle anderen jüdischen Männer im Landkreis verhaftet und im Gefängnis des Frankenberger Amtsgerichtes inhaftiert. Am selben Tag, am 10.11.1938, wurde die Schule verwüstet.

Als 13jähriger erlebte Heinrich Schwaner die Zerstörung der Schule. 40 Jahre danach veröffentlichte er seine persönlichen Erinnerungen in einem Leserbrief. Er reagierte damit auf den Zeitungsartikel „Bürger verhinderten Abbrennen der Synagoge" vom 9.11.1978, in dem zum ersten Mal in der HNA berichtet wurde, daß es auch in Frankenberg einmal jüdische Einwohner gab.

„Die Judenschule war dagegen bis zum Mittag des 10.11. noch unversehrt. Den Lehrer der Schule, Herrn Leo Stern, auch Rabbiner der jüdischen Gemeinde, hatte man schon in den frühen Morgenstunden wegen angeblichen Spionageverdachts verhaftet. Er konnte daher nicht Zeuge der Plünderung und Demolierung seiner Wohnung sein. Sein Auto, einen kleinen BMW, hatte ein in der Nähe wohnender SS-Mann in die Teichwiesen (heute Liegewiesen des Schwimmbades) gefahren und angezündet. Erst gegen 12.15 Uhr wurde die Schule, man höre und staune, von den 13jährigen Jungen einer Klasse der damaligen Stadtschule (heute Ortenbergschule), demoliert. Sie hatten während des damals üblichen politischen Unterrichts von der Zerstörung der Synagogen, aus Rache für die Ermordung des Botschaftssekretärs in Paris gehört. Diese Schulkinder waren durch die damaligen Medien so verhetzt, daß sie nach dem Unterricht spontan, ohne Mittagessen zur Judenschule stürmten. Gegen 13.00 Uhr wurden sie durch die Schüler der damaligen Landwirtschaftsschule „unterstützt". Frau Stern war zuvor mit ihren Kindern und unter Mitnahme des Schmucks und anderer Wertsachen zu Bekannten geflüchtet. Fast alle neugierigen Zuschauer schüttelten nur den Kopf aber keiner hatte den Mut, diese Schulkinder fortzujagen. Erst gegen 15.30 Uhr erschienen einige SS-Männer, die die Schule dann bewachten. Zuvor war ein HJ-Führer in voller Uniform aufgekreuzt. Ich erinnere mich noch genau, daß er sagte, es könnte alles zerschlagen werden, es dürfte aber nichts mitgenommen werden...

Der damalige Rektor der Stadtschule, Herr Mausehund, war über die Ausschreitungen seiner Schüler schwer empört. Die einzige Strafe, die er erteilen konnte, war eine Moralpredigt am nächsten Tag, die sich gewaschen hatte...".

(kin) Das Haus Hainstraße 31 war die Israelitische Schule in Frankenberg. Unten befanden sich die Schulräume, darüber eine geräumige Fünf-Zimmer-Wohnung für die Lehrerfamilie. Seit 1919 war Ferdinand Stern aus Zwesten der Lehrer der israelitischen Schule. In diesem Jahr war er aus Volkmarsen nach Frankenberg gezogen.

1921 heiratete der Lehrer Ferdinand Stern die bildschöne 24-jährige Martha Katz aus Arolsen. Das Ehepaar bekam fünf Kinder: Helmut (geboren 1922), Manfred (1923), Bertha Lieselotte (1925), Richard Josef (1932) und Max Heinz (1936).

Während der Kristallnacht im November 1938 kam es zu schwersten Ausschreitungen gegen die Familie Stern und zur Zerstörung ihrer Wohnung. Ferdinand Stern, 48 Jahre alt, wurde mit vielen anderen jüdischen Männern in das KZ Buchenwald bei Weimar verschleppt. Kurz nach seiner Ankunft dort starb er an den Folgen der brutalen Misshandlungen in Frankenberg am 14. November 1938.

Frau Stern stand nun mit ihren Kindern alleine. Der älteste Sohn Manfred war bereits seit 1937 zur Berufsausbildung in Frankfurt. Frau Stern zog Mitte Februar 1939 mit ihrer 13-jährigen Tochter Lieselotte und den beiden kleinen sieben und zwei Jahre alten Söhnen Richard und Max nach Frankfurt zu einem Neffen ihres Mannes - Maurerstraße 36, 2. Stock, ist auf der Karteikarte in Frankenberg zu lesen. Sie machte eine Ausbildung als Schneiderin und bemühte sich um Auswanderung. Lieselotte und Helmut Stern entkommen aus Deutschland.

Im Mai 1942 wird Martha Stern zusammen mit ihren drei Söhnen Manfred, 19 Jahre alt, Richard (10) und Max Heinz (5) aus ihrer Frankfurter Wohnung in der Weberstraße 7 im zweiten Stock verschleppt. Von der Frankfurter Großmarkthalle gab es einen Massentransport in das besetzte Polen, nach Lublin. Dort musste der Sohn Manfred Stern vermutlich wie alle Männer zwischen 15 und 50 Jahren den Zug verlassen. Er wurde in das nahe gelegene Konzentrationslager Majdanek gebracht, wo er aufgrund der schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen in den folgenden Wochen zu Tode gekommen sein muss.

Der Zug mit den Frauen, Kindern und alten Männern fuhr in das Vernichtungslager Sobibor, wo das Öffnen der Zugtüren bedeutete, dass alle Personen zwei Stunden später in den Gaskammern, in die sie unter größten Täuschungen geführt wurden, vergast worden waren - so auch Martha Stern mit den beiden Söhnen Richard und Max.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses Hainstraße. 31:
Ferdinand Stern - *16.10.1890 in Zwesten - 14.11.1938 KZ Buchenwald
Martha Stern geb. Katz - *30.9.1897 in Arolsen - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Manfred Stern - *4.6.1923 in Frankenberg - 1942 KZ Majdanek
Richard Josef Stern - *9.1.1932 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Max Heinz Stern - *2.9.1936 in Marburg - 1942 Vernichtungslager Sobibor

Quellen:
(dol) Uli Dolenschall: Hier lebte... - Zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung Frankenbergs. Herausgeber: VHS - Kreis-Volkshochschule Waldeck-Frankenberg 1994.
(kin) Monica Kingreen: Die Namen der ermordeten jüdischen Frankenberger. Unveröffentlichtes Vortragsmanuskript, November 2005.
Zwischen dem 27.12.2005 und dem 19.03.2006 dann leicht verändert als mehrteilige Serie veröffentlicht in der HNA - Frankenberger Allgemeine (vgl. HIER)
(he) Auskunft von Horst Hecker, Stadtarchiv Frankenberg
Fotos:
Magistrat der Stadt Frankenberg (Hrsg.): Frankenberg im Wamdel der Zeit. Altstadtsanierung in Frankenberg (Eder) 1966 bis 1978. Bearbeitet von Helmut Wissemann. Frankenberg 1979.
Helmut Wissemann: Frankenberg gestern und heute. Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Frankenberg (Eder) zum Jubiläum "750 Jahre Stadt Franknberg" im Mai 1994. Frankenberg 1994.