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1 Bahnhofstraße
Nr. 4
(dol) Jakob Katzenstein und Frau, geb. Weizenkorn aus Korbach.
Textilgeschäft in der Bahnhofstraße, jetzt Kickuth. Ihr einziger
Sohn Albert fiel im Krieg. Die Katzensteins wurden damals in die
Synagoge evakuiert. Das Haus steht noch an der Ecke Scharwinkel/Vorderheide.
Dann verschwanden sie.
(kin) Im Haus Bahnhofstraße 4 führte das Ehepaar Jakob und Rosalie
Katzenstein ein Textilgeschäft. Vermutlich um 1890 kamen Jakob und
Rosalie Katzenstein, die aus Frankenau beziehungsweise aus Korbach
stammten, nach ihrer Eheschließung nach Frankenberg und eröffneten
dort das Textilgeschäft. Ihr einziger Sohn Albert fiel im Ersten
Weltkrieg für sein deutsches Vaterland. Er war einer von zwei Gefallenen
der Jüdischen Gemeinde Frankenberg.
Ihnen zur Seite stand als Haushaltshilfe Hilde Blum, die als 17-jährige
im Mai 1939 im Haus der Bahnhofstraße 4 gemeldet ist. Seit dem Februar
1939 lebte sie aus Friedrichsroda kommend, bei Katzensteins.
Vermutlich Ende 1941 wurde das Ehepaar gezwungen, sein Haus zu verlassen.
Es wurde zwangsweise in das Gebäude der im November 1938 geschändeten
und im Inneren zerstörten Synagoge, Scharwinkel 4, einzuziehen.
Seit Januar 1941 lebte bei dem Ehepaar Katzenstein noch die Schwester
von Frau Katzenstein, das war Hedwig Weitzenkorn aus Korbach. Die
Hausgehilfin Hilde Blum war zu dieser Zeit vermutlich bereits in
Leipzig. (Offiziell wird sie allerdings erst zwei Tage vor ihrer
Verschleppung aus Leipzig in Frankenberg abgemeldet).
In der Frühe des 6. September 1942 wurde der 77-jährige Jakob Katzenstein
gemeinsam mit seiner 72-jährigen Ehefrau Rosalie und deren 57-jährigen
Schwester Hedwig Weitzenkorn unter Androhung schwerster Strafen
bei Nichtbefolgung vom Ortsgendarm zum Frankenberger Bahnhof geführt
und in ein Sammellager nach Kassel gebracht. Von dort gab es einen
Massentransport am nächsten Tag in das Ghetto Theresienstadt. Am
27. November 1942 starb Jakob Katzenstein bei fürchterlichsten hygienischen
Verhältnissen im Ghetto Theresienstadt. Nur wenige Wochen nach dem
Tod ihres Mannes starb auch Rosalie Katzenstein am 13. Januar 1943,
ihre Schwester Hedwig Weitzenkorn kam eine Woche später am 20. Januar
1943 in Theresienstadt zu Tode.
Hilde Blum, die Hausgehilfin der Katzensteins, wurde im Januar 1942
von Leipzig nach Riga in Lettland verschleppt. Ein letztes Lebenszeichen
gibt es von ihr vom 1. Oktober 1944, als sie zwei Tage vor ihrem
22. Geburtstag im KZ Stutthoff bei Danzig registriert wird.
Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner
des Hauses in der Frankenberger Bahnhofstraße 4 (siehe Artikel
oben).
Jakob Katzenstein - *8.4.1865 in Frankenau - 27.11.1942
Ghetto Theresienstadt
Rosalie Katzenstein geb. Weitzenkorn - *6.5.1870 in
Korbach - 13.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hedwig Weitzenkorn - *30.3.1885 in Korbach - 20.1.1943
Ghetto Theresienstadt
Hilde(gard) Blum - *3.10.1923 in Borken - KZ Stutthoff
Else Sommer - *1914 - ?? Sobibor |
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2 Bahnhofstraße
Nr. 22
(dol) Dr. med Albert Lissard, Praxis im ersten Stock
des Hauses Stöber, früh verstorben. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof
beerdigt. Ehefrau: Olga Lissard, geb. Marek (geb. 24.5.1880 in Jamnitz/Mähren).
Ihr Sohn Ernst war evangelisch und später Mediziner in Berlin.
Er kam öfters mit seiner Mutter, um das Grab des Vaters zu besuchen.
Da nach jüdischem Ritus keine Blumen auf den Gräbern sind, war Dr.
Lissards Grab das einzige geschmückte. Dr. Lissard starb in Berlin.
Seine Mutter überlebte ihn. Sie starb über 90jährig in einem Marburger
Altersheim. |
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3 Bahnhofstraße
Nr. 23
(dol) Albert Katten, der Bruder von Alex, wohnte im Hause
Brosius in der Steingasse. Er war Holzhändler. Später kaufte die
Familie das rote Haus in der Bahnhofstraße, (Molkerei Linde, jetzt
Heini Vöhl). Der Holzplatz war auf dem Grundstück des heutigen Zahnarztes
Becker. Die Kattens hatten drei Söhne, Wilhelm, Alfred und Albert?
sowie eine Tochter Ilse, die 1984 mit ihrem Mann aus Amerika, in
Frankenberg zu Besuch weilte. |
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4 Neustädter
Straße Nr. 8
(dol) Die Familie Wurmser wanderte nach Sao Paulo in
Brasilien aus. Frau Wurmser besuchte einmal in Frankenberg E. A.,
die einst bei ihr gearbeitet hatte. Thekla Marx hatte eine Ausbildung
bei Eva Marx absolviert, die in der Steingasse - heute Uhrmachergeschäft
Gehrke - ein Putz- und Hutgeschäft führte. |
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5 Bremer
Straße Nr. 6
(dol) Der „dicke" Marx (Runkes), Viehhändler. Später
Möbelgeschäft Finkeldey (Möbelkiste) Haushaltswaren. Zwei Töchter,
Hedwig und Kathinka. Eine war Krankenschwester in Hamburg. Beide
heirateten die Gebrüder Zweig. Ein Sohn, Artur, war äußerlich das
Ebenbild seines Vaters. |
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5a Bremer
Straße Nr. 16
Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert
an die Bewohnerin des Hauses Bremer Straße 16:
Martha Rosenbaum - *1898 - ?? in Auschwitz |
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01.03.2007
© Kurt-Willi Julius
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6a Neustädter
Straße Nr. 38
Hier lebt 1878 der jüdische Händler Salomon Bär auf.
Er ist verheiratet mit Gella, geborene Isak, kauft Lumpen und Knochen
auf und verkauft auch Lose zur Kasseler Pferdelotterie zum Preis
von drei Mark. Am 20. Oktober 1878 gliedert er seinem Geschäftsbetrieb
eine Agentur der Lübecker Feuerversicherungs-Gesellschaft an. Sein
am 15. Januar 1871 geborener Sohn Moses will 1888 nach Amerika auswandern.
Vermutlich verliefen die Handelsgeschäfte nicht allzu gut, denn
1892 und 1900 bietet er sein Haus Nr. 456 zum Verkauf an. Um diese
Zeit ist er in Frankenberg allgemein als "Hefe-Bär" bekannt.
Das Haus kommt nicht zum Verkauf. Seine am 30. Januar 1876 geborene
Tochter Pfanni, jüdischen Glaubens, heiratet am 29. Januar 1900
den evangelischen Händler Daniel Schäfer. Das Haus geht in den Besitz
seiner Tochter Pfanni und seines Schwiegersohnes Daniel Schäfer
über, der das Handelsgeschäft fortführt und unter dem Namen "Hefe-Schäfer"
bekannt wird. Der Schuhmacher Gustav Pfingst empfiehlt hier 1910
seine Schuhmacherwerkstatt.
Salomon Bär war ein jüdischer Mitbürger Frankenbergs. Auch seine
Tochter Pfanni Schäfer war Jüdin. Sie heiratete mit Daniel Schäfer
einen Christen, so daß die Tochter Else Müller als Halbjüdin angesprochen
wurde. Rudi Müller bezeichnete sich selbst als Vierteljude. Erstaunlich
ist, daß Pfanni Schäfer als Jüdin das Dritte Reich in Frankenberg
ohne Deportation in ein Konzentrationslager überstanden hat. Sie
starb in Frankenberg am 24. August 1946 und soll während des Zweiten
Weltkrieges zum christlichen Glauben übergetreten sein.
Konnte man sich dadurch den nationalsozialistischen Gesetzen entziehen?
Nein, denn als Jude galten nach den Nürnberger Gesetzen vom 15.
September 1935 und den Durchführungs-Verordnungen vom 14. November
1935 diejenigen Personen, die von drei oder vier jüdischen Großelternteilen
abstammten. Konnte Pfanni Schäfer beweisen, daß zwei Großelternteile
nicht dem jüdischen Glauben angehörten und sie mithin Halbjüdin
war? Dies ist kaum anzunehmen.
Wenn man den Berichten von älteren Frankenbergern folgt, waren Beziehungen
des NSDAP-Ortsgruppenleiters zu seinem Eisenbahner-Kollegen Fritz
Müller, dem Schwiegersohn von Pfanni Schäfer, ihre Rettung. Da Pfanni
Bär schon 1900 einen Christen heiratete, sind die Familien Schäfer
und Müller nie als jüdische Familien in Frankenberg angesehen worden.
Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an den Bewohner
des Hauses Neustädter Straße 38:
Albert Bär - *1882 - ?? Minsk |
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6 Neustädter
Straße Nr. 55
(dol) Selma Katz, neben oder im jetzigen Pelzgeschäft
Heinemann. Pflegetochter der Eheleute Katz - Porzellan und dergleichen.
Selma heiratete einen Herrn Stern und wohnte mit ihrer Familie im
Hause Lechner in der Bremer Straße. |
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7 Steingasse
Nr. 8
(dol) Alex Katten. Die Mutter nähte unter anderem im Laden (Textilien).
Sie war später an den Rollstuhl gefesselt, konnte sich aber noch
gut selbst helfen. Die beiden Söhne, einer hieß Fritz, lebten in
Berlin und sollen dort die Nazizeit überlebt haben. |
Schmiedegasse 2
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius |
Schmiedegasse 2
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius |
8 Schmiedegasse
Nr. 2
(dol) Marx, im heutigen „Storchennest" mit schlanker,
sympatischer Frau. Sohn Erich studierte nach dem Abitur (die ersten
Abiturienten in Frankenberg) Jura und arbeitete als Referendar am
hiesigen Amtsgericht. Bruder Jakob half im Viehgeschäft seines Vaters.
Oben im Storchennest wohnte der Bruder des Marx vom Paterre. Er
war Viehhändler und unterhielt ein Textilgeschäft. Mehrere Kinder
- Loni.... Frau Marx starb über 90-jährig in den USA, betreut von
einer ihrer Töchter. I. G. war in den USA und besuchte sie dort.
Über ein mitgebrachtes Foto ihres ehemaligen Hauses hat sie sich
sehr gefreut. |
Ritterstr. 20
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Wohn- und Geschäftshaus;
1950
(Wissemann 1994, S. 182) |
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9 Ritterstraße
Nr. 20
(dol) Schuhgeschäft Katzenstein, neben Bohlen Mariechen.
Ein Sohn studierte damals schon im heutigen Israel. Töchter Paula
und Claire (war bei der Post). Eine dritte Tochter - der Name fällt
mir nicht ein), heiratete und übernahm das Textilgeschäft ihres
Onkels, Jakob Katzenstein, in der Bahnhofstraße, heute Kickuth.
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Bilder
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10 Steubergasse
Nr. 12
(he) Viehhändler Meier Marx mit seiner Frau Frieda, geb.
Dilloff, und den Kindern Sidonie (Toni) und Walter |
Geismarer Straße 7
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Repro: Karl-Herm. Völker
ehem. Geismarer Str. 7
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auch Auf der Heide 1 ist
durch einen Neubau ersetzt;
re Geismarer Str. 5
1975
(Magistrat... 1979, S. 26) |
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11 Geismarer
Straße Nr. 7 (in der Quelle Dolenschall irrtümlich
als Nr. 5 bezeichnet)
(dol) Jonas Buchheim, Viehhändler, Tochter Ida und Sohn Siegfried.
(kin) Ida Buchheim wurde 1904 in Frankenberg geboren. Ihr Vater
war der Viehhändler Meier Buchheim in der Geismarer Straße
7. Bis wann Ida Buchheim hier lebte ist nicht bekannt. Im Juli 1935
wird sie in Frankenberg als Verheiratete (mit Willy Alexandrowitz)
in der so genannten Judenkartei am selben Tag unter der Adresse
Steingasse 16 an- und abgemeldet. Dies ist wohl ein Schreibfehler,
möglicherweise ist Steingasse 19 gemeint, wo Verwandte von
ihr lebten. Sie verzog nach Rheinswein in Ostpreußen. Aus
Landwerk Neuendorf wurde sie nach Auschwitz verschleppt und ermordet.
Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an die Bewohnerin
des Hauses Geismarer Straße 7:
Ida Alexandrowitz geb. Buchheim - *2.10.1904 in Frankenberg
- Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau |
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12 Gernshäuser
Weg - Jüdischer Friedhof
Wäre es nach dem Kasseler Regierungspräsidenten
gegangen, gäbe es den jüdischen Friedhof überhaupt nicht mehr. Im
Juni 1940 erließ der RP eine Verfügung, alle jüdischen Friedhöfe
zu schließen und der „Deutschen Wirtschaft zuzuführen". Der Friedhof
wurde nicht der deutschen Wirtschaft zugeführt. Er wurde wie die
anderen jüdischen Kulturstätten jedoch von unbekannter Seite verwüstet.
Eine der ersten Anordnungen der neuen Machthaber, die amerikanische
Armee marschierte am 28. April 1945 in Frankenberg ein, wurde durch
den damaligen Ausscheller, Herrn Kornemann, den Frankenberger Bürgern
bekanntgegeben. Laut Zeitzeugen Wolfgang Ochse, der sinngemäße Wortlaut:
„Die amerikanische Militärregierung befiehlt allen Mitgliedern der
ehemaligen Nazi-Organisationen, sich mit Werkzeug am Pfingst-Sonntag
beim jüdischen Friedhof einzufinden." Ca. 10% dieser Mitglieder
befolgten den Befehl, befreiten den zugewachsenen Friedhof vom Unkraut
und richteten die umgeworfenen Grabsteine wieder auf. Das Nichterscheinen
der anderen 90% hatte für diese keine Konsequenzen zur Folge.
In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1982, wurde der jüdische
Friedhof zum zweiten Mal seit seinem Bestehen geschändet. Auch
dieses Mal sind die Täter anonym geblieben. Am Morgen des 7. November,
d.h. kurz vor dem 35. Jahrestag der Pogromnacht, prangten auf
etlichen Grabsteinen Hakenkreuze, waren auf anderen Parolen, wie:
„Wir wollen Gas, Wir wollen Zyklon B ..." aufgesprüht.
Mehr Bilder vom jüdischen Friedhof HIER
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13 Scharwinkel 4 - ehemalige
Synagoge (in der Quelle Dolenschall irrtümlich als
Nr. 2 bezeichnet)
Am 18.11.1938 hätte die mittlerweile zahlenmäßig stark
verkleinerte jüdische Gemeinde das 1OOjährige Bestehen ihrer Synagoge
begehen können. Doch die von den Nazis arrangierte „Reichskristallnacht"
vom 9. auf den 10. November 1938 machte dieses Vorhaben zunichte.
Am Morgen des 7.11.1938 hatte in Paris der 17jährige polnische Jude
Herschel Grynszpan ein Attentat auf den deutschen Legationsrat Ernst
von Rath verübt. Am 9. November 1938 verstarb v. Rath an den Folgen
seiner Verletzung. Am selben Tag fanden in allen Städten des Reichs
Gedenkveranstaltungen an den gescheiterten Putschversuch vom 9.
November 1923 - Marsch auf die Feldherrenhalle - statt. Den Tod
v. Raths nahmen die Nazis zum Anlaß, unter dem Deckmantel »spontaner
Kundgebungen« in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im gesamten
Reich Synagogen, jüdische Friedhöfe, jüdische Geschäfts- und Wohnhäuser
zu zerstören. Da bei den Ausschreitungen viel Glas zu Bruch ging,
wählten die Nazis wohl den verharmlosenden Begriff „Reichskristallnacht".
Bei den Pogromen wurden 91 Juden getötet, ca. 35.000 vorübergehend
inhaftiert.
In dieser Nacht wurden in der näheren Umgebung die Synagogen in
Bad Wildungen, Battenfeld und Korbach niedergebrannt. Die Frankenberger
Synagoge wurde befehlsgetreu „nur geplündert". Der Grund: Die Synagoge
grenzte an einer Seite an ein Wohnhaus, auf der anderen Seite an
eine Scheune, die randvoll mit Stroh und Heu gefüllt war. Anscheinend
war den Frankenberger Nazis das Risiko zu groß, daß auch diese angrenzenden
Gebäude Opfer der Flamen geworden wären.
Elfriede Weber erlebte als 1Ojährige die Zerstörung der Frankenberger
Synagoge in der Nacht vom 9. November 1938. Sie wohnte damals im
Nachbarhaus Scharwinkel 2.
„Nachts wurde die Synagoge von ca. 4 - 5 Männern in Uniform überfallen
und verwüstet. Durch die vorher eingeschlagenen Fenster flogen Bänke/
Gebetbücher, Sitzkissen und Glasteile in den Scharwinkel.
Meine Mutter und wir Kinder standen am Fenster, wurden aber durch
Zurufe und In-die-Luft-Schießen am weiteren Beobachten gehindert.
Das bereits gelegte Feuer wurde zur Sicherung der anliegenden Scheunen
und dem Wohnhaus, in dem wir wohnten, von den Verursachern wieder
gelöscht. Am nächsten Tag mußten Juden die zertrümmerten Gegenstände
auf einen Leiterwagen zum Abtransport laden."
Die Synagoge ging Anfang 1939 in den Besitz der Stadt
Frankenberg über und wurde zum Wohnhaus umgebaut. 1943 wurde das
Haus weiter verkauft.
Ursprünglich war der rechts neben dem Eingang liegende Teil eingeschossig.
Hier befand sich der Betsaal mit jeweils einer Empore an den Längsseiten.
Im linken Teil - zweigeschossig - befand sich die Hausmeisterwohnung
und vor 1913 die Räume der jüdischen Schule. In diesen Räumen wurden
im Sommer 1942 u.a. das aus ihrem Haus in der Bahnhofstraße vertriebene
Ehepaar Rosalie (72 Jahre) und Jakob (77 Jahre) Katzenstein zwangsuntergebracht,
bevor sie im August ins KZ Theresienstadt deportiert wurden. |
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01.03.2007
© Kurt-Willi Julius
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14 Pferdemarkt
Nr. 8
(dol) Schuhgeschäft Sally Stern. Heute Haus Friedrich
(Schneider). Die beiden hochbegabten Kinder, Klärchen und Julius,
waren einmal aus Amerika zu Besuch gekommen und wohnten bei F. H.-K.
Herr Stern besuchte seine Kunden in und um Frankenberg mit einem
grünen Sack auf dem Rücken, der neue und reparierte Schuhe enthielt.
(kin) Im Haus Pferdemarkt 8, in dem am 1. Mai 1911 das Schuhgeschäft
von Sally Stern eröffnet wurde, lebte im 19. Jahrhundert das
Ehepaar Liebmann und Ernestine Marx. Es hatte mehrere Kinder, unter
anderen Sara, geb. 1875 in Frankenberg, Jenny, geb. 1879 in Frankenberg
und Lina, 1882 in Frankenberg geboren. Sara Marx lebte wie ihre
Schwester Jenny Marx in Mühlheim an der Ruhr. Von dort wurden
sie 1942 im Alter von 66 und 63 Jahren in das besetzte Polen nach
Izbica bei Lublin verschleppt. Sie wurden vermutlich im Vernichtungslager
Sobibor vergast.
Lina Marx heiratete Moritz Rosenbaum und hatte eine Tochter Lieselotte.
Die Familie wohnte in Essen-Stele in der Berliner Straße 39-41,
während des Krieges lebte das Ehepaar in Essen, Lenbachstraße
3. Lina Rosenbaum wurde im Alter von 59 Jahren gemeinsam mit ihrem
Mann am 21. Juli 1942 aus Essen über Düsseldorf in das
Ghetto Theresienstadt deportiert, dann von dort zwei Monate später
am 21. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt
und dort vergast.
Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner
Pferdemarkt 8
David Goldschmidt - *1873 - 1942 Ghetto Theresienstadt
Sara Marx - *1875 - 1942 Sobibor
Jenny Marx - *1879 - 1942 Sobibor
Lina Rosenbaum *1882 - 1942 Treblinka |
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15 Pferdemarkt
Nr. 6
(dol) Jonas Dilloff, nebenan, kinderlos, Fellhändler
und Schlächter. |
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historisches
Bild folgt
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historisches
Bild folgt
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16 Pferdemarkt
Nr. 3 (in der Quelle Dolenschall irrtümlich als
Nr. 4 bezeichnet)
(dol) Metzgerei Leopold Freund. Das Ehepaar blieb kinderlos. |
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17 Untermarkt
Nr. 8
(dol) Josef Kaiser mit Frau Feylchen, Viehhändler . Kinder,
Jenny, Hermann, Hanna, Erna. Herr Kaiser wurde von den Nazis angeblich
nach Kassel geholt.
(kin) Im Haus Untermarkt 8 in Frankenberg wohnte das Ehepaar Josef
und Mary Kaiser. Der Viehhändler und Metzger Josef Kaiser stammte
aus Hoof bei Kassel und lebte seit 1894 in Frankenberg. Nach dem
Tod seiner Frau heiratete er 1921 Mary Josephs aus Jever in Norddeutschland.
Vier Kinder wuchsen im Haus Untermarkt 8 auf. Von der Tochter Jenny
werden wir noch weiter unten hören.
Das Ehepaar Kaiser wurde zum 13. Dezember 1941 - wie die Ehepaare
Plaut und Katzenstein - gezwungen, aus seinem Haus zu ziehen und
in dem Gebäude der Synagoge, sicherlich auf engstem Raum, zu leben.
Im Mai 1942, als es Fische aus der Eder zu kaufen gab, war auch
Josef Kaiser in der Reihe der Wartenden.
Jemand denunzierte den 73-Jährigen und die Gestapo wies ihn am 12.
Juni 1942 in das Arbeitserziehungslager Breitenau bei Guxhagen ein.
Dort blieb er etwa zehn Wochen in Schutzhaft, bevor er am 25. August
von Breitenau in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich
verschleppt wurde. Nur wenige Tage später wurde sein Tod dort am
31. August 1942 amtlich festgehalten.
Es ist nicht bekannt, ob seine Frau noch von dem Tod ihres Mannes
wusste, bevor die 61-Jährige über Kassel in das Ghetto Theresienstadt
verschleppt wurde. Nach mehr als zwei Jahren Gefangenschaft wurde
sie von dort am 9. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz
deportiert, wo sie vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast
wurde.
Die Tochter Jenny Kaiser lebte vermutlich bis zu ihrer Heirat um
1925 in ihrem Elternhaus Untermarkt 8. Dann zog sie nach Bonbaden
im Kreis Wetzlar und wohnte im Haus Dorfstraße 99.
Am 10. Juni 1942 wurde sie im Alter von 47 Jahren gemeinsam mit
ihrem Mann und dem 15-jährigen Sohn Horst und einem Schwager aus
ihrem Haus verschleppt über Frankfurt nach Polen in die Region Lublin
und im Vernichtungslager Sobibor ermordet.
Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner
des Hauses Untermarkt 8 in Frankenberg:
Josef Kaiser - *17.7.1869 in Hoof, Landkreis Kassel
- 31. August 1942 KZ Mauthausen
Mary Kaiser geb. Josephs - *26. August 1881 in Jever
- 9. Oktober 1944 Auschwitz
Jenny Liebmann geb. Kaiser - *8.7.1895 in Frankenberg
- 1942 Vernichtungslager Sobibor. |
li. Hälfte: Untermarkt 10
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vor der Modernisierung;
1979 (?)
(Magistrat... 1979, S. 159)
Untermarkt 10, 12
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ein Haus - zwei Nummern:
li Nr. 10, re Nr. 12;
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius |
Untermarkt 10, 12
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ein Haus - zwei Nummern:
li Nr. 10, re Nr. 12;
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius
Untermarkt 10, 12
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ein Haus - zwei Nummern:
li Nr. 12, re Nr. 10;
24.05.2006
© Kurt-Willi Julius |
01.03.2007
© Kurt-Willi Julius
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18 Untermarkt
Nr. 10
(kin) Im Haus Untermarkt 10 lebte das Ehepaar Bertha
und Jonas Dilloff. Jonas Dilloff war in Frankenberg geboren. Er
schlachtete vermutlich Kleintiere und handelte mit deren Fellen.
1938 starb Bertha Dilloff im Alter von 78 Jahren, und sie wurde
auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg beerdigt.
Nach ihrem Tod zog Jonas Dilloff im April 1939 nach Bonbaden im
Kreis Wetzlar zu der aus Frankenberg stammenden Jenny Liebmann
geb. Kaiser und ihrer Familie. Ihr Bruder hatte bis zu seiner
Auswanderung im selben Haus wie Jonas Dilloff gelebt. Der alte
Jonas Dilloff wurde im August aus dem Israelitischen Krankenhaus
in Frankfurt im Alter von 77 Jahren in das Ghetto Theresienstadt
verschleppt, wo er wenige Wochen später am 23. September
1942 starb.
Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an
den Bewohner des Hauses Untermarkt 10:
Jonas Dilloff - *4. November 1864 in Frankenberg
- 23. September 1942 Ghetto Theresienstadt
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19 Steingasse Nr. 20
(dol) Jakob Dilloff, heute Schreinerei Walter Hartmann,
war ein alter Mann. Seine Tochter Jeny betreute ihn und eine geisteskranke
Tochter Berta. Zwei weitere Töchter lebten in Oberhausen/Rhld. Eine
hatte ein Putz- und Modegeschäft und war mit einem Christen verheiratet.
Diese Tochter hatte zwei Kinder, Irma und Lotte. Sie war sehr elegant
und weilte oft mit Kinderfräulein in den Ferien. Die andere Tochter
hatte ein Kind namens Edith. Die Söhne der Dilloffs lebten auswärts.
Am „Schawwes" (gemeint ist der Sabbat, der Sonntag der Juden) kam
Herr Dilloff aus der Synagoge. Der Tisch war festlich mit Matzen
und Berges gedeckt. Ein besonderer Leuchter zierte den Tisch. Die
Nachbarn legten Kohle und Holz zur Erhaltung des Feuers auf, weil
die Juden dies am „Schawwes" nicht durften.
(kin) Im Haus Steingasse 20 lebte die Familie Jakob und Sara Dilloff.
Sie dürften in den 1920-er Jahren verstorben und in Frankenberg
auf dem Jüdischen Friedhof beerdigt sein.
Das Ehepaar hatte mehrere Kinder: Recha (*1879 in Frankenberg),
Hedwig (*1880 in Frankenberg) und Rudolf Dilloff (*1892 in Frankenberg).
Recha Dilloff heiratete einen Herrn Joseph und lebte mit ihm in
Oberhausen.
Um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen, floh sie
nach Holland. Von ihrem Wohnort in Apeldoorn wurde sie nach der
deutschen Besatzung über das Lager Westerbork in Holland im
Juni 1943 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort
unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast. Sie wurde 64 Jahre.
Hedwig Dilloff heiratete etwa um die Jahrhundertwende Ferdinand
Heinrich und lebte in dem Weindorf Casel bei Trier. Als Witwe zog
sie im August 1933 nach Trier.
Im Oktober 1941 wurde die 61-Jährige von dort in einem Massentransport
nach Lodz im besetzten Polen in das dortige Ghetto verschleppt und
dort vermutlich im Vernichtungslager Chelmno vergast.
Rudolf Dilloff war geistig behindert. Im Alter von 28 Jahren kam
er 1920 in die Psychiatrie in Haina. Zwanzig Jahre später wurde
er im September 1940 in das Sammellager für jüdische Patienten
in der Gießener Anstalt verschleppt und wenige Tage später
in der Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg ermordet.
Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner
des Hauses Steingasse 20:
Recha Joseph geb. Dilloff - *26.2.1879 in Frankenberg
- 1943 Vernichtungslager Sobibor
Hedwig Heinrich geb. Dilloff - *20.11.1880 in Frankenberg
- 1942 Vernichtungslager Chelmno
Rudolf Dilloff - *24.8.1892 in Frankenberg - 1940
Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg |
Steingasse 19
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vor der Renovierung;
1950
(Wissemann 1994, S. 237) |
von li: Steingasse 17/ 19
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24.05.2006
© Kurt-Willi Julius |
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20 Steingasse
Nr. 19
(dol) Die alte Frau Dilloff wohnte in dem Haus neben
der Rathausapotheke. Am Haus war eine Kuh, als Zeichen des Viehhändlers,
angebracht. Ihre Tochter Recha heiratete einen David Rosenbaum
aus Wetzlar oder Dillenburg.
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21 Obermarkt
Nr. 15
(dol) Ruben Marx, links neben der „Säule". Ein etwas
zurückgebliebener Sohn und eine Tochter, Thekla Marx, später Frau
Wurmser, die zunächst als „Putzmacherin" arbeitete. Danach verkaufte
sie Weißwaren und Wäsche im Keilschen Haus, heute Torlach. |
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22 Obermarkt
Nr. 13
(dol) Samson Dilloff und Frau Lina neben der Bäckerei
Bartel, heute Rathaus. Handel mit Spirituosen und Textilien. Landwirtschaft.
Kontor der Schiffahrtsgesellschaft - Norddeutscher Lloyd ? - Am
Haus hing ein großes Schiff mit Hinweisen auf die Seefahrt. Drei
Söhne, Julius (am Landratsamt), Herbert und Albert.
Bildunterschrift zum linken Bild: Vor der Sanierung im Jahre 1966
- 1o-türmiges Rathaus mit dem baufälligen Verwaltungsgebäude
Obermarkt 13 und der "Beamtenlaufnahn" (Verbindungsgang),
Ankauf (!!!; der Webmaster) des Wohn- und Geschäftshauses
durch die Stadt im Jahre 1938 von Dilloff, mehrmaliger Umbau des
Hauses zu Büroräumen, Abbruch im Jahre 1966.
Einen ausführlichen Artikel über die Familie und das Haus
Dilloff finden Sie HIER |
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23 Obermarkt
Nr. 16
(dol) Bachenheimer (Maler und Anstreicher), neben Landwirt
Reinius. Bachenheimer war „Matzenbäcker" (salzloses, ungesäuertes
Brot). Er hatte zwei Kinder.
(kin) Im Fachwerkhaus Obermarkt 16 in Frankenberg wohnte die Familie
Fürst. Die Geschwister Max und Johanna Fürst waren 1881
und 1883 hier geboren. Die Eltern waren Faist Fürst und Florentine
geb. Lichtenstein. Es konnte noch nicht geklärt werden, ob
die Eltern ihren Lebensabend in Frankenberg verbrachten, wann sie
starben und ob sie auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg
beerdigt sind.
Max Fürst lebte im Mai 1939 in Hannover, gemeinsam mit seiner
Frau Elise geb. Jacoby aus Gudensberg. Beide wurden aus Hannover
am 15.
Dezember 1941 aus ihrer Wohnung in Hannover, An der Strangriede
55, nach Riga in Lettland in das dortige Ghetto verschleppt. Die
Umstände
ihres Todes sind nicht bekannt.
Johanna Fürst lebte vermutlich seit ihrer Heirat mit Izaak
Keyser in Menden in Westfalen. Um der nationalsozialistischen Verfolgung
zu entkommen, floh das Ehepaar nach Holland. 1941 lebte es in Amsterdam,
Hunzestraat 23 huis.
Über das Lager in Westerbork wurden beide am 22. Mai 1944 nach
Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Johanna Fürst-Keyser
war zu dieser Zeit 63 Jahre alt.
Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner
des Hauses Obermarkt 16:
Max Fürst - *16.7.1883 in Frankenberg - Ghetto
Riga
Johanna Keyser geborene Fürst - *21.3.1881 in
Frankenberg - 1944 Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Ergänzung und Korrektur vom Frankenberger Stadtarchivar
Hecker am 22.09.2007:
Das Ehepaar Gustav und Emma Bachenheimer, geb. Hammerschlag,
hatte fünf Kinder, vier Töchter und einen Sohn. Der Vorbesitzer
des Hauses hieß Falk Fürst. Dieser verließ mit seiner Frau
Florentine, geb. Lichtenstein, um 1906 Frankenberg und starb 1918
in Menden (Kreis Iserlohn).
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24 Obermarkt
Nr. 14
(dol) Greta und Herbert Plaut, neben Bachheimer, zwei
Kinder. Textilien. Herbert lernte damals in einem Seidengeschäft
in Hannover. Greta Plaut hatte nach dem Krieg Verbindung von Amerika
aus nach Frankenberg aufgenommen. Sie soll auch einmal hier gewesen
sein.
Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner
des Hauses Obermarkt 8:
Emil Plaut - *20.1.1871
in Frankenau - 10.10.1942 KZ Sachsenhausen
Johanna Plaut geborene Marx - *22.4.1876
in Grüsen - 18.11.1942 Ghetto Theresienstadt
Recha Lamm - *5.7.1890
in Homberg - 1942 Ghetto Minsk |
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25 Obermarkt
Nr. 5
(dol) Katz, Viehhändler neben Gerke, Eckhaus zur dunklen
Gasse. Kinder, Käthe, Selma und Klärchen.
(kin) Im Haus Obermarkt 5 lebte der Viehhändler Salomon Katz,
Jahrgang 1858, mit seiner Frau Jettchen und den Kindern Hermann,
Sophie, Johanna und Flora. Die alten Eltern konnten Ende 1939 noch
zu ihrem Sohn in die USA entkommen. Sophie Katz meldete sich im
Alter von 49 Jahren wenige Wochen später nach Essen, Turmstraße
4 ab, wo ihre Schwester Johanna seit ihrer Heirat lebte. Nach einiger
Zeit aber zog sie nach Berlin, wo ihre Schwester Flora seit ihrer
Verheiratung wohnte.
Sophie Katz wurde aus Berlin verschleppt und in Auschwitz ermordet.
Auch die Schwester Flora Katz - verheiratete Skapkowker - wurde
aus Berlin deportiert und in Auschwitz ermordet. Ebenso die Schwester
Johanna Katz verheiratete Bachenheimer; sie wurde im Juli 1942 gemeinsam
mit ihrem Mann aus Essen über Düsseldorf in das Ghetto
Theresienstadt deportiert.
Fast zwei Jahre später wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann im
Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt,
wo sie vermutlich direkt nach der Ankunft vergast wurde.
Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner
des Hauses Obermarkt 5:
Sophie Katz - *2. August 1891 in Frankenberg - Vernichtungslager
Auschwitz-Birkenau
Johanna Bachenheimer geb. Katz - *13. Juli 1886 in
Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Flora Skapkowker geb. Katz - *23. November 1889 in
Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau |
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01.03.2007
© Kurt-Willi Julius
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26 Obermarkt Nr. 2
(dol) Textilgeschäft Blum neben „Goldener Engel" und
Möbelgeschäft Gass. Die Familie hatte drei Söhne, Ernst, Hermann
und Otto.
Ein
Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an die Bewohnerin
des Hauses Obermarkt 2:
Johanna Blumenfeld - *1879 - 15. März 1943
in Lodz
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27 Hainstraße
Nr. 31
(dol) In der Hainstraße war die ehemalige Judenschule. Unten
war die Schule, oben wohnte der jüdische Lehrer. Er hatte zwei Kinder.
Sein Auto schoben die „Hitlerjungen" in den Teich. Möbel, Betten
usw. warfen sie aus dem Fenster. Der Lehrer wurde „abgeholt". Seine
Frau ging mit den Kindern nach Kirchhain, von wo sie stammte. Sie
war eine bildschöne Frau.
Der Neubau der jüdischen Schule war erst 1913 eingeweiht
worden. Davor befand sich die Schule in den Räumen der Synagoge
im Scharwinkel. Der letzte Lehrer der Schule, Ferdinand Stern, war
ebenfalls der Rabbiner der jüdischen Gemeinde. Er wohnte mit seiner
Frau und seinen drei Kindern im oberen Geschoß der Schule. Herr
Stern wurde am Morgen der Reichspogromnacht wie alle anderen jüdischen
Männer im Landkreis verhaftet und im Gefängnis des Frankenberger
Amtsgerichtes inhaftiert. Am selben Tag, am 10.11.1938, wurde die
Schule verwüstet.
Als 13jähriger erlebte Heinrich Schwaner die Zerstörung der Schule.
40 Jahre danach veröffentlichte er seine persönlichen Erinnerungen
in einem Leserbrief. Er reagierte damit auf den Zeitungsartikel
„Bürger verhinderten Abbrennen der Synagoge" vom 9.11.1978, in
dem zum ersten Mal in der HNA berichtet wurde, daß es auch in
Frankenberg einmal jüdische Einwohner gab.
„Die Judenschule war dagegen bis zum Mittag des 10.11. noch
unversehrt. Den Lehrer der Schule, Herrn Leo Stern, auch Rabbiner
der jüdischen Gemeinde, hatte man schon in den frühen Morgenstunden
wegen angeblichen Spionageverdachts verhaftet. Er konnte daher
nicht Zeuge der Plünderung und Demolierung seiner Wohnung sein.
Sein Auto, einen kleinen BMW, hatte ein in der Nähe wohnender
SS-Mann in die Teichwiesen (heute Liegewiesen des Schwimmbades)
gefahren und angezündet. Erst gegen 12.15 Uhr wurde die Schule,
man höre und staune, von den 13jährigen Jungen einer Klasse der
damaligen Stadtschule (heute Ortenbergschule), demoliert. Sie
hatten während des damals üblichen politischen Unterrichts von
der Zerstörung der Synagogen, aus Rache für die Ermordung des
Botschaftssekretärs in Paris gehört. Diese Schulkinder waren durch
die damaligen Medien so verhetzt, daß sie nach dem Unterricht
spontan, ohne Mittagessen zur Judenschule stürmten. Gegen 13.00
Uhr wurden sie durch die Schüler der damaligen Landwirtschaftsschule
„unterstützt". Frau Stern war zuvor mit ihren Kindern und unter
Mitnahme des Schmucks und anderer Wertsachen zu Bekannten geflüchtet.
Fast alle neugierigen Zuschauer schüttelten nur den Kopf aber
keiner hatte den Mut, diese Schulkinder fortzujagen. Erst gegen
15.30 Uhr erschienen einige SS-Männer, die die Schule dann bewachten.
Zuvor war ein HJ-Führer in voller Uniform aufgekreuzt. Ich erinnere
mich noch genau, daß er sagte, es könnte alles zerschlagen werden,
es dürfte aber nichts mitgenommen werden...
Der damalige Rektor der Stadtschule, Herr Mausehund, war über
die Ausschreitungen seiner Schüler schwer empört. Die einzige
Strafe, die er erteilen konnte, war eine Moralpredigt am nächsten
Tag, die sich gewaschen hatte...".
(kin) Das Haus Hainstraße 31 war die Israelitische Schule in Frankenberg.
Unten befanden sich die Schulräume, darüber eine geräumige Fünf-Zimmer-Wohnung
für die Lehrerfamilie. Seit 1919 war Ferdinand Stern aus Zwesten
der Lehrer der israelitischen Schule. In diesem Jahr war er aus
Volkmarsen nach Frankenberg gezogen.
1921 heiratete der Lehrer Ferdinand Stern die bildschöne 24-jährige
Martha Katz aus Arolsen. Das Ehepaar bekam fünf Kinder: Helmut (geboren
1922), Manfred (1923), Bertha Lieselotte (1925), Richard Josef (1932)
und Max Heinz (1936).
Während der Kristallnacht im November 1938 kam es zu schwersten
Ausschreitungen gegen die Familie Stern und zur Zerstörung ihrer
Wohnung. Ferdinand Stern, 48 Jahre alt, wurde mit vielen anderen
jüdischen Männern in das KZ Buchenwald bei Weimar verschleppt. Kurz
nach seiner Ankunft dort starb er an den Folgen der brutalen Misshandlungen
in Frankenberg am 14. November 1938.
Frau Stern stand nun mit ihren Kindern alleine. Der älteste Sohn
Manfred war bereits seit 1937 zur Berufsausbildung in Frankfurt.
Frau Stern zog Mitte Februar 1939 mit ihrer 13-jährigen Tochter
Lieselotte und den beiden kleinen sieben und zwei Jahre alten Söhnen
Richard und Max nach Frankfurt zu einem Neffen ihres Mannes - Maurerstraße
36, 2. Stock, ist auf der Karteikarte in Frankenberg zu lesen. Sie
machte eine Ausbildung als Schneiderin und bemühte sich um Auswanderung.
Lieselotte und Helmut Stern entkommen aus Deutschland.
Im Mai 1942 wird Martha Stern zusammen mit ihren drei Söhnen Manfred,
19 Jahre alt, Richard (10) und Max Heinz (5) aus ihrer Frankfurter
Wohnung in der Weberstraße 7 im zweiten Stock verschleppt. Von der
Frankfurter Großmarkthalle gab es einen Massentransport in das besetzte
Polen, nach Lublin. Dort musste der Sohn Manfred Stern vermutlich
wie alle Männer zwischen 15 und 50 Jahren den Zug verlassen. Er
wurde in das nahe gelegene Konzentrationslager Majdanek gebracht,
wo er aufgrund der schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen in den
folgenden Wochen zu Tode gekommen sein muss.
Der Zug mit den Frauen, Kindern und alten Männern fuhr in das Vernichtungslager
Sobibor, wo das Öffnen der Zugtüren bedeutete, dass alle Personen
zwei Stunden später in den Gaskammern, in die sie unter größten
Täuschungen geführt wurden, vergast worden waren - so auch Martha
Stern mit den beiden Söhnen Richard und Max.
Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner
des Hauses Hainstraße. 31:
Ferdinand Stern - *16.10.1890 in Zwesten - 14.11.1938
KZ Buchenwald
Martha Stern geb. Katz - *30.9.1897 in Arolsen - 1942
Vernichtungslager Sobibor
Manfred Stern - *4.6.1923 in Frankenberg - 1942 KZ
Majdanek
Richard Josef Stern - *9.1.1932 in Frankenberg - 1942
Vernichtungslager Sobibor
Max Heinz Stern - *2.9.1936 in Marburg - 1942 Vernichtungslager
Sobibor |
(dol) Uli Dolenschall: Hier lebte... - Zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung
Frankenbergs. Herausgeber: VHS - Kreis-Volkshochschule Waldeck-Frankenberg
1994.