Frankenberger Zeitung
Dienstag, 30. März 2004

Dokumentation von Burgwaldschülern mit Preis belohnt
Auf den Spuren von Samson Dilloff

FRANKENBERG (js). Die Klasse 10 e der Burgwaldschule gewann einen Preis bei einem Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung. Ausgezeichnet wurde eine Dokumentation, die sie im Unterricht mit Deutschlehrer Karl-Hermann Völker über die Verfolgung der Juden in Frankenberg erarbeitete - genauer gesagt über das Schicksal von Samson Dilloff.


Die Dokumentation, mit der die Klasse 10 e beim bundesweiten Schülerwettbewerb einen Preis
gewonnen hatte, stellten die Schüler Bürgermeister Rüdiger Heß vor. Von links Till Finger,
Stadtarchivar Dr. Horst Hecker, Marcel Müller, Christiane Züfle, Bürgermeister Rüdiger Heß
und Deutschlehrer Karl-Hermann Völker. (Foto: js)

Wer war Samson Dilloff, der 1866 geboren wurde? Dazu trug die Klasse 10 e bei ihrer Recherche viel Interessantes zusammen. Herausgekommen ist eine fesselnde Dokumentation, die auch die Juroren bei dem Wettbewerb beeindruckte. Bei ihrer Spurensuche fanden sie eine Gedenktafel und einige Info-Plaketten, die auf jüdische Mitbürger hinwiesen.

Aber auf Samson Dilloff gab es keinerlei Hinweise. Er betrieb am Standort des heutigen Stadthauses ein Spirituosengeschäft und war Mitbegründer des Kaufmännischen Vereins. Als hoch angesehener Frankenberger Bürger engagierte er sich von 1919 bis 1933 als Stadtverordneter und wanderte 1938 nach New York aus. Im Wohngebiet am Schräling gibt es eine Dilloffstraße, jedoch ohne Erläuterungshinweis auf den Namensgeber.

Tafel entworfen

Unter dem Oberbegriff „Spuren des Nationalsozialismus" hatten die Schüler verschiedene Zeitzeugen befragt, forschten im Stadtarchiv, unterstützt von Stadtarchivar Dr. Horst Hecker, und lasen einige Schriften. In vielen freiwilligen Stunden entstand die Dokumentation für den bundesweiten Wettbewerb. „Alle haben sich beim Zusammentragen der Informationen viel Mühe gegeben", freute sich Lehrer Völker, der die Klasse 10 e auf die richtige Spur gebracht hatte.

„Was wir dabei über Verfolgte in der NS-Zeit auch hier bei uns gelernt haben, hat niemanden kalt gelassen", so der Deutschlehrer.

Der jährliche Schülerwettbewerb, der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, soll wichtige Themen in die Schulen hineintragen, methodische Anstöße geben und so die Lehrer unterstützen. Eine Delegation der Klasse 10 e überreichte ihre reich bebilderte Dokumentation und Wettbewerbsarbeit auch an Bürgermeister Rüdiger Heß. Die Schüler regten an, eine Erinnerungstafel am Stadthaus anzubringen, dort wo früher das Dilloffsche Haus stand. Ein Muster der in Frankenberg üblichen Hinweistafeln auf historische Gebäude und Begebenheiten in Verbindung mit einem Textvorschlag hatten sie beigefügt.


So könnte die Erinnerungstafel am Stadthaus aussehen, demonstriert
hier Christiane Züfle von der Klasse 10 e der Burgwaldschule.

Bürgermeister Rüdiger Heß würdigte die Aufarbeitung der jüngsten Frankenberger Geschichte und sagte den Autoren die Anbringung der Gedenktafel am Stadthaus zu.