Grammophon - Schülerzeitung an der Burgwaldschule Frankenberg
Nr. 69   Juni 2004

Erinnern an Samson Dilloff
Die Klasse 10 e schlägt eine kleine Gedenktafel am Stadthaus vor

Als am 30. März 1933, drei Monate nach Hitlers Machtergreifung, die neu gewählten Stadtverordneten im Rathaus der Stadt Frankenberg zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen traten, fehlten drei wichtige Personen: der deutschnationale, aber kritisch gegenüber der NSDAP eingestellte Bürgermeister Hugo Dertz, der gewählte sozialdemokratische Abgeordnete Alois Schulte und der jüdische Abgeordnete Samson Dilloff. Man hatte sie von der Versammlung ausgeschlossen.

Damit war auch in Frankenberg die Demokratie beendet. Es hatte „die sturmbewegte Gegenwart des neuen Deutschland zum ersten Male mit ihrer starken Faust auch in die Verwaltung unserer Ederstadt gefasst", wie eine Stimme im NS-Jargon in der „Frankenberger Zeitung" vom 31.3.1933 die Machtübernahme durch die Nazis beschrieb.

Wer war dieser Samson Dilloff, den die NS-Führung ohne rechtliche Handhabe mit zwei anderen Mandatsträgern einfach aus dem Frankenberger Stadtparlament hinauswarf? Wir machten uns auf die Spurensuche in der Frankenberger Altstadt, wo eine Gedenktafel und einige wenige Info-Plaketten auf die bis zum Nationalsozialismus hier lebenden jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt hinweisen. Für Samson Dilloff, der direkt neben dem zehntürmigen Rathaus (das heutige Stadthaus) ein Spirituosengeschäft betrieb, gibt es noch keine solche Hinweistafel.


Direkt neben dem zehntürmigen Rathaus stand das stattliche Haus der
Familie Dilloff, die im Erdgeschoss einen Handel mit Spirituosen und Textilien betrieb.

Dilloffs Branntweinladen

Dilloffs waren eine alteingesessene Frankenberger Familie. Ein Vorfahre, Heinemann Dilloff, machte 1814 im Regiment „Kurfürst" den Feldzug gegen Frankreich mit und ist auf der Gedenktafel in der Liebfrauenkirche verzeichnet. Philipp Dilloff, der Vater von Samson Dilloff, gründete 1856 eine Branntweinbrennerei und Likörfabrik, die weit über den Kreis hinaus einen guten Ruf hatte. Ein großes Schild in Form eines Schiffes mit Hinweisen an der Außenseite warb dafür.

Auf alten Fotos von Frankenberg kann man das Ladengeschäft mit der Inschrift „Ph. Dilloff' noch deutlich erkennen. Im 19. Jahrhundert hatte es zeitweilig als Poststelle gedient. Ältere Einwohner erinnerten sich daran, dass Dilloffs im Laden für eine Schifffahrtsgesellschaft die Fahrscheine nach Übersee verkauften.

Samson Dilloff wohnte mit seiner Frau Lina und den Söhnen Julius, Herbert und Albert zwischen Rathaus und Bäckerei Bartel (heute ebenfalls Teil des Rathauses).

Am Sabbat der jüdischen Gemeinde, also am Samstag der christlichen Nachbarn, war das Geschäft offiziell geschlossen. Aber am Sonntagmorgen stand die Ladentür zumindest inoffiziell offen. Im benachbarten Bottendorf ist überliefert, dass Spaziergänger manchmal Sonntagmorgens nach Frankenberg wanderten und bei Dilloffs auf dem Obermarkt zu einem Gläschen Schnaps einkehrten. Dann sagten die Bottendorfer ironisch: "Sie sind beim Dilloff in der Kirche."


Das Geschäft der Familie Dilloff, das
vom Obermarkt her betreten werden konnte.

Außer der Familie Samson und Lina Dilloff, die in dem Haus neben dem Rathaus wohnten, lebten auch noch andere Dilloff-Familien in Frankenberg. Jonas Dilloff wohnte im Haus Untermarkt Nr. 8. Er war kinderlos, lebte vom Fellhandel und von seiner Arbeit als Schächter (er schlachtete das Vieh nach jüdischem Ritus).


Auf diesem Bild, an der Ecke des
Frankenberger Rathauses aufge-
nommen, ist vermutlich Lina Dilloff
mit einem Enkelkind zu erkennen.

Eine alte Frau Dilloff wohnte in dem Haus neben der Rathausapotheke in der Steingasse Nr. 19, ihre Tochter hieß Recha. Am Haus war eine Kuh, das Zeichen des Viehhandels, angebracht. Die Steingasse Nr. 20, wo sich heute die Schreinerei Hartmann befindet, bewohnte der alte Jakob Dilloff. Er hatte zwei Töchter, Jeny und Berta.

Eine Augenzeugin erzählte von Jakob Dilloff 1984: „Arn Schawwes (Sabbat) kam Herr Dilloff aus der Synagoge. Der Tisch war festlich mit Matzen gedeckt. Ein besonderer Leuchter (die Menora) zierte den Tisch. Die Nachbarn legten Kohle und Holz zur Erhaltung des Feuers auf, weil die Juden dies am Schawwes nicht durften."

Bei unserer Stadterkundung auf den Spuren der Familien Dilloff entdeckten wir auf dem jüdischen Friedhof der Stadt Frankenberg noch mehrere Grabsteine, die auf Angehörige dieses Namens hinwiesen.


Der Name Dilloff ist auf dem jüdischen Friedhof
an der Gernshäuser Straße noch mehrfach zu finden.

In der Liste der 120 jüdischen Frankenberger Bürger, die sich während der Nazi-Zeit zur Auswanderung entschieden oder in einem anderen Ort Deutschlands Zuflucht suchten, befinden sich allein 14 Angehörige mit dem Namen Dilloff. Die meisten von ihnen gaben New York als Auswanderungsziel an. Unter ihnen war auch Samson Dilloff, geb. 16.2.1866, der sich am 25.5.1938 aus seiner Heimatstadt mit dem Zielhafen New York abmeldete.

Der Kommunalpolitiker Samson Dilloff

Samson Dilloff gehörte zu den angesehenen Bürgern der Stadt Frankenberg. 1908 gründete er zusammen mit anderen Kaufleuten den Kaufmännischen Verein. Schon frühzeitig mit Beginn der Weimarer Republik, war er auch politisch aktiv. Bei den ersten demokratischen Stadtverordnetenwahlen stand er. auf dem (noch nicht so ausgewiesenen sozialdemokratischen) Wahlvorschlag Nr. 1. Folgende 18 Abgeordnete zogen in das Stadtparlament ein:

Wahl zur Stadtverordnetenversammlung 2.3.1919
Wahlberechtigt ...........................................................rd. 2 200
abgegebene Stimmen ...................................................... 1 200
Es entfallen auf die Wahlvorschläge
I. Kugel............................................................................ 440
II. Gatterdam ................................................................... 302
III. Trost ......................................................................... 45S
Gewählt sind vom Wahlvorschlag I.
                   1. Friedrich Kugel, Zementwarenfabrikant
                   2. Daniel Schellberg. Klempnermeister
                   3. Heinrich Brand, Straßenarbeiter
                   4. Samson Dilloff, Kaufmann
                   5. Auglut Feisel, Eisenbahnunterassistent
                   6. Hartmann Scholl, Zimmermeister
                   7. Hermann Daube, Mühlenbesitzer
Wahlvorschlag II.
                   1. Wilhelm Gatterdam. Landesrentmeister
                   2. Dr. Fritz Vahle. Medizinalrat
                   3. Heinrich Schwieder, Gutsbesitzer
                   4. Otto Kleinsorg, Eisenbahnwerkmeister
Wahlvorschlag III.
                   1. Frilz Trost, Kaufmann
                   2. Julius Finkeldey, Landwirt
                   3. Christian Jacobi, Kaufmann
                   4. Hermann Balz, Privatmann
                   5. Karl Brohmer, Seminarlehrer
                   6. Wilhelm Ortwein, Lederfabrikant
                   7. Heinrich Menge, Bahnmeister

Bei den Stadtverordnetenwahlen im Jahr 1924 war Samson Dilloff erstmals offiziell auf der Liste einer „Vereinigten Sozialdemokratischen Partei" vertreten und errang drei Mandate.

Wahl zur Stadtverordnetenversammlung 4.5.1924
1. Neutrale Bürgerliste (Konrad Rüssel)
2. Vereinigter Wahlvorschlag der Landwirtschaft
und des Gewerbes, (Heinrich Schwieder)
3. Vereinigle Sozial-Demokratische Partei, (Samson Dilloff)
4. Vaterländische Liste für sozialen Fortschritt
(Heinrich Oppermann)
5. Bürgerliste (Daniel Schellberg)
6. Wahlliste Hasecke-Balz (Heinrich Hasecke)
7. Wahlvorschlag Gatterdam (Wilhelm (Gatterdam)
 Sitze
1
4

3
3

1
3
1

Bei den nächsten Kommunalwahlen zog Samson Dilloff zusammen mit Alois Brand von der sozialdemokratischen Liste in das Stadtparlament ein:

Wahl zur Stadtverordnetenversammlung 17.11.1929

Sozialdem. Partei Deutschlands (Brand, Dilloff)
Kommunistische Partei (Pickel, Sasse)
Parteilose Liste (Balz, Müller)
Allgemeine Bürgerliste (Ortwein, Gatterdam)
AG. Hausbesitz, Beamte, Handel und Gewerbe
Liste Fritz Trost, Jacobi, Gilbert, Reinig
Liste der Schaffenden (Pausch, Schulte)
Liste Schellberg, Butterweck
Wirtschaftl. Bürgerliste (Finkeldey, Linneborn)
Liste Gerlach. Beil. Ritter
Liste Hasecke, Marschik
Vaterländische Liste (Dr. Ouentin. Duchardt)
Verein. Wirtschaftsliste (Schwieder, Gohlich)

Zusammen
Stimmen
205
26
105
50
94
384
120
102
38
302
141
168
136

1871
Sitze
2
0
1
0
1
4
1
1
0
3
1
1
1

16

Am 9.12.1929 wurde Samson Dilloff, der mittlerweile über große kommunalpolitische Erfahrung und viel Vertrauen in seiner Heimatstadt verfügte, von der Stadtverordnetenversammlung in den Magistrat gewählt.

Bei den letzten noch scheinbar „freien" Wahlen zur Frankenberger Stadtverordnetenversammlung im März 1933 trat Samson Dilloff zwar noch an, aber merkwürdigerweise nicht mehr auf der sozialdemokratischen Liste. Ob man sich dort scheute, den jüdischen Kaufmann noch einmal aufzunehmen?

Jedenfalls stellte der bekannte Bürger Samson Dilloff also eine eigene Liste auf, erhielt immerhin noch 101 Stimmen und damit ein Mandat im Frankenberger Stadtparlament.

Und so sah das Ergebnis der letzten freien Wahlen 1933 aus:

Wahl zur Stadtverordnetenversammlung 12.3.1933

1. Nationalsozial. Deutsche Arbeiterpartei
2. Sozialdemokratische Partei
3. Beamtenschaft der Stadt Frankenberg
4. Gäßler, Jacobi, Gilbert
5. Nationale Liste
6. Gerlach, Ritter. Heinz, Rüppel
7. Neutrale Bürgerliste
8. Dilloff, Samson
9. Liste des schaffenden Volkes
10. Kampfgemeinschaft für Gerechtigkeit
11. Hasecke. Kornemann, Tripp
Stimmen
665
151
191
300
122
312
131
101
94
51
85
Sitze
6
1
1
2
1
3
1
1
0
0
0
__
16

Bei der öffentlichen Magistratssitzung am 16. März 1933 unter Vorsitz von Bürgermeister Dertz durfte Samson Dilloff als Magistratsmitglied noch die „ordnungsgemäße Vollziehung der Wahl, die Berechnung der abgegebenen Stimmen und die Richtigkeit der vom Wahlvorstand getroffenen Entscheidungen..." durch seine Unterschritt bestätigen.


Mit ihrer Unterschrift bestätigten Bürgermeister
Dertz und Samson Dilloff noch die Richtigkeit der
letzten „freien" Stadtverordnetenwahl.

Es herrscht von nun an das ,,Führerprinzip"

Ein paar Tage später wurden in der Stadt Frankenberg durch die städtische Polizei mehrere Kommunisten, die sich bei den Kommunalwahlen im März 1933 zu einer Kandidatenliste vereinigt hatten, festgenommen und in das Amtsgerichtsgefängnis in Frankenberg eingeliefert. Das gleiche geschah im gesamten Landkreis. Die Sozialdemokraten sollten zwar auf Anweisung von Innenminister Göring im Reich offiziell noch nicht behindert werden, es gab jedoch tatsächliche Behinderungen einzelner Mitglieder durch so genannte „richterliche oder polizeiliche Maßnahmen".

Die Juden waren mit Hitlers Machtergreifung sofort Repressionen ausgesetzt. Was gab den Frankenberger Nationalsozialisten das Recht, den parteiunabhängigen Stadtverordneten Samson Dilloff auszuschließen? Wir vermuten, dass allein schon das Parteiprogramm der NSDAP vom 25.2.1920 ausreichte, das in $ 4 erklärte: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein." Und in § 6 hieß es: „Das Recht, über Führung und Gesetze des Staates zu bestimmen, darf nur dem Staatsbürger zustehen. Daher fordern wir, dass jedes öffentliche Amt, gleichgültig welcher Art, gleich ob im Reich, Land oder Gemeinde, nur durch Staatsbürger bekleidet werden darf." Das war für die NS-Wortführer offensichtlich Grund genug, um dem Juden Samson Dilloff nach jahrzehntelanger Mitarbeit in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung sein Ehrenamt zu verweigern.

Am 30. Juni 1933 wurde der Ausschluss dann auch noch offiziell gemacht: Stadtverordnetenvorsteher Gäßler gab in der Stadtverordnetensitzung ein Schreiben des Landrats von Winterfeld an die Stadtverordneten Dilloff und Schulte bekannt, wonach den Genannten polizeilich aufgegeben wurde, sich jeder Mandatsausübung zu enthalten. Dilloff traf das Verbot als Jude, und Schulte war Abgeordneter der Sozialdemokratischen Partei, die kurz zuvor im Reichsgebiet verboten worden war.

Am 23. März 1933 hatte Hitler im Reichstag das Ermächtigungsgesetz durchgesetzt, das angeblich „zur Behebung der Not des Volkes" bestimmt war, aber den Nationalsozialisten die absolute Macht verlieh. Um dieses Gesetz zu verabschieden, war eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Mit 444 Stimmen von NSDAP, DNVP (Deutschnationale Volkspartei), BVP (Bayerische Volkspartei) und Deutscher Staatspartei wurde das Gesetz angenommen.

Lediglich 94 Abgeordnete der SPD stimmten nicht zu. Die KPD durfte nicht mit abstimmen, weil ihre Sitze im Parlament für ungültig erklärt worden waren. Später wurden auch die anderen Parteien verboten.

Das wirkte sich aus bis auf unterste kommunale Ebene: Der von den Nazis eingesetzte kommissarische Frankenberger Bürgermeister Ockershausen berichtete im September 1933 in der Stadtverordnetenversammlung über die große Bedeutung der Einführung des preußischen Staatsrates, wodurch das Ende des parlamentarischen Systems besiegelt werde.

Es sei zu erwarten, dass im Zuge der Durchführung des „Führerprinzips" die Kommunalkörperschaften (Stadtverordnetenversammlung und Magistrat) schon in nächster Zeit als Beschlussorgane aufgelöst würden, kündigte Ockershausen den Frankenberger Bürgern an.

Von da ab fällten die von der NSDAP eingesetzten Bürgermeister und Landräte ihre Entscheidungen allein. Mehrheitsbeschlüsse der Mandatsträger waren nicht mehr notwendig.

Formen des Gedenkens

Bei unserer Spurensuche nach Hinweisen auf die jüdischen Familien in Frankenberg, insbesondere die Dilloffs, begannen wir in der Schirn des zehntürmigen Frankenberger Rathauses. Dort, wo samstags die Landfrauen ihren Wochenmarkt halten, befindet sich die von der Stadt Frankenberg am 17.1.1986 befestigte Gedenktafel mit folgendem Text:

IN DIESER STADT LEBTEN SEIT DEM 13. JAHRHUNDERT JÜDISCHE EINWOHNER. DIE MENSCHEN DER EHEMALIGEN JÜDISCHEN GEMEINDE WURDEN WÄHREND DER NAZI- HERRSCHAFT 1933 - 1945 GE-DEMÜTIGT, ENTRECHTET, VER-TRIEBEN, VERSCHLEPPT UND ERMORDET. IHR SCHICKSAL DARF NICHT VERGESSEN WERDEN. ES MAHNT UNS, AUCH DER ANDEREN OPFER DER HITLERDIKTATUR ZU GEDENKEN.


Diese Gedenktafel hängt heute in der
Rathaushalle. Ursprünglich sollte sie am
Haus Dilloff ihren Platz bekommen -
doch aus Sicherheitsgründen kam sie ins Rathausinnere.

Unser Weg führte uns an der ehemaligen Synagoge vorbei, die in der Pogromnacht im November 1938 von den Nazis nicht zerstört wurde, weil angrenzende Scheunen gefährdet gewesen waren. Dafür wurde ihr Inneres aber umso gründlicher demoliert. Auch hier erinnert bis heute noch keine der üblichen Gedenkplaketten an die Geschichte des Hauses.


Auf dem jüdischen Friedhof fanden wir
zahlreiche Grabsteine mit Hinweisen auf die Familien Dilloff.

Über den jüdischen Friedhof der Stadt Frankenberg gingen wir dann weiter zum ehemaligen Schulhaus an der Hainstraße, Ecke Rosenthaler Straße. Hier lasen wir auf einer Gedenkplakette:

Frühere Judenschute. 1905-06 von der israelitischen Gemeinde als Schule mit Lehrerwohnung erbaut. Im Novemberpogrom (10.11.1938) wurde das Mobiliar der Schul- und Wohnräume demoliert. Lehrer Ferdinand Stern starb am 14.11.1938 im KZ 'Buchenwald. 1939 erwarb die Stadt die Schule und baute sie zu Wohnungen um.

Als Lehrer Stern dieses Schicksal erlitt, hatte Samson Dilloff sich ein paar Monate zuvor mit seiner Familie nach Amerika retten können.


Die ehemalige jüdische Schule der Stadt.

Während es im Altstadtbereich noch keinen erinnernden Hinweis auf die Familie Dilloff gibt, entschloss sich die Stadt Frankenberg 1994, im Neubaugebiet Wermersdorf/Schräling je eine Straße dem umgekommenen jüdischen Lehrer Stern sowie Samson Dilloff zu widmen.

Leider ließ man auf den Straßenschildern die Vornamen der beiden Männer weg, auch ein erläuterndes Hinweisschildchen fehlt. Damit bleibt für Ortsfremde leider verborgen, an wen diese Straßennamen eigentlich erinnern sollen. Aber immerhin - an dieser Stelle im Neubaugebiet gedenkt die Stadt Frankenberg an Samson Dilloff, der 1933 aus dem Stadtparlament vertrieben wurde.

Wir wanderten durch die Altstadt zurück, blieben vor einigen Wohnhäusern ehemaliger jüdischer Familien stehen, so auch vor dem Neubau des Verwaltungsgebäudes an der Stelle, wo neben dem historischen Rathaus früher einmal das Fachwerkhaus der Kaufmannsfamilie Dilloff gestanden hat. An dieser Stelle könnte nach unserer Vorstellung ein kleines Hinweisschild, so wie sie in Frankenberg an historischen Gebäuden üblich sind, aufgehängt werden.


Hier, am Frankenberger Stadthaus,
sollte eine Erinnerungsplakette für
Samson Dilloff angebracht werden.

Wir wollen dies dem Magistrat und dem Bürgermeister der Stadt Frankenberg vorschlagen, und dann werden wir auch unseren Entwurf für den Text der Erinnerungsplakette mit senden. Die kleine Gedenktafel kann natürlich nur die wichtigsten Daten aus dem Leben des Samson Dilloff enthalten. Alle, die mehr über diesen Frankenberger Bürger erfahren wollen, können unsere Dokumentation lesen.

Und so könnte nach unserem Vorschlag die Gedenkplakette
am ehemaligen Haus von Samson Dilloff aussehen:

Hier lebte bis 1938 der jüdische Kaufmann
Samson Dilloff mit seiner Familie. Als Magistratsmitglied
und Sozialdemokrat war er sehr angesehen. Im März 1933
wurde er von den NS-Machthabern aus dem Parlament
ausgeschlossen. Seine Familie wanderte 1938 nach
New York aus, das Haus kam in den Besitz der Stadt.


Verwendete Quellen und Literatur:
Dolenschall, Ulrich: Hier lebte... Zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung Frankenbergs. Frankenberg. 1994.
Helmut Wissemann, Chronik Frankenberg, Bd. 2. 1996.
Magistratsprotokolle aus dem Stadtarchiv Frankenberg.
Frankenberger Zeitungen im Stadtarchiv Frankenberg.

Klasse 10e gewann Preis im Schülerwettbewerb

Mit ihrer Arbeitüber das Haus von Samson Dilloff gewann die Klasse 1Oe der Burgwaldschule beim Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung in der Themengruppe „Spuren des Nationalsozialismus" einen Klassenpreis: pro Schüler ein Sachbuch im Wert von 10 Euro.

Bürgermeister Rüdiger Heß freute sich mit der Klasse, die ihm für sein Stadtarchiv ein Exemplar der Arbeit überreichte. Er gratulierte den Burgwaldschülern zu ihrem Erfolg und lobte ihre sorgfältige Nachsuche.

Was die Klasse aber besonders freute: Bürgermeisler Heß, dessen Dienstzeit wenig später endete, versprach den Schülern und Herrn Völker als betreuendem Lehrer, dass die von ihnen vorgeschlagene Texttafel am Stadthaus, wo ehemals das "Dilloffsche Haus" gestanden hat, angebracht werden soll. Die Stadtverwaltung leitete auch die Umsetzung dieses Vorschlages gleich weiter.


Die Dokumentation über das Haus Dilloff überreichte die Klasse 10e an Ort und
Stelle dem Frankenberger Bürgermeister Rüdiger Heß. Das Bild zeigt von links
Till Finger, Stadtarchivar Dr. Horst Hecker, Marcel Müller, Christiane Züfle,
Bürgermeister Heß und Deutschlehrer Karl-Hermann Völker.