HNA - Frankenberger Allgemeine
Samstag, 24. September 2005
Stolpern statt vergessen
Steine, eingelassen in den Bürgersteig, sollen an jüdische
Mitbürger erinnern
Von Melke Schilling
FRANKENBERG. Über etwas stolpern - nicht mit den Füßen,
sondern mit den Augen. Dafür sollen bald auch in Frankenberg die
Stolpersteine sorgen. Stolpersteine: So heißt das Projekt des
Künstlers Gunter Demnig, mit dem an die Opfer des Nationalsozialismus
erinnert werden soll.
Die Stolpersteine werden in den Bürgersteig eingelassen, vor Häusern,
in denen jüdische Mitbürger und politisch Verfolgte der Nationalsozialisten
lebten und aus denen sie vertrieben und deportiert wurden. Die Stolpersteine
sind aus Beton gegossen und tragen eine zehn mal zehn Zentimeter große
Messingplatte. Darauf ist zu lesen: "Hier wohnte" und darunter
der Name, Jahrgang und das weitere Schicksal des Menschen.

Stolperstein: Der Künstler Gunter Demnig
zeigt einen Stolperstein, der in der Hornberger
Salzgasse (Schwalm-Eder-Kreis) verlegt wurde.
ARCHIVFOTO: LOHR
Bei der Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend sprachen sich alle
Fraktionen einhellig dafür aus, das Projekt in Frankenberg zu unterstützen.
Wie Bürgermeister Christian Engelhardt während der Sitzung
sagte, wurde er von der Frankenberger Initiativgruppe Stolpersteine
auf das Gedenkprojekt aufmerksam gemacht. Sprecherin der Gruppe ist
Almuth Limmroth, Leiterin des Kreisheimatmuseums.
Das Projekt habe eine hohe Bedeutung für die Stadt Frankenberg,
sagte der Bürgermeister. "Es mahnt uns nachfolgende Generationen,
Toleranz gegenüber Menschen anderer Religion, anderer politischer
Gesinnung oder auch anderer Hautfarbe auszuüben." Engelhardt
erinnerte an die Frankenberger Juden, die vom Völkermord betroffen
waren und sagte weiter: "Die Gedenksteine lassen uns über
unsere Vergangenheit stolpern, sie kämpfen gegen das Vergessen
an."
Die Stadt will für jeden Stolperstein ein Stück Bürgersteig
zur Verfügung stellen. Stolpern muss aber niemand, denn die Steine
werden ebenerdig in den Bürgersteig eingelassen. Bezahlen muss
die Stadt nichts, die Pflastersteine werden durch Patenschaften finanziert.
Bisher kommen Bürgersteige vor folgenden Grundstücken in Betracht:
Bahnhofstraße 4, Hainstraße 31, Obermarkt 14, Steingasse
20, Untermarkt 8 und Untermarkt 16. Außerdem, so der Bürgermeister,
könnte ein Stein vor der ehemaligen Synagoge im Scharwinkel 4 gesetzt
werden.