HNA - Frankenberger Allgemeine
Mittwoch, 2. November 2005

Stolpersteine zum Gedenken
Pogromnacht: Initiativgruppe stellt am 9. November ihr Projekt vor

FRANKENBERG. Das Schicksal der unter der Nazi-Herrschaft aus Frankenberg vertriebenen und ermordeten jüdischen Einwohner wird im Mittelpunkt einer Gedenkveranstaltung stehen, zu der die Initiativgruppe "Stolpersteine" am Mittwoch, 9. November, um 19 Uhr in den Kapellenraum des Kreis-Heimatmuseums in Frankenberg einlädt. Erinnert werden soll an die Ereignisse der Pogromnacht vom 9. November 1938, zugleich stellt die Gruppe aber auch das für Frankenberg geplante Projekt mit "Stolpersteinen" des Künstler Gunter Demnig vor.

Der Anstoß für diese Form der Erinnerung war vor Monaten aus dem Frankenberger Verein "Kunsttreff" gekommen. Inzwischen haben sich in dieser Initiativgruppe Vertreter von Frankenberger kulturtragenden Vereinen wie Volkshochschule, Geschichtsverein, Museumsverein, Kulturring und Kunsttreff mehrfach zu Arbeitssitzungen getroffen. Weitere Unterstützung wurde von Vertretern beider Kirchen und der Gewerkschaften zugesagt. Mit großer Einmütigkeit stimmten nun auch das Frankenberger Stadtparlament und der Magistrat dem Einbringen der kleinen Namenssteine auf städtischen Flächen zu (HNA berichtete).

Bei der ersten öffentlichen Veranstaltung zu dieser Thematik am 9. November soll zunächst das Projekt des Künstlers Gunter Demnig (Köln) vorgestellt werden, der seit 1993 in enger Zusammenarbeit mit Historikern an den ehemaligen Wohnorten der Deportierten in vielen Städten Europas, kürzlich auch in Schwalmstadt-Treysa, einige tausend "Stolpersteine" mit eingravierten Namen und Daten verlegt hat. Sie tragen jeweils die Aufschrift "Hier wohnte...", dann folgen Namen, Lebensdaten und Todesort der ehemaligen jüdischen Hausbewohner.


Kennkarten: Diese 1939 ausgestellten Kennkarten mit
dem diskriminierenden Stempel "J" und den verordneten
Zwangsnamen Sarah oder Israel gehören im Frankenberger
Stadtarchiv zu den letzten Erinnerungsstücken an die
jüdische Bevölkerung der Stadt.          FOTO: VÖLKER

Mit Daten aus dem Bundesarchiv, Einwohnermeldekarteien und aus Archiven hat in den vergangenen Wochen Monica Kingreen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fritz-Bauer-Institut der Universität Frankfurt, weitere bisher unbekannte Schicksale von Frankenberger Judenfamilien klären können. Sie wurde dabei von Stadtarchivar Dr. Horst Hecker unterstützt. Ihre Ergebnisse wird sie am 9. November im Frankenberger Kreisheimatmuseum vorstellen.

Mit Bildern von der Pogromnacht 1928 in Nordhessen und Frankenberg und einem Gedenken an die Opfer soll die öffentliche Veranstaltung zu Ende gehen. (ZVE)


Familie Katzenstein: Sie wohnte bis 1939
in diesem Geschäftshaus, wurde dann von
der NS-Ver-waltung zwangsweise in die
Frankenberger Synagoge umquartiert.
Jacob und Rosalie Katzenstein kamen
beide 1942 in Theresienstadt um.