HNA
- Frankenberger
Allgemeine
Samstag,
17. Dezember 2005
Paten für Stolpersteine
Messingtafeln im Pflaster zur Erinnerung an jüdische Mitbürger
FRANKENBERG. Der Gedenkabend zur Pogromnacht 1938 im Kreis-Heimatmuseum,
bei dem an die Schicksale der vom NS-Regime ermordeten jüdischen Frankenberger
erinnert wurde (HNA berichtete), löste in der Stadt lebhaftes Interesse
aus. Spontan meldeten sich Bürger, die im Stadtgebiet Patenschaften
für so genannte „Stolpersteine" mit den Namen von Opfern übernehmen
wollen.
Erstmals hatte sich in dieser Veranstaltung am 10. November die neu
gebildete Frankenberger Initiativgruppe Stolpersteine öffentlich vorgestellt
und das Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig erläutert: Der versieht
die kleinen Pflastersteine mit Messingtafeln und stanzt unter der Überschrift
„Hier wohnte" die Namen und Schicksale der einzelnen Personen mit Schlagbuchstaben
ein.

Stolpersteine: So sehen die kleinen Gedenkplatten aus, die im
März 2006 der Kölner
Künstler Gunter Demnig auch im Frankenberger Straßenpflaster verlegen
wird. Die
hier abgebildeten Stolpersteine wurden voriges Jahr in Treysa für die
Familie Moses
gesetzt. FOTOS: VÖLKER
Bürgermeister, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung
der Stadt Frankenberg beschlossen einmütig, für die Einbringung der
zehn mal zehn Zentimeter großen Plakettensteine die Gehsteigflächen
vor den Häusern zur Verfügung zu stellen. Bisher gibt es in Frankenberg
noch kein namentliches Gedenken für die NS-Opfer, sondern lediglich
eine allgemein gehaltene Erinnerungstafel in der Rathausschirn.
Nachdem inzwischen Monica Kingreen vom Fritz-Bauer-Institut an der Universität
Frankfurt eine bisher noch ungesicherte Zahl von Schicksalen deportierter
und ermordeter Frankenberger Einwohner klären konnte, nahm die Initiativgruppe
Stolpersteine jetzt die konkrete Planung auf. Zunächst sollen vor fünf
Häusern insgesamt 16 Steine verlegt werden: Bahnhofstraße 4 (Familie
Katzenstein), Hainstraße 31 (Familie Stern), Obermarkt 14 (Familie Plaut),
Pferdemarkt 8 (Familie Marx) und Untermarkt 16 (Karl Richter, siehe
Porträt-Foto).

Karl Richter
Auch ein Termin für die Verlegung der Steine in Frankenberg
ist, wie in der jüngsten Sitzung der Initiativgruppe bekannt gegeben
wurde, schon vorgesehen. Danach plant der Künstler Gunter Demnig am
20. März 2006 nach Frankenberg zu kommen und an fünf Stellen - weitere
sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen - die Gedenk-Pflastersteine
zu verlegen.
Für Bürger, die das Projekt mit einer Patenschaft unterstützen wollen,
wurde von der Initiativgruppe Stolpersteine ein Sonderkonto (Konto-Nr.
9173436, Sparkasse Waldeck-Frankenberg, BLZ 52350005) eingerichtet.
Die Kosten für einen Stolperstein werden mit 95 Euro beziffert. (ZVE)