HNA
- Frankenberger
Allgemeine
Dienstag,
27. Dezember 2005
Das Haus in der Bahnhofstraße 4
Ehepaar Katzenstein wurde 1941 gezwungen, sein Heim zu verlassen
FRANKENBERG. Im Haus Bahnhofstraße 4 (siehe historisches Bild
unten) führte das Ehepaar Jakob und Rosalie Katzenstein ein Textilgeschäft.
Vermutlich um 1890 kamen Jakob und Rosalie Katzenstein, die aus Frankenau
beziehungsweise aus Korbach stammten, nach ihrer Eheschließung nach
Frankenberg und eröffneten dort das Textilgeschäft. Ihr einziger Sohn
Albert fiel im Ersten Weltkrieg für sein deutsches Vaterland. Er war
einer von zwei Gefallenen der Jüdischen Gemeinde Frankenberg.

Textilgeschäft Katzenstein: Hier, im Haus Bahnhof-
straße 4 neben dem Postamt, führte in Frankenberg
die Familie Katzenstein bis zur Verfolgung durch die
Nazis ein angesehenes Textilgeschäft. FOTO: VÖLKER
Ihnen zur Seite stand als Haushaltshilfe Hilde Blum, die als 17-jährige
im Mai 1939 im Haus der Bahnhofstraße 4 gemeldet ist. Seit dem Februar
1939 lebte sie aus Friedrichsroda kommend, bei Katzensteins.
Vermutlich Ende 1941 wurde das Ehepaar gezwungen, sein Haus zu verlassen.
Es wurde zwangsweise in das Gebäude der im November 1938 geschändeten
und im Inneren zerstörten Synagoge, Scharwinkel 4, einzuziehen. Seit
Januar 1941 lebte bei dem Ehepaar Katzenstein noch die Schwester von
Frau Katzenstein, das war Hedwig Weitzenkorn aus Korbach. Die Hausgehilfin
Hilde Blum war zu dieser Zeit vermutlich bereits in Leipzig. (Offiziell
wird sie allerdings erst zwei Tage vor ihrer Verschleppung aus Leipzig
in Frankenberg abgemeldet).
Tod in Theresienstadt
In der Frühe des 6. September 1942 wurde der 77-jährige Jakob Katzenstein
gemeinsam mit seiner 72-jährigen Ehefrau Rosalie und deren 57-jährigen
Schwester Hedwig Weitzenkorn unter Androhung schwerster Strafen bei
Nichtbefolgung vom Ortsgendarm zum Frankenberger Bahnhof geführt und
in ein Sammellager nach Kassel gebracht. Von dort gab es einen Massentransport
am nächsten Tag in das Ghetto Theresienstadt. Am 27. November 1942 starb
Jakob Katzenstein bei fürchterlichsten hygienischen Verhältnissen im
Ghetto Theresienstadt. Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes starb
auch Rosalie Katzenstein am 13. Januar 1943, ihre Schwester Hedwig Weitzenkorn
kam eine Woche später am 20. Januar 1943 in Theresienstadt zu Tode.
Hilde Blum, die Hausgehilfin der Katzensteins, wurde im Januar 1942
von Leipzig nach Riga in Lettland verschleppt. Ein letztes Lebenszeichen
gibt es von ihr vom 1. Oktober 1944, als sie zwei Tage vor ihrem 22.
Geburtstag im KZ Stutthoff bei Danzig registriert wird. (BF)
Hintergrund
Erinnerung
Stolpersteine sollen erinnern an die Bewohner des Hauses in der Frankenberger
Bahnhofstraße 4 (siehe Artikel oben).
Jakob Katzenstein - *8.4.1865 in Frankenau - 27.11.1942
Ghetto Theresienstadt
Rosalie Katzenstein geb. Weitzenkorn - *6.5.1870 in Korbach
- 13.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hedwig Weitzenkorn - *30.3.1885 in Korbach - 20.1.1943
Ghetto Theresienstadt
Hilde(gard) Blum - *3.10.1923 in Borken - KZ Stutthoff.
(BF)