HNA - Frankenberger Allgemeine
Sonntag, 15. Januar 2006

Schulhaus wurde verwüstet
Die Namen der ermordeten jüdischen Frankenberger - Teil 3
Von Monica Kingreen



FRANKENBERG. Das Haus Hainstraße 31 war die Israelitische Schule in Frankenberg. Unten befanden sich die Schulräume, darüber eine geräumige Fünf-Zimmer-Wohnung für die Lehrerfamilie. Seit 1919 war Ferdinand Stern aus Zwesten der Lehrer der israelitischen Schule. In diesem Jahr war er aus Volkmarsen nach Frankenberg gezogen.


Hainstraße 31: In der Israelitischen Schule
Frankenbergs wohnte bis zur Pogromnacht
im November 1938 die Lehrerfamilie Stern.

1921 heiratete der Lehrer Ferdinand Stern die bildschöne 24-jährige Martha Katz aus Arolsen. Das Ehepaar bekam fünf Kinder: Helmut (geboren 1922), Manfred (1923), Bertha Lieselotte (1925), Richard Josef (1932) und Max Heinz (1936).

Während der Kristallnacht im November 1938 kam es zu schwersten Ausschreitungen gegen die Familie Stern und zur Zerstörung ihrer Wohnung. Ferdinand Stern, 48 Jahre alt, wurde mit vielen anderen jüdischen Männern in das KZ Buchenwald bei Weimar verschleppt. Kurz nach seiner Ankunft dort starb er an den Folgen der brutalen Misshandlungen in Frankenberg am 14. November 1938.


Zerstört: Das Auto des Lehrers Stern wurde von NS-Tätern in den Teichgrund gerollt
und zerstört. Am nächsten Tag ließen sich Schuljungen mit dem Wrack fotografieren.
FOTOS: VÖLKER

Frau Stern stand nun mit ihren Kindern alleine. Der älteste Sohn Manfred war bereits seit 1937 zur Berufsausbildung in Frankfurt. Frau Stern zog Mitte Februar 1939 mit ihrer 13-jährigen Tochter Lieselotte und den beiden kleinen sieben und zwei Jahre alten Söhnen Richard und Max nach Frankfurt zu einem Neffen ihres Mannes - Maurerstraße 36, 2. Stock, ist auf der Karteikarte in Frankenberg zu lesen. Sie machte eine Ausbildung als Schneiderin und bemühte sich um Auswanderung. Lieselotte und Helmut Stern entkommen aus Deutschland.

Im Mai 1942 wird Martha Stern zusammen mit ihren drei Söhnen Manfred, 19 Jahre alt, Richard (10) und Max Heinz (5) aus ihrer Frankfurter Wohnung in der Weberstraße 7 im zweiten Stock verschleppt. Von der Frankfurter Großmarkthalle gab es einen Massentransport in das besetzte Polen, nach Lublin. Dort musste der Sohn Manfred Stern vermutlich wie alle Männer zwischen 15 und 50 Jahren den Zug verlassen. Er wurde in das nahe gelegene Konzentrationslager Majdanek gebracht, wo er aufgrund der schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen in den folgenden Wochen zu Tode gekommen sein muss.

Der Zug mit den Frauen, Kindern und alten Männern fuhr in das Vernichtungslager Sobibor, wo das Öffnen der Zugtüren bedeutete, dass alle Personen zwei Stunden später in den Gaskammern, in die sie unter größten Täuschungen geführt wurden, vergast worden waren - so auch Martha Stern mit den beiden Söhnen Richard und Max.


Martha Stern: Sie starb
im Vernichtungslager Sobibor.

Die Frankenberger Initiativgruppe „Stolpersteine" hat ein Spendenkonto eingerichtet für die Aktion mit Gunter Demnig (siehe Hintergrund). Kosten pro Stein: 95 Euro. Eingezahlt werden kann auf das Konto A. Limmroth, Stolpersteine, Nr. 9173436 bei der Sparkasse Waldeck-Frankenberg (523 500 05).

Hintergrund
Erinnerung

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sollen künftig erinnern an die Bewohner des Hauses Hainstraße. 31:
Ferdinand Stern - *16.10.1890 in Zwesten - 14.11.1938 KZ Buchenwald
Martha Stern geb. Katz - *30.9.1897 in Arolsen - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Manfred Stern - *4.6.1923 in Frankenberg - 1942 KZ Majdanek
Richard Josef Stern - *9.1.1932 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Max Heinz Stern - *2.9.1936 in Marburg - 1942 Vernichtungslager Sobibor