HNA
- Frankenberger
Allgemeine
Montag,
19. Februar 2007

Hainstraße 31: Burgwaldschüler halfen im März 2006 dem Künstler Gunter
Demnig, als er vor dem ehemaligen jüdischen Schulhaus fünf Gedenksteine
für die von den Nazis ermordete Lehrerfamilie Stern im Boden einließ.
Fotos:Völker
Steine als Denkanstoß
Am 1. März setzt Gunter Demnig in Frankenberg sein Erinnerungswerk
fort
VON KARL-HERMANN
VÖLKER
FRANKENBERG. Fast genau ein Jahr, nachdem der Kölner Aktionskünstler
Gunter Demnig in Frankenberg die ersten 16 "Stolpersteine" zur
Erinnerung an die in der NS-Zeit ermordeten Frankenberger Einwohner
gesetzt hat, will er am Donnerstag, 1. März, seine Gedenkarbeit vollenden.
Dann werden, so teilte die Initiativgruppe Stolpersteine Frankenberg
mit, einen Tag lang von ihm weitere 18 Pflastersteine mit Hinweisschildchen
"Hier wohnte..." und den Daten der Opfer vor neun Häusern der Stadt
verlegt.

Untermarkt 8: Hier erinnern bereits seit vergangenem
Jahr drei Steine von Gunter Demnig an die jüdische
Familie Kaiser, die in den Vernichtungslagern der
Nazis ermordet wurde.
Beginnen wird Gunter Demnig offiziell um 9 Uhr vor dem Haus Steingasse
20 unterhalb des Rathauses. Dort sind zur Eröffnung neben der Initiativgruppe
auch Vertreter der Kirchen, der politischen Gremien der Stadt, der kulturtragenden
Vereine sowie alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen.
Im Verlauf des Vormittages wollen auch wieder Schülergruppen der Burgwaldschule
und des Gymnasiums Edertalschule den Künstler bei seiner Erinnerungsarbeit
begleiten.
An allen Häusern, in denen vor Hitlers Machtübernahme die von der rassistischen
NS-Regierung verfolgten jüdischen Frankenberger mit ihren christlichen
Nachbarn friedlich zusammen lebten, soll jeweils an das Schicksal der
Familien erinnert werden. Die Stolpersteine, die von Demnig in seiner
Kölner Werkstatt vorbereitet werden, nennen auf Messingschildchen die
Lebensdaten und, soweit möglich, auch den Todesort. Mittlerweile hat
der 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Künstler in Deutschland
bereits rund 10.000 Stolpersteine verlegt.
Mahntafel
Bisher gab es in Frankenberg zwar eine allgemeine Mahntafel in der Rathausschirn,
jedoch noch kein namentliches Gedenken an die Opfer. Erinnert werden
soll ab 1. März mit kleinen Steinen am Haus Steingasse 20 an Recha Joseph
geb. Dilloff (ermordet 1943 in Sobibor), Hedwig Heinrich geb. Dilloff
(ermordet 1942 in Chelmo) und Rudolf Dilloff (umgebracht in der Euthanasie-Mordanstalt
Brandenburg 1940).
Am Haus Obermarkt 5: Sophie Katz (ermordet in Auschwitz), Flora Skapowker
(umgekommen in Auschwitz) und Johanna Bachenheimer geb. Katz (deportiert
nach Theresienstadt, ermordet in Auschwitz). Obermarkt 2: Johanna Blumenfeld
(deportiert nach Lodz, umgekommen 1942). Obermarkt 16: Max Fürst (deportiert
nach Riga, ermordet) und Johanna Keyzer geb. Fürst (ermordet in Auschwitz
1944). Untermarkt 10: Jonas Dilloff (deportiert nach Theresienstadt,
umgekommen 1942). Geismarer Straße 7: Ida Alexandrowitz geb. Buchheim
(ermordet in Auschwitz).

Untermarkt 10: Nur noch diese Kennkarte mit dem
Stempel "J"" ist vom dem 1942 in Theresienstadt
umgekommenen Jonas Dilloff erhalten geblieben,
vor dessen Wohnhaus am 1. März ein Stolperstein
verlegt werden soll.
Weitere Stolpersteine in der Stadt Frankenberg sollen erinnern am
Pferdemarkt 8 an Sara Marx und Jenny Marx (beide ermordet 1942 in Sobibor),
Lina Rosenbaum geb. Marx (1942 ermordet ir Treblinka) und David Goldschmidt
(in Theresienstadt umgekommen 1943). Bremer Straße 16: Hier wohnte Martha
Rosenbaum (ermordet in Auschwitz 1943). Neustädter Straße 38: Albert
Bär (ermordet in Minsk). Bahnhofstr. 4: Else Sommer (umgebracht in Sobibor).