HNA
- Frankenberger Allgemeine
Freitag, 20. April 2007
"Mit dem Tod erloschen"
Frankenberg verlieh Hitler und Hindenburg 1933 am selben Tag die
Ehrenbürgerwürde
VON KARL-HERMANN
VÖLKER
FRANKENBERG. Auch die Stadtverordneten von Frankenberg konnten
nach Hitlers Machtübernahme 1933 gar nicht schnell genug den neuen "Führer"
und Reichskanzler zum Ehrenbürger ernennen. In ihrer Sitzung vom 4.
April folgten sie damals einstimmig dem Antrag des Stadtverordneten
Ludwig Breitstadt von der Liste "Beamtenschaft der Stadt Frankenberg",
mit Adolf Hitler zugleich auch dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg
die Ehrenbürgerwürde im Ederstädtchen zu verleihen. Noch am selben Tag
telegrafierte dies der Magistrat an beide Geehrten in Berlin.

Staatspropaganda: Dieses Plakat hing 1933
auch in Frankenberg, als dort Hindenburg
(links) und Hitler zu Ehrenbürgern wurden.
Aus der Steingasse wurde bald die "Adolf-Hitler-Straße", aus dem
Untermarkt der "Hindenburgplatz", aus dem Obermarkt der "Platz
der SA", aus der Hainstraße die "Horst-Wessel-Straße" und aus der
Röddenauer die "Hermann-Göring-Straße". Während diese Nazi-Schilder
schon kurz nach Einmarsch der US-Truppen im März 1945 wieder abgehängt
werden mussten, interessierte sich für die Ehrenbürger niemand mehr.
1937 hatte der Frankenberger Magistrat auch noch dem NS-Landrat Dr.
Donnevert, 1939 dem NS-Gauleiter Weinreich Ehrenbürgerwürden angedient.
Im Frankenberger Stadtarchiv fand der Historiker Dr. Horst Hecker die
noch erhaltenen Beschlussprotokolle der Stadtverordnetenversammlung
aus jener Zeit. Und noch ehe in Bad Doberan oder im benachbarten Biedenkopf
die Diskussion über eine posthume Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für
Hitler entbrannte (HNA berichtete), vertrat der Frankenberger Stadtarchivar
mit anderen Juristen und Historikern die Auffassung: "Da das Ehrenbürgerrecht,
ebenso wie das Bürgerrecht, ein reines Persönlichkeitsrecht ist und
demzufolge mit dem Ableben des Trägers von selbst erlischt, endete die
Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers mit seinem Selbstmord in Berlin am 30.
April 1945."

Protokolle von 1933: Dr. Horst Hecker stieß bei seinen
Nachforschungen über die NS-Ehrenbürger-schaften auch
auf die Originalprotokolle der Frankenberger
Stadtverordnetenversammlung von 1933. Foto: Völker
Im jüngsten Frankenberger Heimatkalender 2007 setzte sich Dr. Hecker
mit der Ehrenbürger-Akte von 1933 ausführlich auseinander. Er stieß
auf einen Zwischenbescheid der "augenblicklich stark überlasteten"
Kanzlei Hitlers vom 5. Mai (ein paar tausend Kommunen hatten nämlich
den NS-Kanzler zu seinem Geburtstag am 20. April 1933 mit Ehrenbürgerschaften
überschüttet), ehe am 15. Mai 1933 Hitlers Dankschreiben eintraf. Der
Frankenberger NS-Bürgermeister Karl Ockershausen ließ es rahmen und
an die Wand hängen.
Prachtblätter
Nicht die Druckerei Kahm, wie anfangs beabsichtigt, sondern der Gewerbelehrer
Erich Limmeroth übernahm in Handarbeit unentgeltlich die Ausfertigung
der Ehrenbürgerbriefe für Hitler und Hindenburg, fand Dr. Hecker heraus.
Erst im Februar 1934 waren die Prachtblätter mit identischen Texten
fertig.
Paul von Hindenburgs Büro bedankte sich im Frankenberger Rathaus "für
die Übersendung des kunstvollen Ehrenbürgerbriefes."