HNA - Frankenberger Allgemeine
Donnerstag, 24. Mai 2007
Hefezopf zum Schabbat
Burgwaldschüler erlebten für Wettbewerbsarbeit Geschichte über alle
Sinne
FRANKENBERG. Wenn sich am Freitag in den jüdischen Frankenberger
Familien der Schabbat ankündigte, so haben Zeitzeugen erzählt, roch
es am Untermarkt nach frisch gebackenem Hefezopf, der Challah. Und da
nach jüdischem Ritus am Schabbat alles im Überfluss vorhanden sein soll,
wurden in jeder Familie gleich zwei solcher goldgelber Zöpfe gebacken.
Kostproben gab es dann auch für die Kinder aus den christlichen Nachbarhäusern.

Mit allen Sinnen: So will die Klasse 9d der Burgwaldschule im Internet
eine Annäherung an den Schabbat und die jüdische Kultur vermitteln,
gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Betz-Böttner (rechts). Fotos:
Völker
"Dies wurde auf grausame Weise in der nationalsozialistischen Zeit
beendet", berichtet die Klasse 9d der Frankenberger Burgwaldschule,
die zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Barbara Betz-Böttner eine Arbeit
über "Challah und Wein - eine Annäherung an den Schabbat" angefertigt
hat. Sie bewirbt sich damit um einen Preis beim Wettbewerb "Jüdisches
Leben in Deutschland", zu dem The History Channel und die Zeitschrift
Focus aufgerufen haben.
Das Besondere an der Wettbewerbsarbeit: Es wird von den Schülern nur
ein relativ kurzer Text verlangt, dafür aber eine umso stärkere Visualisierung,
die bereits im Internet zu sehen ist (www.focus-schule.de/history-award).
Die Frankenberger Realschüler schildern dort nicht nur die biblischen
Traditionsbezüge des Challah-Gebäcks, sondern auch ihre Begegnungen
mit jüdischen Häusern und Familiennamen, als am 1. März 2007 der Kölner
Künstler Gunter Demnig im Beisein der Jugendlichen zum Gedenken an die
vertriebenen und ermordeten Frankenberger Juden kleine "Stolpersteine"
setzte.

Süßer Hefezopf: Als Gunter Demnig in Frankenberg
seine Stolpersteine verlegte, überreichten ihm
Burgwaldschüler eine "Challah"
Symbolisch verteilte die Klasse 9d an diesem Tag den Teilnehmern ihr
selbst gebackenes Schabbatbrot. Um selbst über alle Sinne zu erleben,
wie dieses Hefegebäck in jüdischen Familien genossen wird, trafen sich
die Jugendlichen wenige Tage später in der Synagoge Vöhl mit Barbara
Küpfer und Pfarrer a.D. Günter Maier. Gemeinsam feierten sie einen
"Kabbalat Schabbat" (Empfang des Schabbats) mit Lesungen, Gebet, Gesang,
Tanz, Essen und Trinken. Davon berichtet die Klasse im Internet mit
einem Videofilm, den Kurt-Willi Julius für sie aufnahm.
Zwischen Gestern und Heute
"Wir erlebten in dem historischen Gebäude, dass ein Miteinander von
jüdischen und christlichen Menschen möglich geworden ist. Die Challah
symbolisiert für uns das Bindeglied zwischen Gestern und Heute", schreiben
die Schüler. Die Entscheidung über ihre Wettbewerbsarbeit fällt im Juni.
Der Künstler Gunter Demnig war der erste, der den Burgwaldschülern dazu
persönlich Glück wünschte. (zve)