HNA
- Frankenberger
Allgemeine
Samstag,
3. Mai 2008
Ein Stein und eine Rose
Frankenberger Initiativgruppe erinnerte mit Gunter Demnig an Philipp
Dilloff
VON KARL-HERMANN
VÖLKER

Pferdemarkt 3: Während Künstler Demnig
den Stolperstein für Philipp Dilloff verlegte,
informierte sich die Initiativgruppe über die
Geschichte der jüdischen Familie Löb Dilloff,
die hier ab 1870 eine Metzgerei betrieben hatte.
FOTO: VÖLKER
FRANKENBERG. Eine kleine Messingplatte im Pflaster vor dem Haus
Pferdemarkt Nr. 3 in Frankenberg erinnert seit Dienstag an ein weiteres
Opfer des Holocaust, das seine Kindheit in diesem Haus verbracht hat.
Der Kölner Künstler Gunter Demnig setzte hier einen "Stolperstein"
für den Lehrer Philipp Dilloff, der 1863 in Frankenberg geboren wurde
und 1942 nach zweimonatigem Aufenthalt im Ghetto Theresienstadt in das
Vernichtungslager Treblinka gebracht und dort unmittelbar nach der Ankunft
vergast wurde.
Bei seinen Forschungsarbeiten für ein Buch über die jüdische Bevölkerung
Frankenbergs war Stadtarchivar Dr. Horst Hecker erst kürzlich auf das
Schicksal dieses Mannes gestoßen. Obwohl eigentlich das Projekt der
Frankenberger Initiativgruppe Stolpersteine mit 33 gesetzten Gedenksteinen
in 2006 und 2007 als abgeschlossen galt, sollen auch künftig neu ermittelte
Opfer mit aufgenommen und mit Steinen des Nachdenkens und des Erinnerns
bedacht werden, wie Manfred Scholz als Sprecher der Gruppe erklärte.
Er trug auch die Forschungsergebnisse aus dem Stadtarchiv vor: Im Haus
Pferdemarkt Nr. 3 wohnte die Familie des Händlers Löb Dilloff (geb.
1829) und seiner Frau Fanny, die 1870 hier eine Metzgerei eröffneten.
Sie handelten auch mit Fellen, rohem Wachs und Tierhaaren. Dabei wurden
sie unterstützt von ihrem Sohn Moses. Der Verdienst war sehr gering.
Sieben Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, zwei starben früh. Der jüngste
Sohn Philipp Dilloff, der dort aufwuchs, machte in Köln eine Ausbildung
am Lehrerseminar, wirkte später in Riga und Lübeck. Seine Frau Veilchen
starb bereits 1927. Der 78-Jährige wurde von den NS-Schergen am 19.
Juli 1942 aus Lübeck nach Theresienstadt verschleppt und am 23. September
1942 in Treblinka ermordet.
"Hier wohnte…", so beginnen alle Inschriften der kleinen Stolpersteine,
die Gunter Demnig jeweils vor den Haustüren solcher Gebäude verlegt,
in denen die Opfer bis zum Nazi-Terror gelebt haben. Mittlerweile, so
berichtete Demnig der Frankenberger Initiativgruppe, habe er in Deutschland
mehr als 15 000 Stolpersteine in 326 Kommunen verlegt, auch in Österreich
und Ungarn haben mehrere Städte und Gemeinden den Kölner um kleine Gedenksteine
gebeten. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen
ist", sagte Demnig.
Nach einem stillen Gedenken an Philipp Dilloff legten die Mitglieder
der Initiativgruppe eine gelbe Rose an der kleinen Messingplatte nieder.
Schon kurze Zeit später war die Rose verschwunden. Der Stein aber wird
bleiben.

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