HNA
- Frankenberger Allgemeine
Donnerstag,
13. Mai 2010
Opfern wieder Namen
geben
Der Künstler Gunter Demnig verlegte in Frankenberg vier weitere
Stolpersteine

Sechs
Steine vor einem Haus: Nicht nur fünf
Angehörige der jüdischen Familie Stern
wurden
in der NS-Zeit ermordet, sondern auch die
Schwiegermutter des Lehrers,
Ida Katz. Ihr
setzte Gunter Demnig im Beisein von Kurt-
Willi Julius, Werner
Hartmann, Manfred Scholz,
Hartmut Kaufmann und Ulrich Becker einen
sechsten
Stolperstein. Fotos: Völker
VON
KARL-HERMANN VÖLKER
FRANKENBERG.
1938 wurde der jüdische Lehrer Ferdinand Stern und dessen Familie Opfer der Nazi-Barbarei.
Vor seinem Haus in der Hainstraße 31 in Frankenberg erinnern seit 2006 fünf Stolpersteine
an diese Gräueltat. In dieser Woche kam noch ein sechster Stein hinzu: Der Kölner
Künstler Gunter Demnig verlegte ihn zur Erinnerung an Ida Katz geb. Schartenberg,
Mutter der Lehrerfrau Martha Stern, die in Theresienstadt 1943 ermordet wurde.
Erst nach Abschluss der damaligen Stolperstein-Verlegungen entdeckte Stadtarchivar
Dr. Horst Hecker bei der Vorbereitung einer kleinen Broschüre, die die Schicksale
von 35 ermordeten Frankenberger Bürgern während des NS-Regimes dokumentieren sollte,
dass noch an weitere vier Umgekommene gedacht werden müsste. Ihre Namen wurden
bereits in die Gedenkbroschüre aufgenommen, und Gunter Demnig war bereit, noch
ein weiteres Mal nach Frankenberg zu kommen und die Steinsetzung zu vervollständigen.
Weltweites Mahnmal
Seine kleinen Pflastersteine
mit den in Messingplatten eingeschlagenen Daten von Opfern des Nationalsozialismus
haben sich inzwischen zum größten dezentralen Mahnmal weltweit entwickelt: Mittlerweile
hat der 63-jährige Gunter Demnig in acht Staaten Europas und 549 Kommunen insgesamt
24000 solcher Stolpersteine verlegt. Auf der Weltausstellung in Shanghai werden
derzeit 16 seiner kleinen Mahnsteine gezeigt.
Demnigs Intention ist unter
anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert
wurden, ihre Namen zurückzugeben. "Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen
zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor diesen Menschen sein",
sagt der Künstler.
Rosen niedergelegt
Mitglieder
der Frankenberger Initiative Stolpersteine mit ihrem Sprecher Manfred Scholz (Geismar)
und Helfern wie Werner Hartmann vom Bauhof der Stadt Frankenberg, begleiteten
Demnig während seiner Verlegearbeiten in der Altstadt. An jedem der kleinen Gedenksteine
wurde eine Rose niedergelegt.
Die Broschüre "Hier wohnte…" mit
Informationen über die 39 Frankenberger Stolpersteine ist kostenlos im Tourismusbüro
am Untermarkt oder im Stadtarchiv, Geismarer Straße 3, erhältlich.

Namen
und Schicksale: Diese vier neuen
Stolpersteine von Gunter Demnig fordern
Passanten
zum Hinschauen auf.
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