Frankenberger
Zeitung
Montag,
26. September 2011, Seite 10
Das
"jüdische Leben in Frankenberg"
Frankenberger Geschichtsverein
stellt am Freitag das umfassende Buch von Dr. Horst Hecker vor
Das
vom Frankenberger Stadtarchivar Dr. Horst Hecker verfasste Werk ist erschienen.

Für
alle jüdischen Familien in Frankenberg hat der Stadtarchivar und Historiker
Dr.
Horst Hecker eine ausführliche Familiengeschichte zusammengetragen
– hier zeigt
er Bilder mit Lina und Samson Dilloff am Obermarkt. Foto: vk
Frankenberg.
Mehr als 65 Jahre nach dem Ende des "Dritten Reichs" und fast sieben
Jahrzehnte nach der Deportation der letzten jüdischen Bürger in die Konzentrations-
und Vernichtungslager der Nationalsozialisten stellt der Frankenberger Geschichtsverein
das umfangreiche Werk in einem festlichen Rahmen öffentlich vor. Dazu lädt er
am Freitag, 30. September, um 19.30 Uhr in das Jugend- und Gemeindezentrum der
Evangelischen Gemeinschaften Frankenbergs in der Ruhrstraße 23 ein.
Fast
600 Seiten
Das fast 600-seitige Buch enthält viele historische Fakten,
Dokumente, Familiengeschichten und Bilder. Viele Jahre hat der aus Haubern stammende
Historiker Material gesammelt, um eine Geschichte der einstigen jüdischen Gemeinde
in Frankenberg vorzulegen.
Den letzten Anstoß dazu gab das Projekt der
Frankenberger Initiativgruppe "Stolpersteine", das im Herbst 2006 begonnen
hat: Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat dabei für 38 ermordete Einwohner der
Stadt erstmals ein namentliches Gedenken erreicht, indem er kleine Messingplatten
vor ihren früheren Wohnhäusern auf den Bürgersteig gesetzt hat. Vorbereitend gelang
es Horst Hecker, Schicksale zu klären und Verbindungen mit Archiven sowie noch
lebenden, nach Übersee ausgewanderten Nachfahren herzustellen. Einen weiteren
Anstoß für seine Forschungen gab die Arbeit des früheren Vorsitzenden des Geschichtsvereins
und ehrenamtlichen Stadtarchivars Heinz Brandt (1912 bis 1996). "In fast
30-jähriger unermüdlicher Arbeit trug er eine umfangreiche Materialsammlung für
eine Geschichte der jüdischen Gemeinden im Altkreis Frankenberg zusammen",
sagt der 47-jährige Forscher. Doch Brandt starb 1996 vor der Vollendung einer
Veröffentlichung. Seinen Nachlass durfte Dr. Hecker für seine Forschungen mit
verwenden.
Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen die Quellen,
die Dr. Hecker in den Archiven erschlossen hat. Dabei stieß er zum Beispiel bei
der Berliner Stiftung Neue Synagoge auf die Akten des Kreisvorstehers der israelitischen
Gemeinden im damaligen Kreis Frankenberg. Für seinen Schwerpunkt der Geschichte
der jüdischen Familien war das Judenregister aus hessischen Gemeinden im Wiesbadener
Hauptstaatsarchiv eine wichtige genealogische Fundgrube. Viele Daten hat er auch
im Briefkontakt mit Nachfahren ermittelt, selbst wenige Tage vor Redaktionsschluss
für sein Buch trafen noch letzte Fotos von ehemaligen Frankenberger Juden ein.
Den Verfolgten gewidmet
Gewidmet hat Horst Hecker sein
umfassendes Werk "den jüdischen Männern, Frauen und Kindern der Stadt Frankenberg
und der Familie Bachenheimer in Röddenau, die unter der nationalsozialistischen
Verfolgung leben, leiden und sterben mussten". An sie soll am Freitag auch
während der Buchvorstellung mit Bildpräsentation mit Wort, Musik und dem Kaddisch-Gebet
besonders erinnert werden.
Dazu lädt der Frankenberger Geschichtsverein
alle Interessenten in das Zentrum ein. Dort können auch die ersten Exemplare des
Buches "Jüdisches Leben in Frankenberg" zum Preis von 30 Euro erworben
und vom Autor signiert werden. (vk)
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