HNA
- Frankenberger Allgemeine
Dienstag,
27. September 2011
Jüdisches Leben
in der Stadt
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Geschichtsverein stellt umfassendes Werk von Dr. Horst Hecker vor
VON
KARL-HERMANN VÖLKER
FRANKENBERG. Mehr als 65 Jahre nach Ende des "Dritten
Reichs" und fast sieben Jahrzehnte nach der Deportation der letzten jüdischen
Bürger in die NS-Konzentrations- und Vernichtungslager legt der Frankenberger
Geschichtsverein in dieser Woche das von Stadtarchivar Dr. Horst Hecker verfasste
Werk "Jüdisches Leben in Frankenberg" vor. Das fast 600-seitige Buch
mit vielen historischen Fakten, Dokumenten, Familiengeschichten und Bildern soll
am Freitag, 30. September, ab 19.30 Uhr in festlichem Rahmen öffentlich im Jugend-
und Gemeindzentrum der evangelischen Gemeinschaften Frankenbergs in der Ruhrstraße
23 vorgestellt werden.

Vertrieben,
ermordet, aber unvergessen: Bis kurz vor Abschluss seiner
Arbeit an der Geschichte
der einstigen jüdischen Gemeinde Frankenberg
erreichten Dr. Horst Hecker im
Stadtarchiv noch letzte Fotodokumente,
hier von der jüdischen Familie Moritz
Blum am Obermarkt. Foto: Völker
"Stolpersteine“
gaben Anstoß
Viele Jahre hat der aus Haubern stammende Historiker
bereits Material gesammelt, um eine Geschichte der einstigen jüdischen Gemeinde
in Frankenberg zu erarbeiten. Den letzten Anstoß dazu gab aber ab Herbst 2006
das Projekt der Frankenberger Initiativgruppe "Stolpersteine", bei dem
der Kölner Künstler Gunter Demnig für 38 ermordete Bürger der Stadt erstmals ein
namentliches Gedenken mit kleinen Messingplatten vor ihren früheren Wohnhäusern
erreichte.
Vorbereitend gelang es Horst Hecker, Schicksale zu klären und
Verbindungen mit Archiven sowie noch lebenden, nach Übersee ausgewanderten Nachfahren
herzustellen. Einen weiteren Anstoß für seine Forschungen gab auch die Arbeit
des früheren Vorsitzenden des Geschichtsvereins und ehrenamtlichen Stadtarchivars
Heinz Brandt (1912-1996). "In fast 30-jähriger unermüdlicher Arbeit trug
er eine umfangreiche Materialsammlung für eine Geschichte der jüdischen Gemeinden
im Altkreis Frankenberg zusammen", sagt der 47-jährige Forscher. Der Nachlass
Brandts, der 1996 vor Vollendung einer Veröffentlichung starb, konnte nun von
ihm mit verwendet werden.
Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen
die Quellen, die Dr. Hecker in den Archiven erschloss. Dabei stieß er beispielsweise
bei der Stiftung Neue Synagoge Berlin auf die Akten des Kreisvorstehers der israelitischen
Gemeinden des Kreises Frankenberg. Für seinen Schwerpunkt der Geschichte der jüdischen
Familien war das Judenregister aus hessischen Gemeinden im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden
eine wichtige genealogische Fundgrube.
H I N
T E R G R U N D
Buch ist den Verfolgten gewidmet
Gewidmet hat Horst Hecker sein umfassendes Werk "den jüdischen
Männern, Frauen und Kindern der Stadt Frankenberg und der Familie Bachenheimer
in Röddenau, die unter der nationalsozialistischen Verfolgung leben, leiden und
sterben mussten".
An sie soll am kommenden Freitag auch während der
Buchvorstellung mit Bildpräsentation, zu der der Frankenberger Geschichtsverein
alle Interessierten in das Zentrum der evangelischen Gemeinschaften herzlich einlädt,
mit Wort, Musik und dem Kaddisch-Gebet besonders erinnert werden. Dort können
auch die ersten Exemplare des Buches "Jüdisches Leben in Frankenberg"
zum Preis von 30 Euro erworben und vom Autor signiert werden. (zve)

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