Frankenberger
Zeitung
Dienstag,
4. Oktober 2011, Seite 11
Würdigung
für Heckers Lebenswerk
600-Seiten-Buch "Jüdisches Leben in
Frankenberg" vorgestellt · Völker: "Einmalig in Hessen"
Das
Interesse an dem neuen Buch des heimischen Historikers Dr. Horst Hecker "Jüdisches
Leben in Frankenberg" hat alle Erwartungen übertroffen.
VON
HORST GIEBEL
Frankenberg. Mehr als 200 Gäste waren am Freitagabend
der Einladung zur Buchvorstellung ins Jugend- und Gemeindezentrum der Evangelischen
Gemeinschaften gefolgt. Es wurde ein Abend mit Niveau, geprägt durch ergreifende
gesangliche Darbietungen sowie musikalische Einlagen.

Sponsoren
und Förderer des Buches „Jüdisches Leben in Frankenberg“, von links Sieglinde
Peter-
Möller (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), Kreisbeigeordnete
Monika Svoboda, Lions-
Präsident Rainer Walenzik, Rotary-Mitglied Dr. Klaus
Waskowiak, Buchautor Dr. Horst Hecker,
Layouter Thomas Schmidt sowie Moderator
Karl-Hermann Völker (Vorsitzender des Geschichts-
vereins Frankenberg), Dr.
Dirk Richardt (zweiter Vorsitzender des Vereins für Hessische Geschichte)
und
Karlheinz Göbel (Geschäftsführer der Sparkassenstiftung). Fotos: Horst Giebel
Karl-Hermann
Völker, Vorsitzender des Geschichtsvereins, war Moderator und Organisator des
Abends. Er ist dem Autor seit Jahren verbunden und stellte dessen 600-seitiges
Werk in einer ausgefeilten Bildpräsentation vor. Auf diese Weise ließ Völker noch
einmal die einstige "kleine jüdische Frankenberger Welt" lebendig werden.
Eine Welt, die Hecker "so umfassend wie möglich" zusammengetragen habe,
"voller Anschaulichkeit und mit menschlicher Nähe". Völker: "Das
ist einmalig in Hessen!"
"Mein Lebenswerk"
Der
aus Haubern stammende Autor Horst Hecker (47), von Krankheit gezeichnet, hüllte
sich zunächst in Schweigen, war aber dann der gefragteste Mann des Abends: Er
musste immer wieder Bücher signieren, Hände schütteln und Erläuterungen zum Buch
geben (wir berichteten am Samstag). Die Sympathien galten ungeteilt dem bescheidenen,
liebenswürdigen Stadtarchivar, der sein in jahrelanger sorgfältiger wissenschaftlicher
Arbeit recherchiertes Buch als "mein Lebenswerk" bezeichnete.

Buchautor
Dr. Horst Hecker signierte viele Bücher und nahm zahlreiche
Glückwünsche für
sein geglücktes Lebenswerk entgegen.
Pastor Michael
Paulus, Hausherr des Jugend- und Gemeindezentrums, zeigte sich erfreut, dass die
sakralen Räume nun auch auf diese Weise genutzt würden: "Das hatten wir bislang
noch nicht." Er wies auf die gemeinsame Geschichte von Juden und Christen
hin: "Geschichte besteht aus bösen und guten Tagen." Künftig sollten
alle gemeinsamen die guten Tage überwiegen lassen.
Wichtige Publikation
Kreisbeigeordnete Monika Svoboda aus Volkmarsen überbrachte Grüße und
Glückwünsche von Landrat Dr. Reinhard Kubat. Sie bezeichnete Heckers Buch als
"ganz wichtige Publikation", werde doch damit ein verdrängter Teil der
Geschichte wieder sichtbar gemacht: "Wir müssen alles tun, damit sich so
etwas nicht wiederholt." Die Kreisbeigeordnete dankte Horst Hecker ausdrücklich
und regte an: "Dieses Standardwerk muss in jeder Schulbibliothek einen Platz
haben".
Den musikalischen Part gestalteten zum Auftakt des Abends
Tanja Ahlborn (Querflöte) und Karl-Hermann Völker (Klavier) mit "Air"
von Johann Sebastian Bach. Es folgten zwei Klezmer-Balladen, gespielt auf Querflöten
gespielt von Barbara Küpfer und Tanja Ahlborn.
Nach der Buchvorstellung
präsentierte Cornelia Kleinhans-Stürzl (Gesang und Gitarre) das jüdische Lied:
"Sog’ nischt kejnmol as du gejst dem letstn Weg". Ergreifend war und
zu Tränen rührte das Theresienstadt-Lied.

Cornelia
Kleinhans-Stürzl
rührte mit dem Lied
"Theresienstadt" zu Tränen.
Den
Abschluss bildete ein Gedenken mit Kaddisch-Gebet und der Schlussstrophe "Oseh
Shalom". Dabei wirke auch der Vöhler Pfarrer i. R. Günther Maier auf seiner
Gitarre mit. Das Publikum sparte nicht mit Beifall.
Unter den zahlreichen
Gästen hieß Karl-Hermann Völker auch Dekanin Petra Hegmann und den Landtagsabgeordneten
Reinhard Kahl sowie eine große Zahl von Sponsoren willkommen.
Der Frankenberger
Geschichtsverein indes zeigte sich großzügig: Alle Gäste waren zum Schluss zu
einem Imbiss mit Getränken eingeladen. Ein Angebot, das gern angenommen wurde.
Zuvor hatte Ruth Piro-Klein, die "gute Seele" des Geschichtsvereins,
allen, die am Gelingen der Buchvorstellung beteiligt waren, mit herzlichen Worten,
Blumen und kleinen Geschenken gedankt. Bei Gesprächen und Meinungsaustausch endete
der Abend.
>> Artikel als pdf-Datei HIER