Die Namen der ermordeten jüdischen Frankenberger

Erarbeitet und zusammengestellt von
Monica Kingreen
Fritz Bauer Institut
Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
M.Kingreen@fritz-bauer-institut.de

Einen sehr langen Zeitraum haben Christen und Juden gemeinsam in Frankenberg gelebt. Von etwa 1835 bis zum ersten Weltkrieg betrug der jüdische Bevölkerungsanteil immer mehrere Prozent und lag damit deutlich über dem Reichsdurchschnitt. Das Alltagsleben von Frankenberg gestalteten christliche und jüdische Bewohner gemeinsam - zumeist in verschiedenen beruflichen Rollen, und vor allem unter Wahrung der religiösen Unterschiede.

Während des Nationalsozialismus wurden die jüdischen Frankenberger verfolgt, vertrieben, isoliert, ghettoisiert und später gewaltsam deportiert und in den Vernichtungslagern vergast.

Vor allem nach Verkündigung der so genannten Nürnberger Gesetze, die rechtlich aus jüdischen Deutschen Menschen zweiter Klasse machten, betrieben zahlreiche Frankenberger, soweit sie die finanziellen Mittel dazu hatten, ihre Auswanderung aus Deutschland. Vor allem nach den schweren Ausschreitungen im November 1938 gegen die jüdischen Familien - hier ist vor allem die Familie des Lehrers Stern zu nennen - ihre Wohnungen und ihr Gotteshaus, die Synagoge, flohen zahlreiche Menschen in größere Städte, um Zuflucht zu finden. Aber es verblieben auch noch jüdische Menschen in Frankenberg.

Ab September 1941 mussten sie den so genannten 'Judenstern' tragen, im April 1942 ihre Wohnungen mit dem Stern gezeichnet. Im Juni 1942 wurden zwei Frankenberger Männer von der Gestapo in das Arbeitserziehungslager Breitenau verschleppt und dann weiter in Konzentrationslager.

Im September 1942 bei der letzten Massendeportation aus den Dörfern und Städten des Regierungsbezirkes wurden 5 jüdische Frankenberger aus ihren Wohnungen über ein großes Sammellager in Kassel in das Ghetto Theresienstadt, das bei Prag liegt, verschleppt, starben dort oder wurden von dort weiterdeportiert in die Vernichtungslager Treblinka oder Auschwitz.

Ich möchte nun zu den einzelnen Personen, die in Frankenberg geboren, aufgewachsen sind, gelebt und gearbeitet haben, und die im Holocaust ermordet wurden, einige sicherlich sehr unvollständige Anmerkungen machen. Die meisten von ihnen lebten auch während der NS-Zeit in Frankenberg, ich habe mich allerdings auch bemüht, die Namen der ermordeten Personen herauszufinden, die schon wegen Eheschließung oder aus anderen Gründen in andere Städte gezogen waren. Die allermeisten hatten auch nach ihrem Wegzug familiäre Verbindungen nach Frankenberg.

Viele der Personen, deren Namen folgen, wären sicherlich auf dem jüdischen Friedhof Frankenberg beerdigt worden, nachdem sie, wie auch teilweise ihre Eltern und Großeltern zuvor, ihr Leben und ihren Lebensabend in Frankenberg verbracht hätten. Der Nationalsozialismus aber störte diese Lebensentwicklungen tödlich. Für die allermeisten dieser Personen existieren keine individuellen Grabstätten.

Kursiv gedruckte Namen bedeuten: Diese Person lebte nicht während der NS-Zeit in Frankenberg


Bahnhofstraße 4

Im Haus Bahnhofstraße 4 führte das Ehepaar Jakob und Rosalie Katzenstein ein Textilgeschäft. Vermutlich um 1890 kamen Jakob und Rosalie Katzenstein, die aus Frankenau bzw. aus Korbach stammten, nach ihrer Eheschließung nach Frankenberg und eröffneten dort das Textilgeschäft. Ihr einziger Sohn Albert fiel im Ersten Weltkrieg für sein deutsches Vaterland. Er war einer von zwei Gefallenen der Jüdischen Gemeinde Frankenberg.

Ihnen zur Seite stand als Haushaltshilfe Hilde Blum, die als 17jährige im Mai 1939 im Haus der Bahnhofstraße 4 gemeldet ist. Seit dem Februar 1939 lebte sie aus Friedrichsroda kommend, bei Katzensteins.

Vermutlich Ende 1941 wurde das Ehepaar gezwungen, sein Haus zu verlassen. Es wurde zwangsweise in das Gebäude der im November 1938 geschändeten und im Inneren zerstörten Synagoge, Scharwinkel 4, einzuziehen.

Seit Januar 1941 lebte bei dem Ehepaar Katzenstein noch die Schwester von Frau Katzenstein, das war Hedwig Weitzenkorn aus Korbach. Die Hausgehilfin Hilde Blum war zu dieser Zeit vermutlich bereits in Leipzig. (Offiziell wird sie allerdings erst zwei Tage vor ihrer Verschleppung aus Leipzig in Frankenberg abgemeldet)

In der Frühe des 6. September 1942 wurde der 77jährige Jakob Katzenstein gemeinsam mit seiner 72jährigen Ehefrau Rosalie und deren 57 jährigen Schwester Hedwig Weitzenkorn unter Androhung schwerster Strafen bei Nichtbefolgung vom Ortsgendarm zum Frankenberger Bahnhof geführt und in ein Sammellager nach Kassel gebracht. Von dort gab es einen Massentransport am nächsten Tag in das Ghetto Theresienstadt. Am 27. November 1942 starb Jakob Katzenstein bei fürchterlichsten hygienischen Verhältnissen im Ghetto Theresienstadt. Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes starb auch Rosalie Katzenstein am 13. Januar 1943, ihre Schwester Hedwig Weitzenkorn kam eine Woche später am 20. Januar 1943 in Theresienstadt zu Tode.

Hilde Blum, die Hausgehilfin der Katzensteins wurde im Januar 1942 von Leipzig nach Riga in Lettland verschleppt. Ein letztes Lebenszeichen gibt es von ihr vom 1. Oktober 1944, als sie zwei Tage vor ihrem 22. Geburtstag im KZ Stutthoff bei Danzig registriert wird.

Jakob Katzenstein
*8.4.1865 in Frankenau - 27.11.1942 Ghetto Theresienstadt
Rosalie Katzenstein
geb. Weitzenkorn
*6.5.1870 in Korbach - 13.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hedwig Weitzenkorn
*30.3.1885 in Korbach - 20.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hilde(gard) Blum

*3.10.1923 in Borken - KZ Stutthoff


Untermarkt 8

Der Viehhändler und Metzger Josef Kaiser stammte aus Hoof bei Kassel lebte seit 1894 in Frankkenberg. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er 1921 Mary Josephs aus Jever in Norddeutschland. Vier Kinder lebten im Haus Untermarkt 8. Von der Tochter Jenny werden wir noch weiter unten hören.

Das Ehepaar Kaiser wurde zum 13. Dezember 1941 - wie die Ehepaar Plaut und Katzensteins und - gezwungen aus seinem Haus zu ziehen und in dem Gebäude der Synagoge - sicherlich auf engstem Raum - zu leben. Im Mai 1942, als es Fische aus der Eder zu kaufen gab, war auch Josef Kaiser in der Reihe der wartenden. Jemand denunzierte den 73-Jährigen und die Gestapo wies ihn am 12. Juni 1942 in das Arbeitserziehungslager Breitenau bei Guxhagen ein. Dort blieb er etwa zehn Wochen in Schutzhaft, bevor er am 25. August von Breitenau in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich verschleppt wurde. Nur wenige Tage später wurde sein Tod dort am 31. August 1942 amtlich festgehalten.

Es ist nicht bekannt, ob seine Frau noch von dem Tod ihres Mannes wusste, bevor die 61Jährige über Kassel in das Ghetto Theresienstadt verschleppt wurde. Mehr als zwei Jahre Gefangenschaft dort wurde sie von dort am 9. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt, wo sie vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast wurde.

Josef Kaiser
*17.7.1869 in Hoof, Landkreis Kassel - 31.8.1942 KZ Mauthausen
Mary Kaiser geb. Josephs
* 26.8.1881 in Jever - 9.10.1944 Auschwitz

Die Tochter Jenny Kaiser lebte vermutlich bis zu ihrer Heirat um 1925 in ihrem Elternhaus Untermarkt 8. dann zog sie nach Bonbaden im Kreis Wetzlar und lebte im Haus Dorfstraße 99.

Am 10. Juni 1942 wurde sie im Alter von 47 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann und dem 15 jährigen Sohn Horst und einem Schwager aus ihrem Haus verschleppt über Frankfurt nach Polen in die Region Lublin und im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Jenny Liebmann geb. Kaiser
*8.7.1895 in Frankenberg- 1942 Vernichtungslager Sobibor



Hainstraße (Israelitische Schule)

Dies ist das Gebäude der Israelitischen Schule Frankenberg, unten befanden sich die Schulräume und oben war eine geräumige 5-Zimmer Wohnung. Seit 1919 war Ferdinand Stern aus Zwesten der Lehrer der israelitischen Schule. In diesem Jahr war er aus Volkmarsen nach Frankenberg gezogen.

1921 heiratete der Lehrer Ferdinand Stern die bildschöne 24jährige Martha Katz aus Arolsen. Das Ehepaar bekam fünf Kinder:
Helmut *1922
Manfred *1923
Bertha Lieselotte *1925
Richard (Josef) *1932
Max Heinz *1936

Während der Kristallnacht im November 1938 kam es zu schwersten Ausschreitungen gegen die Familie Stern und zur Zerstörung ihrer Wohnung. Ferdinand Stern, 48 Jahre zu dieser Zeit, wurde mit vielen anderen jüdischen Männern in das KZ Buchenwald bei Weimar verschleppt. Kurz nach seiner Ankunft dort starb er an den Folgen der brutalen Misshandlungen. In Frankenberg am 14. November 1938.

Frau Stern stand nun mit ihren Kindern alleine. Der älteste Sohn Manfred war bereits seit 1937 zur Berufsausbildung in Frankfurt. Frau Stern zog Mitte Februar 1939 mit ihrer 13 jährigen Tochter Lieselotte und den beiden kleinen 7 und 2 Jahre alten Söhnen Richard und Max nach Frankfurt zu einem Neffen ihres Mannes. Maurerstraße 36, 2. Stock ist auf der Karteikarte in Frankenberg zu lesen. Sie macht eine Ausbildung als Schneiderin und bemühte sich um Auswanderungsmöglichkeiten. Lieselotte und Helmut Stern können aus Deutschland entkommen.

Im Mai 1942 wird Martha Stern zusammen mit ihren drei Söhnen Manfred - 19, Richard, 10 und Max Heinz, 5 Jahre , aus ihrer Frankfurter Wohnung in der Weberstraße 7 im zweiten Stock verschleppt.

Von der Frankfurter Großmarkthalle gibt es einen Massentransport in das besetzte Polen, nach Lublin. Dort musste der Sohn Manfred Stern vermutlich wie alle Männer zwischen 15 und 50 Jahren den Zug verlassen und wurde in das nahe gelegene Konzentrationslager Majdanek gebracht, wo er aufgrund der schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen in den folgenden Wochen zu Tode gekommen sein dürfte.

Der Zug mit den Frauen, Kindern und alten Männern, fuhr unmittelbar in das Vernichtungslager Sobibor, wo das Öffnen der Zugtüren bedeutete, dass alle Personen zwei Stunden später in den Gaskammern, in die sie unter größten Täuschungen geführt wurden, vergast worden waren, so auch mit Martha Stern und den beiden kleinen Söhnen Richard und Max.

Ferdinand Stern
*16.10.1890 in Zwesten - 14.11.1938 KZ Buchenwald
Martha Stern geb. Katz
*30.9.1897 in Arolsen - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Manfred Stern
*4.6.1923 in Frankenberg - 1942 KZ Majdanek
Richard Josef Stern
*9.1.1932 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Max Heinz Stern
*2.9.1936 in Marburg - 1942 Vernichtungslager Sobibor


Obermarkt 14

Das Ehepaar Emil und Johanna Plaut stammte aus Frankenau, bzw. Grüsen. 1902 heiratete es und hatte zwei Kinder. Emil Plaut war im 1. Weltkrieg, wo er mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde. Emil Plaut war der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Frankenberg. Das Ehepaar Plaut führte einen Textilhandel in seinem Haus Obermarkt 14. Als Hausgehilfin stand ihnen Recha Lamm aus Homberg von Mitte Juni bis Ende September 1936 zur Seite.

Am 13. Dezember 1941 wurden die beiden auch in das Gebäude der ehemaligen Synagoge, Schwarwinkel 4, zwangseingewiesen.

Aus einem nicht bekannten - sicherlich konstruierten Anlass- wies die Gestapo Kassel den 61jährigen Emil Plaut am 23. Juni 1942 in das Arbeitserziehungslager Breitenau ein. Dort musste Emil Plaut einige Wochen bleiben. Die Arbeitserziehungshaft betrug maximal 56 Tage. Die Gestapo Kassel beantragte beim Reichssicherheitshauptamt (RSHA) seine Einweisung in ein KZ. Am 4. September 1942 verließ Emil Plaut Breitenau und in einem Sammeltransport, der mehrere Tage benötigte, wurde in das KZ Sachsenhausen bei Berlin verschleppt, wo er die Häftlingsnummer 47.888 erhielt und im Häftlingsblock 38 leben musste. Als Häftlingskategorie ist in den Unterlagen des KZ Sachsenhausen "Jude" angegeben. Mehrere Wochen später am 10. Oktober 1942 starb er. Als Todesursache ist im dortigen Sterbebuch "Ruhr" angegeben und als Sterbeurzeit 17.10 Uhr.

Johanna Plaut wurde am 6. September 1942 aus ihrer Wohnung über das Sammellager in Kassel in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Dort kam sie wenige Wochen später am 18. November 1942 zu Tode. Sie wurde 66 Jahre alt.

Emil Plaut
*20.1.1871 in Frankenau - 10.10.1942 KZ Sachsenhausen
Johanna Plaut
geb. Marx
*22.4.1876 in Grüsen - 18.11.1942 Ghetto Theresienstadt

Recha Lamm hatte zum 1.Oktober 1936 Frankenberg verlassen. Später lebte sie in Frankfurt, Schützenstraße 8, von wo sie im November 1941 mit Verwandten in das Ghetto Minsk in Weißrussland verschleppt wurde und zu Tode kam.

Recha Lamm
*5.7.1890 in Homberg - 1942 Ghetto Minsk


Obermarkt 5

Im Haus Obermarkt 5 lebte der Viehhändler Salomon Katz, der 1858 geboren wurde, mit seiner Frau Jettchen und den Kindern Hermann, Sophie, Johanna und Flora.

Die alten Eltern konnten Ende 1939 noch zu ihrem Sohn in die USA entkommen. Sophie Katz meldete sich im Alter von 49 Jahren wenige Wochen später nach Essen, Turmstraße 4 ab, wo ihre Schwester Johanna seit ihrer Heirat lebte.

Nach einiger Zeit aber zieht sie nach Berlin, wo ihre Schwester Flora seit ihrer Heirat lebte. Sophie Katz wurde aus Berlin verschleppt und in Auschwitz ermordet.

Auch die Schwester Flora Katz - verheiratete Skapkowker - wurde aus Berlin deportiert und in Auschwitz ermordet. Ebenso die Schwester Johanna Katz verheiratete Bachenheimer, sie wurde im Juli 1942 gemeinsam mit ihrem Mann aus Essen über Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Fast zwei Jahre später wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann im Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt, wo sie vermutlich direkt nach der Ankunft vergast wurde.

Sophie Katz
*2.8.1891 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Johanna Bachenheimer geb. Katz
*13.7.1886 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Flora Skapkowker geb. Katz
*23.11.1889 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau


Untermarkt 10

Hier lebte das Ehepaar Bertha und Jonas Dilloff. Jonas Dilloff war in Frankenberg geboren. Er schlachtete vermutlich Kleintiere und handelte mit deren Fellen. 1938 starb Bertha Dilloff im Alter von 78 Jahren, sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg beerdigt. Nach ihrem Tod zog Jonas Dilloff im April 1939 nach Bonbaden im Kreis Wetzlar zu der der aus Frankenberg stammenden Jenny Liebmann geb. Kaiser und ihrer Familie. Ihr Bruder hatte bis zu seiner Auswanderung im selben Haus wie Jonas Dilloff gelebt.

Der alte Jonas Dilloff wurde im August aus dem Israelitischen Krankenhaus in Frankfurt, im Alter von 77 Jahren in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo er wenige Wochen später am 23. September 1942 starb.

Jonas Dilloff
*4.11.1864 in Frankenberg - 23.9.1942 Ghetto Theresienstadt


Geismarerstraße 7

Ida Buchheim wurde 1904 in Frankenberg geboren. Ihr Vater war der Viehhändler Meier Buchheim in der Geismarer Straße 7. Bis wann Ida Buchheim hier lebte ist nicht bekannt. Im Juli 1935 wird sie in Frankenberg als Verheiratete (mit Willy Alexandrowitz) in der so genannten Judenkartei am selben Tag unter der Adresse Steingasse 16 an und abgemeldet. Dies ist wohl ein Schreibfehler, möglicherweise ist Steingasse 19 gemeint, Verwandte von ihr lebten. Sie verzog nach Rheinswein in Ostpreußen.

Aus Landwerk Neuendorf wurde sie nach Auschwitz verschleppt und ermordet.

Ida Alexandrowitz geb Buchheim
*2.10.1904 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau


Steingasse 20

Hier lebte die Familie Jakob und Sara Dilloff. Sie dürften in den zwanziger Jahren verstorben und hier in Frankenberg auf dem Jüdischen Friedhof beerdigt sein.

Das Ehepaar hatte mehrere Kinder
Recha *1879 in Frankenberg
Hedwig *1880 in Frankenberg
Rudolf Dilloff *1892 in Frankenberg

Recha Dilloff heiratete einen Herrn Joseph und lebte mit ihm in Oberhausen. Um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen floh sie nach Holland. Von ihrem Wohnort in Apeldoorn wurde sie nach der deutschen Besatzung über das Lager Westerbork in Holland im Juni 1943 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast. Sie wurde 55 Jahre.

Hedwig Dilloff heiratete etwa um die Jahrhundertwende Ferdinand Heinrich und lebte in dem Weindorf Casel bei Trier. Als Witwe zog sie im August 1933 nach Trier. Im Oktober 1941 wurde die 61-jährige von dort in einem Massentransport nach Lodz im besetzten Polen in das dortige Ghetto verschleppt und dort vermutlich im Vernichtungslager Chelmno vergast.

Rudolf Dilloff war geistig behindert. Im Alter von 28 Jahren kam er 1920 in die Psychatrie in Haina. Zwanzig Jahre später wurde er im September 1940 in das Sammellager für jüdische Patienten in der Gießener Anstalt verschleppt und wenige Tage später in der Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg ermordet. Er wurde 42 Jahre.

Recha Joseph geb. Dilloff
*26.2.1879 in Frankenberg - 1943 Vernichtungslager Sobibor
Hedwig Heinrich geb. Dilloff
*20.11.1880 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Chelmno
Rudolf Dilloff
*24.8.1892 in Frankenberg - 1940 Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg



Pferdemarkt 8

Hier lebte das Ehepaar Liebmann und Ernestine Marx. Es hatte mehrere Kinder u.a.
Sara *1875 in Frankenberg geboren
Jenny *1879 in Frankenberg geboren
Lina *1882 in Frankenberg geboren

Ob und wann die Eltern Marx hier in Frankenberg gestorben und hier auf dem Jüdischen Friedhof beerdigt sind, weiß ich noch nicht.

Sara Marx lebte wie ihre Schwester Jenny Marx in Mühlheim an der Ruhr. Von dort wurden sie 1942 im Alter von 66 und 63 Jahren in das besetzte Polen nach Izbica bei Lublin verschleppt und vermutlich im Vernichtungslager Sobibor vergast.

Lina Marx heiratete Moritz Rosenbaum und hatte eine Tochter Lieselotte. Die Familie Die Familie lebte in Esssen-Steele in der Berliner Straße 39-41, während des Krieges lebten das Ehepaar in Essen, Lenbachstraße 3.

Lina Rosenbaum wurde im Alter von 59 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann am 21. Juli 1942 aus Essen über Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, dann von dort zwei Monate später am 21.September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort vergast.

Ihre Tochter lebt oder lebte übrigens in Bielefeld.

Sara Marx
*18.11.1875 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Jenny Marx
*25.2.1879 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Lina Rosenbaum geb. Marx
*9.8.1882 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Treblinka



Obermarkt 16

Dieses Haus war das Haus der Familie Fürst. Die Geschwister Max und Johanna Fürst. Sie waren 1881 und 1883 hier geboren. Die Eltern waren Faist Fürst und Florentine geb. Lichtenstein. Ich weiß noch nicht, ob die Eltern ihren Lebensabend in Frankenberg verbrachten, wann sie starben und ob sie auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg beerdigt sind.

Max Fürst lebte im Mai 1939 in Hannover, gemeinsam mit seiner Frau Elise geb. Jacoby aus Gudensberg. Beide wurden aus Hannover am 15. Dezember 1941 aus ihrer Wohnung in Hannover An der Strangriede 55 nach Riga in Lettland in das dortige Ghetto verschleppt. Die Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.

Max Fürst
*16.7.1883 in Frankenberg - Ghetto Riga


Johanna Fürst lebte vermutlich seit ihrer Heirat mit Izaak Keyser in Menden in Westfalen. Um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entkommen, floh das Ehepaar nach Holland. 1941 lebte es in Amsterdam, Hunzestraat 23 huis. Über das Lager in Westerbork wurden beide am 22. Mai 1944 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Johanna Fürst-Keyser war zu dieser Zeit 63 Jahre alt.

Johanna Keyzer geb. Fürst
*21.3.1881 in Frankenberg - 1944 Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau



Folgende Personen, deren familiäre Bindungen und Bezüge mir noch nicht deutlich sind, müssen noch genannt werden. Sie waren schon vor 1933 aus Frankenberg wegen Eheschließung oder aus beruflichen Gründen verzogen.


David Goldschmidt wurde 1873 in Frankenberg geboren. Im Mai 1939 lebte er Frankershausen Haus Nr. 98.

Am 6. September 1942 wurde er aus einem Ghettohaus in Eschwege in der Schulstraße 3 in das Sammellager in Kassel und von dort in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Am 14. Dezember 1943 starb er dort im Alter von 70 Jahren.

David Goldschmidt
*9.1.1873 in Frankenberg - 14.12.1943 Ghetto Theresienstadt



Albert Bär wurde 1882 in Frankenberg geboren. Er war verheiratet mit Minna geb. Kadden. Das Ehepaar betrieb in Niederaula den Kurzwarenhandel "Albert Bär". Im März 1939 zog Albert Bär nach Frankfurt, Kleiner Wollgraben 8. Mit seiner Frau wurde er am 11.November 1941 aus seiner Wohnung in das Ghetto nach Minsk in Weißrussland verschleppt.

Albert Baer
*8.8.1882 in Frankenberg - Ghetto Minsk


Philipp Dilloff wurde 1863 in Frankenberg geboren. Er war ein Sohn von Loeb Dilloff und dürfte mit den gerade genannten Dilloffs verwandt sein.

Seine Ausbildung hatte er am Lehrerseminar in Köln und Büren absolviert. Dann lebte er in Lübeck. Von dort wurde er am 19 Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt und von dort zwei Monate später am 23. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka, wo er unmittelbar nach der Ankunft vergast wurde. Er wurde 78 Jahre alt.

Philipp Dilloff
*18.12.1863 in Frankenberg - 23.9.1942 Vernichtungslager Treblinka


Dies sind die Namen der Ermordeten aus Frankenberg. Der Vollständigkeit halber möchte ich auch noch die Namen der Ermordeten aus Frankenberg-Rödenau nennen:


Dort lebte die Familie Bachenheimer.

Julius Bachenheimer und seine Frau Selma Elsoffer aus Schwarzenau hatten vier Kinder.

Julius Bachenheimer wurde im November 1938 für einige Wochen in das KZ Buchenwald verschleppt. Wenige Wochen nach seiner Rückkehr starb er an den Folgen des KZ-Aufenthaltes.

Der Sohn Fritz konnte in die USA entkommen.

Im Mai 1939 lebte auch die Mutter von Selma Bachenheimer in Röddenau. Sie zog später in den Regierungsbezirk Arnsberg. Sie wurde über Dortmund am 30. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt und starb dort wenige Wochen später am 27.August 1942 im Alter von 76 Jahren.

Selma Bachenheimer wurde gemeinsam mit ihren drei minderjährigen Töchtern: der 17 jährigen Doris, der 14 jährigen Anneliese und der vierjährigen Hilde aus Röddenau im Dezember 1941 über das Sammellager Kassel in das Ghetto Riga in Lettland verschleppt. Es gibt von ihnen keine weiteren Lebenszeichen.

Selma Bachenheimer geb. Elsoffer
*17.4.1897 in Schwarzenau, Kreis Wittgenstein
Doris Bachenheimer
*6.12.1924 in ?Röddenau
Anneliese Bachenheimer
*13.4.1927 in Röddenau
Hilde Bachenheimer
*4.5.1937 in Röddenau
Rosalie Elsoffer geb. Stern
*22.9.1865 in Schwarzenau.