Die Namen der ermordeten jüdischen Frankenberger
Erarbeitet
und zusammengestellt von
Monica Kingreen
Fritz Bauer Institut
Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
M.Kingreen@fritz-bauer-institut.de
Einen sehr langen Zeitraum haben Christen und Juden gemeinsam in Frankenberg
gelebt. Von etwa 1835 bis zum ersten Weltkrieg betrug der jüdische Bevölkerungsanteil
immer mehrere Prozent und lag damit deutlich über dem Reichsdurchschnitt.
Das Alltagsleben von Frankenberg gestalteten christliche und jüdische
Bewohner gemeinsam - zumeist in verschiedenen beruflichen Rollen, und
vor allem unter Wahrung der religiösen Unterschiede.
Während des Nationalsozialismus wurden die jüdischen Frankenberger verfolgt,
vertrieben, isoliert, ghettoisiert und später gewaltsam deportiert und
in den Vernichtungslagern vergast.
Vor allem nach Verkündigung der so genannten Nürnberger Gesetze, die
rechtlich aus jüdischen Deutschen Menschen zweiter Klasse machten, betrieben
zahlreiche Frankenberger, soweit sie die finanziellen Mittel dazu hatten,
ihre Auswanderung aus Deutschland. Vor allem nach den schweren Ausschreitungen
im November 1938 gegen die jüdischen Familien - hier ist vor allem die
Familie des Lehrers Stern zu nennen - ihre Wohnungen und ihr Gotteshaus,
die Synagoge, flohen zahlreiche Menschen in größere Städte, um Zuflucht
zu finden. Aber es verblieben auch noch jüdische Menschen in Frankenberg.
Ab September 1941 mussten sie den so genannten 'Judenstern' tragen,
im April 1942 ihre Wohnungen mit dem Stern gezeichnet. Im Juni 1942
wurden zwei Frankenberger Männer von der Gestapo in das Arbeitserziehungslager
Breitenau verschleppt und dann weiter in Konzentrationslager.
Im September 1942 bei der letzten Massendeportation aus den Dörfern
und Städten des Regierungsbezirkes wurden 5 jüdische Frankenberger aus
ihren Wohnungen über ein großes Sammellager in Kassel in das Ghetto
Theresienstadt, das bei Prag liegt, verschleppt, starben dort oder wurden
von dort weiterdeportiert in die Vernichtungslager Treblinka oder Auschwitz.
Ich möchte nun zu den einzelnen Personen, die in Frankenberg geboren,
aufgewachsen sind, gelebt und gearbeitet haben, und die im Holocaust
ermordet wurden, einige sicherlich sehr unvollständige Anmerkungen machen.
Die meisten von ihnen lebten auch während der NS-Zeit in Frankenberg,
ich habe mich allerdings auch bemüht, die Namen der ermordeten Personen
herauszufinden, die schon wegen Eheschließung oder aus anderen Gründen
in andere Städte gezogen waren. Die allermeisten hatten auch nach ihrem
Wegzug familiäre Verbindungen nach Frankenberg.
Viele der Personen, deren Namen folgen, wären sicherlich auf dem jüdischen
Friedhof Frankenberg beerdigt worden, nachdem sie, wie auch teilweise
ihre Eltern und Großeltern zuvor, ihr Leben und ihren Lebensabend in
Frankenberg verbracht hätten. Der Nationalsozialismus aber störte diese
Lebensentwicklungen tödlich. Für die allermeisten dieser Personen existieren
keine individuellen Grabstätten.
Kursiv gedruckte Namen bedeuten: Diese Person lebte nicht während
der NS-Zeit in Frankenberg
Bahnhofstraße 4
Im Haus Bahnhofstraße 4 führte das Ehepaar Jakob und Rosalie
Katzenstein ein Textilgeschäft. Vermutlich um 1890 kamen Jakob und
Rosalie Katzenstein, die aus Frankenau bzw. aus Korbach stammten, nach
ihrer Eheschließung nach Frankenberg und eröffneten dort das Textilgeschäft.
Ihr einziger Sohn Albert fiel im Ersten Weltkrieg für sein deutsches
Vaterland. Er war einer von zwei Gefallenen der Jüdischen Gemeinde Frankenberg.
Ihnen zur Seite stand als Haushaltshilfe Hilde Blum, die als
17jährige im Mai 1939 im Haus der Bahnhofstraße 4 gemeldet ist. Seit
dem Februar 1939 lebte sie aus Friedrichsroda kommend, bei Katzensteins.
Vermutlich Ende 1941 wurde das Ehepaar gezwungen, sein Haus zu verlassen.
Es wurde zwangsweise in das Gebäude der im November 1938 geschändeten
und im Inneren zerstörten Synagoge, Scharwinkel 4, einzuziehen.
Seit Januar 1941 lebte bei dem Ehepaar Katzenstein noch die Schwester
von Frau Katzenstein, das war Hedwig Weitzenkorn aus Korbach.
Die Hausgehilfin Hilde Blum war zu dieser Zeit vermutlich bereits in
Leipzig. (Offiziell wird sie allerdings erst zwei Tage vor ihrer Verschleppung
aus Leipzig in Frankenberg abgemeldet)
In der Frühe des 6. September 1942 wurde der 77jährige Jakob Katzenstein
gemeinsam mit seiner 72jährigen Ehefrau Rosalie und deren 57 jährigen
Schwester Hedwig Weitzenkorn unter Androhung schwerster Strafen bei
Nichtbefolgung vom Ortsgendarm zum Frankenberger Bahnhof geführt und
in ein Sammellager nach Kassel gebracht. Von dort gab es einen Massentransport
am nächsten Tag in das Ghetto Theresienstadt. Am 27. November 1942 starb
Jakob Katzenstein bei fürchterlichsten hygienischen Verhältnissen im
Ghetto Theresienstadt. Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes starb
auch Rosalie Katzenstein am 13. Januar 1943, ihre Schwester Hedwig Weitzenkorn
kam eine Woche später am 20. Januar 1943 in Theresienstadt zu Tode.
Hilde Blum, die Hausgehilfin der Katzensteins wurde im Januar 1942 von
Leipzig nach Riga in Lettland verschleppt. Ein letztes Lebenszeichen
gibt es von ihr vom 1. Oktober 1944, als sie zwei Tage vor ihrem 22.
Geburtstag im KZ Stutthoff bei Danzig registriert wird.
Jakob Katzenstein
*8.4.1865 in Frankenau - 27.11.1942 Ghetto Theresienstadt
Rosalie Katzenstein geb. Weitzenkorn
*6.5.1870 in Korbach - 13.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hedwig Weitzenkorn
*30.3.1885 in Korbach - 20.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hilde(gard) Blum
*3.10.1923 in Borken - KZ Stutthoff
Untermarkt 8
Der Viehhändler und Metzger Josef Kaiser stammte aus Hoof bei
Kassel lebte seit 1894 in Frankkenberg. Nach dem Tod seiner Frau heiratete
er 1921 Mary Josephs aus Jever in Norddeutschland. Vier Kinder
lebten im Haus Untermarkt 8. Von der Tochter Jenny werden wir noch weiter
unten hören.
Das Ehepaar Kaiser wurde zum 13. Dezember 1941 - wie die Ehepaar Plaut
und Katzensteins und - gezwungen aus seinem Haus zu ziehen und in dem
Gebäude der Synagoge - sicherlich auf engstem Raum - zu leben. Im Mai
1942, als es Fische aus der Eder zu kaufen gab, war auch Josef Kaiser
in der Reihe der wartenden. Jemand denunzierte den 73-Jährigen und die
Gestapo wies ihn am 12. Juni 1942 in das Arbeitserziehungslager Breitenau
bei Guxhagen ein. Dort blieb er etwa zehn Wochen in Schutzhaft, bevor
er am 25. August von Breitenau in das Konzentrationslager Mauthausen
in Österreich verschleppt wurde. Nur wenige Tage später wurde sein Tod
dort am 31. August 1942 amtlich festgehalten.
Es ist nicht bekannt, ob seine Frau noch von dem Tod ihres Mannes wusste,
bevor die 61Jährige über Kassel in das Ghetto Theresienstadt verschleppt
wurde. Mehr als zwei Jahre Gefangenschaft dort wurde sie von dort am
9. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt, wo sie
vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast wurde.
Josef Kaiser
*17.7.1869 in Hoof, Landkreis Kassel - 31.8.1942 KZ Mauthausen
Mary Kaiser geb. Josephs
* 26.8.1881 in Jever - 9.10.1944 Auschwitz
Die Tochter Jenny Kaiser lebte vermutlich bis zu ihrer Heirat
um 1925 in ihrem Elternhaus Untermarkt 8. dann zog sie nach Bonbaden
im Kreis Wetzlar und lebte im Haus Dorfstraße 99.
Am 10. Juni 1942 wurde sie im Alter von 47 Jahren gemeinsam mit ihrem
Mann und dem 15 jährigen Sohn Horst und einem Schwager aus ihrem Haus
verschleppt über Frankfurt nach Polen in die Region Lublin und im Vernichtungslager
Sobibor ermordet.
Jenny Liebmann geb. Kaiser
*8.7.1895 in Frankenberg- 1942 Vernichtungslager Sobibor
Hainstraße (Israelitische Schule)
Dies ist das Gebäude der Israelitischen Schule Frankenberg, unten befanden
sich die Schulräume und oben war eine geräumige 5-Zimmer Wohnung. Seit
1919 war Ferdinand Stern aus Zwesten der Lehrer der israelitischen
Schule. In diesem Jahr war er aus Volkmarsen nach Frankenberg gezogen.
1921 heiratete der Lehrer Ferdinand Stern die bildschöne 24jährige Martha
Katz aus Arolsen. Das Ehepaar bekam fünf Kinder:
Helmut *1922
Manfred *1923
Bertha Lieselotte *1925
Richard (Josef) *1932
Max Heinz *1936
Während der Kristallnacht im November 1938 kam es zu schwersten Ausschreitungen
gegen die Familie Stern und zur Zerstörung ihrer Wohnung. Ferdinand
Stern, 48 Jahre zu dieser Zeit, wurde mit vielen anderen jüdischen Männern
in das KZ Buchenwald bei Weimar verschleppt. Kurz nach seiner Ankunft
dort starb er an den Folgen der brutalen Misshandlungen. In Frankenberg
am 14. November 1938.
Frau Stern stand nun mit ihren Kindern alleine. Der älteste Sohn Manfred
war bereits seit 1937 zur Berufsausbildung in Frankfurt. Frau Stern
zog Mitte Februar 1939 mit ihrer 13 jährigen Tochter Lieselotte und
den beiden kleinen 7 und 2 Jahre alten Söhnen Richard und Max nach Frankfurt
zu einem Neffen ihres Mannes. Maurerstraße 36, 2. Stock ist auf der
Karteikarte in Frankenberg zu lesen. Sie macht eine Ausbildung als Schneiderin
und bemühte sich um Auswanderungsmöglichkeiten. Lieselotte und Helmut
Stern können aus Deutschland entkommen.
Im Mai 1942 wird Martha Stern zusammen mit ihren drei Söhnen
Manfred - 19, Richard, 10 und Max Heinz, 5 Jahre
, aus ihrer Frankfurter Wohnung in der Weberstraße 7 im zweiten Stock
verschleppt.
Von der Frankfurter Großmarkthalle gibt es einen Massentransport in
das besetzte Polen, nach Lublin. Dort musste der Sohn Manfred Stern
vermutlich wie alle Männer zwischen 15 und 50 Jahren den Zug verlassen
und wurde in das nahe gelegene Konzentrationslager Majdanek gebracht,
wo er aufgrund der schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen in den folgenden
Wochen zu Tode gekommen sein dürfte.
Der Zug mit den Frauen, Kindern und alten Männern, fuhr unmittelbar
in das Vernichtungslager Sobibor, wo das Öffnen der Zugtüren bedeutete,
dass alle Personen zwei Stunden später in den Gaskammern, in die sie
unter größten Täuschungen geführt wurden, vergast worden waren, so auch
mit Martha Stern und den beiden kleinen Söhnen Richard und Max.
Ferdinand Stern
*16.10.1890 in Zwesten - 14.11.1938 KZ Buchenwald
Martha Stern geb. Katz
*30.9.1897 in Arolsen - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Manfred Stern
*4.6.1923 in Frankenberg - 1942 KZ Majdanek
Richard Josef Stern
*9.1.1932 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Max Heinz Stern
*2.9.1936 in Marburg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Obermarkt 14
Das Ehepaar Emil und Johanna Plaut stammte aus Frankenau, bzw. Grüsen.
1902 heiratete es und hatte zwei Kinder. Emil Plaut war im 1.
Weltkrieg, wo er mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde.
Emil Plaut war der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Frankenberg. Das
Ehepaar Plaut führte einen Textilhandel in seinem Haus Obermarkt 14.
Als Hausgehilfin stand ihnen Recha Lamm aus Homberg von Mitte Juni bis
Ende September 1936 zur Seite.
Am 13. Dezember 1941 wurden die beiden auch in das Gebäude der ehemaligen
Synagoge, Schwarwinkel 4, zwangseingewiesen.
Aus einem nicht bekannten - sicherlich konstruierten Anlass- wies die
Gestapo Kassel den 61jährigen Emil Plaut am 23. Juni 1942 in das Arbeitserziehungslager
Breitenau ein. Dort musste Emil Plaut einige Wochen bleiben. Die Arbeitserziehungshaft
betrug maximal 56 Tage. Die Gestapo Kassel beantragte beim Reichssicherheitshauptamt
(RSHA) seine Einweisung in ein KZ. Am 4. September 1942 verließ Emil
Plaut Breitenau und in einem Sammeltransport, der mehrere Tage benötigte,
wurde in das KZ Sachsenhausen bei Berlin verschleppt, wo er die Häftlingsnummer
47.888 erhielt und im Häftlingsblock 38 leben musste. Als Häftlingskategorie
ist in den Unterlagen des KZ Sachsenhausen "Jude" angegeben. Mehrere
Wochen später am 10. Oktober 1942 starb er. Als Todesursache ist im
dortigen Sterbebuch "Ruhr" angegeben und als Sterbeurzeit 17.10 Uhr.
Johanna Plaut wurde am 6. September 1942 aus ihrer Wohnung über
das Sammellager in Kassel in das Ghetto Theresienstadt verschleppt.
Dort kam sie wenige Wochen später am 18. November 1942 zu Tode. Sie
wurde 66 Jahre alt.
Emil Plaut
*20.1.1871 in Frankenau - 10.10.1942 KZ Sachsenhausen
Johanna Plaut geb. Marx
*22.4.1876 in Grüsen - 18.11.1942 Ghetto Theresienstadt
Recha Lamm hatte zum 1.Oktober 1936 Frankenberg verlassen. Später
lebte sie in Frankfurt, Schützenstraße 8, von wo sie im November 1941
mit Verwandten in das Ghetto Minsk in Weißrussland verschleppt wurde
und zu Tode kam.
Recha Lamm
*5.7.1890 in Homberg - 1942 Ghetto Minsk
Obermarkt 5
Im Haus Obermarkt 5 lebte der Viehhändler Salomon Katz, der 1858 geboren
wurde, mit seiner Frau Jettchen und den Kindern Hermann, Sophie, Johanna
und Flora.
Die alten Eltern konnten Ende 1939 noch zu ihrem Sohn in die USA entkommen.
Sophie Katz meldete sich im Alter von 49 Jahren wenige Wochen
später nach Essen, Turmstraße 4 ab, wo ihre Schwester Johanna seit ihrer
Heirat lebte.
Nach einiger Zeit aber zieht sie nach Berlin, wo ihre Schwester Flora
seit ihrer Heirat lebte. Sophie Katz wurde aus Berlin verschleppt und
in Auschwitz ermordet.
Auch die Schwester Flora Katz - verheiratete Skapkowker - wurde
aus Berlin deportiert und in Auschwitz ermordet. Ebenso die Schwester
Johanna Katz verheiratete Bachenheimer, sie wurde im Juli 1942
gemeinsam mit ihrem Mann aus Essen über Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt
deportiert. Fast zwei Jahre später wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann
im Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt,
wo sie vermutlich direkt nach der Ankunft vergast wurde.
Sophie Katz
*2.8.1891 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Johanna Bachenheimer geb. Katz
*13.7.1886 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Flora Skapkowker geb. Katz
*23.11.1889 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Untermarkt 10
Hier lebte das Ehepaar Bertha und Jonas Dilloff. Jonas Dilloff
war in Frankenberg geboren. Er schlachtete vermutlich Kleintiere und
handelte mit deren Fellen. 1938 starb Bertha Dilloff im Alter von 78
Jahren, sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg beerdigt.
Nach ihrem Tod zog Jonas Dilloff im April 1939 nach Bonbaden im Kreis
Wetzlar zu der der aus Frankenberg stammenden Jenny Liebmann geb. Kaiser
und ihrer Familie. Ihr Bruder hatte bis zu seiner Auswanderung im selben
Haus wie Jonas Dilloff gelebt.
Der alte Jonas Dilloff wurde im August aus dem Israelitischen Krankenhaus
in Frankfurt, im Alter von 77 Jahren in das Ghetto Theresienstadt verschleppt,
wo er wenige Wochen später am 23. September 1942 starb.
Jonas Dilloff
*4.11.1864 in Frankenberg - 23.9.1942 Ghetto Theresienstadt
Geismarerstraße 7
Ida Buchheim wurde 1904 in Frankenberg geboren. Ihr Vater war
der Viehhändler Meier Buchheim in der Geismarer Straße 7. Bis wann Ida
Buchheim hier lebte ist nicht bekannt. Im Juli 1935 wird sie in Frankenberg
als Verheiratete (mit Willy Alexandrowitz) in der so genannten Judenkartei
am selben Tag unter der Adresse Steingasse 16 an und abgemeldet. Dies
ist wohl ein Schreibfehler, möglicherweise ist Steingasse 19 gemeint,
Verwandte von ihr lebten. Sie verzog nach Rheinswein in Ostpreußen.
Aus Landwerk Neuendorf wurde sie nach Auschwitz verschleppt und ermordet.
Ida Alexandrowitz geb Buchheim
*2.10.1904 in Frankenberg - Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Steingasse 20
Hier lebte die Familie Jakob und Sara Dilloff. Sie dürften in den zwanziger
Jahren verstorben und hier in Frankenberg auf dem Jüdischen Friedhof
beerdigt sein.
Das Ehepaar hatte mehrere Kinder
Recha *1879 in Frankenberg
Hedwig *1880 in Frankenberg
Rudolf Dilloff *1892 in Frankenberg
Recha Dilloff heiratete einen Herrn Joseph und lebte mit ihm
in Oberhausen. Um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen
floh sie nach Holland. Von ihrem Wohnort in Apeldoorn wurde sie nach
der deutschen Besatzung über das Lager Westerbork in Holland im Juni
1943 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort unmittelbar
nach ihrer Ankunft vergast. Sie wurde 55 Jahre.
Hedwig Dilloff heiratete etwa um die Jahrhundertwende Ferdinand
Heinrich und lebte in dem Weindorf Casel bei Trier. Als Witwe zog sie
im August 1933 nach Trier. Im Oktober 1941 wurde die 61-jährige von
dort in einem Massentransport nach Lodz im besetzten Polen in das dortige
Ghetto verschleppt und dort vermutlich im Vernichtungslager Chelmno
vergast.
Rudolf Dilloff war geistig behindert. Im Alter von 28 Jahren
kam er 1920 in die Psychatrie in Haina. Zwanzig Jahre später wurde er
im September 1940 in das Sammellager für jüdische Patienten in der Gießener
Anstalt verschleppt und wenige Tage später in der Euthanasie-Mordanstalt
Brandenburg ermordet. Er wurde 42 Jahre.
Recha Joseph geb. Dilloff
*26.2.1879 in Frankenberg - 1943 Vernichtungslager Sobibor
Hedwig Heinrich geb. Dilloff
*20.11.1880 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Chelmno
Rudolf Dilloff
*24.8.1892 in Frankenberg - 1940 Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg
Pferdemarkt 8
Hier lebte das Ehepaar Liebmann und Ernestine Marx. Es hatte mehrere
Kinder u.a.
Sara *1875 in Frankenberg geboren
Jenny *1879 in Frankenberg geboren
Lina *1882 in Frankenberg geboren
Ob und wann die Eltern Marx hier in Frankenberg gestorben und hier auf
dem Jüdischen Friedhof beerdigt sind, weiß ich noch nicht.
Sara Marx lebte wie ihre Schwester Jenny Marx in Mühlheim
an der Ruhr. Von dort wurden sie 1942 im Alter von 66 und 63 Jahren
in das besetzte Polen nach Izbica bei Lublin verschleppt und vermutlich
im Vernichtungslager Sobibor vergast.
Lina Marx heiratete Moritz Rosenbaum und hatte eine Tochter Lieselotte.
Die Familie Die Familie lebte in Esssen-Steele in der Berliner Straße
39-41, während des Krieges lebten das Ehepaar in Essen, Lenbachstraße
3.
Lina Rosenbaum wurde im Alter von 59 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann
am 21. Juli 1942 aus Essen über Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt
verschleppt, dann von dort zwei Monate später am 21.September 1942 in
das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort vergast.
Ihre Tochter lebt oder lebte übrigens in Bielefeld.
Sara Marx
*18.11.1875 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Jenny Marx
*25.2.1879 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Sobibor
Lina Rosenbaum geb. Marx
*9.8.1882 in Frankenberg - 1942 Vernichtungslager Treblinka
Obermarkt 16
Dieses Haus war das Haus der Familie Fürst. Die Geschwister Max und
Johanna Fürst. Sie waren 1881 und 1883 hier geboren. Die Eltern waren
Faist Fürst und Florentine geb. Lichtenstein. Ich weiß noch nicht, ob
die Eltern ihren Lebensabend in Frankenberg verbrachten, wann sie starben
und ob sie auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg beerdigt sind.
Max Fürst lebte im Mai 1939 in Hannover, gemeinsam mit seiner
Frau Elise geb. Jacoby aus Gudensberg. Beide wurden aus Hannover am
15. Dezember 1941 aus ihrer Wohnung in Hannover An der Strangriede 55
nach Riga in Lettland in das dortige Ghetto verschleppt. Die Umstände
ihres Todes sind nicht bekannt.
Max Fürst
*16.7.1883 in Frankenberg - Ghetto Riga
Johanna Fürst lebte vermutlich seit ihrer Heirat mit Izaak Keyser
in Menden in Westfalen. Um der nationalsozialistischen Verfolgung zu
entkommen, floh das Ehepaar nach Holland. 1941 lebte es in Amsterdam,
Hunzestraat 23 huis. Über das Lager in Westerbork wurden beide am 22.
Mai 1944 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Johanna Fürst-Keyser
war zu dieser Zeit 63 Jahre alt.
Johanna
Keyzer geb. Fürst
*21.3.1881 in Frankenberg - 1944 Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Folgende Personen, deren familiäre Bindungen und Bezüge
mir noch nicht deutlich sind, müssen noch genannt werden. Sie waren
schon vor 1933 aus Frankenberg wegen Eheschließung oder aus beruflichen
Gründen verzogen.
David Goldschmidt wurde 1873 in Frankenberg
geboren. Im Mai 1939 lebte er Frankershausen Haus Nr. 98.
Am 6. September 1942 wurde er aus einem Ghettohaus in Eschwege in der
Schulstraße 3 in das Sammellager in Kassel und von dort in das Ghetto
Theresienstadt verschleppt. Am 14. Dezember 1943 starb er dort im Alter
von 70 Jahren.
David Goldschmidt
*9.1.1873 in Frankenberg - 14.12.1943 Ghetto Theresienstadt
Albert Bär wurde 1882 in Frankenberg geboren.
Er war verheiratet mit Minna geb. Kadden. Das Ehepaar betrieb in Niederaula
den Kurzwarenhandel "Albert Bär". Im März 1939 zog Albert Bär nach Frankfurt,
Kleiner Wollgraben 8. Mit seiner Frau wurde er am 11.November 1941 aus
seiner Wohnung in das Ghetto nach Minsk in Weißrussland verschleppt.
Albert Baer
*8.8.1882 in Frankenberg - Ghetto Minsk
Philipp Dilloff wurde 1863 in Frankenberg geboren.
Er war ein Sohn von Loeb Dilloff und dürfte mit den gerade genannten
Dilloffs verwandt sein.
Seine Ausbildung hatte er am Lehrerseminar in Köln und Büren absolviert.
Dann lebte er in Lübeck. Von dort wurde er am 19 Juli 1942 in das Ghetto
Theresienstadt verschleppt und von dort zwei Monate später am 23. September
1942 in das Vernichtungslager Treblinka, wo er unmittelbar nach der
Ankunft vergast wurde. Er wurde 78 Jahre alt.
Philipp Dilloff
*18.12.1863 in Frankenberg - 23.9.1942 Vernichtungslager
Treblinka
Dies sind die Namen der Ermordeten aus Frankenberg. Der
Vollständigkeit halber möchte ich auch noch die Namen der Ermordeten
aus Frankenberg-Rödenau nennen:
Dort lebte die Familie Bachenheimer.
Julius Bachenheimer und seine Frau Selma Elsoffer aus
Schwarzenau hatten vier Kinder.
Julius Bachenheimer wurde im November 1938 für einige Wochen in das
KZ Buchenwald verschleppt. Wenige Wochen nach seiner Rückkehr starb
er an den Folgen des KZ-Aufenthaltes.
Der Sohn Fritz konnte in die USA entkommen.
Im Mai 1939 lebte auch die Mutter von Selma Bachenheimer in Röddenau.
Sie zog später in den Regierungsbezirk Arnsberg. Sie wurde über Dortmund
am 30. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt und starb
dort wenige Wochen später am 27.August 1942 im Alter von 76 Jahren.
Selma Bachenheimer wurde gemeinsam mit ihren drei minderjährigen Töchtern:
der 17 jährigen Doris, der 14 jährigen Anneliese und der
vierjährigen Hilde aus Röddenau im Dezember 1941 über das Sammellager
Kassel in das Ghetto Riga in Lettland verschleppt. Es gibt von ihnen
keine weiteren Lebenszeichen.
Selma Bachenheimer geb. Elsoffer
*17.4.1897 in Schwarzenau, Kreis Wittgenstein
Doris Bachenheimer
*6.12.1924 in ?Röddenau
Anneliese Bachenheimer
*13.4.1927 in Röddenau
Hilde Bachenheimer
*4.5.1937 in Röddenau
Rosalie Elsoffer geb. Stern
*22.9.1865 in Schwarzenau.