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Hier lebte... Verfasser: Uli Dolenschall Herausgeber: VHS - Kreis-Volkshochschule Waldeck-Frankenberg
Inhalt: Impressum: Hier lebte... Verfasser: Uli Dolenschall Herausgeber: VHS - Kreis-Volkshochschule Waldeck-Frankenberg Diese Broschüre ist - anläßlich des 750. Stadtjubiläums Frankenbergs - ein Vorabdruck aus der im Herbst 1994 erscheinenden Dokumentation: Spurensuche im Landkreis Waldeck-Frankenberg 1933 -1945 Reproduktion/Satz und Druck: alp-druck, Marburg -1- Auszug aus der Rede von Stefan Heym in der Paulskirche in Frankfurt am Main, Oktober 1988 „Nichts ist mehr, nach Auschwitz, so wie es vorher war. Der Rauch aus den Öfen hat das Blau des Himmels für immer getrübt; der Gestank des Orts wird über uns hängen bis ins dritte und vierte Geschlecht. Nicht daß ich Anklage erhöbe gegen die, denen der Dr. Kohl die von ihm entdeckte Gnade der späten Geburt zugute kommen läßt. Es ist nicht meine Aufgabe, heute und hier Anklage zu erheben; und wer bin ich, mit Steinen um mich zu werfen, die wohl die Richtigen treffen würden, man kann sie gar nicht verfehlen - aber doch auch Falsche. Die Anklage möge jeder gegen sich selbst erheben. Jeder möge sich prüfen: Wo stehe ich, mit Namen Soundso, und geboren nach Auschwitz, an diesem Herbsttag des Jahres 1988, und wo hätte ich damals gestanden, als die Opfer zusammengetrieben und auf die Reise geschickt wurden zu den Rampen des Dr. Mengele? Hätte ich mich erhoben in Protest? Hätte ich auch nur versucht, eine Rinde Brotes durch die Vergitterung der Güterwaggons zu schieben beim Halt der traurigen Züge auf irgendeinem der Bahnhöfe, durch die sie kamen ? Oder mich abgewandt, mit geducktem Kopf, nur nichts sehen und hören - oder hätte ich mitgehöhnt gar und mitgeschrien ? Denn Ausschwitz wird auch noch sein, ein Menschheitsalpdruck, nachdem der letzte verscharrt ist, der sich mitschuldig gemacht hat durch sein Reden und Tun, und durch sein Schweigen - durch Schweigen die Mehrzahl." (0) -2- Zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung Frankenbergs 1994 können die Frankenberger Bürger auf eine 750- jährige Stadtgeschichte zurückblicken. Fast 650 Jahre davon lebten auch jüdische Einwohner in der Stadt. Im September 1942 wurden die letzten jüdischen Bürger von den Nazis in die KZs verschleppt. Eine lange Tradition war beendet worden. Erst seit Ende der 70er Jahre wurden einer breiteren Öffentlichkeit Informationen über die systematische Vertreibung der jüdischen Bürger aus der Stadt zugänglich. Seitdem erschienen von verschiedenen Autoren in unregelmäßigen Abständen Artikel zum Thema in der Lokalpresse (1). Diese verstreuten Informationen, ergänzt durch die Befragung von Zeitzeugen, der »alten« Frankenberger Zeitung (2) sowie weiterer Literatur, bilden die Grundlage für den folgenden Aufsatz. Dabei verfolgt der Verfasser nicht den Anspruch einer vollständigen Dokumentation. Vielmehr will er einen Überblick geben, der anregt, einige Gebäude und Plätze in der Stadt mit »anderen« Augen zu betrachten. Er will neugierig machen, selbst weiterzufragen. Um sich in die im Vergleich zu heute doch recht unterschiedlichen Lebensbedingungen vor 1933 besser hineinversetzen zu können, zunächst ein kurzer Abriß der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit.
-3- Frankenberg am Ende der 20er Jahre Vor dem Faschismus erstreckte sich die Kreisstadt über rund ein Drittel der heutigen Fläche. Von den ca. 4.000 Einwohnern war der überwiegende Teil evangelisch, eine kleinere Gruppe katholisch, nur etwa 3 % der Bürger gehörten der Israelitischen Gemeinde an. Entsprechend gab es die Kirchen: Die evangelisch-lutherische Liebfrauenkirche und die evangelisch-reformierte Hospitalskirche, die katholische Marienkirche und die Synagoge. Auch die Schulen waren konfessionell getrennt. Die evangelische Stadtschule ist heutzutage die Ortenbergschule, die katholische Schule befand sich im Gebäude Hainstraße 3, die jüdische Schule stand an der Ecke Rosenthaler Straße/Hainstraße. Haupterwerbsquelle der alteingesessenen Frankenberger waren, wie in den letzten Jahrhunderten, die Landwirtschaft und kleine Handwerksbetriebe. Erst seit dem Anschluß an das Eisenbahnnetz und der damit einhergehenden Ansiedlung der Firma Thonet im Jahre 1890 gibt es auch in Frankenberg Industriearbeiter. Zu diesem bedeutsamen Strukturwandel ein Blick in die Lokalzeitung vom 9.1.1889: „Heute können wir unserem Leser eine erfreuliche Mitteilung machen. Ein bekannter Wiener Fabrikant und Millionär beabsichtigt nämlich am hiesigen Bahnhof eine große Stuhl- und Möbelfabrik zu errichten. Möge dem Zustandekommen dieses Unternehmens von allen Seiten das größte Entgegenkommen gezeigt werden. Denn die Gelegenheit zu Verdienst ist es, was unserer Gegend bisher fehlte, weil die schmalen Erträge der Landwirtschaft zur Existenz der Familien bei heutigen Zeitansprüchen nicht ausreichen. Daß dieses Unternehmen die erste Frucht des Baues der Eisenbahn sein würde, bleibt unbestritten." (3) Weitere Arbeitsplätze stellten die Frankenberger Ziegelei, Bahn und Post und seit Mitte der 20er Jahre die neuerbaute Stuhlfabrik Stoelcker. Wie in ganz Deutschland bedingte die andauernde Wirtschaftskrise große Arbeitslosigkeit und Not mit all ihren Folgen.
-4- Die Auswirkungen des Machtwechsels für die jüdische Bevölkerung Eine Folge der wirtschaftlichen Not Ende der 20er Jahre war die wachsende Sympathie breiter Teile der Bevölkerung für die immer massiver werdende Propaganda der Nazis. Doch erst die offizielle Übergabe der politischen Macht an die Nazis veränderte auch das Zusammenleben der Frankenberger grundlegend. Erinnert sei an den 30.1.1933 als Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler berief. Damit waren die neuen Machthaber in die Lage versetzt, ihr Partei-Programm in die Tat umzusetzen. Ein zentrales Ziel war die Verwirklichung ihrer »Rassenideologie« und damit der »Kampf gegen das internationale Judentum«. „ ... 4. Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein. 5. Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fremdengesetzgebungstehen. 6. Das Recht, über Führung und Gesetz des Staates zu bestimmen, darf nur dem Staatsbürger zustehen. Daher fordern wir, daß jedes öffentliche Amt, gleichgültig welcher Art, ob Reich, Land oder Gemeinde, nur von Staatsbürgern bekleidet werden darf. Wir bekämpfen die korrumpierende Parlamentswirtschaft, eine Stellenbesetzung nur nach Parteigesichtspunkten ohne Rücksicht auf Charakter und Fähigkeit. 7. Wir fordern, daß sich der Staat verpflichtet, in erster Linie für die Erwerbs- und Lebensmöglichkeiten der Staatsbürger zu sorgen. Wenn es nicht möglich ist, die Gesamtbevölkerung des Staates zu ernähren, so sind Angehörige fremder Nationen (Nichtstaatsbürger) aus dem Reich auszuweisen. ..." (4)
-6- Auch in Frankenberg steigerte sich das Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung allmählich. Um sich den zunehmenden Demütigungen und Mißhandlungen zu entziehen, verließen immer mehr Juden ihre Heimatstadt. Die meisten wanderten in die USA aus, andere versuchten, z.B. in der Anonymität der Großstadt Frankfurt unterzutauchen. Bis zum November 1938 hatten - nach den noch vorhandenen Unterlagen der Stadtverwaltung - bereits drei Viertel der jüdischen Einwohner Frankenberg verlassen. Die Beweggründe der wenigen, die blieben, sind nicht bekannt. Waren sie zu arm, um zu fliehen? Hatten sie keine Verwandten im Ausland? Oder hofften sie vielleicht noch immer auf ein schnelles Ende der Naziherrschaft? Die letzten Verbliebenen, vor allem ältere Menschen, wurden von den Nazis in die KZs deportiert. „Die Züge mit den verschlossenen Güterwagen haben Kassel am 2. Dezember 1941, am 1. Juni 1942 und am 7. September 1942 verlassen." (5) Demütigung - Vertreibung - Vernichtung Nach 9 Jahren Herrschaft hatten auch die Frankenberger Nazis eines ihrer Hauptziele erreicht. In der Stadt gab es keine jüdischen Einwohner mehr. Die vier folgenden dokumentierten Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die systematische Vertreibung. 12.3.1933: Samson Dilloff wird zum Stadtverordneten gewählt Am 12.3.1933 fanden im Landkreis Frankenberg Kommunalwahlen statt. Knapp drei Wochen später, am 30. März 1933 trafen sich die neugewählten Stadtverordneten zur konstituiereenden Sitzung.
Doch sowohl der gewählte jüdische Abgeordnete Samson Dilloff, wie der SPD-Abgeordnete Schulte waren von der Versammlung ausgeschlossen. (vgl. hierzu: Parteiprogramm der NSDAP, Punkte 4 und 6, S.4) Ebenso fehlte der deutschnationale - aber nicht in der NSDAP organisierte - Bürgermeister Derz. Die „... sturmbewegte Gegenwart des neuen Deutschland ..." hatte „... zum ersten Mal mit ihrer harten Faust auch in die Verwaltung unserer Ederstadt gefaßt." (Zitat aus dem Faksimile: Einführung und Verpflichtung der neuen Stadtverordneten)
-7- -8- 1. April 1933: Siegfried Wurmser protestiert gegen die Zerstörung seiner wirtschaftlichen Existenz Die beiden folgenden Faksimile aus der Frankenberger Zeitung vom 1.4. und 3.4.1933 berichten über die örtliche Umsetzung der ersten zentral gesteuerten Aktionen gegen die jüdische Bevölkerung. „Sie wurde am 26. März von Hitler und Goebbels beschlossen und über die Parteileitung der NSDAP und die Gauleiter inszeniert. In öffentlichen Aufrufen erklärten die regionalen Aktionskomitees, der Boykott solle zur Abwehr der »Greuel- und Boykotthetze« dienen, die ausländische Juden angeblich gegen die deutsche Regierung betrieben." (6)
Der gegen die sogenannten »Boykottmaßnahmen« demonstrierende jüdische Geschäftsinhaber war Siegfried Wurmser, der in der Neustädter Straße 8 ein Weißwaren- und Wäschegeschäft führte. Die Familie Wurmser wanderte 1935 nach Sao Paulo, Brasilien, aus. -9- 10. November 1938: Ferdinand Stern wird im Frankenberger Amtsgericht mißhandelt Nach der systematischen Entrechtung, Diskriminierung und Isolierung der jüdischen Bevölkerung während der ersten sechs Jahre ihrer Herrschaft (7) gingen die Nazis spätestens mit dem November-Pogrom 1938 (vgl. hierzu S. 14f) dazu über, die jüdische Bevölkerung auch physisch zu vernichten. Die Mißhandlung von Ferdinand Stern am 10. November 1938 im Gefängnistrakt des Frankenberger Amtsgerichts, an deren Folgen Ferdinand Stern fünf Tage später im KZ Buchenwald starb, ist durch das Gerichtsverfahren 1952 wieder ans Tageslicht gebracht worden. Aus der Begründung des Schwurgerichts beim Landgericht Marburg vom 22. Oktober 1952 in der Strafsache gegen den ehemaligen Kreisführer der Gendarmerie Otto Lanz wegen Körperverletzung mit Todesfolge: „ ... Im Zuge der nach der Ermordung des Botschaftssekretärs vom Rath gegen jüdische Bürger angeordneten Maßnahmen, nahm der Angeklagte am Morgen des 9. November 1938 (Es müßte 10. Nov. 1938 lauten. Der Verfasser) auf Anordnung des Landrates in Frankenberg die männlichen, jüdischen Einwohner seines Dienstbezirks fest und brachte sie in zwei von den Zeugen B. und C. gesteuerten Personenkraftwagen nach der Kreisstadt Frankenberg/Eder. Dort lieferte er sie in das Amtsgerichtsgefängnis ein. Auf Anweisung des Zeugen Bauer (Justizoberwachtmeister), führte er sie in eine Sammelzelle des Gefängnisses, wo sich schon einige 20 Juden aus anderen Orten befanden, unter ihnen der 48jährige Lehrer der jüdischen Schule Frankenberg, Stern. Nach Anweisung des Angeklagten entfernte sich Bauer aus dem Gefängnis, während der Angeklagte noch dort blieb. Einige Zeit darauf erschienen einige Männer in SS-Uniform im Gerichtsgebäude und verlangten von dem Zeugen Bauer, zu (Lanz) gelassen zu werden. Sie trugen eine verschlossene Kassette bei sich. Bauer ließ sie in das Gefängnis ein, in dem sich der Angeklagte noch befand und verschloß hinter ihnen wieder die Tür. Die SS-Leute
-10- erklärten dem Angeklagten, sie hätten bei der Durchsuchung der jüdischen Schule in Frankenberg unter dem Fußboden die in ihrem Besitz befindliche Kassette gefunden. Wahrscheinlich enthalte sie staatsfeindliche Papiere. Der Lehrer Stern müsse den Schlüssel haben. Der Angeklagte öffnete daraufhin die Sammelzelle und rief: „Stern, rauskommen!" Der Lehrer Stern kam auch auf den Flur heraus. Dort wurde er nunmehr sowohl von den SS-Leuten, als auch vom Angeklagten nach dem Inhalt der Kassette befragt und aufgefordert, den Schlüssel herzugeben. Stern behauptete, in der Kassette seien nur seine Privatpapiere verwahrt, den Schlüssel habe er nicht bei sich. Der Angeklagte und die SS-Leute wollten ihm das nicht glauben. Als Stern auf seiner Behauptung beharrte, versetzte ihm einer der SS-Leute mit der Hand und der Faust mehrere Schläge in das Gesicht. Stern fiel zu Boden, kam dann aber wieder auf die Beine. Er blutete aus Mund und Nase. In diesem Augenblick kam der Zeuge Bauer hinzu. Er hatte von draußen Geräusche im Gefängnis gehört und sich gleich gedacht, daß dort etwas nicht stimmt. Als er die Tür zum Gefängnis öffnete, bot sich ihm folgendes Bild: In dem Gefängnisflur, in unmittelbarer Nähe zur Eingangstür, stand der im Gesicht blutende Lehrer Stern und hielt sich die Hände vor den Mund. Dicht vor ihm stand der Angeklagte, dicht hinter ihm standen die drei SS-Männer. Bauer ging daraufhin sofort zu dem Aufsicht führenden Richter, dem Zeugen Sallmann und unterrichtete ihn über das Gesehene. Der Zeuge Sattmann, begab sich in Begleitung Bauers sofort in das Gefängnis. In der Zwischenzeit hatten der Angeklagte und die SS-Leute Stern in die Zelle zurückgeschafft. Der Zeuge Sattmann beruhigte die aufgeregten Häftlinge und veranlagte Stern, sich in einer anderen Zelle, in der sich ein Wasseranschluß befand, das Blut abzuwaschen. Noch im Gefängnis oder auf dem Rückweg ins Gerichtsgebäude, machte der Zeuge Sallmann dem Angeklagten Vorwürfe und verbat sich solche Vorkommnisse in dem seiner Aufsicht unterstellten Gefängnis. Der Angeklagte widersprach daraufhin dem Zeugen Sallmann, Stern habe ja nur eine Ohrfeige bekommen. Ein SS-Mann, den der Zeuge Sallmann im Gerichtsgebäude traf, antwortete auf die Frage des Zeugen, er habe niemanden geschlagen. Kurz bevor die SS-Leute das Gefängnis betraten, kam auch der Zeuge C. in das Gefängnis. In seiner Gegenwart versetzte der Angeklagte dem Lehrer Stern mit der Hand einen Schlag in das Gesicht. Infolge der erhaltenen Schläge schwoll das Gesicht Sterns an; er klagte bei seinen Zellengenossen über Schmerzen, konnte den Mund nicht öffnen und nichts essen. Die Mithäftlinge hatten den Eindruck, er fiebere. Noch am gleichen Tag, spätestens jedoch am nächsten Tag wurde Stern, zusammen mit anderen jüdischen Häftlingen im Sammeltransport über Kassel in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Unterwegs und im Lager Buchenwald befand er sich in einem schlechten Gesundheitszustand, der sich nach dem Eindruck seiner Leidensgenossen fortlaufend verschlechterte. Er äußerte wiederholt, er sei „verloren". Am 14. November 1938, also nicht ganz fünf Tage nach der Mißhandlung, verstarb Stern im Lager Buchenwald." (8) P.S.: Im Namen des Volkes wurde der Angeklagte wegen Körperverletzung im Amte mit gefährlicher Körperverletzung § 340 Abs. 1 223 a StGB zu einer Gefängnisstrafe von 10 Monaten verurteilt. (9) 31. August 1942: Josef Kaiser (73 Jahre) stirbt im KZ Mauthausen Am 31. 7.1941 erteilte »Reichsmarschall« Hermann Göring dem Chef der Gestapo, Reinhard Heydrich, den Auftrag, einen Gesamtentwurf zur »Endlösung der Judenfrage« vorzulegen. Ein halbes Jahr später fand am 20.1. 1942 „...in der deutschen Dienststelle der Interpol in Berlin, am großen Wannsee 55 - 58 eine Konferenz der Vertreter von SS-Dienststellen, der Reichs- und Parteikanzlei, Justizministeriums und des auswärtigen Amts sowie des Beauftragten für den Vierjahresplan statt." (10) Der Beschluß dieses Gremiums wird im sogenannten »Wannsee-Protokoll« festgehalten. „Auch wenn das Wort Liquidation im Konferenzprotokoll nicht vorkommt, so besteht kein Zweifel, daß die Beteiligten wissen, was mit »Endlösung« und »Sonderbehandlung« gemeint ist. In einer Rede am 30. Januar sowie in einer Adresse zum Parteigründungstag am 24. Februar bezieht sich auch Hitler ausdrücklich auf die Vernichtung der Juden." (11)
-11- „Am 17. Mai 1942 wird in Frankenberg die Eder abgefischt und die gefangene Menge öffentlich verkauft. In die wartende Menschenschlange reiht sich auch der Jude Joseph Kaiser ein und erhält auch einige Pfund Fische. Das muß die Verkäuferin ihrem Mann, der politischer Leiter der NSV in Frankenberg ist, erzählt haben. Dieser muß es dem Bezirksschornsteinfegermeister H.K. weiter erzählt haben; denn von ihm hat es der Stationsmeister der Überlandzentrale in der Wellerschen Wirtschaft erfahren. Dieser schließlich meldete es nach der Morgenfeier der NSDAP in der Aula der Edertalschule dem Hauptwachtmeister der Schutzpolizei K. Sein Bericht an den Landrat hat mir vorgelegen. Er endete mit den Worten: »Ich bitte, das Weitere zu veranlassen.« Es muß veranlaßt worden sein; denn nur drei Monate nach diesem Fischverkauf meldete das KZ Mauthausen am 31. August 1942 unter der Nummer 5430/42 des Sterberegisters der Stadt Frankenberg den »Abgang Joseph Kaisers durch Tod.«" (12)
-12- Nach langer Zeit: Zwei Frankenbergerinnen erinnern sich Die persönlichen Erinnerungen von Christina Ochse geb. Balz (84 J) und K.M. (83 J), an ihre ehemaligen jüdischen Nachbarn und Mitbürger hat Helga Ochse im Mai 1984 festgehalten. Die Aufzeichnungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Reihenfolge der Namen wurde vom Verfasser nach Straßennamen geordnet. Obermarkt Nr. 2: Textilgeschäft Blum neben „Goldener Engel" und Möbelgeschäft Gass. Die Familie hatte drei Söhne, Ernst, Hermann und Otto. Nr. 5: Katz, Viehhändler neben Gerke, Eckhaus zur dunklen Gasse. Kinder, Käthe, Selma und Klärchen. Nr. 13: Samson Dilloff und Frau Lina neben der Bäckerei Bartel, heute Rathaus. Handel mit Spirituosen und Textilien. Landwirtschaft. Kontor der Schiffahrtsgesellschaft - Norddeutscher Lloyd ? - Am Haus hing ein großes Schiff mit Hinweisen auf die Seefahrt. Drei Söhne, Julius (am Landratsamt), Herbert und Albert. Nr. 14: Greta und Herbert Plaut, neben Bachheimer, zwei Kinder. Textilien. Herbert lernte damals in einem Seidengeschäft in Hannover. Greta Plaut hatte nach dem Krieg Verbindung von Amerika aus nach Frankenberg aufgenommen. Sie soll auch einmal hier gewesen sein. Nr. 15: Ruben Marx, links neben der „Säule". Ein etwas zurückgebliebener Sohn und eine Tochter, Thekla Marx, später Frau Wurmser, die zunächst als „Putzmacherin" arbeitete. Danach verkaufte sie Weißwaren und Wäsche im Keilschen Haus, heute Torlach. Nr. 16: Bachenheimer (Maler und Anstreicher), neben Landwirt
Reinius. Bachenheimer war „Matzenbäcker" (salzloses, ungesäuertes Brot).
Er hatte zwei Kinder. Pferdemarkt Nr. 4 (15): Metzgerei Leopold Freund. Das Ehepaar blieb kinderlos. Nr. 8: Schuhgeschäft Sally Stern. Heute Haus Friedrich (Schneider). Die beiden hochbegabten Kinder, Klärchen und Julius, waren einmal aus Amerika zu Besuch gekommen und wohnten bei F. H.-K. Herr Stern besuchte seine Kunden in und um Frankenberg mit einem grünen Sack auf dem Rücken, der neue und reparierte Schuhe enthielt. Untermarkt Nr. 8: Josef Kaiser mit Frau Feylchen, Viehhändler . Kinder, Jenny, Hermann, Hanna, Erna. Herr Kaiser wurde von den Nazis angeblich nach Kassel geholt. Nr. 6: Janas Dilloff, nebenan, kinderlos, Fellhändler und Schlächter. Geismarer Straße Nr. 5 (16): Jonas Buchheim, Viehhändler, Geismarer Str., im jetzigen Haus Kaufmann Balz. Tochter Ida und Sohn Siegfried. Steubergasse Nr. 8: Viehhändler Meyer, u.a. eine Tochter Toni. Steingasse Nr. 19: Die alte Frau Dilloff in dem Haus neben der Rathausapotheke. Am Haus war eine Kuh, als Zeichen des Viehhändlers, angebracht. Ihre Tochter Recha heiratete einen David Rosenbaum aus Wetzlar oder Dillenburg. Nr. 20: Jakob Dilloff, heute Schreinerei Walter Hartmann,
war ein alter Mann. Seine Tochter Jeny betreute ihn und eine geisteskranke
Tochter Berta. Zwei weitere Töchter lebten in Oberhausen/Rhld. Eine
hatte ein Putz- und Modegeschäft und war mit einem Christen verheiratet.
-13- Feuers auf, weil die Juden dies am „Schawwes" nicht durften. Nr. 8: Alex Katten. Die Mutter nähte unter anderem im Laden (Textilien). Sie war später an den Rollstuhl gefesselt, konnte sich aber noch gut selbst helfen. Die beiden Söhne, einer hieß Fritz, lebten in Berlin und sollen dort die Nazizeit überlebt haben. Schmiedegasse Nr. 2: Marx, im heutigen „Storchennest" mit schlanker,
sympatischer Frau. Sohn Erich studierte nach dem Abitur (die ersten
Abiturienten in Frankenberg) Jura und arbeitete als Referendar am hiesigen
Amtsgericht. Bruder Jakob half im Viehgeschäft seines Vaters. Ritterstraße Nr. 20: Schuhgeschäft Katzenstein, neben Bohlen Mariechen. Ein Sohn studierte damals schon im heutigen Israel. Töchter Paula und Claire (war bei der Post). Eine dritte Tochter - der Name fällt mir nicht ein), heiratete und übernahm das Textilgeschäft ihres Onkels, Jakob Katzenstein, in der Bahnhofstraße, heute Kickuth. Neustädter Straße Nr. 8: Die Familie Wurmser wanderte nach Sao Paulo in Brasilien aus. Frau Wurmser besuchte einmal in Frankenberg E. A., die einst bei ihr gearbeitet hatte. Thekla Marx hatte eine Ausbildung bei Eva Marx absolviert, die in der Steingasse - heute Uhrmachergeschäft Gehrke - ein Putz- und Hutgeschäft führte. Nr. 55: Selma Katz, neben oder im jetzigen Pelzgeschäft Heinemann. Pflegetochter der Eheleute Katz - Porzellan und dergleichen. Selma heiratete einen Herrn Stern und wohnte mit ihrer Familie im Hause Lechner in der Bremer Straße. Bremer Straße Nr. 6: Der „dicke" Marx (Runkes), Viehhändler. Später Möbelgeschäft Finkeldey (Möbelkiste) Haushaltswaren. Zwei Töchter, Hedwig und Kathinka. Eine war Krankenschwester in Hamburg. Beide heirateten die Gebrüder Zweig. Ein Sohn, Artur, war äußerlich das Ebenbild seines Vaters. Bahnhofstraße Nr. 4: Jakob Katzenstein und Frau, geb. Weizenkorn aus Korbach. Textilgeschäft in der Bahnhofstraße, jetzt Kickuth. Ihr einziger Sohn Albert fiel im Krieg. Die Katzensteins wurden damals in die Synagoge evakuiert. Das Haus steht noch an der Ecke Scharwinkel/Vorderheide. Dann verschwanden sie. Nr. 22: Dr. med Ernst Lissard, Praxis im ersten Stock des Hauses Stöber, früh verstorben. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof beerdigt. Frau Lissard, geb. Haviiza, war Österreicherin, kath. und mit dem damaligen Direktor bei Thonet verwandt. Ihr Sohn Ernst war evangelisch und Mediziner in Berlin. Er kam öfters mit seiner Mutter, um das Grab des Vaters zu besuchen. Da nach jüdischem Ritus keine Blumen auf den Gräbern sind, war Dr. Lissards Grab das einzige geschmückte. Dr. Lissard starb in Berlin. Seine Mutter überlebte ihn. Sie starb über 90jährig in einem Marburger Altersheim. Nr. 23: Albert Katten, der Bruder von Alex, wohnte im Hause Brosius in der Steingasse. Er war Holzhändler. Später kaufte die Familie das rote Haus in der Bahnhofstraße, (Molkerei Linde, jetzt Heini Vöhl). Der Holzplatz war auf dem Grundstück des heutigen Zahnarztes Becker. Die Kattens hatten drei Söhne, Wilhelm, Alfred und Albert? sowie eine Tochter Ilse, die 1984 mit ihrem Mann aus Amerika, in Frankenberg zu Besuch weilte. Hainstraße Nr. 31: In der Hainstraße (jetzt Trost) war die ehemalige Judenschule. Unten war die Schule, oben wohnte der jüdische Lehrer. Er hatte zwei Kinder. Sein Auto schoben die „Hitlerjungen" in den Teich. Möbel, Betten usw. warfen sie aus dem Fenster. Der Lehrer wurde „abgeholt". Seine Frau ging mit den Kindern nach Kirchhain, von wo sie stammte. Sie war eine bildschöne Frau. -14- Neben einem Teil der ehemaligen Wohnhäuser sind auch die für die jüdische Kultur wichtigen Stätten erhalten geblieben. Jüdischer Friedhof - Gernshäuser Weg „Die Ruhe eines Toten zu stören, ist dem jüdischen Gefühl ein unerträglicher Gedanke, eine Vorstellung, die den Lebenden erschauern läßt. Dem Toten gehört die Erde, in die er gebettet wurde. Für immer. Über sie darf kein anderer Mensch verfügen. Und auch was dort wächst, gehört zum Grab. Es darf nicht verwendet werden, darf keinen Gewinn bringen". (17) Wäre es nach dem Kasseler Regierungspräsidenten gegangen, gäbe es den jüdischen Friedhof überhaupt nicht mehr. Im Juni 1940 erließ der RP eine Verfügung, alle jüdischen Friedhöfe zu schließen und der „Deutschen Wirtschaft zuzuführen". (18) Der Friedhof wurde nicht der deutschen Wirtschaft zugeführt. Er wurde wie die anderen jüdischen Kulturstätten jedoch von unbekannter Seite verwüstet. Eine der ersten Anordnungen der neuen Machthaber, die amerikanische Armee marschierte am 28. April 1945 in Frankenberg ein, wurde durch den damaligen Ausscheller, Herrn Kornemann, den Frankenberger Bürgern bekanntgegeben. Laut Zeitzeugen Wolfgang Ochse, der sinngemäße Wortlaut: „Die amerikanische Militärregierung befiehlt allen Mitgliedern der ehemaligen Nazi-Organisationen, sich mit Werkzeug am Pfingst-Sonntag beim jüdischen Friedhof einzufinden." Ca. 10% dieser Mitglieder befolgten den Befehl, befreiten den zugewachsenen Friedhof vom Unkraut und richteten die umgeworfenen Grabsteine wieder auf. Das Nichterscheinen der anderen 90% hatte für diese keine Konsequenzen zur Folge. Wiederholung In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1982, wurde der jüdische Friedhof zum zweiten Mal seit seinem Bestehen geschändet. Auch dieses Mal sind die Täter anonym geblieben. Am Morgen des 7. November, d.h. kurz vor dem 35. Jahrestag der Pogromnacht, prangten auf etlichen Grabsteinen Hakenkreuze, waren auf anderen Parolen, wie: „Wir wollen Gas, Wir wollen Zyklon B ..." aufgesprüht. (19) Ehemalige Synagoge - Scharwinkel 2 (20) Am 18.11.1938 hätte die mittlerweile zahlenmäßig stark verkleinerte jüdische Gemeinde das 1OOjährige Bestehen ihrer Synagoge begehen können. Doch die von den Nazis arrangierte „Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 machte dieses Vorhaben zunichte. Am Morgen des 7.11.1938 hatte in Paris der 17jährige polnische Jude Herschel Grynszpan ein Attentat auf den deutschen Legationsrat Ernst von Rath verübt. Am 9. November 1938 verstarb v. Rath an den Folgen seiner Verletzung. Am selben Tag fanden in allen Städten des Reichs Gedenkveranstaltungen an den gescheiterten Putschversuch vom 9. November 1923 - Marsch auf die Feldherrenhalle - statt. Den Tod v. Raths nahmen die Nazis zum Anlaß, unter dem Deckmantel »spontaner Kundgebungen« in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im gesamten Reich Synagogen, jüdische Friedhöfe, jüdische Geschäfts- und Wohnhäuser zu zerstören. Da bei den Ausschreitungen viel Glas zu Bruch ging, wählten die Nazis wohl den verharmlosenden Begriff „Reichskristallnacht". Bei den Pogromen wurden 91 Juden getötet, ca. 35.000 vorübergehend inhaftiert. (21)
-15- In dieser Nacht wurden in der näheren Umgebung die Synagogen in Bad Wildungen, Battenfeld und Korbach niedergebrannt. Die Frankenberger Synagoge wurde befehlsgetreu „nur geplündert". Der Grund: Die Synagoge grenzte an einer Seite an ein Wohnhaus, auf der anderen Seite an eine Scheune, die randvoll mit Stroh und Heu gefüllt war. Anscheinend war den Frankenberger Nazis das Risiko zu groß, daß auch diese angrenzenden Gebäude Opfer der Flamen geworden wären. Elfriede Weber erlebte als 1Ojährige die Zerstörung der Frankenberger Synagoge in der Nacht vom 9. November 1938. Sie wohnte damals im Nachbarhaus Scharwinkel 2. „Nachts wurde die Synagoge von ca. 4 - 5 Männern in Uniform überfallen und verwüstet. Durch die vorher eingeschlagenen Fenster flogen Bänke/ Gebetbücher, Sitzkissen und Glasteile in den Scharwinkel. Meine Mutter und wir Kinder standen am Fenster, wurden aber durch Zurufe und In-die-Luft-Schießen am weiteren Beobachten gehindert. Das bereits gelegte Feuer wurde zur Sicherung der anliegenden Scheunen und dem Wohnhaus, in dem wir wohnten, von den Verursachern wieder gelöscht. Am nächsten Tag mußten Juden die zertrümmerten Gegenstände auf einen Leiterwagen zum Abtransport laden."
-16- Der Novemberpogrom im Spiegel der Lokalzeitung: Frankenberger Zeitung: 11.11.1938 „Weitere Protestkundgebungen im Kreisgebiet. Am gestrigen Tage fanden vor der Bekanntgabe der Verordnung Reichsministers Dr. Goebbels noch in verschiedenen Gemeinden Protestkundgebungen gegen Juden statt. In Löhlbach, Frankenau und Battenfeld und anderen Orten gab die Bevölkerung ihre Empörung zum Ausdruck." Ehemalige Israelitische Schule - Hainstraße 31
-17- Der Neubau der jüdischen Schule war erst 1913 eingeweiht worden. Davor befand sich die Schule in den Räumen der Synagoge im Scharwinkel. Der letzte Lehrer der Schule, Ferdinand Stern, war ebenfalls der Rabbiner der jüdischen Gemeinde. Er wohnte mit seiner Frau und seinen drei Kindern im oberen Geschoß der Schule. Herr Stern wurde am Morgen der Reichspogromnacht wie alle anderen jüdischen Männer im Landkreis verhaftet und im Gefängnis des Frankenberger Amtsgerichtes inhaftiert. Am selben Tag, am 10.11.1938, wurde die Schule verwüstet. Als 13jähriger erlebte Heinrich Schwaner die Zerstörung der Schule. 40 Jahre danach veröffentlichte er seine persönlichen Erinnerungen in einem Leserbrief. Er reagierte damit auf den Zeitungsartikel „Bürger verhinderten Abbrennen der Synagoge" vom 9.11.1978, in dem zum ersten Mal in der HNA berichtet wurde, daß es auch in Frankenberg einmal jüdische Einwohner gab. „Die Judenschule war dagegen bis zum Mittag des 10.11. noch unversehrt. Den Lehrer der Schule, Herrn Leo Stern, auch Rabbiner der jüdischen Gemeinde, hatte man schon in den frühen Morgenstunden wegen angeblichen Spionageverdachts verhaftet. Er konnte daher nicht Zeuge der Plünderung und Demolierung seiner Wohnung sein. Sein Auto, einen kleinen BMW, hatte ein in der Nähe wohnender SS-Mann in die Teichwiesen (heute Liegewiesen des Schwimmbades) gefahren und angezündet. Erst gegen 12.15 Uhr wurde die Schule, man höre und staune, von den 13jährigen Jungen einer Klasse der damaligen Stadtschule (heute Ortenbergschule), demoliert. Sie hatten während des damals üblichen politischen Unterrichts von der Zerstörung der Synagogen, aus Rache für die Ermordung des Botschaftssekretärs in Paris gehört. Diese Schulkinder waren durch die damaligen Medien so verhetzt, daß sie nach dem Unterricht spontan, ohne Mittagessen zur Judenschule stürmten. Gegen 13.00 Uhr wurden sie durch die Schüler der damaligen Landwirtschaftsschule „unterstützt". Frau Stern war zuvor mit ihren Kindern und unter Mitnahme des Schmucks und anderer Wertsachen zu Bekannten geflüchtet. Fast alle neugierigen Zuschauer schüttelten nur den Kopf aber keiner hatte den Mut, diese Schulkinder fortzujagen. Erst gegen 15.30 Uhr erschienen einige SS-Männer, die die Schule dann bewachten. Zuvor war ein HJ-Führer in voller Uniform aufgekreuzt. Ich erinnere mich noch genau, daß er sagte, es könnte alles zerschlagen werden, es dürfte aber nichts mitgenommen werden... Der damalige Rektor der Stadtschule, Herr Mausehund, war über die Ausschreitungen seiner Schüler schwer empört. Die einzige Strafe, die er erteilen konnte, war eine Moralpredigt am nächsten Tag, die sich gewaschen hatte...". -18- 50 Jahre danach: Offizielles Gedenken
Seit dem 17.1.1988 erinnert eine Tafel in der Frankenberger Rathausschirn an die ehemaligen jüdischen Einwohner der Stadt. Die Gedenktafel wurde im Auftrag der Frankenberger Stadtverordnetenveriammlung erstellt und angebracht. Ansonsten erinnert nichts an die lange jüdische Tradition der Stadt. Weder weisen Informationstafeln auf die ehemaligen jüdischen Kulturstätten hin, noch sind Hinweisschilder an ehemaligen Wohnhäuseren - nicht ein mal am Stadthaus (ehemals Dilloff) - angebracht. Auch im Heimatmuseum sucht man vergebens nach erkennbaren Spuren. -19- Noch einmal 50 Jahre zurück: Einweihung der »Ehrenhalle« im Rathaus am 11.6.1939
-20- (0) Stefan Heym, S. 227 Literaturliste: Arbeitsgemeinschaft Spurensicherung; Judenverfolgung in Korbach, Druckerei
Bing, Korbach 1989 Bildnachweis: Bild 1, 2, 4, 7 und 8 stellte Helmut Wissemann zur Verfügung. Bild 3 ist eine Reproduktion aus „Meine Heimat", Jahrgang 1935; Bild 6 bzw. die Fotos auf der Titelseite siehe Anmerkung 14 Bild 5 und 9 sind Aufnahmen des Verfassers.
Übersichtsplan der Frankenberger Altstadt
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