Salomon Bär

geb.: ca. Juni/Juli 1815 in Wimpfen [1]
gest.: 1.6.1881 nachmittags um ein Uhr

Eltern:
Lazarus Baer und dessen Ehefrau Eva, geb. David

Geschwister:
Leopold Bär

Ehegatte:
Wilhelmine, geb. Liebmann (genannt Minna; vor 1825- nach 1887)

Kinder:
Louis (1843-1862 oder 63)
Emil (1847- 1847)
Hermann 1849- nach 1908)
Adolph (ca. 1855- ?)

Wohnung:
In der ehemaligen Synagoge in der Mittelgasse

Beruf:
Lehrer


1839
Salomon Bär unterrichtet seit dem 4. Dezember 1839 auf Grund des Dekrets des zuständigen Oberschulrats provisorich an der israelitischen Schule zu Oppenheim .

1841
Am 1. April 1841 wurde Salomon Bär Lehrer an der israelitischen Schule in Vöhl. Zunächst verwaltete er die Stelle provisorisch; am 29. Dezember wurde seine Anstellung durch "Dekret Groß. Hess. Minist. des Innern u. der Justiz gez. Du Thil ... definitiv." [1a]
Er ist Lehrer an der jüdischen Schule und der Kinder der Vöhler Beamten (Quelle: Vöhler Pfarrchronik)
31.7.: Bär beantragt 3 Wochen Urlaub
29.11.: Bär erhält seine Ernennungsurkunde

1845
Bär ist Vereinsbevollmächtigter des "Vereins zur Verbesserung des Zustandes der Israeliten für die Provinz Starkenburg, Bezirk Vöhl"; er kassiert die Vereinsbeiträge und empfängt in dieser Eigenschaft Gesuche um Unterstützung aus der Vereinskasse.

1846
Salomon Baer ist Mitbegründer der (Kegel)kasinogesellschaft in Vöhl, dem die Honoratioren des Ortes angehören.

1848
Er ist eines von 21 Mitgliedern der Vöhler und von 34 Mitgliedern der Religionsgemeinde insgesamt.
Sein Steuerkapital beträgt 10 Gulden.

1849
12. August: Lehrer Bär lässt sich einen Heimathschein für einen Besuch in Wimpfen ausstellen; Gültigkeitsdauer: 2 Monate.

1852 oder 1853
21. 12.: Bär ersucht die Regierung in Gießen um Unterstützung.

1854
Die "Schulabtritte" sind eingestürzt und müssen im folgenden Jahr wieder aufgebaut werden; Kosten: 15 Gulden.

1855
30 Kinder in der jüdischen Schule
Bär wird Mitvormund der Kinder Abraham Kaisers aus dessen zweiter Ehe; dies verbessert seine Einkommenssituation ein wenig.
März: Der Vorstand der jüdischen Gemeinde schlägt dem Kreisamt Vöhl Salomon Bär als Rechner vor; das Kreisamt fragt bei der Oberstudiendirektion um Genehmigung an; diese erteilt Bär widerruflich die Erlaubnis hierzu.
Juni: Bär wird zum Rechner ernannt.
Okt.: Bär bezahlt für diese Ernennung eine Kaution von 100 Gulden.

Für seine Wohnung werden ihm in den 50er Jahren jährlich 20 Gulden angerechnet.

Seine Besoldung liegt im Jahr 1855 bei 249 Gulden 15 Kreuzer, die sich folgendermaßen aufschlüsseln:
- für Besoldung = 200 fl - kr
- Neumondsgelder [2] 8 von 30 Kindern, von jedem 54 Kreuzer jährlich = 27 fl - kr
Für's Schopharblasen [3] = 1 fl 30 kr
Für's Vorlesen der Bücher Esther [4] = - fl 45 kr
Miethwerth der Lehrerwohnung = 20 fl - kr

Mit besonderer Genehmigung des Großherzoglichen Kreisamtes Vöhl hatte die Gemeinde bei der Sparkasse 100 Gulden für 3 Monate zu 6 % Zinsen für die Lehrerbesoldung leihen müssen.

1856
18. März: Er traut Selig Frankenthal und Jettchen Löwenstern, verwitwete Kaiser.
Die israelitische Gemeinde leiht sich bei Bär 100 Gulden zu 5 %, für die sie ihm 1857 5 Gulden Zinsen zurückzahlen muss; auch in den Finanzplanungen der jüdischen Gemeinde bis 1866 sind Schuld und Zinsen noch notiert.
Bär erhält auf Anweisung der Oberstudiendirektion eine einmalige Unterstützung von 20 Gulden.
5. November: Er traut Simon Mildenberg und Hannchen Katz.

1857
23. Juni: Er traut Salomon Liebmann und Regine Feist.
Salomon Liebmann schuldet Bär 5 Gulden 13 Kreuzer, außerdem noch einmal 9 Gulden.
8. Juli: Bär traut Salomon Schönhof und Emilie Brück.
Bär erhält auf Anweisung der Oberstudiendirektion noch einmal eine einmalige Unterstützung von 20 Gulden.

1857-60
36 Kinder in der jüdischen Schule

1858
Bär erhält auf Anweisung der Oberstudiendirektion abermals eine einmalige Unterstützung von 20 Gulden.
1.Dez.: Er traut im Auftrag des Großherzoglichen Rabbiners zu Gießen Joseph Kratzenstein und Karoline Frankenthal in Marienhagen.

1859
31. März: Er traut Aron Stern und Berta Speier in Höringhausen.
Bär erhält auf Anweisung der Oberstudiendirektion noch einmal eine einmalige Unterstützung von 20 Gulden.

1860
Stimmgeber; das heißt, er wirkt bei Wahlen mit.

1862
Salomon Baer traut am 29. Juni Moses und Johannette Kugelmann.
Salomon Bär ist Mitbegründer des Vöhler Casinos. Weitere Gründungsmitglieder: Kreisrath Fuhr, Landrichter Kahlenberg, Gemeinderechner Klippstein, Kaufmann Heinzerling, Apotheker Heinzerling, Lehrer Henkel, Oekonom Ueberhorst, Doctor Cellarius, Steuereinnehmer Weigel, Pfarrer Lehr, Posthalter W. Prinz, Gastwirth M. Rothschild. [5]

Baer hat 26 Schüler aus Vöhl, Basdorf, Marienhagen und Oberwerba; im Mai findet eine Visitation statt; Ergebnis: Bär ist "in jeder Beziehung fähig"

1864
17. Juni: Er traut Selig Stern und Helene Kugelmann.
In einem Häuserverzeichnis zur Volkszählung hat sein Haus die Nr. 50; dies war die Synagoge.
In einem Faszikel mit der Mobiliarversteigerung des Hermann Prinz aus Vöhl gibt es eine undatierte Liste, die im selben Zusammenhang stehen könnte und wo vermerkt ist, dass Lehrer Baer einen Gegenstand (SgRegal?) erworben und 1 fg 25 kr bezahlt hat.

1865
Bär ist noch immer Rechner der israelitischen Religionsgemeinde.

In den 60er Jahren bis 1872 ist er Vormund des Emanuel, Sohn des Salomon Liebmann; er muss dem Amtsgericht jährlich einen Bericht über seinen Pflegling vorlegen; mindestens einmal bedarf es mehrfacher Aufforderung, bis er den Bericht abgibt.

Auch als Rechner der israelitischen Religionsgemeinschaft hat er Probleme mit dem Vorstand und den Vöhler Behörden, weil er die Pfändungsbescheide für die säumigen Steuerzahler sehr verspätet und erst nach mehrfacher Beschwerde des Vorstands ausfertigt.

1867
Selig Frankenthal beschwert sich beim Schul-Vorstand: Bär setze sehr oft den Unterricht aus. Der Schulvorstand gibt die Beschwerde an die Schul-Commission weiter und fordert, Bär zur Verantwortung zu ziehen.

Bär rechtfertigt den Schulausfall mit den im Herbst stattfindenden hohen religiösen Feiertagen Jüdisches Neujahrsfest und Versöhnungstag; am Versöhnungstag habe er dreimal Gottesdienst gehalten. Davon sei er - wie jedes Jahr - so angegriffen gewesen, dass er nicht mehr unterrichten konnte. Außerdem sei der Ofen ausgefallen gewesen, er hätte nicht heizen können, den Kindern hätten die Zähne geklappert, und deshalb habe er sie nach Hause geschickt.

Während der Ofen repariert wird, reist er 6 Tage nach Marburg. Als er zurückkommt, muss der Unterricht wegen des Baudrecks noch 2 Tage ausfallen. Auch seine Frau ist "bedeutend erkrankt".

In einem Aufsatz "Lehrer und Diakone zu Vöhl. Nach der Ortschronik der evang. Pfarrei Vöhl von Pfarrer Lehr (1857-1867) p. 41-49", (abgeschrieben am 21. 8. 1955) zitiert Walter Kloppenburg: "Außer der ev. Schule besteht aber in Vöhl auch noch eine israelitische Elementarschule an welcher seit 1841 ein ganz besonders befähigter Lehrer Samuel Bär aus Wimpfen gebürtig wirkt, welcher Realschule, Schullehrerseminar in Friedberg besucht, die Seminar- und Definitorialprüfung unter glänzenden Zeugnissen bestanden hat. Auch für diese Elementarschule besteht ein Schulvorstand, in welchem der Geistliche und der Bürgermeister als ständige Mitglieder fungieren, während die beiden unständigen Mitglieder auf deren Vorschlag ebenfalls und zwar aus den Familienvätern der Israeliten ernannt werden. (= Vöhler Pfarrchronik Bd. I p.81/82)
22. 8. 1955"

1877
Gemäß Steuerliste der Juden hat er eine Normalsteuer von 3 Pfennig und einen Beitrag für 6 "Ziele" [6] in Höhe von 24 Pfennig zu zahlen; unter den Juden war er damit einer der Ärmsten.

1878
Gemäß Vöhler Rezeß aus diesem Jahr besitzt er "Im tiefen Thal" 20 a 77 qm; Grundsteuer: 0,31 M.

1881
Am 1. Juni stirbt Salomon Bär im Alter von 66 Jahren in Vöhl. Seinen Tod meldet Salomon Liebmann beim Bürgermeister.


Angestellte laut Vöhler Gesinde-Register:
18.6.1842- 11.2.1846 Nathan Schloß von Mainz als Schüler
22.4.1844- ? Leopold Bär von Wimpfen als Schüler
1.2.1847- ? Katharina Wilhelmine Altenhein von Asel als Magd
28.3.1847-? Elisbetha Bock von Kirchlotheim als Magd
3.1.1854- ? Ana Margaretha Josua von Elben als Macht
24.1.1857- ? Henriette Arnold aus Adorf als Macht
Martini 1861- ? Henriette Arnhold von Adorf


[1] heute Bad Wimpfen, nördlich von Heilbronn, damals zum Großherzogtum Darmstadt gehörig.
[1a] Quelle: The Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, 8273/
[2] Jüdische Schulkinder hatten an jedem Neumondstag das sogenannte Neumondsgeld an den Lehrer zu bezahlen.
[3] Das Schophar- oder Schofarhorn ist ein Widderhorn, das an hohen jüdischen Feiertagen geblasen wird.
[4] Das Buch Esther im Alten Testament wird zum Purimfest zu Ehren jener Königin Esther gefeiert, die um 480 v.Chr. als jüdische Frau des persischen Königs Xerxes ihr Volk vor der Vernichtung bewahrte.
[5] Quelle: Waldeckische Landeszeitung Nr. 59 vom 30.11.1887 (Bericht vom 25jährigen Stiftungsfest)
[6] 6 "Ziele" bedeutet, dass er sechs Mal pro Jahr zu zahlen hat.