geb. 16.10.1888 nachmittags um sechs Uhr in der elterl. Wohnung in
Vöhl
gest. 16.12.1915 in Cassel (Suizid)
Eltern:
Abraham Blum (1855-ca 1940) und seine Ehefrau
Frida, geb. Stiefel (1855-1933)
Geschwister:
Hedwig (1880- ?)
Julius (1881- 1883)
Max (1882-1883)
Lina (1884- 1937)
Herda (1894- ?)
Rosalie (1896- ?)
Wohl auch Johanna (1890- ca. 1943)
Ehegatte:
-
Kinder:
-
Wohnung:
Basdorfer Straße (heute Schlecker-Markt)
Berufsangabe:
Kaufmann
Mitglied der Vöhler Burschenschaft, Mitgliedsnummer 299
1895-99
Ab Ostern 1895 Besuch der isr. Schule in Vöhl
Zeugnis: |
Louis Blum geb. den 16. Oktober 1888, Sohn des Herrn Abr.
Blum, dahier, besuchte die hiesige jüd. Volksschule seit
Ostern 1895. Seine Begabung ist gut, Betragen, Fleiß
und Ordnungssinn tadellos. Seine Leistungen in den einzelnen
Unterrichtsfächern, dem Alter entsprechend, zum Teil
darüber hinaus.
Dies Zeugnis der Wahrheit gemäß. |
Vöhl, den 7. März 1899
Der Lehrer der isr. Schule
Laser |
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1899-1903
Besuch der Alten Landesschule Korbach
Abgangs-Zeugnis.
Louis Blum
Sohn des Kaufmannes Abraham Blum zu Vöhl,
geboren zu Vöhl am 16. Oktober 1888,
jüd. Relig., besuchte seit Ostern 1899 von der Classe Sexta
an das hiesige Gymnasium und zwar seit Ostern 1902 als Schüler
der Untertertia.
Bei seinem Abgang erschienen seine Kenntnisse nach dem Standpunkt
seiner Classe
In der Religionslehre -
Im Deutschen gut
Im Lateinischen gut
Im Griechischen gut, w.a.l.s. (?) geringer
Im Französischen gut
Im Hebräischen -
In der Mathematik gut
In der Geschichte genügend
In der Geographie genügend
In der Naturkunde gut.
Sein Fleiss war gut,
sein Betragen gut.
Aufgestellt mit dem Bemerken, dass der genannte Schüler in
Folge ordnungsmäsziger Abmeldung, und zwar, um auf das Gymnasium
zu Wattenscheid überzugehen am 3. April 1903 die Anstalt verlassen
hat.
Durch Konferenzbeschluß zum 31.III. nach Obertertia gestellt.
Corbach, am 3. April 1903
Der Gymnasialdirektor (Dr. ...) Der Klassen-Ordinarius: Fürer. |
1903
Abgang von der Alten Landesschule in Korbach mit Obertertia, will aufs
Gymnasium nach Wattenscheid
1905
Kaufmannslehrling in Borbeck.
1907
Kommis, zieht nach Vöhl zurück
1908
Erhält Legitimationskarte für Gewerbetreibende in Vöhl
1914
Im August zum Militär eingezogen, Reservist in Kassel.
1915
Selbstmord in der Kaserne in Cassel, wird trotzdem in Gefallenenlisten
geführt.
Die Ortschronik der evang. Pfarrei Vöhl: "Reservist Gefreiter
Blum, Kaufmann, in Cassel auf der Kammer tätig, nahm sich selbst
das Leben aus unbekannten Gründen."
Text der Todesnachricht im Vöhler Standesamt:
Nr. 1 |
Vöhl, am 10. Januar 1916 |
Der Rittmeister und Eskadronführer der 5. Eskadron-Train-Ersatz-Abteilung
in Cassel hat mitgeteilt, daß der Gefreite Ludwig Friedrich
Blum, 27 Jahre, 2 Monate alt, geboren zu Vöhl, zu Cassel
am sechzehnten Dezember des Jahres tausend neunhundert und
fünfzehn in der ..... 150 m westlich ....... Schuß
in den Kopf getötet hat. Nach eigener Wissenschaft war
der L. Blum zuletzt wohnhaft in Vöhl ledigen Standes
von Beruf Kaufmann jüdischer Religion und Sohn des Kaufmanns
Abraham Blum und dessen Ehefrau Frida, geborene Stiefel, wohnhaft
in Vöhl.
Vorstehende 29 ....... Der Standesbeamte (Heinze)
Am Rand steht :
Vöhl, den 2. Juli 1916
Aufgrund der beigefügten Unterlagen und den stattgefundenen
Ermittelungen wird angeordnet, daß die Eintragung im
Sterberegister des Standesamts Vöhl Jahrgang 1916 Nummer
1 durch Beischreibung nachstehender ...... zu berichtigen
ist.
Der Standesbeamte in Vöhl war zur Beurkundung des nebenbezeichneten
Sterbefalls des Ludwig Friedrich Blum nicht zuständig;
richtig zuständig ist der Standesbeamte des Standortes
I. in Cassel, der den Tod des Blum bereits unter Nummer 2076
des Jahrgangs 1915 des Sterberegisters beurkundet hat. Eingetragen
auf Anordnung des Königlichen Amtsgerichts zu Vöhl
vom 8. Mai 1916.
Frankenberg den 8. Mai 1916
Königliches Amtsgericht Vöhl
In Vertretung
gez. vom Hof-Amtsgerichtsrat
ausgefertigt
Vöhl, den 8. Mai 1916
Der Gerichts.... Königlichen
Amtsgerichts
Degenhardt
Der Standesbeamte
Heinze |
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Todesanzeige in der Corbacher Zeitung am Di, 21.12. 1915:
| Als Opfer des Weltkrieges verloren wir plötzlich und
unerwartet unseren heißgeliebten einzigen Sohn, Bruder,
Schwager und Onkel |
Louis Blum
Einjährig-Gefreiter im E-Train-Bataillon 11, |
| im blühenden Alter von 27 Jahren. |
|
Namens der trauernden Hinterbliebenen: |
Familie Blum. |
Vöhl. Wattenscheid und Witten, den 18. Dezember 1915.
Die Beerdigung fand Montag, den 20. d. M., 2 Uhr, in Vöhl
statt.
Beileidsbesuche dankend verbeten. |
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1920
In einer Anzeige des Sängerverbands Vöhl zu Ehren seiner
gefallenen Mitglieder wird auch Louis Blum genannt. (Corbacher Zeitung
5.2.1920)
1930
Auf einer Gedenktafel des Kriegervereins für die Vöhler Gefallenen
wird er nicht genannt.
Grab auf dem jüdischen Friedhof Vöhl (Reihe
9 Grab 4):
| Hebräische
Inschrift |
Deutsche Inschrift |
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Hier
ruht
Ludwig Friedrich Blum
geb. 16. Oktober 1888
gest. 16. Dezember 1915 |
| Übersetzung |
Bild |
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Hier ruht
der unverheiratete Mann Juda,
der Sohn Abrahams.
Er verschied am 9. Tevet (1) 676 (2) kleiner Zählung.
Seine Seele möge eingebunden sein in das Bündel des Lebens.
(1) Dezember/Januar
(2) 1915/16 |

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weitere Bilder:
[1] In der Geburtsurkunde ist als Vorname
"Louis, Friedrich" angegeben. Wie er in seiner Jugendzeit
von Eltern und Mitbürgern gerufen wurde, ist nicht mehr feststellbar.
Wenn er während des Ersten Weltkrieges "Ludwig" genannt
wurde, so hat dies sicher auch damit zu tun, dass Frankreich einer der
Hauptgegner Deutschlands war und man die französische Namensform
"Louis" ablehnte. Wenn die Eltern diese Namensform auch für
den Grabstein wählten, so mag dies damit zu tun haben, dass sich
der Kaufmann Abraham Blum dem Zeitgeist beugte. Möglicherweise
kommt auch eine gewisse Distanzierung von der Selbsttötung in einer
schwierigen nationalen Situation zum Ausdruck. Doch ist dies Spekulation,
da über die Ursache des Suizid nichts bekannt ist."
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