Ernst Davidsohn
hebr. Name: Jakob ben Chaim [1]

geb. 12.6.1921 in Stuttgart
gest. 9.11.1995 in La Jolla, San Diego, Kalifornien

Eltern:
Hugo Davidsohn (1888- 1955) und
Ida, geb. Frankenthal (1894- 1970)

Geschwister:
keine

Ehegatte:
Eva, geb. Karliner (6.11.1925 in Oppeln- 18.6.1996 in Solana Beach bei San Diego, Kalifornien)
Heirat: 28.9.1944 in Los Angeles, Kalifornien

Kinder:
Carol Joan (geb. 11.9.1945) [1a]

Wohnung:
Die Jugendzeit verbrachte er in Stuttgart, Johannesstr. 37
später: New York, Brooklyn
dann: San Diego

Beruf:
zunächst Büroangestellter, dann Maschinenbauer und Ingenieur im Spektrochemischen Bereich für ein Tochterunternehmen von Bausch & Lomb; wurde schließlich Vizepräsident des Unternehmens, bevor er nach 30jähriger Tätigkeit im selben Betrieb in Rente ging.


Als Kind besuchte er Vöhl oft in den Sommerferien, und fuhr dann gern mit dem Pferd Fritz und Wagen [2].

1932
Im August hält er sich bei den Großeltern in Vöhl auf. Er schreibt den Eltern in Kartengrüßen, dass er mit den Scherfs (aus dem Nachbarhaus auf dem Schulberg) auf eine Zielscheibe am Scheunentor geschossen hat; Großeltern und Tante Beate verwöhnen ihn mit Schokoladenpudding und Zitronensuppe. In Vöhl hat er Kontakt mit Änne Kaiser, Herta und Evchen [3]. Er teilt den Eltern mit, dass Rosi Mildenberg [4] einen kleinen Jungen bekommen habe. Mit Frau Kaiser [5] seien sie zur Kegelbahn gegangen. Wörtlich: "Es ging ein wenig Wind und das Hakenkreuz wackelte. So wird auch einmal das 'Dritte Reich' wackeln." Schließlich erwähnt er einen Josef, der schon "fast ein richtiger Dr." ist.
Möglicherweise in diesem Jahr fotografierte er das Innere der Synagoge; dieses Bild (HIER klicken) ist das bisher einzige, das den Sakralraum zu jener Zeit zeigt, als hier noch Gottesdienste stattfanden.
Von Ernst Davidson stammt auch ein Foto (HIER klicken) und die Abschrift der Huldigungstafel der Vöhler jüdischen Gemeinde zur Erhebung des Landgrafen Ludwig X. zum Großherzog Ludwig I. von Hessen-Darmstadt [6].

Er absolviert eine Lehre bei Hermann Huenemoerder in Altbach.

1939
2. Febr.: Wegen der beabsichtigten Emigration lässt sich Ernst von der Hitler-Jugend im Gebiet Württemberg schriftlich bestätigen, dass er nicht Mitglied dieser Organisation ist. Als Name ist "Ernst Israel" eingetragen [7].

1940
Zusammen mit seiner Mutter emigriert er von London nach New York auf dem Schiff SS Samaria; er lebt einige Zeit in New Yorks Stadtteil Brooklyn. Der Name wird anglisiert: aus "Ernst Davidsohn" wird "Ernest Davidson".

1941-45
Er dient in der US-Army als Unteroffizier im technischen Bereich.

1983
Er muss sich einer Bypass-Operation unterziehen.

1995
Er stirbt am 9. November während einer weiteren Bypass-Operation; beerdigt wird er auf dem Friedhof des El Camino Memorial Park in San Diego, Kalifornien.


[1] Chaim war der hebr. Name seines Vaters
[1a] Carol Joan (geb. 11.9.1945 in Los Angeles, Kalifornien) heiratete im September 1970 Stephen Miller Baird (geb. 1944), hat mit ihm die Söhne Daniel Davidson Baird (geb. 1972; verheiratet mit Rebecca, geb. Cherlin; Sohn Noah Reid Cherlin, geb. 9.12.2005) und Geoffrey Stuart Baird (geb. 1974; heiratete 2001 Denise, geb. Douglas; Söhne Flynn Douglas, geb. 26.3.2003, und Galen Callahan, geb. 17.5.2005)
[2] Quelle: Tochter Carol Davidson Baird
[3] Die Identität von Herta und Evchen ist noch nicht bekannt. Mit Änne Kaiser kann nur Anna-Bertha Kaiser gemeint sein, die fast 20 Jahre älter ist.
[4] Rosalie Sternberg, geb. Mildenberg. Der kleine Junge ist Günther Sternberg.
[5] Ida Kaiser, Ehefrau von Ferdinand Kaiser
[6] Der Text ist in dem Aufsatz über die Geschichte der Synagoge auf dieser Website nachzulesen (HIER klicken).
[7] Nach der 2. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938 müssen alle Juden ab 1.1.1939 den zusätzlichen Vornamen "Sara" bzw. "Israel" annehmen. Dies wurde auf den Geburtsurkunden ergänzt.