Hermann Hirsch Frankenthal
hebr. Name: Naphtoli bar Yitzak |
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geb. 3.11.1858 in Altenlotheim
gest. 20.10.1920, Nachmittags um vier Uhr in Herzhausen (Todesursache:
Schädelbruch und Gehirnerschütterung)
Eltern:
Isaak Frankenthal (1820- 1892)
Sara, geb. Dickhoff (1822- 1905)
Geschwister:
Albert
Berta (1857-?)
Ehegatte:
Emma, geb. Katz (1857- 1940)
Heirat 17.11.1886 [1]
Kinder:
Bertha (1887- ca 1944)
Sophie (1889- 1942)
Wohnung:
Haus No 15; nach Einführung von Straßenbezeichnungen: Arolserstraße
10 [2]
Beruf:
Händler [3]
Es ist unbekannt, wann Hermann Hirsch Frankenthal von Altenlotheim nach
Vöhl zog. Über die Altenlotheimer Zeit gibt es bisher keine
weiteren Dokumente. Spätestens seit Beginn der 80er Jahre des 19.
Jahrhunderts hat er in Vöhl gelebt.
Er soll eine Ponykutsche besessen haben.
1883-1889
In einem Auszug aus der Gewerbesteuer-Rolle des Kreises Frankenberg
heißt es:
"Steuerklasse B I; Gewerbe: Handel mit Manufakturwaren u. Käse,
Umfang des Betriebs: gering; monatl. Steuersatz: 0,75 M (durchgestrichen;
ergänzt:) 1,00 M [4]";
als Besitzer war zunächst "Isani" (wohl Isaak) eingetragen;
dann wurde ergänzt: "jetzt Hermann".
1887
Hermann Frankenthal zeigt am 7. September beim Standesamt die Geburt
seiner Tochter Bertha vom Vortag an.
1888- 1891
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Einwohner.
1888
Vom 24. November (evtl. auch Februar) datiert eine Quittung für
Fr. Schmal II für 10,56 M.
1889
Wegen mangelhafter Straßensäuberung wird er im Januar mit
einer Buße von 1 Mark belegt.
1890
Hermann Hirsch Frankenthal wird am 10. April in die Ortsbürgerliste
von Vöhl aufgenommen; als Geburtsort ist Altenlotheim, als Beruf
Kaufmann angegeben.
1891
Am 10. April wird ihm und 5 weiteren (christlichen) Bürgern von
der "Bürgermeisterei" angeboten, für 30 Mark das
Ortsbürgerrecht zu erwerben. Dies Angebot wird "von sämmtlichen
abgelehnt". [5]
Frankenthal wird im Mai mit einer Buße von 1 Mark belegt.
1892
Hermann Frankenthal zeigt den Tod seines Vaters beim Standesamt an;
seine Großmutter nennt er "Beier geborene unbekannt zu Altenlotheim".
1894
Am 25. Mai werden Hermann Frankenthal und über 20 weitere Bürger
Vöhls von Bürgermeister Müller gefragt, ob sie das Ortsbürgerrecht
erwerben und das damit verbundene "Einkaufsgeld" von 30 Mark
und das Feuereimergeld in Höhe von 3 Mark entrichten wollen. Die
Antwort ist nicht bekannt.
1897
Frankenthal besitzt zusammen mit seinem Onkel Selig Frankenthal die
Scheune, die heute der Familie König auf dem Schulhof gehört;
in einem Kaufvertrag von 1897 verkauft Emma Schönthal das Haus
(heute König) mit Stall an Familie Finke; im Vertrag heißt
es: "Die Berechtigung zur Überfahrt über die Hofraithe
sowie der Eingang im Stalle nach der Scheune des Selig und Hermann Frankenthal
bleiben bestehen."
Hermann Frankenthal unterzeichnet den Kaufvertrag als Zeuge.
Er meldet im März den Tod von Gütchen Schönthal beim
Standesamt.
1898
Frankenthal wird vom Königl. Amtsgericht zum Gegenvormund für
die beiden minderjährigen unehelichen Töchter der Amalie Mildenberg
(Frieda und Rosa) bestellt und bleibt dies bis 1902; er wird dann auch
Vormund von Amalies Sohn Eduard.
Am 25. Juli 1898 bestellt das königliche Amtsgericht Vöhl
für die in der "Irrenheilanstalt Marburg" befindliche
Röschen Katzenstein den Kaufmann Hermann Frankenthal zum Vormund.
1899- 1919
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Einwohner.
1901
Hermann Frankenthal zeigt im Dezember beim Standesamt den Tod seiner
in seinem Haus wohnenden Tante Jettchen Frankenthal an.
1902
Hermann Frankenthal schaltet als Makler eine Anzeige in der WLZ vom
11.9.1902, in der er eine Ziegelei an der Itter zum Kauf anbietet.
1904
Im August wird gegen ihn eine Ordnungsstrafe von 3 M wegen Verstoßes
gegen die Steuerordnung verhängt.
1905
Er zeigt im Januar den Tod seiner Mutter Sarah, geb. Dickhoff, beim
Standesamt an.
1906
Corbacher Zeitung, 30. Juni: Anzeige:
| Alle diejenigen, welche Ansprüche an die am 26. d.M.
im städtischen Krankenhaus in Frankfurt a.M. verstorbene
ledige |
Sophie Mildenberg
aus Vöhl |
zu machen haben, haben solche binnen sechs Wochen an den
unterzeichneten Vormund, deren einzigen Erben, anzumelden.
Die Ansprüche sind zu spezifizieren, andernfalls werden
solche nicht berücksichtigt.
Vöhl, den 28. Juni 1906 |
Der Vormund:
Hermann Frankenthal |
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1909
Corbacher Zeitung vom 1.Mai 1909:
Marienhagen. Das Herrn Friedrich Stein gehörige
Wohnhaus nebst ca. 30 Morgen Ackerland wurde durch Vermittelung
des Herrn Frankenthal aus Vöhl an Herrn Bürgermeister
Knoche dahier zum Preise von 25 000 Mark verkauft. Stein beabsichtigt
in Höringhausen ein anderes Gut zu übernehmen und zwar
in nächster Zeit. [6] |
1911
Hermann Frankenthal ist in der Gewerbesteuerrolle als Gastwirt, wohnhaft
in Haus No 15 notiert. [7]
Gewerbesteuer 1911-1920
1911 Steuerklasse IV 16 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen
244 Mark
1913 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1914 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 256 Mark
1915 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1916 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 240 Mark
1917 Steuerklasse IV 12 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 220 Mark
1918 Steuerklasse IV 12 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 212 Mark
1919 Steuerklasse IV 8 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1920 Steuerklasse IV 8 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen 224 Mark
1912
Corbacher Zeitung am 13.3.1912:
Vöhl, 10. März. Bei der gestrigen
Wahl der Gemeindeverordneten wurden in der 3. Klasse Herr Sattlermeister
Koch und in der 2. Klasse Herr Landwirt H. Plock als Gemeindeverordneten
(!) wiedergewählt und in der 1. Klasse an Stelle des Kaufmanns
Herrn David Stern Herr Kaufmann Hermann Frankenthal neugewählt.
Herr D. Stern ist ein Mann von 77 Jahren und gehört der Gemeindevertretung
bereits seit 40 Jahren an. Er war stets ein tüchtiger Vertreter
für die Gemeinde und besonders besorgt für das Gemeindebudget.
[8] |
Vor 1914
Hermann Frankenthal unterschreibt einen Aufruf, in dem es darum geht,
die Sparkasse der Herrschaft Itter nicht in die Kreissparkasse einzugliedern,
sondern selbständig zu belassen. Mit ihm unterzeichnen weitere
68 Männer aus Vöhl, Marienhagen, Oberwerbe, Altenlotheim,
Schmittlotheim, Basdorf und Obernburg. Frankenthal unterschreibt als
Gemeindevertreter.
1920
Zeitungsbericht
Vöhl, 21. Okt. Gestern morgen wurde
die Familie Hermann Frankenthal von hier infolge eines Unglücksfalles
in tiefe Trauer versetzt. Herr F., der sich auf dem Postwagen
von hier nach Herzhausen befand, wurde durch das Scheuwerden der
Pferde in Herzhausen von dem Wagen geschleudert und erlitt hierbei
derartige schwere Verletzungen, die seinen Tod herbeiführten. |
Todes-Anzeige.
Gestern morgen verschied plötzlich infolge eines Unglücksfalles
mein unvergeßlicher lieber Mann, unser guter Vater,
Großvater und Schwager, der
Kaufmann
Hermann Frankenthal |
| im 62 Lebensjahre. |
Die trauernden Hinterbliebenen |
Vöhl, den 21. Oktober 1920
Die Beerdigung findet Sonntag, den 25. d. Mts, mittags 1 Uhr,
statt. |
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1920
Corbacher Zeitung am 15. Nov.:
Vöhl, 14. Nov. Zum Liquidator der hiesigen
Autogenossenschaft ist anstelle des verstorbenen Kaufmanns Hermann
Frankenthal der Kaufmann Ferdinand Kaiser gewählt. |
Grab auf dem jüdischen Friedhof Vöhl (Reihe
10 Grab 3):
| Hebräische
Inschrift |
Deutsche Inschrift |
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Hier
ruht in Gott
mein lieber Mann,
unser guter Vater
Hermann Franckenthal
geb. 3. Nov. 1858
gest. 20. Okt. 1920 |
| Übersetzung |
Bild |
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Hier liegt begraben
Naftali (1), der Sohn Isaaks.
Er starb am 8. Marcheschwan (2) 68l (3) kleiner Zählung.
Seine Seele möge eingebunden sein in das Bündel des Lebens.
(1) Der Name "Naftali" hängt mit dem Verb ptl zusammen,
ringen, kämpfen. Hermann bedeutet "der Krieger". Hier ist die
Verwandtschaft zwischen den beiden Namen keine lautmalerische,
sondern eine inhaltliche.
(2) Marcheschwan ist eine andere Bezeichnung für Cheschwan (Oktober/November)
(3) 1920
Anmerkung von Karl-Heinz Stadtler:
Hermann Frankenthal war der Ehemann von Emma, Vater von Bertha
und Sophie. Er fand den Tod bei einem Postkutschenunglück in Herzhausen.
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weitere Bilder
[1] Quelle: Sterbeurkunde Emma Frankenthal,
geb. Katz; nach anderen Angaben bereits 1885
[2] Das Haus hatten die Frankenthals
von Levi Blum wahrscheinlich nach dessen Tod 1885 übernommen.
[3] Karl Müller erzählt,
Hermann Frankenthal sei mit Pferd und Wagen über Land gefahren
und habe mit Textilien, Kurzwaren u.a. gehandelt.
[4] Die Streichung ist im Original;
der Betrag wurde möglicherweise angehoben.
[5] Beide Informationen sind urkundlich
belegt: Frankenthal wird 1890 in die Ortsbürgerliste aufgenommen,
also als Ortsbürger akzeptiert. Und ihm wird ein Jahr später
angeboten, das Ortsbürgerrecht zu kaufen. Wie Beides zusammen passt,
ist noch unklar.
[6] Vermutlich ist hier Hermann Frankenthal
gemeint.
[7] Dies ist bisher der einzige Hinweis,
dass er auch Gastwirt war.
[8] Die Wähler wie auch die Kandidaten
wurden entsprechend der Besteuerungshöhe in verschiedene Klassen
eingeteilt.