Abraham Katzenstein

geb. 2.4.1833 in Vöhl
gest. 21.4.1903 Vormittags um vier und dreiviertel Uhr in Vöhl (Todesursache: Zuckerkrankheit u. Influenza)

Eltern:
Simon Katzenstein (1780- nach 1861)
Esther, geb. Löwe (1800- 1870)

Geschwister:
Amalie (1829- 1918)
Emanuel (1839- 1927)
Samuel (1844- ?)

Ehegatte:
Johannette, geb. Wertheim (1850-1918)

Kinder:
Sali (ca Mai 1873- 4.8.1875)
Siegmund (1874- vor 1851)
Karl (1876- 20.1.1883)
Emma (1879- ?)
Julius (1883- ?)

Wohnung:
No 47 (wohl untere Mittelgasse, heute Haus Demmer)
Zu dem Anwesen gehörte ein Wohngebäude und ein viergeschossiges Lagerhaus.

Beruf:
Händler, Schächter / Schlachter
Ältere Vöhler Bürger wissen noch: Die Familien Abraham und dann Siegmund Katzenstein betrieben einen schwunghaften Handel mit Eisen, Schrott, Getreide und Schnaps.


1853
Im Verzeichnis der Militärdienstpflichtigen heißt es über den jungen Abraham Katzenstein:
"Handelsmann; läßt sich vertreten".

1860
Abraham Katzenstein weigert sich, wegen des schlechten Platzes in der Synagoge Standgeld zu bezahlen; er muss jedoch bezahlen.

1862-64
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.

1862
A. Katzenstein wird am 9. Januar in die Vöhler Ortsbürgerliste aufgenommen; in dem Verzeichnis heißt es: Geb.-ort Vöhl, Geb.-datum 20. April 1833; die Berufsbezeichnung ist unleserlich, doch ist das Wort "Handel" enthalten. Im Mai 1872 wird er noch einmal aufgenommen; Berufsbezeichnung: Händler.
Als Vorstandsmitglied ist er mit der Beschwerde Moses Kugelmanns wegen der Standgeldzahlung für die Synagoge befasst.

1863
Er unterzeichnet ab 1863 als Vorstandsmitglied der Vöhler jüdischen Gemeinde, z.B. den Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben für die Jahre 1864-66.

1864
Bei der am 17. Mai 1864 durchgeführten Mobiliarversteigerung des Hermann Prinz in Vöhl ersteigert Abraham Katzenstein verschiedene Gegenstände im Wert von insgesamt 1 Thlr, 17 Sgr. [1]
In einem Faszikel mit dieser Mobiliarversteigerung gibt es eine undatierte Liste, die im selben Zusammenhang stehen könnte und wo vermerkt ist, dass Katzenstein einen Gegenstand erworben und 12 fg 19 1/2 kr [2] und für einen weiteren Gegenstand 1 fg 18 kr (u.a. ein Sieb, 6 Schnapsgläser, 2 Gläser) bezahlen soll.
Er hat einen Hund angemeldet.

1865
Im Zusammenhang mit der Mobiliarversteigerung von 1864 wird Abraham Katzenstein von Gemeinderechner Klipstein aufgefordert, den Betrag von 12fg 19 1/2 kr zu bezahlen.
Er wurde "wegen Meineid und Schriftfälschung durch rechtskräftige Erkenntniß Großh. Assisenhof zu Gießen in eine Zuchthausstrafe von drei Jahre verurtheilt".
Die Staatsanwaltschaft in Gießen informiert die Gemeinde Vöhl:

Gießen am 24ten Juni 1865
Betreffend: In Anklagesachen gegen Abraham Katzenstein von Vöhl wegen Meineids

Die
Großherzogliche Staatsanwaltschaft
an
Großherzogliche Bürgermeisterei zu Vöhl

In Gemäßheit des Art. 94 des Gesetzes vom 28ten Oktober 1848 benachrichtigen wir Sie, daß der Criminal-Senat Großherzoglichen Hofgerichts dahier durch Verweisungsurtheil vom 20ten d.Mts den Rubricaten wegen Meineids und Schriftfälschung
vor die ... der Provinz Oberhessen vewiesen hat.
Sollten Sie im Stande sein, uns weitere Mitteilungen, welche zur Entdeckung der Wahrheit dienlich sein können, zu machen, so wollen Sie dieselben ungesäumt zu unserer Kenntnisse bringen.

1869
Er muss für einen Hund Hundesteuer zahlen.

1870
Katzenstein wurde am 25.8.1870 "wegen der Läum?dung eines Beamten in Beziehung auf den Dienst zu einer Geldbuße von fünfzig Thlr subsiduär von einem Monat Gefängniß" verurteilt.

1871
Im Vöhler Verzeichnis der Pfändungs- und Versteigerungskosten, die durch Beitreibung der Schulden entstanden sind, ist Abraham Katzenstein genannt; der Betrag der Schuld: 10 Thaler 28 Silbergroschen, 9 Pfennig.

1872
Er wird erneut in das Ortsbürgerverzeichnis aufgenommen.

1875-1902
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Einwohner.

1876
Am 17. Februar zeigt er die am 12.2. erfolgte Geburt seines Sohnes Karl beim Standesamt an.

1877
In der Steuerliste der Vöhler Juden ist er mit einer Normalsteuer von 8,49 Mark und einem Beitrag für 6 "Ziele" von 76,20 Mark aufgeführt; damit ist er recht vermögend; außerdem wird er gemeinsam mit David Stern veranlagt mit einer Normalsteuer von 9 Pfennig und einem Beitrag für 6 "Ziele" von 78 Pfennig.

1878
Gemäß Rezeß von 1878 besitzt Abraham Katzenstein in Vöhl "In der Herzingsgrube und auf den Stöcken" 2 ha 61 a 9 qm und "Im Ascheborn" 16 a 56 qm, außerdem "Auf dem Simmetsee" 4 a 92 qm und 2 a 10 qm und 23 a 17 qm; darüber hinaus im Dorf eine Wiese von 2382 qm, einen Hausgarten von 130 qm und Hofraum von 433 qm. Dafür zahlt er eine Grundsteuer von 5,24 M.

1879
Für einen Hund zahlt er 3 Mark 43 Steuern.

1883-1902
Für einen Hund zahlt er 3 Mark 43 Steuern; ab 1895 4 Mark. 1906 ist Abraham Katzensteins Witwe als steuerpflichtige Hundehalterin notiert.

1884-89
Im Auszug aus der Gewerbesteuer-Rolle des Kreises Frankenberg pro 1883/84 pro 1888/89 sind die "Gebrüder Katzenstein" erwähnt und als Inhaber Abraham, Emanuel und Samuel genannt. Das Wort Gebrüder und die Namen Emanuel und Samuel sind jedoch gestrichen. Abraham hat also dann wohl das Geschäft allein übernommen.
Die sich auf ihn beziehenden Angaben lauten: "Steuerklasse A II, Gewerbe: Kaufmann (Handel mit Eisen, Spinnerei + Ellenwaren, Frucht u. Spiritus en gros); Umfang des Gewerbebetriebes: recht gut; monatlicher Steuersatz: (4,50 M) 2,50 M [3]; Bemerkung: Die Firma ist vom (die im Original folgenden Datumteile sind unleserlich, weil überschrieben) 84 ab niedergelegt. 1/4 85/86 Abraham, 1/4 85/86 Emanuel, 1/4 85/86 Samuel II. "

1890
In einem Schreiben des Amtsgerichts ans Ortsgericht Vöhl ist mit Bleistift möglicherweise von einem Sachbearbeiter des Ortsgerichts der Name A. Katzenstein notiert. Aus dem Zusammenhang heraus hat diese Notiz wohl die Bedeutung, dass A. Katzenstein zu diesem Zeitpunkt ein Geschäft betreibt und ins Handelsregister eingetragen werden soll.
Katzenstein wird wegen Verstoßes gegen die Polizeiordnung mit einer Geldbuße von 1 Mark belegt.

1895
1895-96 war Abraham Katzenstein als Kaufmann gewerbesteuerpflichtig und hatte 16 Mark zu zahlen (12 Steuerzahler erbrachten ein Gewerbesteueraufkommen von 216 M); in späteren Steuerrollen (sie liegen ab 1908 vor) ist seine Witwe als Steuerpflichtige genannt.

1900
Er ist Trauzeuge der Tochter Emma am 13. August.

1900-1901
Er erhält eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende für das Jahr 1900.


Dienstboten nach Vöhler Gesinde-Register:
31.12.1864- 12.3.1866 Marie Denhof aus Buchenberg als Magd
9.6.1866- 12.11.1867 Maria Rößner als Magt[4]
(Lücke zwischen zwei Gesinde-Registern)
15.11.1883- ? Elisabeth Kraft aus Freienhagen, 26 Jahre, mittlere Statur, graue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Dinst-Magd
16.11.1884- 14.11.1886 Caroline Nordmeier aus Freienhagen, 20 Jahre, gesetzt, graue Augen, stumpfe Nase, breier Mund, dunkelblond, als Magd; Zeugnis: Die ausführliche Zufriedenheit der C. Nordmeier bescheinigt gez. A. Katzenstein
14.11.1884- ? Emilie Bürgener aus Fürstenberg, 25 Jahre, geb. 14. Juli 1860, gesetzt, groß, graue Augen gewöhnl. Nase u. Mund, dunkelblond, keine besond. Merkmale, als Magd
15.11.1886- 17.11.1888 Wilhelmine Knoche aus Marienhagen, 23 Jahre, mittlere Statur, braune Augen, große Nase, kleiner Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Magd; Zeugnis: Verläßt den Dienst auf ihren eigenen Wunsch + hat sich stehts (!) zu mieiner vollsten Zufriedenheit betragen. gez. A. Katzenstein
18.11.1888- ? Emma Wiegand aus Freienhagen, 19 Jahre, geb. am 9. Decbr. 1868, gesetzte Statur, graue Augen, gewöhnliche Nase u. Mund, dunkelblond, keine besond. Merkmale, als Magd; Zeugnis: treu fleißig ...? z.Bgl. Müller (Berufsbezeichnung für Abraham Katzenstein: Kaufmann u. Landwirth)
20.3.1892- ? Christian Hamel aus Meinringhausen, 20 Jahre, geb. 9. Sept. 1871, mittelgroß, blaue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, als Knecht
17.7.1892- ? Carl Schröder aus Goddelsheim, geb. am 21. Nov. 1871, groß u. gesetzt, blaue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, als Knecht; Zeugnis: gut treu u. fleißig. z.Bgl. Müller Bgstr.
14.11.1892-? Johannes Vallbracht aus Meinringhausen, geb. 15. Juni 1858, groß, dunkle Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Knecht
12.11.1892-2.12.1892 Christiane Weinreich aus Freienhagen, geb. den 21.4.1876, starke Statur, dunkle Augen, gewöhnl, Nase u. Mund, blond, als Magd; Zeugnis: Führung gut. gez. A. Katzenstein - z.Bgl. Müller Bgstr.
15.12.1892-? Katharine Leyhe aus Marienhagen, geb. den 15 Decbr. 1868, klein gesetzt, blaue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Magd; Zeugnis: fließig u. treu betragen. gez. A. Katzenstein - z.Bgl. Müller Bgstr.

1903
Corbacher Zeitung am 23.4.:

Statt besonderer Anzeige.
Heute Morgen um 5 Uhr entschlief sanft nach langem schwerem Leiden unser geliebter Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Abr. Katzenstein
im Alter von 70 Jahren. Um stille Teilnahme bitten
Vöhl, den 21. April 1903.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 23. April, nachm. 2 Uhr statt.

Auffällig ist, dass seine Eigenschaft als Ehemann nicht erwähnt ist, obwohl seine Frau noch lebt.

Grab auf dem jüdischen Friedhof Vöhl (Reihe 8 Grab 9 [5]):

Hebräische Inschrift
Deutsche Inschrift
Hier ruhet in Frieden
Abraham Katzenstein
geb. 2. April 1833
gest. 21. April 1903

Wer auf den Ewigen vertraut.
den umgiebt er mit Gnade. Ps. 31
Übersetzung
Bild

Hier liegt begraben
Abraham, der Sohn Simons
des Priesters.
Er war Schächter (1) und
erbarmte sich der Armen.
Er starb am Dienstag, den 24. Nissan (2)
663 (3) kleiner Zählung.

Seine Seele möge eingebunden sein in das Bündel des Lebens.

(1) Für diese (zweifelhafte) Übersetzung sind der erste und dritte Buchstabe vertauscht. Anders ergibt es keinen Sinn.
(2) März/April/Mai
(3) 1903


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[1] 1 Thaler, 17 Silbergroschen
[2] Gulden bzw. Kreuzer
[3] Die Streichung erfolgte auch im Original; der Betrag wurde also wohl abgesenkt.
[4] unter "Bemerkungen" ist erwähnt: "nach Hof Lauterbach"; d.h. daß Frau Rößner anschließend dort arbeitete)
[5] Auf seinem Grabstein sind zwei segnende Hände. Sie sind ein Hinweis auf einen Cohen zadegh. Kohanim sehen sich als Nachfahren von Moses' Bruder Aaron, der nach der Bibel von Gott mit all seinen Nachfahren zum Priester eingesetzt wurde. Sie waren für Tempel- und später Synagogendienste zuständig. Familien mit Namen wie Kohn, Katz oder Katzenstein gehören zu dieser Sippe. Sie nehmen bestimmte Funktionen in Gottesdiensten wahr und müssen besondere Reinheitsgebote einhalten.