Friederike Katzenstein
geb. Jakob (Rickchen) [1]

geb. 24.6.1870 in Sachsenhausen
gest. 1942 in Theresienstadt

Eltern:
Handelsmann Michel Jakob und Jettchen, geb. Bose

Geschwister:
?

Ehegatte:
Kaufmann und Wittwer Samuel Katzenstein senior (1830 - 1909)
Heirat 12.9.1906

Kinder:
Wohl keine

Wohnung:
Untere Mittelgasse


1906
Vor der Heirat - ab Juli - hat sie als Haushälterin bei S. Katzenstein [2] gearbeitet.

Gewerbesteuer 1895-1920
Ab 1913 ist sie als Steuerpflichtige im Geschäft ihres Mannes angegeben; Haus Nr. 45
1895 Steuerklasse IV 12 Mark, 11 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1908 Steuerklasse IV 12 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 204 Mark
1909 Steuerklasse IV 12 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 208 Mark
1910 Steuerklasse IV 12 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1911 Steuerklasse IV 12 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen 244 Mark
1913 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1914 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 256 Mark
1915 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1916 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 240 Mark
1917 Steuerklasse IV 12 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 220 Mark
1918 Steuerklasse IV 12 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 212 Mark
1919 Steuerklasse IV 12 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1920 Steuerklasse IV 12 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen 224 Mark

Wilhelm Schmal erzählt, sie habe mit einem Wägelchen Kohlköpfe geholt und verkauft, habe auch mit Textilien und Manufakturwaren gehandelt, sei von einigen - nicht böswillig - "Frau Schmul" oder die "Schmulsche" genannt worden.

1929
Sie ist im Einwohnerbuch für Waldeck und Amtsgerichtsbezirk Vöhl 1929 als Einwohnerin Vöhls eingetragen als Witwe mit Kolonialwarenhandlung in der Mittelgasse 5, Fernruf 14.

1929-32
Rickchen Katzenstein ist unter diesem Namen in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen. Wohnung: Mittelgasse.

30er/40er Jahre
Karl Müller erzählt: "Am Sabbat schlichen wir ums Haus der Schmulschen und sie rief: "Kommt mal rein und macht mir 's Feuer an!'"

Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt hat nach Auskunft eines anderen Vöhlers ein namentlich genannter Jugendlicher das zum Trocknen herausgestellte Butterfass vor Friederike Katzensteins Haus für "ein großes Geschäft" zweckentfremdet.

Ältere Bürger erinnern sich, dass der Kaufladen, u.a. auch mit Lebensmitteln, im Erdgeschoss gleich links von der Eingangstür war. Rechts vom Eingang war das Wohnzimmer. Eine Frau hat eine besonders schöne rote Samtdecke zunächst in diesem Wohnzimmer und dann nach 1942, also nach Deportation und Versteigerung des Eigentums, in einem anderen Haus wieder gesehen. Sie erzählt, mehrere Leute seien damals, nachdem Juden weggeholt worden sind, in die leeren Häuser gegangen und hätten Sachen weggeholt. [3]

1942
Sie wurde am 6. September vom Bürgermeister und einer weiteren von Zeitzeugen namentlich bezeichneten Person in ihrem Haus abgeholt. Erika Heinze, geb. Vallbracht, damals ein Mädchen aus der Nachbarschaft, erzählt, dass sie durch das Schlafzimmerfenster der Eltern gesehen habe, wie Rickchen Katzenstein nachts um 4 Uhr abgeholt wurde. Es habe schlimm ausgesehen, wie die kleine Person mit einem Rucksack zwischen den zwei großen Männern gegangen sei. Sie gibt die Bemerkungen wieder, die ihre Mutter damals machte. Daraus ist zu schließen, dass man sehr wohl wusste, dass den Juden ein schlimmes Schicksal bevorsteht.

Wohin sie zunächst gebracht wurde, ist unbekannt.
Sie erscheint nach Angaben von Karl-Hermann Völker auf einer Transportliste, nach der sie am 6. Sept. 1942 vom Bahnhof Itter aus deportiert wurde; über den Treffpunkt Kassel ist sie wohl nach Theresienstadt gebracht worden.

Sept.: In einem "Verzeichnis des unbeweglichen Vermögens abgeschobener Juden" ist aufgeführt: "Wohnhaus mit Nebengebäude und Hausgarten Vöhl Mittelgasse 15; Grundbuchmäßige Bezeichnung: Bd 1 Bl. 44, Größe: 4,45 a; Belassung: Samuel Katzenstein".

Die Kopie wahrscheinlich von einer Karteikarte des Finanzamts Frankenberg enthält folgende Angaben:

Wohnhaus m. Hofraum, Stallanbau, Holzschuppen 2,64 ar
Mittelgasse 15 (K. 12 P. 764/100 u. 101)
Hausgarten im Dorfe (K. 12 P. 756/99,102) = 1,81 ar
Ww. Samuel Katzenstein (Rickchen)
Bd. 1 Bl. 44 4,45 a

1966
Auf der Rückseite eines Briefes, in dem der Historiker Paul Arnsberg um Informationen über Abreisetermine und Zielorte der Vöhler Juden bittet, ist handschriftlich - möglicherweise von Bürgermeister Huffert - hinter dem Namen "Katzenstein, Rickchen" angegeben: "nach unbek. verzogen".


[1] In einigen Dokumenten wird sie Rebecka genannt. Unter Umständen ist Friederike Katzenstein auch mit der Person identisch, die in einigen Dokumenten als "Witwe S. Katzenstein" bezeichnet wird.
[2] Gemeint ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihr späterer Ehemann Samuel Katzenstein.
[3] Davon, dass "geplündert" wurde, wird sonst nicht berichtet. Da das Eigentum der Deportierten vom Bürgermeister zu Gunsten der Staatskasse versteigert wurde, kann Besitz von Juden auf diesem Wege in ein anderes Haus geraten sein.