Samuel Katzenstein I

geb. 25.4.1830 in Vöhl oder 10.5.1830
gest. 5.3.1909 in Vöhl, Nachmittags um fünf und einhalb Uhr (Todesursache: Herzschlag)

Eltern:
Baer Katzenstein und Rebecka, geb. Jakob

Geschwister:
Koppel (1823- vor 1877)
Mina (1824- 93)
Händel (1825/26- nach 1846)
Löb (geb. 1828)
Röschen (vor 1840- nach 1899)

Ehefrau:
1.Ehefrau: Wittwe Koppel Katzenstein namens Fanni geb. Goldwein
Heirat: 7.5.1876
2. Ehefrau: Friederike (Rickchen), geb. Jacob [1]
Heirat: 12.9.1906

Beruf:
Metzger, Kaufmann

Wohnung:
Haus Nr. 45 [2]


1850
Im Verzeichnis der Militärdienstpflichtigen des Jahrgangs 1830 heißt es über ihn: "Beruf: Späzereikrämer".

1865
Samuel Katzenstein ist in einer Liste der aktiven Mitglieder des Gesangvereins Sängerlust Vöhl notiert. [2a]

1868
Samuel Katzenstein beantragt mit folgendem Schreiben seine Aufnahme in den Gesangverein:

Der Unterzeichnete wünscht beim hiesigen Gesangverein als actives Mitglied aufgenommen zu werden.
Vöhl d. 15.1.1868 Samuel Katzenstein [2b]

1877-1908
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Bevölkerung.


Dienstboten lt. Gesinde-Register:
2.2.1880-? Louise Garte aus Freienhagen, 30 Jahre, mittelgroß + gesetzt, graue Augen, gewöhnliche Nase u. Mund, hell blond, keine besond. Merkmale, als Dinst Magd [3]


1883
Gegen ihn wird Anzeige erstattet:

Samuel Katzenstein I ist am 2. August einen verbotenen Weg gegangen und zwar auf der Würzebach über H. Christoph Scherf und Ludwig Henkel I ihre Wiese
                                                  Scheid
                                                     Feldhüter

1883-1889
Im Auszug aus der Gewerbesteuer-Rolle des Kreises Frankenberg heißt es:

Steuerklasse B I; Gewerbe: Schlachter + Handel mit Manufakturwaren; Umfang des Betriebes: mittelm., monatl. Steuersatz: (0,75 M) 1,25 M. [4]

1885
Gegen ihn wird Anzeige erstattet:

Gendarmerie-Brigad. Vöhl, den 12. April 1885.
An
Die Ortsbehörde
Dahier.
Der Ortsbehörde zeige ich den Kaufmann Samuel Katzenstein I hahier an, daß derselbe am 29. März (Sonntagsmorgens) während des Vormittagsgottesdienstes aus seinem Kramladen Waaren an Personen verkaufte und ... übertreten hat. [5]
Fiedler

Samuel Katzenstein wurde am 17. Nov. in die Vöhler Ortsbürgerliste aufgenommen; über ihn ist dort notiert: Beruf: Kaufmann; Geb-ort: Vöhl

1886
Er wird im Oktober zu 2 Mark Strafe verurteilt.

1887
Gegen ihn wird auf 10 Mark Geldstrafe wegen Übertretung eines Paragraphen der Reichsgewerbeordnung erkannt.

1888
Wegen Verstoßes gegen das Polizeigesetz wird er mit einer Geldbuße von 2 RM belegt.

1889
Der Kreisdeputierte aus Frankenberg fordert den Bürgermeister auf, Samuel Katzenstein für den 6. Februar ins Landratsamt vorzuladen und ihn über Ruf, Vermögen und evtl. Vorstrafen zu informieren.
Samuel Katzenstein wird in Vöhl im Dezember mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1890
In einem Schreiben des Amtsgerichts ans Ortsgericht Vöhl ist mit Bleistift möglicherweise von einem Sachbearbeiter des Ortsgerichts der Name S. Katzenstein I und II notiert. Aus dem Zusammenhang heraus hat diese Notiz wohl die Bedeutung, dass S. Katzenstein zu diesem Zeitpunkt ein Geschäft betreibt und ins Handelsregister eingetragen werden soll.

1892
Das königl. Amtsgericht ersucht die Ortspolizeibehörde, das bei Samuel Katzenstein im Rahmen einer Revision beschlagnahmte Gewicht mit der Bezeichnung "1 kg" zu vernichten.
Im Sept. findet eine Verhandlung in Offenbach statt, in der Samuel Katzenstein der Kläger ist.
Er wird im Dezember mit einer Geldbuße von 5 Mark wegen unbesichtigter Fleischverwertung belegt. [6]

1893
"Katzenstein, Samuel senior" wird wegen Verstoßes gegen die Sonntagsruhe mit einem Bußgeld von 2 Mark belegt

1894
Wegen Verstoßes gegen eine Bekanntmachung wird er mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1895
In den Steuerunterlagen wird Samuel Katzenstein als Kaufmann bezeichnet und zahlt 16 Mark Steuer; er ist einer von 11 bzw. 12 Steuerzahlern, die insgesamt 216 Mark erbringen.

1896
Er wird wegen Verstoßes gegen die Sonntagsruhe mit einer Buße von 2 Mark belegt.

1899
Er ist Mitglied des Gesangvereins und auf einem Foto zum Jubiläum des Vereins abgebildet.

1900-1901
Er erhält eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende.

1901
Er wird im Januar wegen mangelhafter Straßenreinigung mit einer Ordnungsstrafe von 1 Mark belegt. [7]

1903
Die Corbacher Zeitung berichtet am 4. Juli: Vöhl. Das schwere Gewitter in vor. Woche ist auch hier nicht spurlos vorbeigegangen. Der Blitz schlug in das Haus des Kaufmanns Katzenstein und verursachte kleinere Schäden am Giebel; die Fernsprechleitung ist beschädigt, auch Telegraphenstangen und ein Baum an der Alrafter Straße wurden getroffen.[7a]

1905
"Katzenstein, S. senior" wird wegen Verstoßes gegen die Steuer- u. Gewerbeordnung mit einer Ordnungsstrafe von 5 Mark belegt.
Er erhält eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende

1906
Im Februar stirbt seine Frau. Ab Juli ist Friederike Jacob bei ihm als Haushälterin beschäftigt; im September heiratet er sie.

um 1912
Richard Rothschild erzählt, dass Anfang des Jahrhunderts - ungefähr 1912 - eines der Petroleumfässer in Schmul Katzensteins Lager undicht geworden war und in den Aselbach ausgelaufen ist. Der Ölfilm auf dem Bach sei aufgefallen, und die Vöhler hätten nun gedacht, dass Ölquellen vorhanden seien. Eine Probe sei nach Marburg geschickt und dort in der Uni geprüft worden. Auch die Universität habe die Ölhaltigkeit bestätigt. [8]
Rothschild spricht von "Koppel-Schmul"; möglicherweise besteht also eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen Koppel und Schmul Katzenstein. Rothschild zitiert Schmul Katzenstein mit dem Satz: "Ich bin innerlich wie äußerlich. Ich bin dreckig."

ohne Datum
Röschen Katzenstein schließt einen Schenkungsvertrag mit ihrem Bruder Samuel Katzenstein, Sohn des verstorbenen Laiw Katzenstein und dessen Frau Rebekka, geb. Jacob, des Inhalts, dass er ihr ganzes Vermögen erhält, wenn sie nicht heiratet und ohne leibliche Erben bleibt. Samuel nimmt die Schenkung dankbar an und verspricht, sich gegen seine Schwester stets danbbar zu beweisen und sie zu unterstützen, soweit es seine Kräfte zulassen (Vertrag ohne Datum)


Gewerbesteuer 1895-1920
In den entsprechenden Unterlagen heißt es über ihn: "Beruf: Kaufmann, Wohnung: Haus No 45"; ab 1913 ist seine Witwe als Steuerpflichtige bezeichnet:
1895 Steuerklasse IV 12 Mark, 11 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1896 Steuerklasse IV 12 Mark, 11 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1908 Steuerklasse IV 12 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 204 Mark
1909 Steuerklasse IV 12 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 208 Mark
1910 Steuerklasse IV 12 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1911 Steuerklasse IV 12 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen 244 Mark
1913 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1914 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 256 Mark
1915 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1916 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 240 Mark
1917 Steuerklasse IV 12 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 220 Mark
1918 Steuerklasse IV 12 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 212 Mark
1919 Steuerklasse IV 12 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1920 Steuerklasse IV 12 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen 224 Mark


Grab auf dem jüdischen Friedhof Vöhl (Reihe 8 Grab 6): [9]

Hebräische Inschrift
Deutsche Inschrift
Hier ruht. in Frieden
Samuel Katzenstein
geb. am 10. Mai 1830
gest. am 5. März 1909

Eine feste Burg ist die Furcht des Herrn
Spr. 14,26.
Übersetzung
Bild

Hier liegt begraben
ein Mann, der den Himmel fürchtet und fromm ist,
Samuel, der Sohn vom Rab(bi), dem Priester.
Er verschied (1) am 12. Adar (2)
im Jahr 669 (3) kleiner Zählung.

Seine Seele möge eingebunden sein in das Bündel des Lebens.

(1) Dieses Wort ist für die Verf. nicht zu entziffern.
(2) Februar/März
(3) 1909

weitere Bilder:

08.6_P8160255.jpg 08.6_P8160255.jpg
64.25 KB
© Kurt-Willi Julius; 2002
08.6a_P8160083.jpg 08.6a_P8160083.jpg
85.63 KB
© Kurt-Willi Julius; 2002
08.6a_P8150339.jpg 08.6a_P8150339.jpg
92.25 KB
© Kurt-Willi Julius; 2002
08.6a_P8150340.jpg 08.6a_P8150340.jpg
62.45 KB
© Kurt-Willi Julius; 2002

[1] In der Sterbeurkunde Samual Katzensteins sind nicht nur die Geburtsnamen von Mutter und zweiter Ehefrau identisch (was wohl auch den Tatsachen entspricht), sondern die Ehefrau heißt dort auch - wie die Mutter - mit Vornamen "Rebecka". Wenn es sich bei "Rebecka" nicht um den "religiösen" Vornamen Friederikes handelt, wird dieser Eintrag in der erwähnten Urkunde wohl auf einem Fehler beruhen. Auffällig ist allerdings, dass er in erster Ehe die Witwe seines Bruders heiratet und in zweiter Ehe eine Frau, die möglicherweise mit der Mutter verwandt ist, zumal beide aus Sachsenhausen stammen.
[2] Vöhler erzählen, er besaß ein Lebensmittelgeschäft (Anm.: wahrscheinlich war es kein reines Lebensmittelgeschäft) an der Ecke Mittelstraße/Basdorfer Straße, das 1955 abgerissen wurde. Direkt daneben (Richtung Basdorfer Straße) stand bis 1934 ein Speicher, den man den "Schmulschen Spieker" nannte; aus den Balken wurde das Landjahrheim im Gründchen gebaut; er gehörte auch Schmul Katzenstein.
[2a] Quelle: Gesangverein "Sängerlust Vöhl" 1863 e.V., Dokumentation über 140 Jahre Vereinsgeschichte 1863-2003, zusammengestellt von Karl Schäfer, Vöhl 2004, S.20.
[2b] Da Samuel Katzenstein schon 1865 als aktiver Sänger des Vereins registriert war, bedeutet dieser Aufnahmeantrag entweder, dass er zwischenzeitlich ausgetreten war oder dass der nächsterwähnte Samuel Katzenstein II nun auch Mitglied des Vereins wurde.
[3] Bei diesem Eintrag ist unklar, ob er sich auf Samuel Katzenstein I oder II bezieht.
[4] Die Streichung ist auch im Original vorgenommen. Wahrscheinlich wurde der ursprüngliche Betrag später angehoben.
[5] Die nicht lesbare Formulierung wird wohl zum Inhalt haben, dass er gegen das Gebot der Sonntagsruhe verstoßen hat.
[6] Dies ist wohl so zu verstehen, dass er das geschlachtete Tier nicht vom Fleischbeschauer überprüfen ließ.
[7] Hier ist unklar, ob es sich um Samuel Katzenstein I oder II handelt.
[7a] Es ist bisher nicht bekannt, in das Haus welchen Kaufmanns Katzenstein der Blitz einschlug.
[8] Die selbe Geschichte erzählen andere im Zusammenhang mit Levi oder auch Ferdinand Kaiser.
[9] Wilhelm Schmal erzählt, dass der Leichnam des verstorbenen Samuel Katzenstein geschlagen worden sei, weil er durch seinen Tod an einem Freitag den Sabbat geschändet habe. Allerdings kann Wilhelm Schmal dies nur vom Hörensagen wissen, da er zur Zeit des Todes von Samuel Katzenstein noch nicht geboren war. Zu diesem Brauch vgl. auch den Abschnitt "Märchen oder Wahrheit" in dem Aufsatz "Der jüdische Friedhof in Vöhl" auf dieser Website.