geb. 15.6.1874 [1]
gest. vor 1951 in New York
Eltern:
Abraham (1833- 1903) und Jehannette Katzenstein 1850- 1918), geb. Wertheim
Geschwister:
Sali (1873- 75)
Karl (1875- 1883)
Emma (1879- ?) [2]
Ehegatte:
Toni, geb. Aronstein (1880- nach 1950)
Kinder:
Else Edith (11.10.1911- ca 1997 in Amerika)
Wohnung:
1918 untere Mittelgasse (früher Haus No 47)
dann Henkelstraße (früher Haus No 106, dann Henkelstraße
7)
Beruf:
Händler, Landwirt
Inhaber einer Landesprodukten- u. Eisenwarenhandlung [3]
1889
Am 19. Sept. bekommt er einen Heimatschein für eine Ausbildung
als "Kaufmann Lehrling".
Gewerbesteuer 1895-1920
Siegmund Katzenstein wird in der Gewerbesteuerrolle erstmals 1911 genannt,
und zwar offensichtlich für das Geschäft von Abraham Katzenstein,
das dann einige Jahre von dessen Witwe weitergeführt wurde. Geschäftsadresse:
Haus-No 47
1911 Steuerklasse IV 16 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen 244 Mark
1913 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1914 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 256 Mark
1915 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1916 Steuerklasse IV 12 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 240 Mark
1917 ist sein Name zwar noch genannt, aber in den Feldern für die
Steuerbeträge ist ein Strich; in den folgenden Jahren nicht mehr
genannt.
1900-1913
Er erhält jährlich eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende.
1903-16
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Bevölkerung.
1903
Siegmund Katzenstein zeigt den Tod seines Vaters beim Standesamt an.
Die Corbacher Zeitung berichtet am 4. Juli:
Vöhl. Das schwere Gewitter in vor. Woche ist auch hier nicht spurlos
vorbeigegangen. Der Blitz schlug in das Haus des Kaufmanns Katzenstein
und verursachte kleinere Schäden am Giebel; die Fernsprechleitung ist
beschädigt, auch Telegraphenstangen und ein Baum an der Alrafter Straße
wurden getroffen.[3a]
1911
Im März muss er ein Ordnungsgeld von 1 Mark wegen Verstoßes
gegen die Polizeiverordnung bezahlen.
Geburt der Tochter Else Edith
Corbacher Zeitung am 13.9.:
Basdorf. Das zum Verkauf angebotene Förstergehöft
ging für 8200 Mark in den Besitz des Herrn S. Katzenstein
in Vöhl über. Infolge des Talsperrenbaues soll entweder
die hiesige Försterstelle eingehen oder in eine Hilfsförsterstelle
umgewandelt werden. |
1913
Corbacher Zeitung am 5.3.: [4]
Vöhl, 3. März. (Besitzwechsel.)
Das Schaakesche Haus hier, bisher im Besitz des Sig. Katzenstein
hier, ist durch Kauf in den Besitz des Maurer Peuster aus Wald.-Bringhausen
übergegangen. |
1914
Rechnungen weisen als Geschäftsumfang aus: Landesprodukte, Branntwein
und Eisen; es firmiert noch "A.Katzenstein"; als Inhaber ist
Siegmund Katzenstein genannt. Auf einer Rechnung für Richard Klingelhöfer
quittiert er den Betrag mit A. Katzenstein (was sich allerdings auch
auf Siegmunds Frau Toni beziehen kann, falls diese Antonie heißt).
1915-18
Er dient als Sergeant im 1. Weltkrieg.
1918
Er zeigt den Tod seiner Tante Amalie Alexander beim Standesamt an.
1920
Anzeige in der Corbacher Zeitung am 15.4.:
Siegmund
Katzenstein, |
| Fernruf 14 |
Vöhl. |
Fernruf 14 |
Biete an ab meinem Lager:
Gußeiserne Herde,
Mantelkessel, Öfen,
Kochtöpfe, Bratentöpfe,
Kaffeebrenner, usw.
Gußeiserne Fenster in
großer Auswahl vorrätig. |
|
1921
Er ist im Ehren-Buch der Stifter für das Kriegerdenkmal Vöhl
für die Gefallenen des 1. Weltkrieges verzeichnet.
1927
Er zeigt den Tod Emanuel Katzensteins beim Standesamt an, erbt dessen
Haus und zieht in die Henkelstraße. Das Haus in der Mittelgasse
wird an Ludwig Demmer aus Adorf verkauft (Jahreszahl des Kaufs noch
unbekannt).
1929
Er ist im Einwohnerbuch für Waldeck und Amtsgerichtsbezirk Vöhl
1929 als Einwohner Vöhls eingetragen als Kaufmann in der Mittelgasse
13.
1929-32
Sigmund Katzenstein ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten
eingetragen. Wohnung: Henkelstraße.
1933 oder etwas später
Pfarrer Günter Maier gibt die Aussage eines anderen wieder: Einmal
hieß es, sie holen den "Koppel-Sieg" - Siegmund Katzenstein.
Nach einer Woche kam er wieder."
Wilhelm Schmal erzählt, Siegmund Katzenstein sei von der SS geholt,
"verdroschen" und nach ein paar Tagen zurückgebracht
worden. Immerhin war er damals schon um die 60 Jahre alt.
1936
WLZ vom 2. April:
"Versteigerung
Der Kaufmann S.K. ließ heute im Gasthaus zum Edersee öffentlich
sein Wohnhaus, Hofraum und Garten an der Henkelstr. und seine
Ländereien in der Herzingsgrube und hinter den Brunkelgärten
am Obernburger Wege versteigern. Infolge des Landhungers waren
die Ländereien äußerst begehrt." |
Er zog mit seiner Familie nach Frankfurt.
1952
Aus dem Schriftverkehr des Bürgermeisteramtes mit dem Amt für
Vermögenskontrolle und Wiedergutmachung in Frankfurt von August
1952 geht hervor, welche Personen einige der Grundstücke erworben
haben.
In einem Schreiben des Amtes wird eine Bescheinigung erwähnt, die
die Witwe Siegmund Katzenstein am 1.11.50 ausfertigte. Siegmund Katzenstein
war also zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben.
1954
Am 14. März fordert der Rechtsanwalt F.A. Rothschild aus New York
den Bürgermeister auf, Unterlagen über S. Katzensteins Zeit
in Vöhl vorzulegen u. erwähnt, dass dieser in New York verstorben
sei.
1961
Siegmund Katzenstein wurde vom Vöhler Bürgermeisteramt
an den Landrat des Landkreises Frankenberg 1961 abgemeldet.
Die Anwältin seiner Erben betrieb eine Entschädigungssache,
die Bürgermeister Huffert 1961 folgendermaßen beschied: "Leider
lassen sich keine genauen Angaben mehr über den Umfang des Geschäftes
des Vorgenannten machen, da Herr Katzenstein seinen elterlichen Besitz
verkauft hatte und dann in ein verwandtschaftliches Haus gezogen ist,
wobei er auch einen grossen Teil des Geschäftsumfanges und Umsatzes
verloren hat. Zu jüdischen Sonderabgaben wurde Herr Katzenstein
nicht herangezogen, soviel mir bekannt ist."
[1] nach anderen Angaben 9.9.1879
oder 24.6.1874 in Vöhl oder 25.3.74 (Quelle: Bürgerliste der
Wahlberechtigten 1929-32) oder - im Register für Heimatscheine
- mit dem 15.6.1874)
[2] Emma wäre nur 8 Monate jünger
als Siegmund, wenn er 1879 geboren wäre; aber Emmas Heiratsurkunde
weist sie als Tochter von Abraham und Jehannette aus, und in Abrahams
Sterbeurkunde wird dieser als Siegmunds Vater aufgeführt. Auch
dies spricht in der Summe dafür, dass Siegmund 1874 geboren ist.
[3] Er hatte einen Fruchtspeicher
in der unteren Mittelstraße, der sich seit 1931 im Besitz der
Familie Demmer befindet.
Karl Müller erzählt, Siegmund K. habe zusammen mit seinem
Vater einen schwunghaften Handel mit Eisen, Schrott, Getreide und Schnaps
betrieben. Zu dem Anwesen in der Mittelgasse habe ein Wohnhaus und ein
viergeschossiges Lagerhaus gehört.
Richard Rothschild bezeichnet ihn als einen braven Mann.
Er war Mitglied der Vöhler Burschenschaft, Mitgliedsnr. 219, Berufsangabe:
Schnapshändler.
[3a] Es ist bisher nicht bekannt,
in das Haus welchen Kaufmanns Katzenstein der Blitz einschlug.
[4] Gemeint ist möglicherweise
ein Haus im Friedhofsweg.