Joseph Kratzenstein

geb. ca 24. Dez. 1821 in Marienhagen
gest. 7. Aug. 1896 in Marienhagen, Nachmittags um elf Uhr (Todesursache: Lungenentzündung)

Eltern:
Isaak Kratzenstein (1806- vor 1886)
Hennel, geb. Alexander (1797- 1883)

Geschwister:
Gretchen (1835- 1918)
Caroline (1836- ?)
N.N. (geb. 1840, wenige Tage nach der Geburt namenlos gestorben)

Ehegatte:
Caroline, geb. Frankenthal (1825- 1911)
Heirat am 1.12.1858 in Marienhagen, getraut von Lehrer Salomo Bär

Kinder:
Regine Kratzenstein (1861- 1933)
Selig Kratzenstein (1864- 1919)
Jettchen

Beruf:
Gast- und Landwirth

Wohnung:
Marienhagen, Haus Nr. 12


1858
Er heiratet am 1.Dezember und wird von Lehrer Salomo Bär aus Vöhl getraut; Trauzeugen sind Liebmann Schönthal und Herz Kaiser.

Text der Heiratsurkunde:

Der Trauungsbevollmächtigte Lehrer S. Baer zu Vöhl Hat heute, am 1. December 1858 in Auftrag des Gr. Rabbiners zu Gießen, nach Einsicht Gr. Kreisamtlichen Heirathsscheins und Gr. Landgerichtlicher Bescheinigung, dass dem Vollzuge der Ehe kein privatrechtliches Hinderniß im Wege steht, den Joseph Kratzenstein von Marienhagen mit Karoline Frankenthal von Alt.-Lotheim dahier zu Marienhagen in Gegenwart der beiden Zeugen Liebmann Schönthal + Herz Keiser von hier nach Vorschrift des israelitischen Ritus ehelich getraut; dessen zur Urkunde gegenwärtige Bescheinigung ertheilt wird.
Marienhagen, den 1. December 1858.
S. Baer Trauungsbevollmächtigter

1867
Josef Kratzenstein ist Gründungsmitglied des Männergesangvereins Liedertafel Marienhagen und Vereinskassierer von 1867 bis 1981 und dann noch einmal für einige Monate im Jahr 1882.
Aus dieser Zeit stammt der folgende Vertrag:

Contrackt
zw.
Joseph Kratzenstein
+ den
Vorstandsmitglieder des
Gesangvereins zu Marienhagen
Joseph Kratzenstein verspricht seine obere Stube, nebst Licht + Heitzung zum Vereinslocal gratis zu stellen + zwar ist dieses Versprechen auf 5 Jahre gültig und wird hiermit beiderseits anerkant.
Der Vorstand
Friedrich Dietzel II
Georg Stein
Konrad Emde
Chr. Höhle
Konrad Wernst
Heinrich Vesper
Der Vermiether
Joseph Kratzenstein

1873
Im 1. und 2. Quartal des Schuljahres versäumten seine Kinder Selig, Jettchen und Regina an jeweils 2 Tagen unentschuldigt den Unterricht. Joseph Kratzenstein muss daher eine Strafe von 5 Silbergroschen zahlen. Im dritten Quartal fehlt Regina 2 weitere Tage unerlaubt. Joseph Kratzenstein hat dafür 1 Silbergroschen 8 Pfennige zu zahlen. In den Versäumnislisten der Jahre 1873-75 sind nur seine Kinder genannt. Andere haben wohl nicht gefehlt. [1]

1874
Sohn Selig fehlt unentschuldigt einen Tag des 1. und 2 Tage des 4. Quartals in der Schule. Die Strafe für Joseph Kratzenstein beträgt zusammen 28 Pfennige.

1875
Sohn Sali (es ist wohl Selig gemeint) und Tochter Regina fehlen am 1. April unentschuldigt in der Schule; Selig außerdem einen Tag im Februar. Die zu zahlende Strafe liegt bei 24 Pfennigen.

1877
Nach der Steuerliste der Vöhler Juden wird er mit einer Normalsteuer von 1,78 Mark und einem Beitrag für 6 "Ziele": von15,96 Mark veranlagt. Damit gehört er zum "unterern jüdischen Mittelstand".

1878
Gemäß Vöhler Rezeß besitzt er zusammen mit seiner Frau Caroline, geb. Frankenthal, "Auf dem alten Feld" 43 a 13 qm; die Grundsteuer für die Vöhler Flächen beträgt 0,30 M.

1881
Joseph Kratzenstein beteiligt sich im Oktober 1881 an dem Rezeß zur Ablösung der von den Hausbesitzern zu Basdorf, Marienhagen und Asel an die Kantor- und Organistenstelle in Vöhl zu entrichtenden Fruchtabgaben.

1893
Corbacher Zeitung am 5.9.:
Marienhagen, 2. Septbr. Mit dem 1.d.Mts. ist die hiesige Posthülfsstelle dem Gastwirth Joseph Kratzenstein entzogen und dem Bürgermeister Dietzel übertragen worden.

1894
Gemäß dem "Rezeß Marienhagen", erarbeitet vom 17.-19. Juli, wohnt er auf dem Grundstück des jetzigen "alten" Schullandheims (Haus Nr. 12).
Die Grundstücksflächen betragen:
Hausgärten 82 qm
Hausgärten 110 qm
Hofraum 449 qm


[1] Quelle: Schulchronik: The Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, 8273/3