Isaak Kugelmann

geb. 27. Juli 1844
gest. 20. Febr. 1920, Nachmittags um elf und einhalb Uhr (Todesursache: Arterienverkalkung und Herzschwäche)

Eltern:
Simon Kugelmann (1797- 1877/78)
Minna (gen. Minkel oder Mückel), geb. Rothschild (1803- 1892)

Geschwister:
Salomon (1831- wohl nach 1856)
Moses (1834- evtl. nach 1921)
Rickchen (1847- nach 1879)

Ehegatte:
Sara, geb. Brandenstein (1849- 1918)

Kinder:
Recha (1878- ?)
Siegfried (1879- nach 1918)
Antonie (1886- 1942/43)
Max (1887- 1918)
Franziska (gen. Fränzel; 1890- nach 1921)

Wohnung:
Haus 78 (heute Kirchweg 4, Familie Losat)

Beruf:
Handelsmann


1863
Im Verzeichnis der Militärdienstpflichtigen heißt es, er sei ein reicher Handelsmann; als Vorname der Mutter wird "Minkel" oder "Mückel" (schwer lesbar) angegeben.

1877
Nach der Steuerliste der Vöhler Juden wird er mit einer Normalsteuer von 3,68 Mark und einem Beitrag für 6 "Ziele" von 33,06 Mark veranlagt [1]; damit gehört er zum "jüdischen Mittelstand".

1878
Isaac Kugelmann unterzeichnet als Mitglied des Gemeinderaths den Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde Vöhl.
Am 3. Juli zeigt er die Geburt seiner Tochter Recha vom 27. Juni beim Standesamt an.

1878-80
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Einwohner.

1879
Am 2. September meldet er beim Standesamt die Geburt des Sohnes Siegfried an.

1880
Isaack (!) Kugelmann wird am 14. Juli 1880 "wegen versuchten Betrugs, einfachen Diebstahls bezw. der vorsätzlichen Beiseiteschaffung amtlichen, aufbewahrten Gegenstände und Urkundenfälschung zu einer Gesammtstrafe von 3 Jahren Gefängniß unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren" verurteilt.

1883
Am 15. Juni 1883 bittet der Gefängnis-Direktor in einem Formschreiben den Bürgermeister Vöhls, dass dieser den "daselbst etwa bestehenden Gefängniß-Verein resp. den betreffenden Geistlichen" von der Entlassung und Heimkehr Kugelmanns berichte, damit sie ihn "unter beste Obhut nehmen ... wollen, damit er womöglich vor einem Rückfalle bewahrt bleibe." Die Rückseite jenes Formulars enthält folgende Eintragungen:

Namen: Isaak Kugelmann
Datum der Geburt: 27. Juli 1844
Religion: Israelit
Herkunft und früheres Lebensverhältniß, Gewerbe: geboren und zuletzt in Vöhl wohnhaft, Kaufmann
Künftiger Aufenthaltsort: Vöhl
Begangenes Verbrechen: I. Betrugsversuch, Diebstahl u. Urkundenfälschung, II. Widerstandsleistung u. Beleidigung
Benennung des Gerichts, von welchem der zu Entlassende verurtheilt worden: I. Landgericht Marburg, II. Amtsgericht Vöhl
Dauer der erlittenen Strafe: (I) drei Jahre, (II) zwei Tage Gefängniß
Tag der Entlassung: 24. Juli 1883
Betragen und gesammtes Verhalten während der Strafzeit. Beobachtungen a) des Geistlichen: War in der Synagoge nicht sehr aufmerksam. Ob er überhaupt die Anstalt gebessert verläßt, ist fraglich. gez. Löb; b) der Verwaltung: Hat sich schlecht geführt. gez. Lohmann, Polizeiinspector
Bemerkungen: Fünf Jahre Ehrverlust

Am 26. Juli meldet sich Isaak Kugelmann "bei dem Königl. Bürgermeisteramt Dahier an".

1885
Er wird am 17. November in die Vöhler Ortsbürgerliste aufgenommen; für ihn wird dort festgehalten: Geb.-ort Vöhl, Beruf: Handelsmann; in den Anmerkungen ist notiert: "Ehren Verlust".

1886
Die am 5. Februar erfolgte Geburt der Tochter Antonie meldet der Vater beim Standesamt erst am 16. Februar; die Meldung des Vornamens geschieht sogar erst am 25. März.

1888
Gemäß dem Basdorfer Rezeß besitzt er in Basdorf einen Acker von 30,81 a "Im Werbergrund". Der Auseinandersetzungs-Reinertrag der Landabfindungen wird mit 7,56 M angegeben. Er blieb der Unterzeichnung fern; der Rezeß wurde nachträglich genehmigt. Der Jahresbetrag der Grundsteuer wird mit 0,25 M angegeben.

1890
Am 28.7. meldet er die Geburt der Tochter Franziska beim Standesamt.

1898
Er hält sich in den USA auf.

1906
Er ist ohne Gewerbe. Möglicherweise hält er sich im November wieder in Pitzburg (=Pittsburgh, USA) auf.

1910
Er ist "stehender Händler" für Schmiere, Öle, Fette.

1911-1913
Er erhält jährlich eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende.

1918
Sohn Max stirbt im August an den Folgen einer Kriegsverletzung im Lazarett Karlsruhe.
Isaak Kugelmann zeigt im November den Tod seiner Frau Sarah beim Standesamt an.


Dienstboten nach Vöhler Gesinde-Register:
2.1.1885- ?Marie Bringmann aus Thal-Itter, 17 Jahre, gesetzt, graue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, als Magd; Zeugnis: zufrieden mit der Dienstmagd be-scheinigt gez. I. Kugelmann
16.11.1886-? Marie Beckmann aus Obernburg, 14 Jahre, geb. d. 4.V.72, gesetzte Statur, blaue Augen, breite Nase, gewöhnl. Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Magd
18.2.1887-? Marie Flack aus Alraft, 15 Jahr, geb. den 16 Dezbr 1871, klein, blaue Augen, spitze Nase, gewöhnlicher Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Magd
15.XI. 1888-12.11.1889 Katharine Klein aus Marienhagen, 16 Jahre, geb. den 3.Mai 1872, schlank, blaue Augen, lange Nase, gewöhnl. Mund, blond, als Magd; Zeugnis: Hat sich zu seiner Zufriedenheit betragen gez. Kugelmann, z.Bgl. Müller
20.2.1889-? Katharine Schaake aus Ippinghausen, 16 Jahre, geb. d. 10.Decbr 1872, gesetzte Statur, blaue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, keine besond. Merkmale, als Magd
1.5.1890- 25.1.1891 Maria Göbel aus Höringhausen, geb. am 15 Decber 1862, gesetzte Statur, graue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, als Dinstmagd; Zeugnis: Wegen Verheirathung aus dem Dinst getreten in Zufriedenheit zur Dinstfam betragen gez. I. Kugelmann - Müller Bstr.
24.11.1894- 12.11.1895 Louise Garthe aus Freienhagen, geb. am 6. August 1879, klein, blaue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Magd; Zeugnis: Hat sich während ihrer Dinstzeit ehrlich betragen. Vöhl den 2. Novber 1895 gez. Isaak Kugelmann - z. Bgl. Müller Bgstr.


1920
Corbacher Zeitung am 21.2.:

Nach kurzem Leiden starb gestern nacht unser Vater
Isaak Kugelmann.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Recha Zadek,
Siegfried Kugelmann,
Toni Kugelmann,
Fränze Kugelmann.
Vöhl, den 21. Februar 1920.
Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3 Uhr statt.

Mitte der 20er Jahre
Seine Kinder verkauften das Haus Mitte der 20er Jahre an Heinrich Heckmann senior. In diesem Zusammenhang gab es 1927 eine juristische Auseinandersetzung zwischen Fränze Kugelmann und Heckmann.


[1] Ein "Beitrag für 6 Ziele" bedeutet, dass er pro Jahr sechs Mal - also alle zwei Monate - zu zahlen hat.