Joseph Kugelmann

geb. 1794 [1] in Vöhl
gest. 8.2.1880 nachmittags um drei Uhr in Vöhl

Eltern:
Isaak Kugelmann (vor 1775- nach 1834)
Sarah Kugelmann, geb. Katz (vor 1780- ?)

Geschwister:
wahrscheinlich Simon (1797- 1877/78)
Salomon (1806- 1877/78)

Ehegatte:
Julie, geb. Goldenberg (gen. Belchen; vor 1805- vor 1857)
Eheschließung: 15. Nov. 1823

Kinder:
Jakob (gen. Jackel; 1826- nach 1858)
Sarah (ca 1828- 1886)
Bettchen (1832- nach 1858)
Regine (1833- nach 1858)
Therese (1834- nach 1858)
Amalie (gen. Malchen; ca 1840- nach 1858)
Helene (gen. Lenchen; 1839- nach 1900)

Wohnung:
Haus No 20 [2]

Beruf:
Handelsmann


1821
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.

1823
Er bemüht sich um die Aufnahme als Ortsbürger.
Am 5. November heiratet er Julie, geb. Goldenberg. Die Hochzeit vor dem Rabbiner fand in Adorf statt und Kugelmann zahlte an den evangelischen Pfarrer in Adorf "die verordneten Gutgeld Heirathsgebühren zum Schlossbau nach Waldeck ... und zog darauf wieder nach seiner Niederlassung Vöhl."[2a]
Anschließend ließ er sich in Vöhl vom Bürgermeister trauen.

Text der Trauungsurkunde:[2b]

Im Jahr eintausend achthundert 23, den 15. November vor mir, dem Bürgermeister der Gemeinde von Vöhl Landrathsbezirks Vöhl sind erschienen Joseph Kugelmann dahier und .... Julchen ..... als Zeugen Heinemann ... und haben erklärt, dass sie erstere, auf vorher von Großherzoglichen Regierung der Provinz ausgewirkte Heyraths-Erlaubniß am 5. November laut Bescheinigung des Landrabbiners, welche sie hiermit vorzeigen, zu ... copulirt worden seien; worüber ich gegenwärtigen Act geführt habe, und welcher nach geschehener Vorlesung mit den Erschienenen von mir unterschrieben worden ist.

1824
Da Jeremias Löwenstein von Josef Kugelmann ein Kapital von "hundert zwanzig fünf Gulden" entlehnen will, werden zum Unterpfand gesetzte Grundstücke geschätzt.
In der Vöhler Ortsbürgerliste 1823 wird er am 5. Nov. 1824 "rezepiert"; als Geburtsort ist Vöhl, als Geburtsjahr 1793 angegeben; Berufsbezeichnung: Handelsmann; der Eintrag wurde später mit gleichen Angaben wiederholt; als Berufsbezeichnung ist nun "Stadt-Bürger" oder "Stats-Bürger" angegeben.

1827
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde; in dieser Eigenschaft hat er sich mit der Weigerung der Basdorfer auseinander zu setzen, sich an den Kosten der vor einiger Zeit fertiggestellten jüdischen Schule zu beteiligen.

1829
Er ist nach Angaben Simon Kugelmanns als eines von 14 Gemeindemitgliedern an der Verlosung von Plätzen in der Synagoge beteiligt.

1831
Er wird als Vorsteher der jüdischen Gemeinde bezeichnet.

1832
Ein "Kugelmann" - vielleicht Joseph K. - beantragt die Auspfändung Joseph Blums. Selig Rothschild als Vorsteher der jüdischen Gemeinde setzt sich für Blum ein; möglicherweise bietet er Geld aus der jüdischen Gemeindekasse an.

1834
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.
Er unterschreibt eine Erklärung, nach der er die zusätzliche Bezahlung für Stände in der Synagoge ablehnt. Joseph Kugelmann erklärt, dass er bereits 75 Gulden bezahlt habe und also nicht mit jemandem gleich stehen werde, der nur 10 Gulden (Einstandsgeld?) bezahlt hat.

1835
Josef Kugelmann war neben Seelig (!) Stern Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Vöhl [3].
Er ist einer von 20 Unterzeichnern des Anstellungsvertrages für den Lehrer David Schönhof.
Physikus Dr. Nuß findet im Keller des Hauses von Joseph Kugelmann eine Mikwe vor, die sich in schlechtem Zustand befindet. Kugelmann erklärt, sie werde für die ursprünglichen Zwecke nicht mehr genutzt, dürfe aber auch nicht zugeschüttet werden, weil die Keller ansonsten voller Wasser wären; dem kann Dr. Nuß nicht widersprechen.

1837
Joseph Kugelmann ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.
Für einen Hund zahlt er Hundesteuer.
Am 20. Mai ist er Zeuge bei der Geburtsanzeige von David Schönhof, Sohn Selig Schönhofs, bei Bürgermeister Küthe.

1840
Laut "Verzeichniß des Salzbedarfs der Bürgermeisterei Vöhl - Gemeinde Vöhl nach Maasgabe der Seelenzahl und des Viehstandes vom Jahr 1840" gehören zu Haushalt und Besitz:
9 Personen über 8 Jahre,
2 Personen unter 8 Jahre,
2 Pferde,
2 Ochsen, Kühe und Rinder,
12 Schaafe, Ziegen und Schweine

1841
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen für das Jahr 1941 ist für ihn notiert:
Haupt-Gewerbe: Viehhändler im Großen
Neben-Gewerbe: Pferdehändler im Großen u. Schlächter

1843
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen für das Jahr 1943 ist für ihn notiert:
Haupt-Gewerbe: Pferde- u. Viehhändler
Neben-Gewerbe: Metzger

1845
Er ist Mitglied der Vöhler Gruppe des ca 1832 in Darmstadt gegründeten Vereins für sittliche und bürgerliche Verbesserung der Israeliten; sein Mitgliedsbeitrag beträgt 12 Kreuzer.

1847
Joseph Kugelmann schließt am 10. Dezember einen Tauschvertrag mit Daniel Röhle aus Herzhausen:

Handelsvertrag
Es wurde heute ein Tauschhandel abgeschlossen zwischen Joseph Kugelmann aus Vöhl und Daniel Röhle aus Herzhausen nämlich Kugelmann vertauscht an Röhle eine braune Kuhe auf einen schwarzen Kuhe und Röhle verspricht zu fünf Thaler Pl? welsche sogleich bezahlt werden, dagegen kürzt einer den andern für die gesetzlichen Hauptfehler.
So wie aber geschrieben wurde der Handel von beiden Seiten genehmigt und bez....t.
Geschehen Vöhl an 10te Dez. 1847
                                        J. Kugelmann [4]

Auf einem Notizzettel im Gemeindearchiv im Zusammenhang mit Nahrungsmittelan- und verkäufen wird er erwähnt. Hinter seinem Namen steht die Zahl 4.
Im "Verzeichnis über Korn vom (oder im?) Speicher dahier" ist hinter seinem Namen notiert: 1 Malter [5].

1848
Er ist eines von 21 Mitgliedern der Vöhler und von 34 Mitgliedern der Religionsgemeinde insgesamt. Sein Steuerkapital beträgt 92 Gulden.

1853-57
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Bevölkerung.

1854
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen für das Jahr 1854 heißt es über ihn:
Gewerbe: Frucht- u. Pferdehändler, Häutehändler, Metzger ohne ständigen Laden, Händler mit Rind und kleinem Vieh
Fruchthandel ist 1855 an ab (?)

1856
Er wird wegen Schriftfälschung rechtskräftig verurteilt: "Sächs Monate in Cartionshausstrafe".

1857
Früher verheiratet, nun im Witwenstand lebend, beantragt er im März 1857 eine Beleihung seines Eigentums für ein Kapital von 400 fg zu 5 % Zinsen jährlich, um seinen nach Nordamerika auswandernden Kindern ein Reisegeld geben und die Gerichtskosten bezahlen zu können; seine Liegenschaften werden daher taxiert. Er besitzt: eine Hofreite im Dorf neben Mildner Heinrich und Kugelmann Joseph [6]; einen Grabgarten im Dorf neben Stern Baer und Kugelmann Joseph, einen Acker in der Gaffel neben Zölzer Heinrich und Schäfer Friedrich; einen Acker in der Mengelscheid neben Rothschild Isaak und Kugelmann Salomon; der genannte Besitz von 1478 Klafter [7] Flächeninhalt wird auf 1130 Gulden geschätzt.
Er hat 1857 1 Gulden 45 Kreuzer Schulden bei Salomon Liebmann, Liebmann schuldet ihm dagegen 1 Gulden 18 Kreuzer.

1858
Joseph Kugelmann stellt am 3. März 1858 ein Gesuch um Entlassung aus dem Großherzogtum Hessen an das Großherzogliche Kreisamt in Vöhl, zum Behufe seiner Auswanderung nach Nordamerika. In den gemeindlichen Unterlagen heißt es daher:

Verzeichniß
über
ausgewanderte mit und ohne
Entlaßung
der
Gemeinde Vöhl
1858

Im Jahre 1858
wanderte Joseph Kugelmann dahier mit Familie nach Amerika aus. Die Familie bestand aus:
1. Jacob Kugelmann 30 Jahre
2. Sara Kugelmann 28 Jahre
3. Bettchen Kugelmann 26 Jahre
4. Regine Kugelmann 25 Jahre
5. Therese Kugelmann 24 Jahre
6. Lenchen Kugelmann 22 Jahre
7. Malchen Kugelmann 18 Jahre

Die Frau war früher gestorben.
Vermögen wurde ungefehr 2000 M mit ausgeführt.
Nr. 1 - 3 - 4 - 5 sind bereits früher dorthin auf ein Reisepaß gereist. Nr. 1 ist heimlich wegen Untersuchung durchgebrannt.

1864
Bei einem Häuserverzeichnis zur Volkszählung hat sein Haus die Nr. 20.
In einem Faszikel mit der Mobiliarversteigerung des Hermann Prinz aus Vöhl gibt es eine undatierte Liste, die im selben Zusammenhang stehen könnte und wo vermerkt ist, dass Joseph Kugelmann Gegenstände erworben und 2 fg 11 kr bezahlt hat (u.a. 3 Tassen, 1 Milchkanne, 1 P. Stiefel).

1877
Nach der Steuerliste der Vöhler Juden wird er mit einer Normalsteuer von 60 Pfennig und einem Beitrag für 6 "Ziele" [8] von 5,40 Mark veranlagt.

1878
Joseph Kugelmann ist im Vöhler Rezeß von 1878 als Besitzer eines Grundstücks von 8 a 46 qm "Im tiefen Thal" eingetragen und hat eigenhändig unterschrieben; außerdem besitzt er Hofraum von 200 qm und einen Hausgarten von 173 qm. An steuerpflichtigen Liegenschaften sind notiert: 846 qm im von der Zusammenlegung betroffenen Gebiet und 3,73 a außerhalb desselben. Die jährlich zu entrichtende Grundsteuer wird mit 0,16 M angegeben.
Er wird als Schwiegervater von Selig Stern bezeichnet.


[1] nach and. Quellen 1793; wird in der Sterbeurkunde als 88jährig bezeichnet
[2] Arolser Straße, etwa dort, wo heute das Haus von Helga Schmal bzw. der Friseursalon ist
[2a] Ortssippenbuch Adorf S. 417
[2b] Die Trauungsurkunde ist nicht unterschrieben; die handschriftlichen Ergänzungen sind teilweise nicht zu lesen; möglicherweise ist es nur ein Entwurf der eigentlichen Urkunde.
[3] Quelle: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen
[4] Normalerweise mussten Verträge dieser Art vom Bürgermeister und den beiden Vertragspartnern unterschrieben werden. Warum dieser Vertrag nur von J. Kugelmann unterschrieben wurde, ist unbekannt.
[5] Eine alte Maßeinheit, die regional verschieden groß war. In Hessen entsprach sie 1,28 hl, in Preußen fast 7 hl und in Sachsen gar knapp 12,5 hl.
[6] Dies ist wohl so zu verstehen, dass ihm auch das Nachbargrundstück gehört.
[7] "Klafter" ist normalerweise ein Längenmaß, das sich an der Länge zweier ausgestreckter Arme orientiert (ca 1,8 bis 1,9 m). Ein Quadratklafter entspräche dann ungefähr 3,5 qm. Kugelmann hätte dann ungefähr 1/2 ha besessen.
[8] "Beitrag für 6 Ziele" bedeutet, dass er den Betrag sechs Mal pro Jahr, also alle zwei Monate, zu entrichten hat.