Salomon Kugelmann

geb. 21.12.1806 in Vöhl
gest. 1877 oder 1878

Eltern:
Isaak Kugelmann (vor 1775- nach 1834)
Sarah, geb. Katz (vor 1780- ?)

Geschwister:
Joseph (1794- 1880)
wahrscheinlich Simon (1797- 1877/78)

Ehegatte:
Mariann, geb. Katzenberg (geb. wohl vor 1815)

Kinder:
Sarah (1832- 1913)
Schefa (1834-1898)
Moses (geb. 1836)

Wohnung:
Haus No 26 (um 1864; obere Arolser Str. - heute Willi Schmidt)

Beruf:
Handelsmann, Färber


1827
Im Verzeichnis der Militärdienstpflichtigen ist er mit folgenden Daten aufgeführt: Beruf: Färber; Vermögensverhältnisse: wohlhabend; kann nicht mit Pferden umgehen.

1830
Am 8. Juni wird Salomon Kugelmann in die 1823 angelegte Ortsbürgerliste aufgenommen; Geburtsort Vöhl, Geburtsjahr 1806; Beruf: Handelsmann; bei einer späteren undatierten Eintragung ist als Beruf nun "Stats-Bürger und .... " angegeben (zweiter Teil unleserlich).

1832
Er wird mit einer Strafe von 45 Kreuzer belegt, "weil er eine fremde Person ohne Nachtzettel beherbergte".

1833
Kugelmann hat eine Schuld von 171 Hthlr (?) ; Landrichter Koch ordnet im August eine Versteigerung an, die Bürgermeister Küthe zu vollziehen hat; Kugelmann stellt Pfänder zur Verfügung: eine Kuh, Möbel, Essgeschirr.

1834
Wegen einer unbezahlten Rechnung für Baumaterialien bei der Großherzoglichen Bergkasse in Thalitter ordnet Landrichter Koch eine Pfändung bei Kugelmann an. Bürgermeister Küthe vollzieht die Pfändung nicht, da Kugelmann eine Kuh als Pfand gesetzt hat.

1835
Seine Frau hat bei einer Person namens Katzenberg aus Grebenstein 13 Hthlr Schulden; Salomon setzt eine Kuh als Pfand.31
Kugelmann ist einer von 20 Unterzeichnern des Anstellungsvertrages für den Lehrer David Schönhof.

1836
Salomon Kugelmann schuldet der Bergwerks- und Knappschaftskasse zu Thalitter über 6 Gulden; er stellt Bürgermeister Küthe eine Kuh als Pfand zur Verfügung.

1837
Er beschwert sich beim Kreisamt über zu hohe Zahlungen für die Synagoge. Seine Beschwerde wird am 7. Juli zurückgewiesen; er habe jedenfalls Schulstandsgeld zu bezahlen.
Zwischen 1826 u. 1861 stellt er ein Gesuch an die Gemeinde zwecks Hausierhandels mit Häuten.

1838
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.

1840
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.
Laut "Verzeichniß des Salzbedarfs der Bürgermeisterei Vöhl - Gemeinde Vöhl nach Maasgabe der Seelenzahl und des Viehstandes vom Jahr 1840" gehören zu Haushalt und Besitz:
7 Personen über 8 Jahre,
1 Person unter 8 Jahre,
0 Pferde,
2 Ochsen, Kühe und Rinder,
2 Schaafe, Ziegen und Schweine

1841
Salomon Kugelmann ist Vorsteher der jüdischen Gemeinde; gegen den von ihm erarbeiteten Voranschlag der Israelitischen Religionsgemeinde protestiert Ruben Rothschild.
In Gemeindeakten aus dem Jahr 1841 zum Fund von Silbermünzen beim Neubau der Kirche findet sich eine undatierte Namensaufstellung (eine DIN A4-Seite) mit dahinter notierten Zahlen (hinter einigen Namen ist statt einer Zahl ein Strich) zwischen 2 und 714, die wohl Geldbeträge in Gulden und Kreuzern bedeuten; hinter den Zahlen ist 5mal das Wort große und einmal das Wort kleine notiert; auf dem Zettel ist außerdem die Notiz: an Gewicht 1 Pfund (in Form des Pfund-Symbols) 20 Loth im Ganzen.
Hinter Kugelmanns Name steht die Zahl 4.
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen für das Jahr 1941 heißt es über ihn:
Haupt-Gewerbe: Färber, nicht für Fabrikanten
Neben-Gewerbe: Spinnereikrämer, Mätzger ohne ständigen Laden

1842
Er ist Wahlmann.

1843
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen für das Jahr 1843:
Haupt-Gewerbe: Färber nicht für Fabrikanten
Neben-Gewerbe: Spinnereikrämer

1845
Er ist Mitglied der Vöhler Gruppe des ca 1832 in Darmstadt gegründeten Vereins für sittliche und bürgerliche Verbesserung der Israeliten; sein Mitgliedsbeitrag beträgt 12 Kreuzer.

1846
Wegen nicht bezahlter Steuern wird ihm im November eine Kuh gepfändet.
Von 1846 bis 1847 hat er einen Hund für die Steuer angemeldet.

1847
Im Januar wird für ihn für das Vorjahr wegen nichtbezahlter Gemeindesteuern ein Pfändungsprotokoll ausgefertigt. Seltsamerweise auf dem Formular nicht angegeben sind die gepfändeten Gegenstände.
Er beschwert sich zusammen mit Simon Katzenstein bei der Gemeinde über den Gemeinderechner Rohde wegen Holz- bzw. Forstgeld.
Im Juli wird ihm eine Kuh wegen Schulden bei einer Handlung in Paderborn gepfändet. Auf Anweisung von Landrichter Koch soll Bürgermeister Wiesemann die Versteigerung aufschieben, aber die Kuh als Pfand behalten.
Im Oktober fordert Landrichter Koch Bürgermeister Wiesemann auf, eine Versteigerungsauflage gegen Salomon Kugelmann nun zu erledigen, weil die vorgezeigte Quittung nicht dem einem Kaufmann Koch aus Carlshafen geschuldeten Betrag entsprach.
Im November steht sein Name auf einem Verzeichnis gepfändeter Gegenstände. Weil er seinen Beitrag zur Unterhaltung des Faselviehs nicht bezahlt hat (Betrag 3 fl 34 3/4 kr), wird eine Kuh als Pfand genommen.
Er gehört zu 5 Personen, die wegen des "dermaligen Nothstands nunmehr die Abgabe von Saatfrüchten" wünschen: Er will 2 Simmer Saatfrüchte32.
Per Unterschrift bestätigt er den Empfang von 1/2 Malter Korn33, das von der Gemeinde angekauft wurde.
Auf einem Notizzettel im Gemeindearchiv im Zusammenhang mit Nahrungsmittelan- und verkäufen wird er erwähnt. Hinter seinem Namen steht die Zahl 2 1/2.
Im Verzeichnis der Vorräte an Getreide, Mehl, Reis, Hülsenfrüchte und Kartoffeln sind hinter seinem Namen notiert (Maßeinheit unklar): 4 Bohnen.
Im "Verzeichnis über Korn vom (oder im?) Fruchtspeicher dahier" ist hinter seinem Namen notiert: 1 Malter
Er ist erwähnt im "Verzeichniss derjenigen Einwohner zu Vöhl welche Mangel an Brodfrüchten haben und zudem ach sich nicht in dem Stande befinden bei den dermaligen enormen Fruchtpreißen die Frucht barr bezahlen zu können."

1848
Im Januar fordert Koch den Bürgermeister bei Androhung von 1 fl 30 kr Strafe auf, seiner Auflage vom selben Monat binnen 8 Tagen nachzukommen; es geht immer noch oder wieder um Kugelmanns Schuld bei jener Firma aus Paderborn.
Am 26. April lässt er sich einen Heimathschein für einen Aufenthalt in Marburg ausstellen; Gültigkeitsdauer 1 Jahr. Am selben Tag erhält Tochter Sarchen einen Heimatschein für Gießen.34
Im Mai hat Kugelmann Schulden bei einer Marburger Firma; wieder drängt Koch den Bürgermeister unter Androhung von Strafe, eine erteilte Auflage zu befolgen.
Am 27. Juni fordert Landrichter Koch Bürgermeister Wiesemann bei Strafandrohung von 1 fl auf, eine Auflage vom 17. Mai in der Rechtssache zwischen Kugelmann und einer Person aus Marsberg oder Marburg binnen einer unleserlichen Zahl von Tagen (3 oder 8?) zu vollziehen.
Im September beantragt ein Frankfurter Kaufmann beim Vöhler Landgericht Pfändung Kugelmanns wegen einer Restschuld und zwischenzeitlich entstandenen Kosten von über 20 Gulden. Landrichter Koch ordnet Pfändung an, die Gemeinderat Eigenbrod zusammen mit dem Landgerichtsdiener Meinhardt vollzieht. Kugelmann setzt eine Kuh als Pfand. Koch mahnt Bürgermeister Prinz mit Strafandrohung, die fällige Versteigerung durchzuführen. Da Prinz die Versteigerung nicht vollzieht, realisiert Koch die Strafe und setzt abermalige Frist bei doppelter Strafhöhe im Falle der Nichtdurchführung. Im Januar 49 zahlt Kugelmann 20 Gulden, doch da einige Kreuzer fehlen, fordert Koch Bürgermeister Prinz auf, den Rest binnen weiterer 14 Tage beizutreiben.
Kugelmann ist eines von 21 Mitgliedern der Vöhler und von 34 Mitgliedern der Religionsgemeinde insgesamt. Sein Steuerkapital beträgt 80 Gulden.

1849
- Im Januar ordnet Landrichter Koch gegen Kugelmann eine Pfändung an, weil er bei Apotheker Heinzerling 4 fl 48 kr Schulden wegen Arzneien hat; als am 26. Januar gepfändet wird, gibt seine Frau eine Stubenuhr und einen kupfernen Kaffeekessel als Pfand.
- Am 2. März verlangt Landrichter Koch gegenüber dem Bürgermeister den Vollzug einer Auflage vom 15. Januar innerhalb von 14 Tagen bei Strafandrohung; es geht um die Rechtssache zwischen Kugelmann und dem Apotheker Heinzerling.35
- Eine handschriftliche Notiz, die möglicherweise vom Vöhler Bürgermeister stammt, teilt mit, dass Isaak Rothschild, Faist Salberg und Abraham Rothschild als bisherige Vorstandsmitglieder und Wahlmänner Salomon Kugelmann zum Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde wählen; der ebenfalls wahlberechtigte Selig Stern stimmt für eine andere Person.
- "Färber Kugelmann" ist Gläubiger eines Mannes aus Meineringhausen; Landrichter Koch fordert Bürgermeister Prinz bei Androhung einer Strafe von 45 kr zu Erledigung einer diesbezüglichen Auflage auf.
- Kugelmann hat Schulden bei einer Person aus Carlshafen; Nachbar Feist Salberg übernimmt wohl 1850 die Begleichung der Schuld.
- Kugelmann hat Schulden bei einer Person namens Blumenthal aus Rennertehausen. Landrichter Koch verurteilt Brgm Prinz im April 1850 zu 45 kr Strafe, weil er einer Auflage (zur Versteigerung ?) nicht nachgekommen ist.
Salomon Kugelmann ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.
Kugelmann bittet irgendwann im Laufe des Jahres um Neuwahlen für den jüdischen Gemeindevorstand.

1850
Im März gibt Salomon Kugelmann freiwillig 2 Schränke als Pfand für eine Schuld bei Heinrich Feustel von Arolsen. F. (=Feist) Salberg bürgt für ihn.
Im März mahnt Landrichter Koch Bürgermeister Prinz, nun endlich eine Auflage in der Pfändungsangelegenheit gegen Kugelmann wegen Schulden bei dem Carlshafener Kaufmann Joh. Hermann Koch zu erledigen und verurteilt Prinz deswegen zu 45 kr Strafe.
[Am 19. April bekommt ein Salomon Kugelmann - wahrscheinlich ist es nicht dieser, sondern der 1831 geborene Salomon Kugelmann - einen Heimathschein für Peckelsheim; gültig für 1 Jahr.]
Am 30. April erinnert Koch Prinz in derselben Angelegenheit.
Die Gemeinde nimmt am 11. April von ihm als Pfand für eine Schuld gegenüber der Gemeinde: eine Komode (!).
Am 25. April fordert Landrichter Koch Bürgermeister Prinz auf, die bei Kugelmann gepfändeten Gegenstände zugunsten des Heinrich Feustel alsbald meistbietend versteigern zu lassen.
Am 2. Juli fordert Landrichter Koch Bürgermeister Prinz auf, seiner Verfügung vom 25. April nachzukommen; "Strafandrohung 3 fg"36.
Am 31. Juli verlangt Landrichter Koch von Bürgermeister Prinz, dass binnen 8 Tagen eine bestimmte Menge Korn Färber Kugelmanns zugunsten eines Gläubigers namens Kunz öffentlich versteigert wird.
Am 9. August legt Kugelmann im Bürgermeisteramt einen Schein vor, der belegt, dass eine Schuld gegenüber dem Arolser Einwohner Feustel abgetragen ist.
Am 16. August fordert das Landgericht Bürgermeister Prinz auf, eine Versteigerung durchzuführen, wenn Kugelmann nicht binnen 8 Tagen eine Quittung Feustels über einen Betrag von 2 f 7 kr. 2 Heller vorlegt.
Am 7. Oktober besteht Landrichter Koch gegenüber Bürgermeister Prinz darauf, dass die Auflage vom 28. August in einer Schuldangelegenheit einer Basdorfer Witwe gegen Salomon Kugelmann binnen 8 Tagen bei einer Strafe von 30 Kr. zu erledigen ist.
Im Oktober beeidet Salomon Kugelmann eine Störung des jüdischen Gottesdienstes durch Löser Mehrgeld aus Marienhagen; die vorgesetzte Stelle will dieser Erklärung keine weitere Folge geben.

1851
Seine Pfandschulden in Höhe von 500 Gulden von 1849 und von 250 Gulden von 1851 werden von Feist Salberg ..edirt(?).
Salomon Kugelmann ist als Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde an der Wahl des Nachfolgers für Selig Stern beteiligt.

1852-53
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.

1854
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen für das Jahr 1854 hießt es::
Gewerbe: Färber für Kunden

1855
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Bevölkerung.

1858
Er erschien am 23. März 1858 vor dem Kreisamt Vöhl und zeigt eine Forderung von 400 Mark an.

1861
Er bittet am 6.2. um Erlaubnis für seinen Hausierhandel mit Häuten. Er erhält ein Gewerbepatent als Häutehändler

1864
Nach einem Häuserverzeichnis zur Volkszählung wohnt er in Haus Nummer 26.

1865
Das Gesinde-Register Vöhls notiert als Dienstbote:
Anna Katharina Bok von Altenlotheim als Magt

1877
Nach der Steuerliste der Vöhler Juden ist er mit einer Normalsteuer von 51 Pfennig und einem Beitrag für 6 "Ziele" von 4,56 Mark veranlagt; damit gehört er in diesem Jahr zu den ärmeren Juden.


31 Da seine Frau eine geborene Katzenberg ist, könnten dies Schulden sein, die sie - vielleicht schon vor der Ehe oder durch die Verehelichung - bei Verwandten gemacht hat.
32 1 Simmer = 1/4 Malter = ca 32 Liter
33 1/2 Malter = 64 Liter
34 Vielleicht reisen sie bis Marburg zusammen.
35 Möglicherweise wurden Stubenuhr und Kessel zwar gepfändet, aber wohl nicht versteigert.
36 Als Beklagter ist Simon Kugelmann genannt, doch ist dies wohl ein Fehler des Richters