Joseph Laser

geb. 14.6.1848; nach Heiratsurkunde: 27. Juni 1848 in Hottenbach (bei Trier)
gest. 21.11.1906, Nachmittags um neun Uhr, in Vöhl (Todesursache: Herzschlag)

Eltern:
Handelsmann Joseph Laser und dessen Ehefrau Sophia, geb. Katz

Ehegatten:
1. Ehefrau:
Karoline (1859- 1885)
2. Ehefrau:
Bertha, geb. Speier
Heirat 15.3.1886

Kinder:
Julius (geb. 1878)
Mathilde Elise (geb. 1883- wahrscheinlich 1935)
Leopold (geb. 1884- 1942/44 verschollen in Auschwitz)
Totgeburt (1885)
N.N. (weibl.; 1887 bei Geburt gestorben)

Totgeburt (1887)
Flora Irma (geb. 1888)
Johanna (geb. 1890- nach 1941 für tot erklärt in Riga)
Arthur (geb. 1891)
Ella (geb. 1896- 1965)
Gerta (geb. 1898)
Möglicherweise werden Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre zwei weitere Töchter geboren, die Rosa und Sophie genannt werden [1].

Beruf:
Lehrer an der jüdischen Schule in Vöhl

Wohnung in Vöhl:
Haus Nr. 10 (jüdische Schule; heute: Arolser Straße 8)

bis 1873
Joseph Laser studiert in Münster in Westfalen am Seminar für israelitische Lehrer [2].

1873-81
Laser ist ab dem 1. Oktober Lehrer und Kantor an der jüdischen Schule in Neheim [3].

1878
Am 23. Oktober wird Sohn Julius in Neheim, Kreis Arnsberg, geboren.

1881
Emanuel Katzenstein, der vom Vorstand der jüdischen Gemeinde in Vöhl damit beauftragt ist, reist nach Münster in Westfalen, um sich beim dortigen Seminar nach einem geeigneten Lehrerkandidaten zu erkundigen. Seminardirektor Dr. Steinberg schlägt Joseph Laser vor. Katzenstein besucht Laser am Donnerstag, dem 1. Dezember in dessen Wohnung in Neheim an der Ruhr und lädt ihn ein, sofort mit ihm nach Vöhl zu reisen und am folgenden Sabbath Gottesdienst und Vortrag zu halten. Joseph Laser folgt der Einladung, stellt sich dem Vorstand der jüdischen Gemeinde vor und wird daraufhin von diesem dem Königlich Preußischen Verwaltungsamt zur Besetzung der Schulstelle vorgeschlagen [4].

1882-1906
Am 25. September tritt er die Stelle eines Lehrers an der jüdischen Schule in Vöhl an. Zu diesem Zweck zieht die Familie nach Vöhl. Er hat die Stelle bis zu seinem Tod 1906 inne.

1882
Am 24. Januar besuchte der Lokalschulinspektor den Unterricht in Religion und Rechnen.
Am 25. Januar 1882 erhält Laser von der königlichen Regierung in Kassel das Ernennungsdekret als Lehrer und Kantor.
Am 1. Februar wird er durch den Pfarrer und Lokalschulinspektor Sessler (?) ins Amt eingeführt und am 2. Februar durch Bezirksamtmann Engelhard in Vöhl vereidigt.
Am 15. Juni besucht der Lokalschulinspektor zum zweiten Mal den Unterricht und teilt bei dieser Gelegenheit mit, dass der Lehrer nicht berechtigt sei, über den planmäßigen Unterricht hinaus Unterrichtsstunden anzubieten.
Am 5. Juli von 8 bis 11 Uhr erfolgt die erste richtige Schulprüfung durch den Lokalschulinspektor, der seine volle Zufriedenheit zum Ausdruck bringt.
Am 10. Juli erfolgt eine Nachprüfung durch den Oberschulinspektor Meyer aus Höringhausen.
Am 18. Juli "Schlag sieben Uhr" überprüft der Lokalschulinspektor den pünktlichen Unterrichtsbeginn.
Am 25. Juli kontrolliert der Lokalschulinspektor die Führung der Schulchronik und informiert über den Beginn der 14tägigen Sommerferien am 7. August.
Am 15. November prüft der Lokalschulinspektor die Schülerleistungen im Lesen und stellte deutliche Verbesserungen bei schwächeren Schülern fest. Außerdem warnte er davor, die Hessische Schulzeitung zu lesen. Er begründet dies mit einem Artikel in der Ausgabe 39/1882, in dem auch die geistliche Schulinspektion angegriffen worden sei [5].



1883
Am 26.1. meldet er beim Standesamt die am 19.1. erfolgte Geburt seiner Tochter Mathilde Emilie an.
Am 17. April führt Pfarrer Pflug als neuer Lokalschulinspektor seine erste Schulprüfung durch [6].

1884
Am 5. März meldet er beim Standesamt die am 29.2. erfolgte Geburt seines Sohnes Leopold.
Am 8. Juli gibt es wieder eine Inspektion durch Pfarrer Pflug in der Schule.
Am 15. Juli kommt Oberschulinspektor und Dekan Meyer aus Höringhausen und äußert sich zufrieden über die Leistungen der Schüler [7].

1885
Am Sonntag, dem 8. März, bricht unter den Kindern des Lehrers die Diphterie aus. Auf Grund einer entsprechenden Verordnung des Königlichen Verwaltungsamtes fällt der Unterricht bis zum 13. April aus [8].
Seine Frau Karoline hat am 30. Juni eine Totgeburt; sie stirbt am 2. Juli.
Am 1. Oktober – während der Herbstferien – gibt es in Vöhl eine Keuchhusten-Epedemie, an der auch alle Schulkinder erkranken.
Erst am Montag, dem 23. November, kann der Unterricht wieder aufgenommen werden.
Laser schreibt in der Chronik, dass während des ganzen Schuljahres bis zum Frühjahr 1886 die Kinder immer wieder an Keuchhusten erkranken und der Unterricht darunter sehr leidet [9].

1886
Am 15. März heiratet er die 29jährige Bertha Speier.
Joseph Laser wird am 27. April wegen Verstoßes gegen § 366 RAGB mit einer Strafe von 1 Mark belegt [10].
Am Donnerstag, dem 15. Juli, erfolgt eine Vorprüfung durch Pfarrer Pflug.
Am 19. Juli kommt wieder Oberschulinspektor Meyer, der sich anschließend zufrieden äußert.
Im Sommer des Jahres wird die Südseite des Schulgebäudes völlig renoviert. In dieser Zeit findet der Unterricht in der Synagoge statt [11].

1887
Seine Frau Bertha bekommt am 23. Januar 1887 vormittags um drei Uhr ein Mädchen, das bei der Geburt stirbt.

1888
Er zeigt den Tod Rosa Külsheimers beim Standesamt an.
Am 8.2. meldet er die am 5.2. erfolgte Geburt der Tochter Flora Irma an.
Am Dienstag, dem 18. September, findet die Schulinspektion durch Dekan Meyer statt. Dieser äußert sich wieder zufrieden [12].

1889
Joseph Laser wird im Mai und im Dezember wegen Verstoßes gegen die Polizeiordnung mit einer Buße von 1 Mark belegt.
Um Weihnachten gibt es in ganz Europa eine Influenza-Epidemie, an der auch in Vöhl zahlreiche Kinder erkranktn. Darüber hinaus gibt es Fälle von weiteren Kinderkrankheiten, insbesondere von Masern. Sieben Wochen lang bleibt die Schule daher geschlossen [13].

1890
Am 24. März meldet er die am 22.3. erfolgte Geburt der Tochter Johanna.
Im September erkranken Familienmitglieder an Diphterie. Die Herbstferien werden deshalb um einige Tage verlängert [14].

1891
Er wird im Mai mit Buße von 1 Mark belegt
Am 27. Juli meldet er beim Standesamt die am 24.7. erfolgte Geburt seines Sohnes Arthur an.

1892
Am 10. Februar wird er, wie alle anderen Mitglieder des Verschönerungsvereins zu Vöhl, durch ein zirkulierendes Schreiben zur Generalversammlung am Sonntag, 14. Februar, nachmittags 3 Uhr, eingeladen. Auf der dem Schreiben beigefügten alphabetischen Mitgliederliste notiert er: "verhindert" [15]. Da sein Name in den Mitgliederlisten der Vorjahre fehlt, ist davon auszugehen, dass er zwischen Februar 1891 und Februar 1892 Vereinsmitglied wurde.
Dekan und Kreisschulinspektor Maier inspiziert am 26. Juli und dann noch einmal am 31. August die Schule [16].

1893
Am 8. Februar lädt der Vereinsvorsitzende erstmals mit maschinengeschriebener Einladung zur Generalversammlung am Sonntag, 19. Februar, abends 7 Uhr ins Müllersche Gasthaus ein. Auf der 49 Namen umfassenden Mitgliederliste setzt Joseph Laser seine Unterschrift hinter seinen Namen [17].
Dekan und Kreisschulinspektor Maier inspiziert am 13. Juli die Schule [18].
Laser wird im September mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1894
Am 10. Februar wird er – wie alle Mitglieder des Verschönerungsvereins – zur Generalversammlung am 18. Februar, abends 7 Uhr ins Müllersche Gasthaus eingeladen. Auf der beigefügten Mitgliederliste – sie umfasst 53 Namen -, unter denen die Einladung zu zirkulieren hat, notiert er "gesehen".
Mit Schreiben vom 9. März werden die dort aufgelisteten Vereinsmitglieder von Schatzmeister Meyer gebeten, "dem Ueberbringer dieses Umlaufs den Jahresbeitrag für 1894 mit je 1 M. gefälligst zahlen zu wollen". Hinter Lasers Name ist „bezahlt“ notiert [19].

1895
Er meldet den Tod von Hermann Schönthal beim Standesamt an.

1896
Er wird im Februar mit einer Buße von 1 Mark belegt.
Am 19. Februar wird er für Sonntag, den 23. Februar, abends 7 Uhr, zur Generalversammlung des Verschönerungsvereins im Saale des Müllerschen Gasthauses eingeladen. Auf der Mitgliederliste bestätigt er "gesehen" [20].

1904
Am 2. Januar spendet er 6 Mark für die Erneuerung des Friedhofsgitters [21].

1906
Er stirbt am 21.11.1906 beim Ausbringen eines Toasts bei einer Verlobungsfeier in der Familie Blum (Lina und Adolf Goldblum) an Herzschlag.

Corbacher Zeitung am 24.11.1906:

Gestern abend 8 Uhr verschied infolge eines Herzschlags unser verehrter
Herr Lehrer Laser,
der als Lehrer und Kantor in hiesiger israel. Gemeinde 25 Jahre tätig gewesen ist und sich in dieser Zeit durch seine Treue und Gewissenhaftigkeit in seinem Berufe die Liebe und Hochachtung sämtlicher Gemeindeglieder im höchsten Maße erworben hat. Schmerzerfüllt teilen wir dies Allen dem Verstorbenen Nahestehenden und Bekannten mit.
Beerdigung: Sonntag mittag 1 Uhr.
Der Vorstand der israel. Gemeinde Vöhl.

Corbacher Zeitung am 27.11.:

Vöhl. Herr Lehrer Laser von der israelitischen Gemeinde hierselbst wurde am Sonntag unter allgemeiner Teilnahme zur letzten Ruhe bestattet. Der Verewigte ist einem Herzschlage zum Opfer gefallen. Gelegentlich einer Verlobungsfeier bei Herrn Kaufmann Blum wollte er einen Trinkspruch ausbringen, er mußte plötzlich in der Rede einhalten und verschied bald darauf. Herr Laser hinterläßt eine zahlreiche Familie, darunter verschiedene noch unversorgte Kinder. Die Gemeinde betrauert in ihm einen treuen Beamten, die Familie den treusorgenden Vater.

Corbacher Zeitung am 1.12.:

Vöhl. Zu dem Bericht über die Leichenfeier des verewigten Lehrers Laser sei noch hinzugefügt, daß am Grabe der israelitische Lehrer Plaut aus Frankenberg eine herzliche Rede hielt. Der hiesige evangelische Pfr. Kahler widmete ihm als Ortsschulinspektor ehrenvolle Worte. Der Vorsteher des Bezirksvereins, Herr Lehrer Hecker-Marienhagen, legte einen Kranz nieder und schilderte den Verstorbenen als treuen Freund und Kollegen.


Grab auf dem jüdischen Friedhof Vöhl (Reihe 7 Grab 1):

Hebräische Inschrift
Deutsche Inschrift
bisher nicht entziffert
Hier ruht
Lehrer
Joseph Laser
geb. 24. Juni 1848
in Hottenbach Kr. Berncastel
gest. 21. Nov. 1906

Zu früh, zu schnell bist Du
geschieden
umsonst ist unser flehen,
Ach ruhe sanft in Gottes
Frieden
Bis wir uns jenseits
wiedersehen.
Betrauert und beweint
von den Seinen.
historisches Bild
aktuelles Bild


Foto in hoher Auflösung HIER [22]


Dienstboten gemäß Vöhler Gesinde-Register:
27.4.1883- 12.11.1884 Katharine Stein aus Marienhagen, 15 Jahre, klein, graue Augen, gewöhnliche Nase und Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Dinst-Magd; Zeugnis: Treu u. redlich v. 27. April bis 12. Nov. 84 - Laser, Lehrer
1.1.1887 -4.3.1888 Marie Mitze aus Freienhagen, 18 Jahre, geb. d. 6.Dezbr. 1869, schlank, schwarz-blaue Augen, Nase und Mund: mittel, dunkelblond, als Magd; Zeugnis: redlich u. gut betragen - gez. J. Laser, Lehrer (als Dienstherr ist "Lehrer Joseph Laser", notiert)
1.12.1888 -7.9.1889 Julchen Lazarus aus Vöhl, 17 Jahre, geb. den 24. April 1871, gesetzte Statur, graue Augen, gewöhnliche Nase u. Mund, dunkel blond, keine besond. Merkmale, als Magd; Zeugnis: Ist hier heute bei mir zu Dinste gewesen. gez. J. Laser
16.2.1889 -21.1.1891 Katharine Wiesemann aus Vöhl, 21 Jahre, geb. den 5. Juli 1868, groß u. stark, blaue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Magd; Zeugnis: durch Ableben der Mutter ausgedreten (!) Betragen gut. gez. Laser
1.4.1891 -16.(?) 11.1892 Louise Hofmann aus Kirchlotheim, geb. 29 Merz 1868, mittelgroß, blaue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, blond, keine besond. Merkmale, als Magd; Zeugnis: will zu ihren Eltern zurück kehren. gez. ... Laser - z. Bgl. Müller Bgstr.
22.11.1892 -? Minna Knoche aus Vöhl, geb. den 1. Febr. 1873 zu Thal Itter, mittel groß u. gesetzt, blaue Augen, gewöhnl, Nase u. Mund, dunkel blond, keine besond. Merkmale, als Magd

[1] Quelle: Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3; da eine andere Familie Laser nicht in Vöhl wohnte, ist davon auszugehen, dass auch diese zwei Mädchen Töchter von Joseph und Karoline Laser waren.
[2] Quelle: The Jewish Historical Archives, Jerusalem, 8273/3 (Schulchronik).
[3] Quelle: The Jewish Historical Archives, Jerusalem, 8273/3 (Schulchronik)
[4] Quelle: The Jewish Historical Archives, Jerusalem, 8273/3 (Schulchronik, in diesen Passagen von Laser selbst geschrieben)
[5] Paul Arnsberg schreibt in „Die jüd. Gemeinden in Hessen“, Laser sei seit 1885 Lehrer an der jüdischen Schule gewesen, davon bis 1895 provisorisch, dann endgültig. Die Schulchronik belegt, dass dies nicht richtig ist. Laser war damit Nachfolger des im Juni 1881 verstorbenen Salomon Bär. Zwischen dem Tod Salomon Bärs und dem Dienstantritt Joseph Lasers am 1. Februar 1882 wurden die jüdischen Kinder in der evangelischen Schule durch Lehrer Sandlos unterrichtet, der dafür laut „Verfügung Kngl. Regierung für Schul- und Kirchenwesen zu Kassel eine Gratifikation von drei Hundert Mark erhielt“. (Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem, 8273/3)
[6] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[7] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[8] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[9] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[10] Was damit gemeint ist, konnte noch nicht geklärt werden.
[11] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[12] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[13] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[14] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[15] Akten des Verkehrsvereins
[16] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[17] Akten des Verkehrsvereins
[18] Quelle. Schulchronik, The Jewish Historical Archives, Jerusalem , 8273/3
[19] Akten des Verkehrsvereins
[20] Akten des Verkehrsvereins
[21] Quelle: Bestand 1,75 A Vöhl im Archiv der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“
[22] Das rechte, aktuelle Foto machte Kurt-Willi Julius um 2003, das linke Foto wurde wohl in den ersten Jahren nach Lasers Tod angefertigt und stammt aus dem Besitz von Margie Jacobs Kenedy, Stiefenkelin von Lasers Tochter Johanna Jacobs, die es am 22.5.2010 zur Verfügung stellte.