geb. 18.2.1880 in Hildesheim
gest. 22.10.1967 in Köln, 13 Uhr
Eltern:
Handelsmann Samuel Meyer
und Lea, geb. Cohen aus Hildesheim
Geschwister:
?
Ehegatte:
Pauline, geb. Rothschild, geb. 15.5.1887 in Diemerode
Heirat:
4.9.1910 in Berneburg
Kinder:
Hermann (1911- ?)
Ludwig (1912- ?)
Else (1914- ?)
Friedrich Wilhelm (1915- ?)
Wohnung in Vöhl:
Schulhaus in der Arolser Straße,
eine Etage unter Karoline und Selma Rothschild
1900
Louis Meyer tritt in den öffentlichen Schuldienst ein; seine Vereidigung
findet am 6. Mai statt.
1910
Meyer kam wohl 1910 an Stelle von Julius Flörsheim nach Vöhl,
und zwar aus Bremke bei Göttingen.
1913
Meldung in der WLZ:
Vöhl, 23. Jan. Rache üben ist gewiß
nicht schön, wird dieselbe aber in hinterlistiger Weise über
Nacht und noch dazu an der Wäsche, dem Stolze der Hausfrau,
ausgeübt, so kann man nur noch von Gemeinheit reden. Allhier
hat sich folgendes Stücklein zugetragen. Frau Witwe R., welche
im Hause der israelitischen Gemeinde wohnt, hatte Wäsche
über Nacht im Waschkessel. Während dieser Zeit wurde
Anilintinte in die kochende Wäsche geschüttet und so
die ganze Wäsche rot gefärbt. Es wäre wohl nicht
mehr wie recht, daß die Sache zur Anzeige käme, damit
die Angelegenheit untersucht würde und kein Unschuldiger
in Verdacht gerät. Es liegt wohl klar auf der Hand, daß
der oder die Täter mit den häuslichen Verhältnissen
sehr genau Bescheid wußten. Außerdem gäbe vielleicht
die Anwendung der Anilintinte bei der ausgeführten Sachbeschädigung
eine leise Andeutung auf die Spur. |
Als Richard Rothschild von dieser Meldung erfuhr, war
er sich sicher: Der Übeltäter war Lehrer Louis Meyer. Er habe
sich nie gut mit seiner Großmutter verstanden.
1914
April: Louis Meyer wird am 1. April "endgültig" als Volksschullehrer
für die israelitische Schule in Vöhl eingestellt [1].
Die israelitische Synagogengemeinde zahlt sein Diensteinkommen. [2]
Am 7. April meldet die Corbacher Zeitung: "Vöhl, 6. April.
Herr Lehrer Meyer wurde von Bremke nach hier versetzt."
Auf Anfrage der Kreisschulbehörde antwortet Frankenberg, dass Meyer
auch schächten [3] kann,
es aber nicht tut, weil die Vöhler Metzger das selber können.
Bei Kriegsausbruch Anfang August 1914 wird die jüdische Schule
aufgelöst bzw. mit der evangelischen Schule vereinigt, der zweite
Lehrer (Jonas) eingezogen und Meyer als 2. Lehrer in der evangelischen
Schule eingestellt. Er und sein Kollege müssen an 2 Wochentagen
in Obernburg unterrichten.
Er lebt mit Frau und Familie in Vöhl in dem von Ascher Rothschild
gebauten Haus in der Arolser Straße, in dem sich auch die jüdische
Schule befand.
1915
Meyer wird im November 1915 eingezogen (Landsturm mit Waffen).
1919
Als er im Februar 1919 wieder zurückkommt, wird er im Februar wieder
als 2. Lerhrer der evang. Schule beschäftigt und bezahlt; ab März werden
evangelische und jüdische Schule wieder getrennt.
30. Juni: Meyer vollzieht die kirchliche Trauung von Hugo Davidsohn
und Ida, geb. Frankenthal.
1921
Das "Diensteinkommen des Inhabers der mit Kultusdienst verbundenen
Lehrerstelle in Vöhl" beträgt 1000 Mark.
1922
27. Juni: Der Landkreis Frankenberg teilt dem Vorstand der jüdischen
Gemeinde mit, der Lehrer sei nicht mehr verpflichtet, das Kultamt zu
versehen. Die Schulbehörde des Kreises fragt an, wie viel Schulkinder
in den nächsten 5 Jahren zu erwarten seien.
Die Aufstellung von Lehrer Meyer:
1922 6 Kinder, 3 davon sind seine Kinder; 1923 und 1924 dasselbe; 1925
5 Kinder, 1926 4 Kinder; drei davon sind Kinder des Lehrers; eine erste
Neu-Einschulung sei erst wieder für 1927 zu erwarten. [4]
1926
Am 28. Jan. zieht Meyer nach Korbach und ist dort Lehrer bis 1930. Anschrift:
Arolser Landstraße 16, 1.9.1931: Flechtdorfer Str. 55 (städtisches
Haus), 12.3.1934: bei Kohlhagen, Stechbahn 7.
1932
Am 3.2.1932 tritt er vorübergehend aus der jüdischen Gemeinde
aus.
1937
Am 22.9.1937 meldet er sich in Korbach nach Frankfurt ab; am 15.6. 1937
meldet er sich von dort nach Breslau um; Anschrift dort: Schuhbrücken
27
1967
Er stirbt in Köln, letzte Adresse: Ottostr. 85.
Seine Frau lebt zu diesem Zeitpunkt in Israel, drei Kinder in den USA.
Er ist wieder Mitglied der jüdischen Gemeinde.
[1] Das Wort "endgültig"
deutet an, dass er schon vorher in Vöhl unterrichtete. Es ist aber
unbekannt, seit wann und in welchem Umfang.
[2] Die Zahl der Kinder war inzwischen
so stark gesunken, dass die Regierung die Kosten nicht mehr übernehmen
wollte. Bereits 1909 waren es nur noch 10 Kinder.
[3] Schlachten nach jüdischem
Ritus.
[4] Mit dem 1927 einzuschulenden
Kind müsste der 1921 geborene Walter Mildenberg gemeint sein.
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