Amalie Mildenberg
geb. Buchheim

geb. 30.3.1872 in Rosenthal (nach Bürgerliste der Wahlberechtigten 1929-32: 8.6.1872)[1]
gest. 22.4.1942 in Frankfurt/M.[2] (Jüdisches Krankenhaus)

Eltern:
Handelsmann Levi Buchheim (1838- 1902) und dessen Ehefrau
Jettchen, geb. Wertheim, (1840- 1924) aus Rosenthal, dann Frankenberg

Geschwister:
Rickchen, geb. vor 1868
Caroline, 10.4.1868-28.12.1932
Meier, 12.2.1870-10.8.1900
Ferdinand, 22.2.1876-2.3.1876
Isaak Julius 13.4.1877-1942/44 KZ Riga
Bertha, 1.10.1884-23.13.(!) 1936
Fanny ?-? (gest. als junges Mädchen)
Sie hat um 1941 eine Schwester in Gelsenkirchen.

Ehegatte:
Salomon Mildenberg (1857-1934)
Heirat am 22.2.1901 in Vöhl

Kinder:
Max (1902-1942)
Rosalie (1904-1942)

Wohnung:
1902: Haus Nr. 57 (später Kraft, dann Langhammer, heute leer stehend)
1904: Haus Nr. 72 (Basdorfer Straße, Hof Schröder/ Rosenstengel; inzwischen abgerissen)
seit 1910: Haus Nr. 50 1/10

Nach Auskunft von Wilhelm Schmal war sie als die "Salmonsche" im Dorf bekannt.


1901
Amalie Buchheim heiratet Salomon Mildenberg und zieht zu ihm nach Vöhl.

1902
Am 6. Januar wird Sohn Max geboren.

1904
Am 13. Juli wird Tochter Rosalie geboren.

1913
Am 12. Juni 1913 erstattet Gend.-Wachtmeister Neumann folgende "Anzeige": "Die Händlerin Amalie Mildenberg von hier, weil Dieselbe am 1.J. ..., während dem Hauptgottesdienste einen Wagen voll Kisten durch hiesigen Ort transportierte. Übertr. des § 1, f.d.Polizei-Verordnung vom 7.12.1907."
Noch im Juni wird ein Ordnungsgeld von 1 Mark gezahlt.[3]

1918
Im August wird ein Ordnungsgeld von 5 Mark wegen Verstoßes gegen die Polizeiordnung verhängt.[4]

1924
Am 25. März stirbt ihre Mutter Jette Buchheim im Haus der Tochter in Vöhl.

1926
Corbacher Zeitung am 8. März:
Vöhl, 5. März. Das Amtsgericht verhandelte in seiner letzten Strafsitzung gegen den Kaufmann S.M., seine Ehefrau und seinen Sohn von hier wegen Zuwiderhandlung gegen die Steuergesetze und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Sie waren beschuldigt, Straßenhandel getrieben zu haben, den sie dem Finanzamt nicht angemeldet hatten. Sie hatten sich geweigert, dem sie revidierenden Finanzbeamten den Inhalt ihres Wagens vorzuzeigen und waren dann, als die Revision trotzdem vorgenommen wurde, gegen den Beamten tätlich geworden, namentlich soll der Sohn M. durch einen Schlag auf den Hut diesen zertrümmert haben. Da die Angeklagten den Straßenhandel bestreiten, mußte zwecks Anstellung weiterer Ermittelungen dies Sache vertagt werden.[5]

Wegen Vergehens gegen die Reichsabgabenordnung wird sie zu 30 Reichsmark verurteilt.[6]

1929-32
Amalie Mildenberg ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen.

1930
Sohn Max heiratet die Christin Marie Luise Thomas. Die Eltern sind damit nicht einverstanden.

1931
Am 24. Juli wird Enkelin Marie Luise geboren.

1932
Enkel Günther wird geboren.

1934
Ehemann Salomon stirbt am 31. Januar.

1938
Am 7. November ziehen Sohn, Schwiegertochter und Enkeltochter in das Haus Amalies.
Am 10. November wird Sohn Max verhaftet und zusammen mit Alfred Rothschild nach Buchenwald deportiert.

1939
Am 10. Februar wird Sohn Max aus Buchenwald entlassen. Einige Tage hält er sich in Vöhl auf; dann emigriert er nach Belgien.

Ende der 30er/Anf. der 40er Jahre
Sie besucht manchmal heimlich Frau Engelhardt.[7]

1940
Die Familie erfährt, dass Sohn Max in Frankreich in dem Lager Gurs am Nordrand der Pyrenäen inhaftiert ist. Obwohl es verboten ist, schreiben Amalie und andere Familienangehörige Briefe an ihn, allerdings nicht direkt, sondern über eine internationale Flüchtlingsorganisation in Genf.

1941
In diesem Jahr erfolgt ein Strafbefehl gegen

Frau Malchen Sara Mildenberg geb. Buchheim in Vöhl (Kreis Frankenberg)...: Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, in Vöhl und Korbach im Jahre 1940 fortgesetzt handelnd es unternommen zu haben, in 2 Fällen unmittelbar und in zwei weiteren Fällen mittelbar ohne Genehmigung Nachrichten in das feindliche Ausland gelangen zu lassen.
Sie haben an Ihren, sich im Lager St. Gurs, das im unbesetzten Frankreich, also im feindlichen Ausland liegt, befindlichen Sohn Max einmal unmittelbar und ein anderes Mal durch Vermittelung Ihrer in Gelsenkirchen wohnenden Schwester ein Paket gesandt. Ferner haben Sie am 12.12. und 20.12.1940 an Ihren Sohn 2 Briefe schreiben lassen, die Sie zwecks Weiterleitung an ihn an das "Kommitee zur Hilfeleistung für die kriegsbetroffene jüdische Bevölkerung" in Genf richteten. Sie geben diesen Sachverhalt zu. .... Es wird gegen Sie iene (!) Gefängnisstrafe von 2 Monaten festgesetzt. Der erfaßte Brief wird eingezogen.

Gleichlautende Strafbefehle ergehen in diesem Zusammenhang gegen Tochter Rosalie, deren Mann Martin Sternberg, sowie gegen Schwiegertochter Marie Luise, Ehefrau ihres Sohnes Max. Rosalie und Martin werden zu 6 Wochen, Marie Luise zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt.
Ob Amalie Mildenberg die Strafe "absitzen" musste, ist unbekannt.

1942
Sie verzieht 1942 nach Frankfurt, wo sie im Juni im jüdischen Krankenhaus stirbt. Die Deportation ihrer Tochter Rosalie und deren Familie (Frühjahr 1942) musste sie wohl nicht mehr miterleben.

1961
Der Vöhler Bürgermeister meldet Amalie Mildenberg beim Landrat des Landkreises Frankenberg ab, was bedeutet, dass sie nach dem Krieg nicht zurückgekehrt ist.

Lebensdaten nach Descendancy Chart: 1872-1942


[1] Nach Grabstein: 8.4.1942
[2] Quelle: Schreiben der Frankfurter Friedhofsverwaltung; sie ist auf dem Jüdischen Friedhof Frankfurt beerdigt: Block 8-a-36
[3] Gemeint ist wohl eher die andere Amalie Mildenberg.
[4] Gemeint ist wohl eher die andere Amalie Mildenberg.
[5] Zwar werden nur die Anfangsbuchstaben genannt, doch ist davon auszugehen, dass Salomon, Amalie und Max Mildenberg gemeint sind. Dafür spricht auch die im gleichen Jahr stattfindende Verurteilung.
[6] Quelle: Gemeindearchiv
[7]Quelle: Frau Herta Müller, Tochter der Frau Engelhardt