Gisela Mildenberg

geb. 24.7.1931 in Vöhl (evangelisch getauft)

Eltern:
Max Mildenberg (1902- ca 1942) und
Marie Luise, geb. Thomas (1903- 1975)

Ehegatte:
Werner Frees
Heirat: 31. Mai 1957


1934
Großvater Salomon Mildenberg stirbt.

ca 1935/37
Gegen die Mutter wird ein Berufsverbot verhängt. Sie darf nicht mehr als Hebamme arbeiten. Die Mutter erhebt Einspruch, doch bleibt dies erfolglos.

1938
Vater Max kann nicht mehr als Kaufmann arbeiten. Es ist bisher unbekannt, ob ihm die Ausübung untersagt wurde oder ob er wegen der fehlenden Kundschaft das Geschäft aufgab. Jedenfalls arbeitete er im Sommer bei der Tief- und Straßenbaufirma Rohde.
Am 7.11. zieht die Familie in das Haus der Großmutter Amalie Mildenberg.
Am 10.11., einen Tag nach der Reichspogromnacht, wird Vater Max Mildenberg verhaftet und nach Buchenwald gebracht.

1939
Am 10. Februar wird Vater Max aus Buchenwald entlassen. Einige Tage hält er sich in Vöhl auf; dann emigriert er nach Belgien. Er versucht im Juli Frau und Tochter nachzuholen, doch nach Auskunft von Gisela Frees ist dies wegen des Kriegsbeginns nicht mehr möglich.

1940
Im Frühjahr 1940 wird der Mutter die Eiersammelstelle zugesprochen.
Die Ehe der Eltern wird während der Abwesenheit des Vaters am 5. März 1940 vom Landgericht Kassel geschieden.

1941
Gerichtsurteil in der "Strafsache gegen die Frau Marie Luise Thomas geschiedene Mildenberg in Vöhl, krs. Frankenberg, geboren am 20.9.1903 in Frankenau, Kreis Frankenberg wegen verbotenem Nachrichtenverkehr mit dem Ausland": drei Wochen Gefängnis [1].
Sie versucht einen Gemischtwarenladen zu eröffnen, bekommt jedoch keine Genehmigung, weil - so die Antwort des NSDAP-Kreisgeschäftsführers - in Vöhl genug Läden dieser Art bestehen. Eine Hebammenstelle wird ihr für die Zeit nach dem Krieg in Aussicht gestellt, wenn die derzeitige Hebamme Vöhl verlässt.

1942
Die Mutter wird 1941 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie brieflich Kontakt mit ihrem in einem französischen Lager inhaftierten Ehemann aufgenommen hat. Vom 10.bis 31. Januar 1942 muss sie daher ins Gefängnis.
Im späten Frühjahr 1942 werden Giselas Tante Rosalie Sternberg mit Ehemann Martin und Sohn Günther zusammen mit weiteren Vöhler Juden deportiert. Wenig später stirbt Großmutter Amalie im jüdischen Krankenhaus in Frankfurt.
Zusammen mit ihrer Mutter verlässt Gisela Mildenberg zeitweise Vöhl; nach Kriegsende kommen sie zurück, und die Mutter kann ihre Beruf als Hebamme wieder ausüben.


[1] Der Nachrichtenverkehr mit dem Ausland bestand in Briefen mit ihrem im Lager Gurs in Frankreich inhaftierten Ehemann Max. Sie sendet die Post über eine Internationale Hilfsorganisation für Flüchtlinge in Genf.