| Hermann Friedrich Mildenberg |
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geb. 16.10.1888 nachmittags um acht und dreiviertel Uhr, im Hause Nr.
18 (Arolser Str., später Oschmann) [1]
gest. 26.8.1961 in Brooklyn, Kings, New York, Todesursache: Krebs
Eltern:
Levi Mildenberg (1853- 1935) und
Lina, geb. Frankenthal (1861- 1941)
Geschwister:
Max (1887- 1959)
Sally (1891- 1978)
Albert (1898- 1985)
Ehegatten:
1. Ehe: Paula Katz-Stiefel (1885- 1921)
2. Ehe: Minna, geb. Katz-Stiefel (1892- 1957; Schwester der ersten Frau)
Heirat 7.3.1922
Kinder:
Hilde (geb. 1910)
Ilse (geb. 1914)
Lotte (geb. 1921); alle aus 1. Ehe
Wohnung:
Vöhl: Haus No 50 (Synagoge)
Beruf:
Schuhmacher u. -händler, Tabak- und Zigarrenhändler
Zeitzeugen erzählen:
Karl Müller nennt ihn Prediger, Schuster
und Altwarenhändler. Er erzählt, Hermann Mildenberg sei Schächter
gewesen und habe dafür ein besonders langes Messer benutzt. "Aber
die waren nicht mehr so pingelig."
Wilhelm Schmal berichtet, Mildenberg habe Schuhe
verkauft, aber nicht gemacht; er habe die Funktion eines Rewe (!), eines
Hilfsgeistlichen, übernommen, Gottesdienste gehalten und Religionsunterricht
erteilt.
Ursula Behrend bezeichnet ihn als einen "Hansdampf
in allen Gassen", als "Herrn von nichts".
Marie Klöker und/oder Luise
Eigenbrod berichten, dass er es noch nicht so weit gebracht hatte
wie andere Juden und kein Geschäft betreiben konnte. Der "Juden-Hermann"
habe nur einen Kastenwagen besessen, vor den er seine beiden großen
Hunde spannte. Damit sei er über Land gefahren und habe Schuhe
verkauft.
Andere Rufnamen sollen "Schuster-Hermann" und "Schlappen-Hermann"
gewesen sein.
Hermann Mildenberg war Mitglied der Vöhler Burschenschaft, Mitgliedsnr.
306, Berufsangabe: Schustermeister.
1904
Er erhält von der Gemeinde eine Legitimationskarte für
Gewerbetreibende.[2]
Am 8. Mai arbeitet er als Fleischerlehrling in Kassel.
1905
Im Juli muss er ein Ordnungsgeld von 2 Mark bezahlen.
1910
Nach Unterlagen des Landratsamts Frankenberg gehört er zur höchstbesteuerten
Hälfte der Einwohner.
1911-12
Bernhard Behr, geb. 28.1.1892 in Kelsterbach, ist vom 9.1.1911 bis 0.1912
bei Hermann Mildenberg als Schuhmacher beschäftigt; vorher war
er in Kelsterbach, anschließend geht er zum Militär.
1914
Am 28. Januar wird ein Konkursverfahren gegen den Schuhmacher und Schuhhändler
Hermann Mildenberg eröffnet; Konkursverwalter ist Hermann Frankenthal.
Anzeige in der Zeitung:
| Konkursverfahren |
Ueber das Vermögen des Schuhmachers
und Schuhhändlers Hermann Mildenberg in Vöhl ist
heute am 24. Januar 1914, vormittags 11 Uhr 55 Minuten,
das Konkursverfahren eröffnet. Konkursverwalter: Kaufmann
Hermann Frankenthal in Vöhl. Anmeldefrist bis zum 24.
Februar 1914. Wahl- und Prüfungstermin am 5. März
1914, vormittags 10 Uhr. Offener Arrest mit Anzeigefrist
bis zum 14. Februar 1914. |
| Königliches Amtsgericht Vöhl |
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Der Konkursverwalter treibt Außenstände ein, u.a. am 4.
Februar 10 Mk 65 von Richard Klingelhöfer.
1921
Hermann Mildenberg ist im Ehren-Buch der Stifter für das Kriegerdenkmal
Vöhl für die Gefallenen des 1. Weltkrieges verzeichnet.
1929
Er ist im Einwohnerbuch für Waldeck und Amtsgerichtsbezirk Vöhl
1929 als Einwohner Vöhls eingetragen als Tabak- und Zigarrenhändler
in der Mittelgasse 9, nach älterem Hausverzeichnis: Haus-No 50.
1929-32
Hermann Mildenberg ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten
eingetragen.
1931
Ein Gruppenbild des Gesangvereins "Sängerlust" Vöhl
zeigt Hermann Mildenberg als Vereinsmitglied.
1934
Er meldet beim Standesamt den Tod von Bernhard Frankenthal.
1935
Er meldet Anfang April den Tod seines Vaters Levi Mildenberg beim Standesamt.
Nichte Ursula berichtet, dass Hermann und ihr Vater Sally Mitglieder
des Gesangvereins waren (1. u. 2. Tenor); während des Dritten Reiches
sei ihnen das Mitsingen verboten worden. Ursula schreibt, dass die ganze
Gruppe (gemeint sind wohl die oder einige Sänger) - allerdings
nur für einen Tag - zurückgetreten sei; gemeint ist vielleicht,
dass es eine kurzzeitige Solidarität mit den Mildenbergs gegeben
hat.
Karl Müller erzählt, dass beim letzten Festzug des Gesangvereins
vor dem Krieg der Bürgermeister und ein weiterer besonders aktiver
Parteigenosse Hermann und Sally Mildenberg in der Mittelgasse aus dem
Festzug geholt und unter Schmährufen durch das Gässchen zwischen
ihren Häusern Richtung Kirle gejagt hätten.
1936
Als Besitzer des Hauses Mittelgasse 9, alte Hausnr. 50, in dem Hermann
Mildenberg wohnt, gilt die Israelitische Gemeinde.
1937
Ihm wird keine Schlachtsteuerermäßigung gewährt.
Im Dezember verlässt er mit seiner Familie und der seines Bruders
Sally Vöhl; in Frankfurt lassen sie Mutter Lina bei den Brüdern
Max und Albert in Frankfurt zurück und emigrieren in die USA.
1938
Ankunft in den USA (New York): 10. 1. 1938
1961
Das Bürgermeisteramt meldet ihn in einem Bericht an den Landrat
des Kreises Frankenberg ab; das heißt, dass er nach dem Krieg
nicht zurückgekehrt ist.
Am 26.8.1961 stirbt Hermann Mildenberg in Brooklyn, Kings, New York,
an Krebs.
Lebensdaten nach Descendancy Chart: 1888-1961
[1] Quelle: Geburts- und zweite Heiratsurkunde;
in der Bürgerliste der Wahlberechtigten 1929-32: 17. 10.88, nach
einer anderen Quelle der 18.10.1888
[2] Angesichts des Alters ist dies
erstaunlich