Marie Luise Mildenberg
geb. Thomas

geb. 20.9.1903 in Frankenau
gest. 24.2.1975 in Vöhl

Eltern:
Friedrich Thomas u. Frau

Geschwister:
Fritz, Hermann, Heinrich, Wilhelm

Ehegatte:
Max Mildenberg (1902-ca1942)
Heirat:
14.12.1930

Kind:
Gisela, geb. 1931

Beruf:
Hebamme

Wohnung:
Haus No 50 1/10 (heutige Mittelgasse)


1927- 1929
Hebammenausbildung in der Universitäts-Frauenklinik Marburg

1930
Am 14. Dezember heiratet sie Max Mildenberg. Beide Familien sind wohl mit dieser Heirat nicht einverstanden.

1931
Am 24. Juli wird Tochter Gisela geboren.

1934
Schwiegervater Salomon Mildenberg stirbt.

1935
Ein Berufsverbot wird verhängt. (Vielleicht aus der Erinnerung heraus falsch datiert, vgl. 1937)

1937
Am 17.12. schreibt sie an das Landratsamt Frankenberg:

Das Bürgermeisteramt Vöhl schreibt mir unter dem 14.12.37 folgendes.
An Frau Marie Mildenberg Vöhl
Nach dem neuen preußischen Beamtengesetz sind Sie als Hebamme von Vöhl nicht mehr zuständig.
gez. Scherf Bürgermeister
Ich erhebe hiermit Einspruch dagegen u. erbitte eine diesbezügliche Entscheidung des Landratsamt.
Mit Deutschem Gruß
M. Mildenberg
Hebamme

1938
Am 7.11. zieht die Familie iin das Elternhaus des Ehemannes.
Am 10.11., einen Tag nach der Reichspogromnacht, wird Ehemann Max verhaftet und nach Buchenwald gebracht.

1939
Marie Luise besorgt eine Einladung der dominikanischen Botschaft für ihren Mann Max Mildenberg und zahlt bei der Gestapo in Kassel das Reisegeld für Südamerika ein. Max M. wird daraufhin am 10. Februar freigelassen. Bis März hält er sich bei seiner Familie in Vöhl auf, dann geht er nach Brüssel. Er berichtet seiner Frau, dass er unter den Wachleuten in Buchenwald auch einen Vöhler Mann gesehen hat.
Im Juli fordert Max seine Frau auf, mit dem Kind nachzukommen. Wegen des Kriegsbeginns ist das nicht möglich.

1940
Im Frühjahr 1940 wird ihr die Eiersammelstelle zugesprochen.
Die Ehe zwischen ihr und Max Mildenberg wird während seiner Abwesenheit am 5. März 1940 vom Landgericht Kassel geschieden. Am 24. Juni beurkundet der Vöhler Standesbeamte Scherf, dass sie wieder ihren Mädchennamen Thomas führt.[1]

1941
Gerichtsurteil in der "Strafsache gegen die Frau Marie Luise Thomas geschiedene Mildenberg in Vöhl, krs. Frankenberg, geboren am 20.9.1903 in Frankenau, Kreis Frankenberg wegen verbotenem Nachrichtenverkehr mit dem Ausland": drei Wochen Gefängnis.[2]
Sie versucht einen Gemischtwarenladen zu eröffnen, bekommt jedoch keine Genehmigung, weil - so die Antwort des NSDAP-Kreisgeschäftsführers - in Vöhl genug Läden dieser Art bestehen. Eine Hebammenstelle wird ihr für die Zeit nach dem Krieg in Aussicht gestellt, wenn die derzeitige Hebamme Vöhl verlässt.

1942
Vom 10.bis 31. Januar muss sie wegen des Gerichtsurteils aus dem Vorjahr ins Gefängnis.

Kontakt mit ihrem Mann hat sie wohl nicht mehr. Sie erlebt im Frühjahr 1942 die Deportation von Schwägerin Rosalie mit ihrem Mann Martin Sternberg und ihrem Sohn Günter. In dieser Zeit stirbt auch Schwiegermutter Amalie in Frankfurt.
Sie verlässt zeitweise Vöhl, zieht aber nach dem Krieg zurück und geht ihrem Beruf als Hebamme wieder nach.


[1] Das anschließende Bemühen um Herstellung eines Kontaktes zu ihrem Mann belegt, dass die Scheidung unter dem Druck der Behörden, vielleicht auch unter dem Druck der Nachbarn und Angehörigen stattfand. Im Juli 1956 nahm sie wieder den Namen Mildenberg an.
[2] Der Nachrichtenverkehr mit dem Ausland bestand in Briefen mit ihrem im Lager Gurs in Frankreich inhaftierten Ehemann Max.