Max Mildenberg

geb. 6.1.1902 in Vöhl, Nachmittags um neun Uhr
gest. in oder nach Sept. 1942 in Auschwitz [1]

Eltern:
Salomon Mildenberg (1857- 1934) und
Amalie, geb. Buchheim (1872- 1943)

Schwester:
Rosalie (1904-1942)

Ehegatte:
Marieluise (1903-75), geb. Thomas
Heirat:
14. Dez. 1930 (evangelische Trauung)

Kind:
Gisela, geb. 1931 (ev.)

Wohnung:
Elternhaus 1902: Haus Nr. 57 [2]
1904: Haus Nr. 72 [3]
ab 1910: Haus No 50 1/10, nach Einführung der Straßennamen: Mittelgasse 7
1931-38: wechselnde Wohnungen in Vöhl
ab Nov. 1938: Mittelgasse 7

Beruf:
Kaufmann


1920
Um 1920 war er aktives Mitglied des Sportvereins und des Gesangvereins, erhielt 1920-22 Siegerurkunden über 100 und 400m bei Wettkämpfen, u.a. in Usseln; er war auch Mitglied der Faustball-Mannschaft.

1921
Ein Mildenberg, wahrscheinlich Max, nahm an den Nationalen Leichtathletik-Wettkämpfen des Sportvereins Vöhl in Vöhl teil.

1923
Im Februar wurde gegen ihn ein Ordnungsgeld von 300 Mark [4] wegen Verstoßes gegen die Steuerordnung verhängt.
Am 2. September erhält er eine Ehren-Urkunde des Sportvereins Vöhl für die Vereinsmeisterschaft 1922/23 im 100m-Lauf in 12,2 Sekunden.

Wegen Differenzen mit dem Vater Salomon übernimmt er dessen Geschäft nicht.
Er führte ein Gemischtwaren-Geschäft und zwar:
1930 im Hause Hans in der Henkelstraße [5]
1931 im heutigen Haus Demmer in der unteren Mittelgasse
1932-1938 Mittelgasse 5; zumindest zeitweise wohnte hier auch Karl Clausmann und seine Frau Frieda, geb. Eigenbrodt bzw. Mildenberg, Tochter von Amalie Mildenberg.

1924
Max Mildenberg meldet den Tod seiner Großmutter Jette Buchheim beim Standesamt.

1926
Corbacher Zeitung am 8. März:

Vöhl, 5. März. Das Amtsgericht verhandelte in seiner letzten Strafsitzung gegen den Kaufmann S.M., seine Ehefrau und seinen Sohn von hier wegen Zuwiderhandlung gegen die Steuergesetze und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Sie waren beschuldigt, Straßenhandel getrieben zu haben, den sie dem Finanzamt nicht angemeldet hatten. Sie hatten sich geweigert, dem sie revidierenden Finanzbeamten den Inhalt ihres Wagens vorzuzeigen und waren dann, als die Revision trotzdem vorgenommen wurde, gegen den Beamten tätlich geworden, namentlich soll der Sohn M. durch einen Schlag auf den Hut diesen zertrümmert haben. Da die Angeklagten den Straßenhandel bestreiten, mußte zwecks Anstellung weiterer Ermittelungen dies Sache vertagt werden. [6]

Wegen Vergehens gegen die Reichsabgabenordnung (Steuern) wurde er zu 100 Reichsmark Strafe verurteilt.

1927
Im Oktober wird gegen ihn ein Ordnungsgeld von 5 Mark wegen Verstoßes gegen die Polizeiverordnung verhängt. [7]

um 1929
Max Mildenberg besitzt einen Opel "Laubfrosch" (Karl Müller: Opel P4).

1929-32
Max Mildenberg ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen. [8]

1930
Eheschließung mit Marie Luise, geb. Thomas, in der evangelischen Kirche. Zeugen der standesamtlichen Trauung am 14. Dezember sind Dachdeckermeister Friedrich Thomas und Landwirt Wilhelm Bangert.

1931/32
Am 28. XII. 1931 wird er angezeigt nach § 11a (Maß u. Gewichtsordnung), am 14.3. 1932 wird die Strafe auf 2 Mark festgelegt. Am selben Tag wurden 5 weitere Personen wegen derselben Straftat angezeigt: 2 weitere Juden, 3 Nicht-Juden; die Strafhöhe war bei allen dieselbe. [9]

1931
Tochter Gisela wird am 24. Juli geboren.
Ein Gruppenbild des Gesangvereins zeigt Max Mildenberg als Vereinsmitglied.

ca 1933
Max Mildenberg verkaufte 1 Paar Schaftstiefel an den SA-Mann Wilhelm Schmidt (Diery), er soll an verschiedene Vöhler junge SA-Männer Uniformen und Stiefel verkauft haben; bezahlt wurde mit Frucht, die die Bauernsöhne zu Hause heimlich mitnahmen. [10]

1934
Max Mildenberg meldet den Tod seines Vaters (31. Januar) beim Standesamt an.

1937
Ihm wird als einzigem Vöhler Juden eine Schlachtsteuerermäßigung für 2 Schweine mit einem Gesamtgewicht von 200 kg gewährt.

1938
Im Sommer ist er als Straßenbauarbeiter bei der Firma Heinrich Rohde tätig, weil das Geschäft nur noch schlecht gelaufen ist.
Am 7. Nov. übernimmt er das elterliche Haus, weil die Schwester nach Amerika auswandern will.
Er wird am 10. November 1938 vom zuständigen Polizeimeister und zwei weiteren Vöhler Bürgern, die sich bei vergleichbaren Gelegenheiten mehrmals hervortaten, verhaftet und ebenso wie Alfred Rothschild wahrscheinlich zunächst nach Kassel gebracht, bevor dann die Deportation nach Buchenwald erfolgte, wo er unter der Nummer 25388, Block 4a, registriert war.

Eugen Kogon
berichtet in seinem Klassiker "Der SS-Staat" über das Geschehen im Lager Buchenwald nach der Pogromnacht 1938:

"...Aktion gegen die Juden (9815 wurden allein in das KL Buchenwald eingeliefert). ... Herkunftsort Kassel 693 Juden...
Die Verhaftungen wurden ohne Rücksicht auf das Alter durchgeführt. Neben zehnjährigen Knaben sah man siebzig- bis achtzigjährige Greise. Schon auf dem Weg vom Bahnhof Weimar bis nach Buchenwald wurden alle Zurückbleibenden abgeschossen, die Überlebenden gezwungen, die oft blutüberströmten Leichen ins Lager mitzuschleppen. Am Tor stauten sich die Massen - immer je 1 000 kamen zugleich an -, weil von der SS nicht das große Gittertor, sondern nur ein kleiner Durchgang für je einen Mann geöffnet wurde. Neben diesem Durchgang standen die Blockführer und schlugen mit eisernen Ruten, Peitschen und Knüppeln auf die Leute ein, so daß buchstäblich jeder neuangekommene Jude Wunden hatte. Was sich damals im Lager zutrug, läßt sich mit wenigen Worten nicht schildern. Erwähnt sei lediglich, daß gleich in der ersten Nacht 68 Juden wahnsinnig geworden und von Sommer wie tolle Hunde - immer je vier Mann - totgeschlagen worden sind. In den berüchtigt gewordenen Blocks 1 a bis 5 a, die später abgerissen wurden, lagen je 2 000 Juden, während der Raum dieser primitiven Notbaracken nur für 400 bis äußerstens 500 Leute berechnet war. Die sanitären Verhältnisse waren unvorstellbar. Hundertmarkscheine wurden als Klosettpapier benutzt (die Juden hatten sehr viel Geld mitgebracht, zum Teil Zehntausende von Mark). SS-Scharführer steckten Leuten die Köpfe in die überfüllten Latrinenfässer, bis die Opfer erstickt waren. Als eines Tages nach Genuß von kaltgewordenem Walfischfleisch fast alle Insassen der Baracken 1 a bis 5 a an Durchfall erkrankten, bot das Barackenlager, das durch einen Drahtzaun vom übrigen Lager getrennt war, einen fürchterlichen Anblick. Neben den Latrinen häuften sich ganze Berge von Hüten, Kleidern und Unterwäsche, die infolge des Durchfalls nicht mehr brauchbar waren.
Da die Zahl der plötzlich Eingelieferten zu groß war, hatte die SS anfangs die Personalien der Juden nicht aufnehmen können. Der Rapportführer verkündete daher über den Lautsprecher: "Wenn sich einer von den Juden aufhängt, soll er gefälligst einen Zettel mit seinem Namen in die Tasche stecken, damit man weiß, um wen es sich handelt!" Ein Breslauer namens Silbermann mußte zusehen, wie sein Bruder von dem SS-Unterscharführer Hoppe grausam zu Tode gefoltert wurde, indem er ihn zuerst so lange mit den Stiefelabsätzen traktierte, bis er blutüberströmt dalag, dann mit Stricken an einen Pfahl band und verbluten ließ. Silbermann wurde beim Anblick des Martyriums seines Bruders wahnsinnig und verursachte in den Abendstunden durch sein Toben, "die Baracke brenne", eine Panik. Hunderte stürzten aus den oberen Etagen nach unten, ganze Pritschen brachen zusammen, und obwohl SS-Leute in die Massen schossen und Häftlings-Helfershelfer mit Knüppeln dreinschlugen, war es erst nach langen Bemühungen möglich, die Ruhe wiederherzustellen. Der Lagerführer Rödl konstruierte daraus eine Meuterei der Juden und ließ sieben Geiseln aus den Baracken holen, die mit Handschellen aneinandergefesselt wurden. Dann hetzten drei Blockführer dressierte Hunde auf die Unglücklichen und ließen sie zerfleischen. Als infolge der Überbelastung in einer eisigen Nacht zwei Baracken zusammenbrachen, wurde alles in die restlichen drei hineingestopft. Häftlinge, die bei dem irrsinnigen Gedränge nicht gleich den Eingang finden konnten, wurden von der SS niedergeknallt.
Die Rath-Aktion wurde von der SS zu schamlosen Erpressungen jeder Art ausgenützt. Eines Tages hieß es durch den Lautsprecher: "Alle Millionäre ans Tor!" Es wurden ihnen Unterschriften für größere Geldspenden - bis zu mehreren hunderttausend Mark! - abverlangt. Ja, alle Juden durften plötzlich schreiben, um sich Geld von zu Hause schicken zu lassen, angeblich zur Bezahlung der Heimreise ärmerer Kameraden. Auch die Auto- und Motorradbesitzer wurden gerufen; sie mußten ihre Fahrzeuge auf die SS-Führer überschreiben lassen. Die Weimarer Nationalsozialisten wollten bei dem Fischzug nicht leer ausgehen; sie hatten in dem SS-Oberscharführer Michael einen guten Vermittler. Er brachte aus den Weimarer Geschäften alle unbrauchbaren Ladenhüter, von alten Heften, Büchern und dergleichen angefangen über Reißnägeln bis zu Haarnadeln für Frauen, um sie zu Fantasiepreisen, gekoppelt mit einigen Zigaretten oder etwas Eßbarem, an die Juden loszuschlagen. Körbeweise hat Michael mit seinen Kumpanen die Geldscheine aus dem Lager getragen.
In weniger als drei Wochen hatten diese Aktions-Juden Hunderte von Toten. Was die beiden jüdischen Ärzte Dr. Margulies und Dr. Verö, die später nach Amerika gelangt sind, für die Verwundeten und Kranken geleistet haben, grenzt ans Unfaßbare.
Dann wurde der größte Teil der Juden aus nicht durchschaubaren Gründen, die bei den Reichsbehörden lagen, plötzlich wieder entlassen. ... Der Aufruf zur Entlassung aus dem Lager lautete: "Baracken 1 a bis 5 a herhören! Folgende Juden sofort mit sämtlichen Effekten zum Tor ...!" Da er bei Tag und Nacht ertönte, wurde er im ganzen Lager berühmt. Entlassen wurde ja nur, wer das Reisegeld hatte. ... Auch die zur Entlassung vorgesehenen Juden wurden noch einmal gründlich ausgesogen. Unter allerlei Vorwänden - zerbrochenes Geschirr, beschmutzte Handtücher (es waren nie welche ausgegeben worden), Schuhputzen und dergleichen - nahmen die der Entlassung beiwohnenden SS-Leute den Juden Zwanzig-, Fünfzig- oder auch Hundertmarkscheine ab.
Als dieses Kleine Lager am 13. Februar 1939 aufgelöst wurde und die noch nicht entlassenen rund 250 Aktions-Juden in das große Lager kamen, war die Zahl der Toten auf rund 600 in den fünf Baracken angestiegen." [11]

1939
Max Mildenberg wird am 10.2. 1939 nach Vöhl entlassen, weil seine Frau durch ein Schreiben der dominikanischen Botschaft und durch Vorlage des Reisegeldes bei der Gestapo in Kassel glaubhaft machen kann, dass er Deutschland verlassen will. Er verlässt Vöhl mit seinem Freund Max Plock aus Sachsenhausen. Ende März ist er in Brüssel, im Juli fordert er die Ehefrau auf, mit dem Kind nachzukommen. Wegen des Kriegsbeginns kommt es nicht dazu. In Brüssel wohnt er in der Grande Rue au Bois No 128 und bleibt dort - wie es in einem Dokument aus dem Lager Gurs heißt - bis zu seiner Internierung. Am 21. November erhält er ein Ausweispapier, ausgestellt in Schaerbeek mit einer sechsmonatigen Gültigkeit.

1940
Am 15. Mai 1940, also nach Ablauf des erwähnten Ausweises, kommt er in ein Lager in Le Vigean bei Mauriac, südwestlich von Clermont-Ferrand. Von dort wird er in das Lager Saint-Cyprien (Pyrénées-Orientales, östlich von Perpignan) verlegt, wo er auch der deutschen Gerichtsbarkeit untersteht. In der letzten Oktoberwoche des Jahres 1940 wird dieses Lager durch einen Sturm zerstört. 3870 Internierte, unter ihnen Max Mildenberg, werden in das Lager Gurs am Nordrand der Pyrenäen [12] transportiert, zusammen mit 6538 weiteren Personen, die direkt aus Baden kommen und 500 Häftlingen aus anderen Lagern. Max Mildenberg und seine Mithäftlinge kommen am 29. Oktober in Gurs an.
Von dem Aufenthalt erfahren die Familienangehörigen in Vöhl (Ehefrau, Mutter, Schwester und Schwager) und wollen ihm Briefe schreiben. Welche Folgen dieses Bemühen hat, wird unten dargestellt.
Die Ehe zwischen ihm und Marie Luise Mildenberg, geb. Thomas, wird während seiner Abwesenheit am 5. März 1940 vom Landgericht Kassel geschieden. Am 24. Juni beurkundet der Vöhler Standesbeamte Scherf, dass sie wieder ihren Mädchennamen Thomas führt. [13]

1941
Nach seinem Aufenthalt in Gurs wird Max Mildenberg ab dem 2. Juli 1941 in der 74. Arbeitskolonne im Arsenal von Roanne an der Loire, westlich von Lyon, eingesetzt.

Bisher verliert sich die Spur Max Mildenbergs im Sommer 1941. Angehörige vermuten, dass er in eines der Vernichtungslager im Osten deportiert wurde.

1941
1940 versuchten die Angehörigen, mit ihrem in Gurs inhaftierten Ehemann, Sohn, Bruder bzw. Schwager Kontakt aufzunehmen. Da direkter Briefverkehr nicht möglich war, sandten sie ihre Briefe über eine Internationale Hilfsorganisation für Flüchtlinge in Genf. Welche Folgen dies hatte, wird in folgenden Gerichtsurteilen deutlich:

Strafbefehl an "Frau Malchen Sara Mildenberg geb. Buchheim in Vöhl (Kreis Frankenberg)...:
Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, in Vöhl und Korbach im Jahre 1940 fortgesetzt handelnd es unternommen zu haben, in 2 Fällen unmittelbar und in zwei weiteren Fällen mittelbar ohne Genehmigung Nachrichten in das feindliche Ausland gelangen zu lassen.
Sie haben an Ihren, sich im Lager St. Gurs, das im unbesetzten Frankreich, also im feindlichen Ausland liegt, befindlichen Sohn Max einmal unmittelbar und ein anderes Mal durch Vermittelung Ihrer in Gelsenkirchen wohnenden Schwester ein Paket gesandt. Ferner haben Sie am 12.12. und 20.12.1940 an Ihren Sohn 2 Briefe schreiben lassen, die Sie zwecks Weiterleitung an ihn an das "Kommitee zur Hilfeleistung für die kriegsbetroffene jüdische Bevölkerung" in Genf richteten. Sie geben diesen Sachverhalt zu. .... Es wird gegen Sie iene (!) Gefängnisstrafe von 2 Monaten festgesetzt. Der erfaßte Brief wird eingezogen."

Strafbefehl des Korbacher Amtsgerichts gegen den "Arbeiter Martin Israel Sternberg in Vöhl (Kreis Frankenberg) Eder (!) Mittelgasse 15": "Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, in Vöhl im Jahre 1940 fortgesetzt handelnd es unternommen zu haben, in zwei Fällen mittelbar ohne Genehmigung, Nachrichten in das feindliche Ausland gelangen zu lassen. Sie haben an Ihren Schwager Max Mildenberg, der sich im Lager St. Gurs befindet, das im unbesetzten Frankreich, also im feindlichen Ausland liegt, Briefe geschrieben und diese zwecks Weiterleitung an Ihren Schwager an das "Kommitee zur Hilfeleistung für die kriegsbetroffene jüdische Bevölkerung" in Genf senden lassen. Sie geben das zu. ...... Es wird gegen Sie eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen festgesetzt. Die erfaßten Briefe werden eingezogen"

Strafbefehl des Korbacher Amtsgerichts gegen "Frau Rose Sara Sternberg geb. Mildenberg in Vöhl (Kreis Frankenberg) Mittelgasse 15": "Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, in Vöhl im Jahre 1940 fortgesetzt handelnd es unternommen zu haben, in zwei Fällen mittelbar ohne Genehmigung Nachrichten in das feindliche Ausland gelangen zu lassen.
Sie haben an Ihren Brudre (!) Max Mildenberg, der sich im Lager St. Gurs befindet, das im unbesetzten Frankreich, also im feindlichen Ausland liegt, Briefe geschrieben u. diese in Ihrem Einverständnis zwecks Weiterleitung an Ihren Bruder an das "Kommitee zur Hilfeleistung für die kriegsbetroffene jüdische Bevölkerung" in Genf zur Absendung bringen lassen.
Sie geben das zu. ...... Es wird gegen Sie eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen festgesetzt. Die erfaßten Briefe werden eingezogen."

Gerichtsurteil in der "Strafsache gegen die Frau Marie Luise Thomas geschiedene Mildenberg in Vöhl, Krs. Frankenberg, geboren am 20.9.1903 in Frankenau, Kreis Frankenberg wegen verbotenem Nachrichtenverkehr mit dem Ausland": drei Wochen Gefängnis

Historischer Hintergrund des Lagers Gurs:

Im Oktober 1940 deportierte die deutsche Regierung 6500 deutsche Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in Internierungslager am Fuß der Pyrenäen. Aufgrund der Bedingungen in den Lagern starben fast 2000 der Deportierten. Im Hauptlager Gurs starben 1200. Eingerichtet und geführt wurde das Lager von Beauftragten des "Vichy-Regimes".
Ab November 1941 wurden Internierte aus diesen Lagern beim Bau der Trans-Sahara-Eisenbahnlinie eingesetzt.
Im September 1942 ging ein Deportations-Transport von Gurs über Paris nach Auschwitz. Unter den aus Frankreich Deportierten waren zahlreiche deutsche Juden, die man zwei Jahre zuvor in die Pyrenäen gebracht hatte.
Im März 1943 gab es mindestens eine weitere Deportation von Gurs nach Paris, und dann von dort sowohl nach Auschwitz als auch nach Majdanek. Immer noch waren viele dabei, die im Herbst 1940 in Gurs interniert worden waren.

Route der Deportationen Gurs - Auschwitz

Gurs - Bordeaux - Tours - Orleans - Paris - Nancy - Strasbourg - Dresden - Breslau - Auschwitz

1961
In einem Schreiben des Bürgermeisteramtes Vöhl an das Landratsamt in Frankenberg wurde Max Mildenberg abgemeldet; diese Abmeldung bedeutete, dass er nach dem Krieg nicht zurückgekehrt ist.

1966
Auf der Rückseite eines Briefes, in dem der Historiker Paul Arnsberg um Informationen über Abreisetermine und Zielorte der Vöhler Juden bittet, wird handschriftlich - möglicherweise von Bürgermeister Huffert - der Name Mildenberg, Max und dahinter das Wort "unbekannt" geschrieben.


Lebensdaten nach Descendancy Chart: geb. 1901


[1] Nach zunächst telefonischer Auskunft des Internationalen Suchdienstes wurde ein Mann namens Max Mildenberg im September 1938 von Drancy (Paris) nach Auschwitz deportiert.
[2] später Kraft, danach Langhammer; Eckhaus Arolser Straße / Mittelgasse/Schulberg)
[3] Basdorfer Straße, Haus Schröder/ Rosenstengel; inzwischen abgerissen
[4] Die Höhe der Strafe ist im Zusammenhang mit der Inflation zu sehen.
[5] Ortsausgang Richtung Herzhausen, rechts
[6] Zwar werden nur die Anfangsbuchstaben genannt, doch ist davon auszugehen, dass Salomon, Amalie und Max Mildenberg gemeint sind. Dafür spricht auch die im gleichen Jahr stattfindende Verurteilung.
[7] Es ist möglich, aber nicht wahrscheinlich, dass hier der ältere Max Mildenberg gemeint ist.
[8] Wahrscheinlich wurde er im Zusammenhang mit seiner Eheschließung versehentlich gestrichen, sein Name dann aber mit einer punktierten Linie unterstrichen.
[9] In der Strafliste wird nur der Vorname Max genannt; es ist also möglich, aber unwahrscheinlich, daß "Max der Ältere" gemeint ist
[10] Bericht von Karl Müller
[11] zit. Aus: Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, Heyne Verlag, München 1991, S. 229 ff.
[12] Gurs liegt in Südfrankreich am Fuß der Pyrenäen, wenige Kilometer westlich der Stadt Pau, südlich der Autobahn zwischen Pau und Biarritz am Atlantik.
[13] Das anschließende Bemühen um Herstellung eines Kontaktes zu ihrem Mann belegt, dass die Scheidung unter dem Druck der Behörden, vielleicht auch unter dem Druck der Nachbarn und Angehörigen stattfand. Im Juli 1956 nahm sie wieder den Namen Mildenberg an.